gewahren

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung ge-wah-ren
eWDG

Bedeutung

gehoben jmdn., etw. erblicken
Beispiele:
als er den Freund gewahrte, ging er auf ihn zu
in der Ferne etw. gewahren
von den erwarteten Gästen war noch nichts zu gewahren
Petrus Leonis aber schlug die Augen abwärts, als ob er sie nicht gewahre [ le FortPapst234]
etw. wahrnehmen
Beispiel:
jmds. Erregung, Erschütterung, Zögern gewahren
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gewahr · gewahren · Gewahrsam
gewahr Adj. ‘aufmerksam, bemerkend’, ahd. giwar ‘achtsam, vorsorgend’ (9. Jh.; vgl. ungiwar, 8. Jh.), mhd. gewar ‘beachtend, aufmerksam, bemerkend, vorsichtig’, asächs. giwar, mnd. gewār, mnl. ghewar, aengl. gewær (vgl. engl. aware, to become aware of ‘gewahr werden’) stehen neben anord. varr ‘aufmerksam, vorsichtig’ und got. wars ‘behutsam’. Germ. *(ga-)wara- gehört etymologisch zu ↗wahren (s. d.). Heute begegnet gewahr nur noch prädikativ in der Wendung gewahr werden, ahd. giwar werdan (10. Jh.), mhd. gewar werden; vgl. nl. gewaarworden. gewahren Vb. ‘bemerken, erblicken’, mhd. gewarn ist wohl zum Adjektiv gewahr (und nicht zum Verb wahren, mhd. warn) gebildet. Gewahrsam m. ‘Schutz, Obhut, Haft’ verbreitet sich in dieser apokopierten Form seit dem 16. Jh. Voraus geht mhd. gewarsame f. ‘Aufsicht, Sicherheit, sicherer Ort’ (bis ins 18. Jh. belegt), eine Substantivierung des noch im 18. Jh. gebräuchlichen Adjektivs gewahrsam, mhd. gewarsam ‘sorgsam, vorsichtig’. Gewahrsam ‘sicherer Ort, Gefängnis’ erscheint bereits seit dem 15. Jh. als Neutrum, während Gewahrsam ‘Schutz, Obhut, Haft’ im 18. Jh. vom fem. zum mask. Genus überwechselt.

Typische Verbindungen zu ›gewahren‹

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gewahren‹.

Verwendungsbeispiele für ›gewahren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Frau, die seit dem Morgen stumm in der Küche gesessen hatte, schien er gar nicht zu gewahren.
Schaper, Edzard: Der Henker, Zürich: Artemis 1978 [1940], S. 205
Als er sie fast erreicht hatte, gewahrte er aus den Augenwinkeln eine Bewegung.
Hohlbein, Wolfgang: Das Druidentor, Stuttgart: Weitbrecht 1993, S. 136
Die Arbeiter sahen aus wie immer, nur ein wissendes Auge gewahrte kaum bemerkbare Veränderungen an ihnen, ihrer Kleidung, ihren Gesten, ihrer Haltung.
Hermlin, Stephan: Abendlicht, Leipzig: Reclam 1981 [1979], S. 85
Da gewahrten wir durch den dichten, schwarzen Nebel einen seltsamen, hellen Schein.
Christ, Lena: Mathias Bichler. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1914], S. 17195
Und als Jettchen Kößling schon lange nicht mehr sehen konnte, glaubte sie immer noch, ihn im Dunkel zu gewahren und seine Schritte zu hören.
Hermann, Georg [d.i. Borchardt, Georg Hermann]: Jettchen Gebert, Berlin: Fleischel 1919 [1906], S. 230
Zitationshilfe
„gewahren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gewahren>, abgerufen am 28.02.2021.

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