Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

geziemen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung ge-zie-men
Grundformziemen
Wortbildung  mit ›geziemen‹ als Erstglied: geziemend  ·  mit ›geziemen‹ als Binnenglied: ungeziemend

Bedeutungsübersicht+

  1. [gehoben] ...
    1. 1. ⟨etw. geziemt sich⟩ etw. gehört, schickt sich
    2. 2. ⟨jmdm. geziemt etw.⟩ jmdm. kommt etw. zu
eWDG

Bedeutung

gehoben
1.
etw. geziemt sichetw. gehört, schickt sich
Beispiele:
es geziemt sich nicht, älteren Leuten ins Wort zu fallen
er weiß nie, was sich geziemt
Zum Werke, das wir ernst bereiten, / Geziemt sich wohl ein ernstes Wort [ SchillerGlocke]
2.
jmdm. geziemt etw.jmdm. kommt etw. zu
Beispiele:
er handelt, wie es ihm geziemt
es hätte mir nicht geziemt, danach zu fragen
mir geziemt zu schweigen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ziemen · geziemen · ziemlich
ziemen Vb. ‘angemessen sein’, reflexiv ‘sich schicken’. Das ehemals stark flektierende Verb ahd. zeman ‘sich fügen, ziemen, passen’ (9. Jh.), mhd. zemen ‘ziemen, passen, angemessen sein, taugen, scheinen, behagen’, md. auch zimen reflexiv ‘sich dünken’, mnd. mnl. tēmen hat neben sich das gleichbed. Präfixverb geziemen Vb. ahd. gizeman (um 800), mhd. gezemen, mnd. getēmen, mnl. ghetēmen, got. gatiman. Damit verbinden sich ahd. zimīg ‘geziemend, würdig, schicklich, anmutig’ (um 1000; unzimīg ‘unwürdig’, 9. Jh.), dehnstufig gizāmi ‘passend, angemessen, schicklich’ (9. Jh.), gizāmi n. ‘das Geziemende, Schickliche, Angemessene’ (9. Jh.), mnd. betāme, got. gatēmiba ‘geziemend’ (germ. *tēmi-) sowie die unter Zunft und Zimmer (s. d.) angeführten Formen. Auszugehen ist von der Wurzel ie. *dem(ə)- ‘bauen’, eigentlich ‘(zusammen)fügen’ (ein Zusammenhang mit der unter zähmen, s. d., genannten Grundlage ist nicht gesichert). ziemlich Adj. ‘geziemend, gebührend, beachtlich’, als Adv. (seit 16. Jh.) ‘in verhältnismäßig hohem, reichlichem Maße, annähernd, ungefähr’, ahd. zimilīh (um 1000), mhd. zim(e)lich ‘schicklich, gebührend, geziemend’.

Thesaurus

Synonymgruppe
es gehört sich · gebietet der Anstand · geziemen
Synonymgruppe
(den normalen) Anstandsregeln entsprechen · (den) (üblichen / allgemeinen / bewährten ...) Gepflogenheiten entsprechen · (sich) gehören · (sich) schicken · angemessen sein · vom Anstand geboten sein  ●  (sich) ziemen  veraltet · (den) Anstandsregeln Genüge tun  geh. · (etwas) bringen können  ugs. · (etwas) gebietet (schon allein) der Anstand  geh. · (sich) geziemen  geh., veraltet · (sich) passen  geh., veraltend · Pflicht sein  ugs. · schicklich sein  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›geziemen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›geziemen‹.

Verwendungsbeispiele für ›geziemen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Eigentlich sollte es hier längst viel schöner aussehen, so wie es dieser Stadt geziemt. [Süddeutsche Zeitung, 26.11.2003]
Es geziemte sich durchaus auch, in Schwarz, Cognac oder Violett in den heiligen Stand der Ehe zu treten. [Süddeutsche Zeitung, 22.05.1997]
Er ist, wie es einem Weisen geziemt, bis zuletzt verschwiegen gewesen. [Schuder, Rosemarie: Agrippa und Das Schiff der Zufriedenen, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1987 [1977], S. 337]
Es geziemt sich für einen Bäcker nicht, in der Stunde, in der er Brote im Ofen hat, davonzulaufen. [Strittmatter, Erwin: Der Laden, Berlin: Aufbau-Verl. 1983, S. 27]
Hier von irgendjemandes Schuld zu sprechen, geziemt sich, zumindest der rückschauenden Betrachtung, nicht. [Wildgans, Anton: Musik der Kindheit, Ein Heimatbuch aus Wien. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1928], S. 2849]
Zitationshilfe
„geziemen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/geziemen>.

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