giftig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennunggif-tig (computergeneriert)
WortzerlegungGift1-ig
Wortbildung mit ›giftig‹ als Erstglied: ↗Giftigkeit  ·  mit ›giftig‹ als Letztglied: ↗halbgiftig · ↗hochgiftig · ↗ungiftig
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Gift enthaltend
Beispiele:
giftige Kräuter, Tiere, Dünste
ein giftiges Pflanzenschutzmittel, Schlafmittel
sie war von einer giftigen Schlange (= Giftschlange) gebissen worden
er wurde von einem giftigen Pfeil (= Giftpfeil) getroffen
verdorbenes Fleisch ist giftig
übertragen
Beispiel:
ein Herz ... über welches der giftige Wind des Hofes nur wie der Hauch über den Spiegel ging [SchillerKabaleII 1]
2.
böse, gehässig
Beispiele:
jmdm. einen giftigen Blick zuwerfen
über jmdn. giftige Bemerkungen machen
er erwiderte darauf mit giftigem Hohn, Spott, Lächeln
er hatte ihn mit giftigem Hass verfolgt
jmdn. giftig ansehen
jmdm. giftig antworten
giftig werden
»De Hemden von deinem Onkel flick ich ...« sagte Tante Minchen giftig [G. HermannGebert140]
3.
umgangssprachlich
Beispiele:
ein giftiges Grün (= ein grelles, sehr leuchtendes Grün)
ein giftig lila gefärbter Pudding
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gift · Mitgift · giften · vergiften · giftig · Giftmischer
Gift n. ‘Stoff, der an oder in einem lebenden Organismus schädliche Wirkungen, Krankheiten oder Tod hervorruft’, ahd. (9. Jh.), mhd. mnd. gift f. ‘das Geben, Gabe, Geschenk, Gift’, mnl. ghifte, ghichte, nl. gift f. ‘Gabe, Gift’, aengl. gift, gyft f. n. ‘Gabe, Belohnung, Brautpreis’, Plur. ‘Hochzeit’, anord. gipt, gift f. ‘Gabe, Glück, Vermählung (der Frau)’, got. fragifts f. ‘Verleihung’, Plur. ‘Verlobung’, ist eine germ. Abstraktbildung (*gefti-) mit t-Suffix (und dadurch bedingtem Wandel von b zu f) zu dem unter ↗geben (s. d.) behandelten Verb. Die ursprüngliche Bedeutung ‘Gabe, Geschenk, Schenkung’ (die Gift noch bei Goethe) ist heute geschwunden und hat sich nur in der Zusammensetzung Mitgift f. ‘Heiratsgut der Braut, Aussteuer’, frühnhd. mitegift (15. Jh.), mnd. medegift (13. Jh.), eigentlich ‘das Mitgegebene’, erhalten. Der Bedeutungswandel von ‘Gabe’ zu ‘tödliche Gabe, Gift’, euphemistisch zuerst im Ahd. bei Notker, steht später unter dem Einfluß von griech.-spätlat. dosis, das ‘Geschenk, Gabe, bestimmte Menge Arznei’ bedeutet (s. ↗Dosis), aber auch als verhüllender Ausdruck für ‘Gift’ verwendet wird. Gift behält das ursprünglich fem. Genus in beiden Bedeutungen vorerst bei, wird dann als ‘schädlicher Stoff’ zuerst Mask. (Anfang 15. Jh.), später Neutr. (Mitte 16. Jh.), das sich im 18. Jh. durchsetzt und Gift f. ‘Gabe’ verdrängt. giften Vb. (auch reflexiv) ‘ärgern, erzürnen’ (15. Jh.), an den bildlichen Gebrauch von Gift ‘Arglist, Bosheit, Ärger, Wut, Zorn’ anknüpfend; vgl. mhd. giften ‘geben, schenken, vergiften’, ahd. giften ‘ausliefern, aussetzen’ (10. Jh.). vergiften Vb. ‘mit Gift durchsetzen, durch Gift schädigen, mit Gift töten’, ahd. firgiften ‘verkaufen, übergeben, zuerkennen’ (10. Jh.), mhd. vergiften, vergiftigen ‘schenken, vermachen, vergiften’. giftig Adj. ‘Gift enthaltend, boshaft, gehässig’, mhd. giftec. Giftmischer m. ‘wer in verbrecherischer Absicht Gift bereitet’ (1. Hälfte 16. Jh.), scherzhaft ‘wer beruflich mit Gift zu tun hat’, vor allem für den ‘Apotheker’, zuweilen auch den ‘Arzt’ (2. Hälfte 18. Jh.), neuerdings auch für den ‘Barmixer’.

