gießen

GrammatikVerb · goss, hat gegossen
Aussprache
Worttrennunggie-ßen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›gießen‹ als Erstglied: ↗Gießbach · ↗Gießerei · ↗Gießform · ↗Gießgrube · ↗Gießharz · ↗Gießkanne · ↗Gießkelle · ↗Gießpfanne · ↗Gießtiegel · ↗Gießzettel
 ·  mit ›gießen‹ als Letztglied: ↗abgießen · ↗angießen · ↗aufgießen · ↗ausgießen · ↗danebengießen · ↗durchgießen · ↗eingießen · ↗fortgießen · ↗herabgießen · ↗heruntergießen · ↗hineingießen · ↗hingießen · ↗hintergießen · ↗hinuntergießen · ↗nachgießen · ↗umgießen · ↗vollgießen · ↗weggießen · ↗zugießen · ↗zurückgießen · ↗zusammengießen · ↗übergießen
 ·  mit ›gießen‹ als Binnenglied: ↗Spritzgießmaschine  ·  mit ›gießen‹ als Grundform: ↗Gießen · ↗begießen · ↗ergießen · ↗vergießen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
eine Flüssigkeit durch Neigen des Gefäßes auf, in, über etw. ausfließen lassen
a)
Beispiele:
Wasser auf die Blumen, die Medizin auf einen Löffel gießen
Wein aus der Karaffe ins Glas, den Kaffee in die Tasse gießen
vorsichtig goss sie den Teig in die Pfanne
das Kind hatte sich [Dativ] Tinte über das Heft gegossen
salopp sich [Dativ] etw. in die Gurgel gießen
du hast den Becher zu voll gegossen
Einige Matrosen liefen mit Eimern, um Wasser in die Pumpen zu gießen [JahnnHolzschiff241]
salopp Die [ein Mann und eine Frau] gossen sich Bier aus Seideln in den Hals [DöblinAlexanderpl.9]
dichterisch, bildlich
Beispiele:
der Vollmond goss sein Licht in das Fenster
salopp einen hinter die Binde, auf die Lampe gießen (= ein Glas Bier, Schnaps trinken)
umgangssprachlich Öl ins Feuer gießen (= eine Erregung noch mehr steigern)
umgangssprachlich Öl auf die Wogen gießen (= jmdn., etw. beruhigen)
umgangssprachlich er hatte ihr Wasser in den Wein gegossen (= hatte ihre Begeisterung, ihre Erwartungen gedämpft)
Die Morgensonne goß ihr strahlendes Gold in die kleine Kabine [TurekWende222]
b)
etw. mit Wasser tränken, begießen
Beispiele:
ein Beet, die Pflanzen, Blumen gießen
im Garten gießen
es hat nicht geregnet, deshalb muss ich heute noch gießen
2.
umgangssprachlich es gießtes regnet stark
Beispiele:
gestern hat es gegossen
es gießt in Strömen
salopp es gießt wie mit, wie aus Kübeln, Kannen, Eimern
3.
eine flüssiggemachte Masse in eine Form fließen lassen
Beispiele:
Kupfer, Silber gießen
das Gießen von Eisen ist eine Kunst, die schon sehr alt ist
etw. dadurch herstellen, dass man eine flüssiggemachte Masse in eine Form fließen lässt
Beispiele:
Kugeln aus Blei gießen
ein Medaillon, einen Leuchter in Bronze gießen
etw. in Wachs, Gips, Bronze, Erz gießen
ein Standbild, Glocken, Kanonen, Geschütze, Lettern, Kerzen gießen
gegossene und geprägte Medaillen
er saß wie aus Erz gegossen auf seinem Pferd
Brauchtum Blei gießenflüssiges Blei in Wasser fallen lassen, sodass bizarre Formen entstehen, die als Orakel gedeutet werden
Beispiel:
die Kinder gossen am Silvesterabend Blei
gehoben, übertragen
Beispiele:
etw. in Verse gießen
das Kunstwerk sollte umgearbeitet und in eine andere Form gegossen werden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gießen · Gießer · Gießerei · Zinngießer · Weißgießer · Rotgießer · Gelbgießer · Schwarzgießer · ausgießen · begießen · Gießkanne
