glühen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungglü-hen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›glühen‹ als Erstglied: ↗Glühbirne · ↗Glühfaden · ↗Glühhitze · ↗Glühkörper · ↗Glühlampe · ↗Glühlicht · ↗Glühofen · ↗Glühstrumpf · ↗Glühwein · ↗glühheiß · ↗glührot
 ·  mit ›glühen‹ als Letztglied: ↗anglühen · ↗aufglühen · ↗ausglühen · ↗durchglühen · ↗vorglühen
 ·  mit ›glühen‹ als Grundform: ↗erglühen · ↗verglühen
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
von Hitze gänzlich durchdrungen sein und dadurch mit hellrotem Schein Hitze ausstrahlen
Beispiele:
der eiserne Ofen, die Herdplatte glüht
die Kohlen im Ofen glühen noch
der Faden der Glühlampe glühte nur schwach
vor Angst, Ungeduld wie auf glühenden Kohlen sitzen
glühende Asche
das Eisen glüht im Feuer, wird glühend gemacht
glühender Stahl
die Berge glühen (= geben einen roten Widerschein) in der Abendsonne
sprichwörtlich man muss das Eisen schmieden, solange es glüht
alle Bilder seines Aufenthalts ... die sich wie mit glühenden Nadeln in seine Seele geschrieben hatten [KasackStadt537]
etw. von Hitze gänzlich durchdringen und hellrot werden lassen
Beispiele:
das Eisen wird geglüht
der Draht ist geglüht worden
bildlich sehr heiß (und rot) sein
Beispiele:
sein Kopf, Gesicht, ihre Stirn glühte
ihre Wangen begannen zu glühen
mit glühenden Wangen lesen, zuhören
du glühst ja!
jmd. glüht im Gesicht, vor Hitze, Fieber
die Sonne glüht heute (= scheint sehr heiß)
es war heute glühend (= sehr) heiß
wir marschierten in glühender (= sehr großer) Hitze
2.
übertragen eine leidenschaftliche Gemütsbewegung zeigen
Beispiele:
vor Begeisterung, Erregung, Aufregung, Ehrgeiz, Eifer, Verlegenheit glühen
in Liebe, Leidenschaft, Begierde glühen
er glühte für seine Idee, sein Ziel
er glüht danach, sich zu rächen
für jmdn. glühen (= jmdn. leidenschaftlich bewundern, lieben)
häufig im Part. Präs.
glühendleidenschaftlich
Beispiele:
er ist ein glühender Anhänger, Anwalt dieser Idee, ein glühender Patriot
ihr glühender Verehrer
ein glühendes Verlangen
das war sein glühender Wunsch
etw. mit glühenden Worten, in glühenden Farben schildern
etw. mit glühender Anteilnahme verfolgen
jmdn. mit glühenden Blicken, Augen verfolgen
ein glühender Liebesbrief
glühender Hass
ein glühender (= sehr großer) Schmerz
jmdn. glühend bewundern, beneiden
glühend für jmdn. Partei nehmen
einer der ersten und glühendsten Befürworter der strengen Methoden Listers [SchleichVergangenheit185]
Hast du nicht alles selbst vollendet, / Heilig glühend Herz? [GoethePrometheus]
ein Schulmeister, der eine glühende junge Seele mit Griechisch füttern ... wollte [HesseNarziß5,36]
Er ... suchte nach triftigeren Gründen und Beispielen, nach glühenderen Worten [E. StraußSpiegel121]
Ich springe auf, glühend, ihm zu helfen [RemarqueIm Westen283]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

glühen · Glühbirne · Glühwein · Glühwürmchen
glühen Vb. ‘Hitze ausstrahlen, vor Hitze leuchten, ohne Flamme brennen, begeistert sein’, ahd. gluoen ‘glühen, brennen’ (9. Jh.), mhd. glüe(je)n, glüewen, asächs. glōian, mnd. glöyen, mnl. gloeyen, glōyen, nl. gloeien ‘glühen’ gehen zurück auf ie. *g̑hlō-, während aengl. glōwan, engl. to glow ‘glühen’, anord. glōa ‘leuchten, glänzen’ ie. *g̑hlōu- voraussetzen; beide Formen gehören zu der unter ↗gelb (s. d.) dargestellten Wurzel ie. *g̑hel(ə)- ‘glänzen, schimmern’. Glühbirne f. ‘birnenförmige Glühlampe’ (20. Jh.), vermutlich nach Glühstrumpf, dem ‘Glühkörper der Gasbeleuchtung’, für älteres Glasbirne (2. Hälfte 19. Jh.). Glühwein m. ‘heiß zu trinkender, gewürzter Rotwein’ (Anfang 19. Jh.); älter geglühter Wein (17. Jh.), glühender Wein (18. Jh.), d. h. ‘heißgemachter, heißer Wein’. Glühwürmchen n. ‘Leuchtkäfer, Johanniswürmchen’ (Anfang 19. Jh.), Deminutivum zu Glühwurm (seit dem 18. Jh. bezeugt, in der Mundart wohl älter, vgl. engl. glowworm, 14. Jh.). Landschaftliche Varianten sind Johanniskäfer, -fünkchen, Zündkäfer, -würmlein. Vgl. Pfeifer Tiernamen 330 ff.

Thesaurus

Synonymgruppe
fluoreszieren · ↗glimmen · glühen · ↗phosphoreszieren · unwirklich leuchten
Oberbegriffe
  • glühen · hell sein · ↗strahlen  ●  ↗leuchten  Hauptform · ↗scheinen  Hauptform · Licht emittieren  fachspr. · ↗flammen  geh., dichterisch
Assoziationen
Synonymgruppe
ausglühen · ↗brennen · ↗glimmen · glühen · ↗rösten · ↗schmoren  ●  ↗kokeln  ugs.
Synonymgruppe
glühen · hell sein · ↗strahlen  ●  ↗leuchten  Hauptform · ↗scheinen  Hauptform · Licht emittieren  fachspr. · ↗flammen  geh., dichterisch
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abendlicht Abendsonne Alp Backe Backofen Draht Funke Funken Herdplatte Holzkohle Lampe Lava Lunte Ofen Rot Sonne Telefon-Draht Telefondraht Telefonleitung Wange anglühen aufglühen ausglühen feuerrot funkeln glimmen glühen nachglühen orange vorglühen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›glühen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Jetzt sonnt sie sich am Strand und glüht dem Abend entgegen.
Bild, 23.11.1998
Ich weiß nicht, ob das stimmt, denn sie glühen ja für ihre Forschung.
Der Tagesspiegel, 02.12.1997
In meinem Herzen aber glühte nicht besonders viel mehr als eine unbändige Lust am Leben.
Salomon, Ernst von: Der Fragebogen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1951], S. 189
Er glühte vor Wut und berauschte sich an blutigen Bildern.
Konsalik, Heinz G.: Der Arzt von Stalingrad, Hamburg: Dt. Hausbücherei 1960 [1956], S. 253
Er glühte in Blau und Grün, funkelte rot, leuchtete auf und war weg.
Salten, Felix: Bambi, Frankfurt a. M.: Fischer 1956 [1923], S. 133
Zitationshilfe
„glühen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/glühen>, abgerufen am 17.10.2019.

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