Thesaurus

Synonymgruppe
aggressiv · ↗boshaft · ↗bösartig · ↗böse · ↗gallig · ↗gehässig · ↗gemein · ↗zynisch · ↗ätzend  ●  giftig  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Assoziationen
Antonyme
Synonymgruppe
gereizt · giftig  ●  (leicht / ziemlich) angesäuert  ugs. · angefressen  ugs. · angesickt  ugs. · eingeschnappt  ugs. · ↗sauer  ugs., Hauptform · ↗stinkig  ugs. · ↗säuerlich  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (einen) Hass haben auf · ↗aggressiv · ↗aufgebracht · empört · erbost · in Rage · ↗wütend · ↗zornig  ●  (jemandem) gram sein  veraltet · ↗böse  Kindersprache · angepisst  derb · einen Hals haben  ugs. · eingeschnappt  ugs. · erzürnt  geh. · ↗fuchtig  ugs. · ↗geladen  ugs. · in Brast  ugs., regional · in heiligem Zorn  ugs. · ↗indigniert  geh. · ↗pissig  derb · sickig  ugs. · so eine Krawatte haben (+ Geste)  ugs. · so einen Hals haben (+ Geste)  ugs. · ↗stinkig  ugs.
  • bärbeißig · ↗grantig · ↗griesgrämig · ↗knurrig · ↗launisch · ↗missgelaunt · ↗missgestimmt · ↗misslaunig · ↗missmutig · ↗missvergnügt · mit sich im Hader · mit sich und der Welt im Unreinen · ↗mürrisch · nicht zu Späßen aufgelegt · ↗unausstehlich · ↗unleidlich · ↗unwillig · ↗unwirsch · ↗unzufrieden · ↗verdrießlich · ↗verdrossen · ↗übellaunig  ●  ↗schlecht gelaunt  Hauptform · (Gesicht) wie sieben Tage Regenwetter  ugs. · (sich selbst) nicht leiden können  ugs., scherzhaft-ironisch, fig. · ↗brummig  ugs. · ↗dysphorisch  fachspr., medizinisch · ↗gereizt  ugs. · grummelig  ugs. · kann sich selbst nicht leiden  ugs. · ↗miesepetrig  ugs. · ↗muffelig  ugs. · ↗sauertöpfisch  ugs. · schlecht drauf  ugs. · schlechte Stimmung verbreitend  ugs. · ↗ungemütlich  ugs. · ↗ungenießbar  ugs. · ↗ungnädig  ugs., ironisch
  • (jemandes) Begeisterung hält sich in Grenzen · nicht angetan (von) · nicht zu Scherzen aufgelegt · ↗ungehalten · ↗verschnupft (wegen) · verstimmt (über, wegen) · verärgert (über, wegen) · wenig begeistert (über) · ↗ärgerlich  ●  not amused  engl., Understatement · wenig erfreut  Understatement · ↗indigniert  geh.
  • beleidigt · ↗gekränkt · giftig · nachtragend · ↗pikiert · schmollend · ↗verletzt · verärgert  ●  angepiekst  ugs. · auf den Schlips getreten  ugs., fig. · eingeschnappt  ugs. · tödlich beleidigt  ugs.