gießen Vb. ‘Flüssigkeit ausfließen lassen, mit Wasser tränken, eine flüssig gemachte Masse, Geschmolzenes in eine Form schütten’. Das gemeingerm. Verb ahd. gioʒan ‘gießen, einschmelzen, vermischen’ (8. Jh.), mhd. gieʒen, asächs. giotan, mnd. gēten, mnl. ghieten, nl. gieten, aengl. gēotan, anord. gjōta (nur ‘laichen, Blicke werfen’), schwed. gjuta, got. giutan ‘gießen’ (germ. *geutan) führt mit nasaliertem lat. fundere (fūsum) ‘gießen, fließen lassen, schmelzen’ auf eine Dentalerweiterung, dagegen anord. gjōsa ‘hervorbrechen’, anord. isl. geysa ‘hervorstürzen’ (s. ↗Geiser), ahd. gussi (um 800), gussa (9. Jh.) ‘Flut’ auf eine s-Erweiterung der Wurzel ie. *g̑heu- ‘gießen’ (Schwundstufe *g̑hu-). Zu dieser Wurzel gehören auch aind. juhṓti ‘opfert’ (und zwar ‘gießt Butter ins Feuer’), griech. chḗin (χεῖν) ‘gießen, ausschütten, ergießen, verbreiten’, ché͞uma (χεῦμα) ‘Guß, Strom’, choḗ (χοή) ‘Weiheguß, Trankopfer’. Seit ahd. Zeit wird gießen, wie auch lat. fundere, als Wort der Metalltechnik verwendet; so ist schon das Part. Prät. ahd. gigoʒʒan ‘gegossen, geschmolzen, durch Gußarbeit entstanden’ in diesem Sinne bezeugt. Aus dieser Verwendung werden ferner Gießer m. ‘Arbeiter in der Gießerei’ (um 1500) und Gießerei f. ‘Betrieb, der Gegenstände durch Gießen schmelzbarer Stoffe in Hohlformen herstellt’ (17. Jh.) abgeleitet sowie die entsprechenden Bedeutungen von ↗Guß (s. d.). Zinngießer m. Hersteller von Zinnguß (14. Jh.), dafür auch Weißgießer m. (18. Jh.) und ↗Kannegießer m. (s. d.). Rotgießer m. (16. Jh.), Gelbgießer m. (18. Jh.) Hersteller von Bronzeguß (einer Kupfer/Zinnlegierung), Messingguß (einer Kupfer/Zinklegierung). Schwarzgießer m. Hersteller von Eisenguß (18. Jh.). ausgießen Vb. ‘Flüssigkeit aus einem Gefäß ausfließen lassen, überschütten, mit Gußmasse füllen’, ahd. ūʒgioʒan (9. Jh.), mhd. ūʒgieʒen. begießen Vb. ‘Flüssigkeit auf etw. schütten’, heute auch ‘etw. mit alkoholischen Getränken feiern’, ahd. bigioʒan (8. Jh.), asächs. bigiotan, mhd. begieʒen. Gießkanne f. (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
begießen · ↗besprengen · ↗bewässern · gießen  ●  ↗wässern  fachspr., Jargon
Assoziationen
Synonymgruppe
formen · gießen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beton Blume Bronze Feuer Flüssigkeit Fundament Gesetzesform Glas Glocke Milch Mühle Sieb Spott Strom Tasse Wasser Wein Woge abgießen angießen aufgießen aus ausgießen ein eingießen hinein nach nachgießen zugießen Öl

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gießen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wir gießen uns Tee ein, strecken die müden Beine aus.
Süddeutsche Zeitung, 21.04.2001
Sie goß ihn in zwei Becher, und wir gingen hinüber in ihr Zimmer.
Goosen, Frank: Liegen lernen, Frankfurt am Main: Eichborn AG 2000, S. 103
Fährt nicht manchmal, in Minuten wie diesen, ein Sturm in die kleinen Handlungen, der sie bläht, daß sie dastehen, in Bronze gegossen?
Kronauer, Brigitte: Die Frau in den Kissen, Stuttgart: Klett-Cotta 1990, S. 423
Es brach ihm das Herz; die Montage des in sechs Teilen gegossenen Monsters erlebte er nicht mehr.
Die Zeit, 26.09.1975, Nr. 40
Der Dichter, der das Flüstern wohl verstanden hatte, nickte lächelnd und goß auch dem französischen Arzt Tee in die Schale.
Krüss, James: Mein Urgroßvater und ich, Hamburg: Oetinger 1959, S. 223
Zitationshilfe
„gießen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gießen>, abgerufen am 21.11.2018.

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