glauben

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungglau-ben
Wortbildung mit ›glauben‹ als Erstglied: ↗glaubhaft · ↗glaubwürdig · ↗gläubig
 ·  mit ›glauben‹ als Grundform: ↗Glaube · ↗Glauben  ·  formal verwandt mit: ↗Totgeglaubte
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
etw. vermuten, annehmen, der Meinung sein
Beispiele:
ich glaube, er ist in B, im Urlaub, zu Hause
er glaubte, sie gesehen zu haben
die Mutter glaubte, das Richtige getroffen zu haben
er hatte im Ernst geglaubt, noch Zeit zu haben
er glaubte sich angesteckt, verloren
sie glaubte sich unbeobachtet
wir glaubten nicht, noch deutlicher werden zu sollen
wir glaubten, dass sie bald wieder gesund würde, dass es bald Frost gibt
ich habe immer geglaubt, das Mädchen wohne bei euch, sei deine Schwester
sie glaubt, er sei tot
er glaubte seinen Vater schon dem Verscheiden nahe [le FortPapst238]
So glaube jeder sicher seinen Ring / Den echten [LessingNathanIII 7]
2.
Dinge, die objektiv nicht bewiesen sind, aufgrund innerer Überzeugung für wahr halten
Beispiele:
jmdm. etw. glauben
etw. fest, sicher, unbeirrbar glauben
sie glaubt ihm alles, was er sagt
er glaubte ihr nicht, glaubte ihre schönen Worte, glaubte ihren Bericht nicht
ich glaube dir kein Wort, aufs Wort
du glaubst ja selbst nicht, was du sagst
das will ich dir gern glauben
das kann ich von ihm nicht glauben
ihm wurde nicht, ihm wurde von niemandem geglaubt
salopp wer's glaubt, wird selig (= ich glaube es nicht)
es ist kaum zu glauben! (= Ausruf der Überraschung, Entrüstung)
ich glaube gar! (= Ausruf der Überraschung, des Zweifels)
jmdn. etw. glauben machen wollenjmdm. etw. einzureden versuchen
Beispiel:
er wollte mich glauben machen, dass er das schon gesagt habe
an etw. glauben
Beispiele:
an das Gute im Menschen, an jmds. Aufrichtigkeit glauben
an den Sieg der Wahrheit, des Fortschritts glauben
an Träume, Wunder glauben
Und was man immer wieder und wieder hört / daran glaubt man [P. WeissMarat13]
an jmdn. glaubenvon jmds. Können und von seinem zukünftigen Erfolg überzeugt sein
Beispiel:
die Schwester des Dichters glaubte an ihn
salopp dran glauben müssenetw. Unangenehmes ertragen müssen; sterben müssen
Beispiel:
Jeder muß mal dran glauben (= muss mal sterben), der eine so, der andere so [SchallückWenn man aufhören könnte161]
3.
eine religiöse Überzeugung haben
Beispiele:
an Gott, an die Auferstehung, Unsterblichkeit glauben
er konnte nicht mehr glauben
fest, unbeirrbar glauben
sie glaubt wieder
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

glauben · Glaube · gläubig · Gläubiger1 · Gläubiger2 · glaubhaft · glaublich · unglaublich · glaubwürdig
glauben Vb. ‘annehmen, vermuten, für wahr halten, eine religiöse Überzeugung haben’, ahd. gilouben (8. Jh.), mhd. g(e)louben, asächs. gilōƀian, mnd. gelȫven, mnl. ghelōven, nl. geloven, aengl. gelēfan, gelīefan, (mit anderem Präfix) belȳfan, belēfan, engl. to believe, got. galaubjan ist ein Präfixverb mit Ablaut zu dem unter ↗lieb (s. d.) behandelten Adjektiv im Sinne von ‘lieb halten, lieb nennen’. Wohl bereits in vorchristlicher Zeit bezieht sich das Verb auf das vertrauensvolle Verhältnis zwischen Mensch und heidnischem Gott (vgl. Wissmann Älteste Postverbalia (1938) 40), so daß es in der got., angelsächs. und ahd. Missionssprache für griech. pisté͞uein (πιστεύειν) bzw. lat. crēdere ‘(ver)trauen, glauben, für wahr halten’ eintreten und das Verhältnis des Menschen zum Christengott ausdrücken kann. Vor oder neben der religiösen Verwendung darf wohl ein Gebrauch im Sinne von ‘sich auf einen Menschen verlassen, ihm vertrauen’ (vgl. aengl. gelīefan ‘jmdm. vertrauen, sich auf jmdn. verlassen’, Beowulf) angenommen werden. Aus ‘jmdm. vertrauen in bezug auf die Wahrheit seiner Aussage’ entwickelt sich ‘etw. für wahr halten’, dann auch ‘für möglich halten, vermuten, meinen’ (bereits ahd.). Glaube m. auch Glauben (seit dem 15. Jh. mit -n aus den flektierten Kasus), ‘Vertrauen, Zuversicht, innere Gewißheit von Gott, religiöse Überzeugung, Bekenntnis’, ahd. gilouba f. und giloubo m. (beide 8. Jh.), mhd. g(e)loube f. m., asächs. gilōƀo m., mnd. g(e)lōve m., mnl. ghelōve m. f. n., nl. geloof n., aengl. gelēafa m., engl. belief, Abstraktbildungen zum Verb. Im Dt. gilt maskulines Genus seit spätmhd. Zeit. gläubig Adj. ‘vertrauensvoll, an Gott, die Lehre der Kirche glaubend, fromm’, ahd. giloubīg (9. Jh.), mhd. g(e)loubec. Substantiviert Gläubiger1 m. ‘Bekenner des Christentums, frommer Mensch’, ahd. giloubīgo, mhd. g(e)loubige; allgemein (seit 18. Jh.) ‘Anhänger einer Religion, einer Glaubenslehre’. Gläubiger2 m. ‘wer aus einem Vertragsverhältnis von einem anderen eine Leistung, besonders Geld, zu fordern hat, Geld-, Kreditgeber’, spätmhd. geloubiger (14. Jh.), Übersetzung von lat. crēditor (und wohl auch von ital. creditore), ebenfalls Substantivierung des Adjektivs gläubig, jedoch mit festgewordener ehemaliger Flexionsendung -er (nach dem Muster der Nomina agentis), semantisch anknüpfend an glauben im Sinne von ‘jmdm. etw. anvertrauen, borgen’. glaubhaft Adj. ‘vertrauenswürdig, glaubwürdig, zuverlässig, überzeugend’, ahd. giloubhaft ‘rechtgläubig’ (9. Jh.), mhd. geloubehaft ‘glaubend, gläubig, glaubwürdig’. glaublich Adj. bis ins 18. Jh. auch gläublich, ‘überzeugend, verläßlich, wahrhaftig’, ahd. giloublīh (um 800), mhd. geloublich. unglaublich Adj. ‘unwahrscheinlich, unglaubhaft, ungeheuerlich, unfaßbar, unerhört’, als Adverb (steigernd) ‘überaus, sehr’, ahd. ungiloublīh (um 1000), mhd. ungelouplich, ungeloubelich ‘ungläubig, nicht zu glauben’. glaubwürdig Adj. ‘glaubhaft’ (15. Jh.), anfänglich im Bereich des Rechtswesens.