  • (sich) angegriffen fühlen · (sich) in der Defensive fühlen · (sich) in der Defensive sehen · beleidigt reagieren  ●  (sich) auf den Schlips getreten fühlen  fig.
  • bitterböse (Blick) · giftig · strafend (Blick)  ●  Wenn Blicke töten könnten ...  ugs., Spruch
Synonymgruppe
beleidigt · ↗gekränkt · giftig · nachtragend · ↗pikiert · schmollend · ↗verletzt · verärgert  ●  angepiekst  ugs. · auf den Schlips getreten  ugs., fig. · eingeschnappt  ugs. · tödlich beleidigt  ugs.
Assoziationen
  • den Beleidigten spielen · ↗schmollen · unwillig schweigen  ●  die beleidigte Leberwurst (spielen)  ugs., variabel · ein Gesicht ziehen  ugs. · eine Schnute ziehen  ugs. · einen Flunsch ziehen  ugs., regional · einen Schmollmund machen  ugs.
  • gereizt · giftig  ●  (leicht / ziemlich) angesäuert  ugs. · angefressen  ugs. · angesickt  ugs. · eingeschnappt  ugs. · ↗sauer  ugs., Hauptform · ↗stinkig  ugs. · ↗säuerlich  ugs.
  • ankreiden · ↗nachtragen · ↗verargen · ↗verübeln · ↗übel nehmen  ●  ↗(jemandem etwas) übelnehmen  Hauptform · ↗verdenken (negativ oder in Frage)  floskelhaft · ↗krummnehmen  ugs.
  • kann Kritik (an seiner Person) nicht ertragen · kann es nicht ertragen, kritisiert zu werden · schnell eingeschnappt  ●  nicht kritikfähig  Hauptform · kann nicht mit Kritik umgehen  ugs. · kommt mit Kritik nicht (gut) klar  ugs.
  • (sich) angegriffen fühlen · (sich) in der Defensive fühlen · (sich) in der Defensive sehen · beleidigt reagieren  ●  (sich) auf den Schlips getreten fühlen  fig.
  • verletzen  ●  auf den Fuß treten  fig. · auf den Schlips treten  fig. · ↗brüskieren  geh. · ↗düpieren  geh. · vor den Kopf stoßen  ugs., fig.
Synonymgruppe
bitterböse (Blick) · giftig · strafend (Blick)  ●  Wenn Blicke töten könnten ...  ugs., Spruch
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abfall Abgas Abwasser Alge Chemikalie Dampf Dioxin Flüssigkeit Fracht Gas Industrieabfall Kohlenmonoxid Pestizid Pfeil Pflanzenschutzmittel Pilz Qualm Quecksilber Rauch Rauchgas Schlamm Schlange Schwermetall Spinne Stoff Stoffwechselprodukt Substanz explosiv krebserregend ätzend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›giftig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie sind nicht einmal mit einem Hasen heimgekehrt, haben vielleicht ein paar giftige Pilze mitgenommen.
Die Welt, 27.04.2005
Eßbar waren sie wohl nicht mehr, wenn auch nicht eigentlich giftig.
Stadler, Arnold: Sehnsucht, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2002, S. 214
Aber es ist künstlicher, es ist giftiger Staub; mit uns, mit der wirklichen Welt hat das nichts, aber gar nichts zu tun.
Süddeutsche Zeitung, 12.02.1994
Zuweilen kam wieder der Nebel, ein giftiger Nebel aus rotem Gas.
Koeppen, Wolfgang: Der Tod in Rom. In: ders., Drei Romane, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 [1954], S. 924
Alle seine Sinne krochen ihr nach, gierig, geil, giftig gefüllt mit eklen Lüsten.
Ewers, Hanns Heinz: Alraune, München: Herbig 1973 [1911], S. 233
Zitationshilfe
„giftig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/giftig>, abgerufen am 23.02.2019.

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