gläubig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennunggläu-big
Wortzerlegungglauben-ig
Wortbildung mit ›gläubig‹ als Erstglied: ↗Gläubigkeit  ·  mit ›gläubig‹ als Letztglied: ↗altgläubig · ↗andersgläubig · ↗blindgläubig · ↗gutgläubig · ↗irrgläubig · ↗kleingläubig · ↗leichtgläubig · ↗rechtgläubig · ↗strenggläubig · ↗ungläubig
 ·  mit ›gläubig‹ als Grundform: ↗-gläubig · ↗Gläubige
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
vertrauensvoll
Beispiele:
gläubig zu jmdm. aufblicken
jmdn. gläubig verehren, ansehen
Er, die gläubige Seele, verlangte keinen Beweis dieser Prahlerei [WerfelAbituriententag106]
sie nahm gläubig an, daß Aufmerksamkeiten und Abwesenheiten ihres Gatten mit erhöhter geschäftlicher Tätigkeit ... zusammenhingen [MusilMann1486]
das Gefühl, sich naiv gläubig neben einem Mädchen gezeigt zu haben [FlakeSchritt82]
2.
in fester religiöser Überzeugung, in festem Glauben
Beispiele:
der gläubige Christ, Moslem
gläubig beten
ein Bild gläubig verehren
eine Prozession der Gläubigen
die Gläubigen versammelten sich auf dem Platz vor dem Dom
den Gläubigen den Segen erteilen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

glauben · Glaube · gläubig · Gläubiger1 · Gläubiger2 · glaubhaft · glaublich · unglaublich · glaubwürdig
glauben Vb. ‘annehmen, vermuten, für wahr halten, eine religiöse Überzeugung haben’, ahd. gilouben (8. Jh.), mhd. g(e)louben, asächs. gilōƀian, mnd. gelȫven, mnl. ghelōven, nl. geloven, aengl. gelēfan, gelīefan, (mit anderem Präfix) belȳfan, belēfan, engl. to believe, got. galaubjan ist ein Präfixverb mit Ablaut zu dem unter ↗lieb (s. d.) behandelten Adjektiv im Sinne von ‘lieb halten, lieb nennen’. Wohl bereits in vorchristlicher Zeit bezieht sich das Verb auf das vertrauensvolle Verhältnis zwischen Mensch und heidnischem Gott (vgl. Wissmann Älteste Postverbalia (1938) 40), so daß es in der got., angelsächs. und ahd. Missionssprache für griech. pisté͞uein (πιστεύειν) bzw. lat. crēdere ‘(ver)trauen, glauben, für wahr halten’ eintreten und das Verhältnis des Menschen zum Christengott ausdrücken kann. Vor oder neben der religiösen Verwendung darf wohl ein Gebrauch im Sinne von ‘sich auf einen Menschen verlassen, ihm vertrauen’ (vgl. aengl. gelīefan ‘jmdm. vertrauen, sich auf jmdn. verlassen’, Beowulf) angenommen werden. Aus ‘jmdm. vertrauen in bezug auf die Wahrheit seiner Aussage’ entwickelt sich ‘etw. für wahr halten’, dann auch ‘für möglich halten, vermuten, meinen’ (bereits ahd.). Glaube m. auch Glauben (seit dem 15. Jh. mit -n aus den flektierten Kasus), ‘Vertrauen, Zuversicht, innere Gewißheit von Gott, religiöse Überzeugung, Bekenntnis’, ahd. gilouba f. und giloubo m. (beide 8. Jh.), mhd. g(e)loube f. m., asächs. gilōƀo m., mnd. g(e)lōve m., mnl. ghelōve m. f. n., nl. geloof n., aengl. gelēafa m., engl. belief, Abstraktbildungen zum Verb. Im Dt. gilt maskulines Genus seit spätmhd. Zeit. gläubig Adj. ‘vertrauensvoll, an Gott, die Lehre der Kirche glaubend, fromm’, ahd. giloubīg (9. Jh.), mhd. g(e)loubec. Substantiviert Gläubiger1 m. ‘Bekenner des Christentums, frommer Mensch’, ahd. giloubīgo, mhd. g(e)loubige; allgemein (seit 18. Jh.) ‘Anhänger einer Religion, einer Glaubenslehre’. Gläubiger2 m. ‘wer aus einem Vertragsverhältnis von einem anderen eine Leistung, besonders Geld, zu fordern hat, Geld-, Kreditgeber’, spätmhd. geloubiger (14. Jh.), Übersetzung von lat. crēditor (und wohl auch von ital. creditore), ebenfalls Substantivierung des Adjektivs gläubig, jedoch mit festgewordener ehemaliger Flexionsendung -er (nach dem Muster der Nomina agentis), semantisch anknüpfend an glauben im Sinne von ‘jmdm. etw. anvertrauen, borgen’. glaubhaft Adj. ‘vertrauenswürdig, glaubwürdig, zuverlässig, überzeugend’, ahd. giloubhaft ‘rechtgläubig’ (9. Jh.), mhd. geloubehaft ‘glaubend, gläubig, glaubwürdig’. glaublich Adj. bis ins 18. Jh. auch gläublich, ‘überzeugend, verläßlich, wahrhaftig’, ahd. giloublīh (um 800), mhd. geloublich. unglaublich Adj. ‘unwahrscheinlich, unglaubhaft, ungeheuerlich, unfaßbar, unerhört’, als Adverb (steigernd) ‘überaus, sehr’, ahd. ungiloublīh (um 1000), mhd. ungelouplich, ungeloubelich ‘ungläubig, nicht zu glauben’. glaubwürdig Adj. ‘glaubhaft’ (15. Jh.), anfänglich im Bereich des Rechtswesens.

Thesaurus

Synonymgruppe
fromm · gläubig · ↗religiös · vom Glauben erfüllt
Assoziationen
  • (Person) christlichen Glaubens · Anhänger des Christentums · ↗Christ · ↗Christenmensch · Kind Gottes · in der Nachfolge Jesu Lebender
  • orthodox · ↗rechtgläubig · streng religiös · ↗strenggläubig  ●  allein im Besitz der wahren Lehre  variabel
  • Religiot · religiöser Idiot

Typische Verbindungen
computergeneriert

Atheist Baptist Buddhist Christ Christin Hindu Hingabe Inbrunst Jude Jüdin Jünger Katholik Katholikin Kommunistin Laie Marxist Mohammedaner Mormone Moslem Muslim Muslima Muslime Muslimin Protestant Schiit Verehrung praktizierend streng ungläubig zutiefst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gläubig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Für mich als gläubigen Christ bedeutet mir dieses Fest sehr viel.
Die Welt, 24.12.2005
Ich bin gläubiger Jude, habe das in 81 Jahren noch nie instrumental gehört.
Der Tagesspiegel, 17.09.1998
Natürlich glaubten sie beide nicht an Gott, aber es war vorteilhafter, drinnen so zu tun, als sei man gläubig.
Degenhardt, Franz Josef: Die Abholzung, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1985], S. 249
Was mir logisch zu fassen schien, konnte ich nicht gläubig fassen.
Salomon, Ernst von: Der Fragebogen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1951], S. 342
Mir ging dieses gläubig vertrauende Wort wie ein Stich ins Herz.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 18427
Zitationshilfe
„gläubig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gläubig>, abgerufen am 15.12.2019.

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