geziert

Grammatikpartizipiales Adjektiv
Aussprache
Worttrennungge-ziert
Grundformzieren
Wortbildung mit ›geziert‹ als Grundform: ↗Geziertheit
eWDG, 1967

Bedeutung

abwertend unnatürlich, gespreizt
Beispiele:
sie benahm sich, tat geziert
gezierte Bewegungen
ein gezierter Gang
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zier · zier · Zierde · zieren · geziert · verzieren · Verzierung · zierlich · Zierat
Zier f. ‘Schönheit, Schmuck, Zierat’, ahd. zierī (um 800), mhd. zier(e) ‘Schmuck, Schönheit, Pracht, Herrlichkeit’, mnd. tēre, mnl. tiere ‘Art und Weise, Beschaffenheit’ sind feminine Abstraktbildungen (germ. *tērīn-) zu dem in frühnhd. Zeit untergegangenen, im 19./20. Jh. vereinzelt von Dichtern wieder aufgenommenen Adjektiv zier ‘glänzend, prächtig, herrlich’, ahd. zieri (8. Jh.), mhd. zier(e) ‘prächtig, kostbar, herrlich, schön, schmuck’, mnd. untēre ‘unartig, widerwärtig, häßlich’ (germ. *tērja-). Daneben ist ein maskuliner a-Stamm (germ. *tīra-) bezeugt in asächs. aengl. tīr ‘Ruhm, Ehre’, mnd. tēr ‘Beschaffenheit, Gedeihen, Glanz, Ruhm’, anord. tīrr ‘Glanz, Ruhm, Ehre’. Es handelt sich um Bildungen mit ro-Suffix (ie. *dēiro- bzw. *dīro-) zur Wurzel ie. *dei-, *dei̯ə- ‘hell glänzen, schimmern, scheinen’, wozu sich auch ahd. zeiʒ ‘fein, zart, zierlich’ (9. Jh.), asächs. tēt- ‘froh’ (in Personennamen), anord. teitr ‘froh, lustig’ und toch. A tiri ‘Art und Weise’, aind. dī́dēti ‘strahlt, leuchtet, glänzt’, dyáuḥ ‘Himmel, Tag’ (auch ‘Gottheit’), griech. déato (δέατο) ‘schien’, dḗlos (δῆλος, aus *δέαλος) ‘offenbar, deutlich’ stellen (s. noch ↗Lenz und ↗Zeidler). Zierde f. ‘Verzierung, Zierat, Ausschmückung, Verschönerung, Schmuck’, ahd. zierida (8. Jh.), mhd. zierde ‘Schmuck, Schönheit, Pracht, Herrlichkeit’, Abstraktbildung zum Adjektiv. zieren Vb. ‘verschönern, (aus)schmücken’, ahd. (um 800), mhd. zieren ‘putzen, schmücken, zieren, verherrlichen, rühmen, zur Zierde gereichen’; reflexiv ‘sich verhalten, sich benehmen’ (16. Jh.), ‘sich gegen etw., was man tun möchte, sträuben, sich lange bitten lassen, sich unnatürlich, gekünstelt geben’ (Anfang 18. Jh.); geziert Part.adj. ‘unnatürlich, gespreizt, gekünstelt’ (1. Hälfte 18. Jh.). verzieren Vb. ‘mit Zierat versehen, (aus)schmücken’ (15. Jh.); Verzierung f. (16. Jh.). zierlich Adj. ‘von feiner Gestalt und Form, anmutig, graziös’, mhd. zierlich ‘strahlend, prächtig, herrlich, schön’; vgl. asächs. tīrlīko Adv. ‘in ehrenvoller, schöner Weise’. Zierat m. ‘schmückendes Beiwerk, Verzierung, Zierde, Schmuck’, mhd. zierōt m., gebildet mit dem unter ↗Armut, ↗Einöde, ↗Kleinod (s. d.) angegebenen Suffix zum Adjektiv ahd. zieri, mhd. zier(e) (s. oben), im Genus bis ins 19. Jh. schwankend zwischen Mask. und Fem. Zuweilen fälschlich als Zusammensetzung mit Rat aufgefaßt, daher auch Zierrat geschrieben (16. Jh.).

Thesaurus

Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
aufgesetzt · gedrechselt · ↗gekünstelt · ↗geschwollen · ↗gespreizt · gestelzt · gewunden · geziert · ↗künstlich · ↗manieriert · ↗schwülstig · ↗theatralisch · ↗unecht · ↗unnatürlich · verschwurbelt · ↗überkandidelt  ●  ↗verquast  abwertend · ↗(übertrieben) bildungssprachlich  fachspr. · ↗affektiert  geh. · ↗artifiziell  geh. · ↗geschraubt  ugs. · ↗preziös  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
affig · ↗gekünstelt · geziert  ●  mit abgespreiztem kleinen Finger  fig. · ↗affektiert  geh. · ↗pretiös  geh. · ↗preziös  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bewegung Geste Pose

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›geziert‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Anfang des letzten Jahrhunderts saß man noch an hochbeinigen Tischen in der gezierten Guten Stube.
Der Tagesspiegel, 29.06.2000
Geziert spielen ihre Hände in der Luft, lockend schwenkt sie ihr Hinterteil.
Die Welt, 30.09.1999
Schon warteten sie, bereit, mit gezierten Schritten über die Bühne zu gehen, zu einer albernen Musik.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 395
In ihrer Nachbarschaft treibt auch die mit einem weißen Brustlatz gezierte Wasseramsel ihr lustiges Wesen.
Floericke, Curt: Vögel, die wir beim Skilaufen zu sehen bekommen. In: Ins Leben hinaus, Stuttgart: Union Dt. Verl.-Ges. 1931, S. 177
Dann senkte er sie mit gezierter Eindringlichkeit, den Zeigefinger vorspreizend, auf den schwarzen Knopf neben sich.
Jacques, Norbert: Dr. Mabuse, der Spieler, Gütersloh: Bertelsmann 1961 [1920], S. 60
Zitationshilfe
„geziert“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/geziert>, abgerufen am 11.12.2019.

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