gewissenlos

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungge-wis-sen-los (computergeneriert)
WortzerlegungGewissen-los
Wortbildung mit ›gewissenlos‹ als Erstglied: ↗Gewissenlosigkeit
eWDG, 1967

Bedeutung

ohne Gewissen
Beispiel:
ein gewissenloser Verbrecher, Geschäftemacher
verantwortungslos
Beispiele:
eine gewissenlose Vergeudung
etw. für gewissenlos halten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gewissen · gewissenhaft · Gewissenhaftigkeit · gewissenlos · Gewissenlosigkeit · Gewissensbiß · Gewissensehe · Gewissensfrage · Gewissensfreiheit
Gewissen n. ‘Vermögen des Menschen, sein Verhalten sittlich einzuschätzen’. Zu dem zu ahd. wiʒʒan (s. ↗wissen) gehörigen Part. Prät. giwiʒʒan wird das Adjektivabstraktum ahd. giwiʒʒanī f. (11. Jh.) gebildet. Es ist der Versuch einer Wiedergabe von lat. cōnscientia ‘Bewußtsein moralischer Handlungen’, eigentlich ‘das Mitwissen’ (vgl. lat. scientia ‘Kenntnis, Wissen, Wissenschaft’ und s. ↗kon-), das seinerseits dem griech. syné͞idēsis (συνείδησις) ‘Mitwissen, Bewußtsein, (gutes) Gewissen’ nachgebildet ist. Semantische Weiterentwicklung zeigt mhd. gewiʒʒen f. n. ‘Wissen, Kenntnis, Kunde, Erkenntnis dessen, was sich schickt’, das in Analogie zum substantivierten Infinitiv von wiʒʒen neutrales Genus annimmt. Der Begriff des Gewissens entsteht im antiken Griechenland aus der Vorstellung, daß es für alle Handlungen und Verhaltensweisen gegenüber Göttern und Menschen einen inneren „Mitwisser“ gibt. In der christlichen Ethik wird das Gewissen zu einem zentralen Begriff menschlichen sittlichen Verhaltens und des Vermögens, seine Handlungen selbst einzuschätzen. gewissenhaft Adj. ‘genau, zuverlässig’ (17. Jh.). Gewissenhaftigkeit f. ‘Sorgfältigkeit, Genauigkeit’ (1. Hälfte 18. Jh.), zu gewissenhaftig Adj. (16. Jh., im 18. Jh. nicht mehr üblich). gewissenlos Adj. ‘ohne Gewissen, ohne Skrupel’ (um 1400, geläufig erst im 17. Jh.); dazu Gewissenlosigkeit f. ‘Bedenkenlosigkeit, Skrupellosigkeit’ (18. Jh.). Gewissensbiß m. (meist Plur.) ‘moralisches Bedenken, Schuldgefühl’ (17. Jh.), nach (im 17. Jh. häufig belegtem) lat. cōnscientiae morsus; vgl. auch mein Gewissen beißt (Luther), lat. cōnscientiā mordērī (Cicero). Gewissensehe f. ‘Ehe ohne amtlichen Nachweis’ (um 1800) für lat. mātrimōnium cōnscientiae. Gewissensfrage f. ‘eine moralische Entscheidung fordernde Frage’ (17. Jh.). Gewissensfreiheit f. ‘Recht, nicht unter Zwang, sondern nur nach dem Gewissen zu entscheiden, besonders seine Religion ungehindert auszuüben’ (17. Jh.), wohl nach frz. liberté de conscience.

Thesaurus

Synonymgruppe
gewissenlos · ohne Gewissen · ↗skrupellos
Synonymgruppe
gewissenlos · ↗ruchlos

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abenteurer Agitation Ausbeuter Ausbeutung Clique Demagoge Despot Geschäftemacher Handelnde Handelsfreiheit Hasardeur Hetzer Karrierist Krimineller Machenschaft Mörder Opportunist Reeder Schlepper Schurke Spekulant Verbrecher Verführer geldgierig grausam leichtfertig leichtsinnig unfähig verbrecherisch zynisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gewissenlos‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das gewissenlos glamouröse New York, die »City« dieses Sexes, ist von vorgestern.
Die Zeit, 21.04.2010 (online)
Alles in allem haben wir es fürwahr mit einem aufgetürmten Berg gewissenloser böswilliger Lügen zu tun.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1986]
Die Not machte gewissenlos und wenig wählerisch in den Mitteln.
Hartung, Hugo: Wir Wunderkinder, Düsseldorf: Droste Verl. 1970 [1959], S. 272
Wenn diese Männer auch als grausam, gewissenlos und unmenschlich gekennzeichnet werden mögen, als einfältig oder dumm kann man sie auf keinen Fall bezeichnen.
o. A.: Neunundzwanzigster Tag. Dienstag, den 8, Januar 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 7944
Zitationshilfe
„gewissenlos“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gewissenlos>, abgerufen am 22.10.2019.

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