Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

gieren

Grammatik Verb · giert, gierte, hat gegiert
Aussprache 
Worttrennung gie-ren
Wortbildung  mit ›gieren‹ als Erstglied: gierig1  ·  mit ›gieren‹ als Letztglied: herumgieren · umgieren
eWDG

Bedeutung

nach etw. heftig, übermäßig verlangen
Beispiele:
die jungen Vögel hocken im Nest, sie gieren nach Futter
jmd. giert nach Anerkennung
er gierte nach einem Posten, nach Besitz
die Presse giert nach jeder Sensation
Ich wollte den Norden, ich gierte förmlich nach Frische, Kälte, Eis und Schnee [ G. Hauptm.3,526]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gier · gierig · gieren · Begier · Begierde · begierig · Neugier · Neugierde · neugierig · Habgier · habgierig
Gier f. ‘heftiges, maßloses Verlangen, Begehren’. Das auf den dt. Sprachraum beschränkte Substantiv ahd. girī(n) (8. Jh.), mhd. gir ‘Begierde’, asächs. nur im Kompositum fehugiri ‘Streben nach Besitz’, ist eine Abstraktbildung zu dem durch gierig (s. unten) ersetzten alten Adjektiv ahd. ger (9. Jh.), Nebenform giri (8. Jh.), mhd. gir, ger ‘begierig, verlangend’, mnd. gīr, gēr, das mit gern und begehren (s. d.) verwandt ist und wie diese zur Wurzel ie. *g̑her- ‘begehren, gern haben’ gehört. – gierig Adj. ‘voller Gier, heftig begehrend’, ahd. girīg (9. Jh.), mhd. giric ‘begierig, begehrlich’, Weiterbildung zu den oben genannten Adjektivformen ahd. ger, giri, mhd. gir, ger. gieren Vb. ‘heftig begehren, gierig verlangen’ (15. Jh.), nach heutigem Sprachempfinden als Ableitung von Gier angesehen, ist aber wohl Übernahme von mnd. gīren und gehört damit zu der unter gähnen (s. d.) genannten Wurzelform ie. *g̑hēi-, *g̑hī- ‘gähnen, klaffen, offenstehen’. Doch können im Einzelfall auch auf die gleiche Wurzel zurückgehende nominale Formen mit ī (s. Geier) von Einfluß gewesen sein. Begier f. Begierde f. ‘heftiges, leidenschaftliches (sinnliches) Verlangen’. Während ahd. girida (um 800), mhd. girde Abstraktbildungen zum Adjektiv ahd. ger, giri (s. oben) sind, gehört das Abstraktum mhd. begirde zum Verb mhd. begern, begirn, nhd. begehren (s. d.). Verkürztes mhd. begir steht dagegen unter dem Einfluß von mhd. gir, nhd. Gier (s. oben). begierig Adj. ‘voller Begierde, auf etw. versessen’, mhd. begirec, begirdec. Neugier f. Neugierde f. ‘Gier, Begier, Neuigkeiten oder die Angelegenheit anderer zu erfahren’ (17. Jh.), gebildet zu älterem neugierig Adj. ‘voller Neugier, gespannt’ (Mitte 16. Jh.). Habgier f. ‘Gier nach Besitz’ (18. Jh.) übernimmt die ältere Bedeutung von Geiz (s. d.) und meint den ‘raffenden’ im Unterschied zum späteren ‘sparsamen Geiz’; habgierig Adj. (18. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›gieren‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gieren‹.

Verwendungsbeispiele für ›gieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Elsa giert danach, ihn vor dem Tod zu bewahren, um sich rasch selbst vom Leben zu erlösen. [Die Zeit, 07.01.2002, Nr. 01]
Er giert auch nicht nach glänzenden Taten, die den Weg zur eigenen Größe pflastern könnten. [Die Zeit, 12.03.1993, Nr. 11]
Hier giert das neue Geld nach der gelassenen Ruhe der Eliten. [Süddeutsche Zeitung, 01.06.2002]
Doch ein großer Teil der Bürger gierte längst nach Veränderung. [Süddeutsche Zeitung, 08.05.2002]
Sie gieren regelrecht nach eurem Blick, eurem Lächeln, eurem Nicken. [Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 996]
Zitationshilfe
„gieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gieren#1>.

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gieren

Grammatik Verb · giert, gierte, ist gegiert
Aussprache 
Worttrennung gie-ren
Wortbildung  mit ›gieren‹ als Erstglied: Gierfähre · gierig2  ·  mit ›gieren‹ als Letztglied: herübergieren
eWDG

Bedeutung

Seemannssprache vom gesteuerten Kurs abweichen
Beispiel:
Ein leicht gierendes, das heißt vorn ausschlagendes Boot hätte man seinen Händen nicht anvertrauen können […] [ TurekWende175]

Typische Verbindungen zu ›gieren‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gieren‹.

Verwendungsbeispiele für ›gieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Elsa giert danach, ihn vor dem Tod zu bewahren, um sich rasch selbst vom Leben zu erlösen. [Die Zeit, 07.01.2002, Nr. 01]
Er giert auch nicht nach glänzenden Taten, die den Weg zur eigenen Größe pflastern könnten. [Die Zeit, 12.03.1993, Nr. 11]
Hier giert das neue Geld nach der gelassenen Ruhe der Eliten. [Süddeutsche Zeitung, 01.06.2002]
Doch ein großer Teil der Bürger gierte längst nach Veränderung. [Süddeutsche Zeitung, 08.05.2002]
Sie gieren regelrecht nach eurem Blick, eurem Lächeln, eurem Nicken. [Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 996]
Zitationshilfe
„gieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gieren#2>.

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