Thesaurus

Synonymgruppe
(von etwas) ausgehen · ↗annehmen · ↗denken · ↗erwarten · glauben · ↗meinen · ↗mutmaßen · ↗vermuten  ●  tippen auf  fig. · ↗schätzen  ugs. · zu wissen glauben  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) einbilden · glauben · ↗meinen
Synonymgruppe
(der) Meinung sein · der Ansicht sein · der Überzeugung sein · für wahr halten · glauben · ↗meinen · ↗überzeugt (sein)  ●  ↗(auf etwas) schwören  ugs. · ↗dafürhalten  geh.
Assoziationen
  • (das) unbestimmte Gefühl haben (dass) · (den) Eindruck haben (das) · (den) vagen Verdacht haben (dass)  ●  (das) dumme Gefühl nicht loswerden (dass)  ugs. · (sich) des Eindrucks nicht erwehren können (dass)  geh.
Synonymgruppe
(etwas) unbesehen glauben · (etwas) wörtlich nehmen · (jemandem / einer Sache) Glauben schenken · ↗ernst nehmen  ●  ↗(jemandem etwas) abnehmen  fig. · (jemandem etwas) glauben  Hauptform · ↗(jemandem etwas) abkaufen  ugs., fig. · für bare Münze nehmen  ugs. · gefressen haben  ugs., fig. · geschluckt haben  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem etwas) zutrauen · Vertrauen haben (in) · Vertrauen setzen in · ↗ernst nehmen · nicht zweifeln  ●  (an jemanden) glauben  Hauptform · für voll nehmen  ugs.
Assoziationen
  • Gewissheit · ↗Glaube · ↗Vertrauen · ↗Zuversicht
  • (fest) glauben an · (sich) verlassen auf · bauen auf · setzen auf · sich viel versprechen von · vertrauen auf · viel erwarten von  ●  (große) Hoffnungen setzen in  Hauptform
Synonymgruppe
(jemandem) glauben · (jemanden) für vertrauenswürdig halten · Vertrauen haben zu · Vertrauen schenken  ●  ↗(jemandem) vertrauen  Hauptform · Vertrauen entgegenbringen  geh.
Unterbegriffe
  • (jemandem) bedingungslos vertrauen · (jemandem) bedingungsloses Vertrauen entgegenbringen · (jemandem) vorbehaltlos vertrauen · (sich) absolut verlassen auf · (sich) voll verlassen auf  ●  (jemandem) blind vertrauen  Hauptform
Assoziationen
  • (sich) verlassen (auf) · ausgehen können von · ↗bauen (auf) · ganz sicher sein (können) · ↗vertrauen · ↗zählen (auf)  ●  (einen) lassen können (auf)  derb · Gift nehmen können (auf)  ugs. · gehen (können) nach  ugs.
  • (fest) glauben an · (sich) verlassen auf · bauen auf · setzen auf · sich viel versprechen von · vertrauen auf · viel erwarten von  ●  (große) Hoffnungen setzen in  Hauptform
  • (etwas) für wahr halten · ↗(jemandem etwas) abnehmen · (jemandem) Glauben schenken · nichts Böses vermuten hinter  ●  ↗(jemandem) trauen  Hauptform
  • (jemandem etwas) im Vertrauen erzählen · (jemandem etwas) im Vertrauen sagen · (jemandem) sein Herz ausschütten · (jemanden) ins Vertrauen ziehen · ↗(sich jemandem) anvertrauen
Synonymgruppe
an Gott glauben · einen Glauben haben · glauben · gläubig sein · gottgläubig sein · religiös sein
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Experte Gott aber allerdings auch daran dennoch doch du er es fest ich kaum man mehr nicht noch nun offenbar recht schon selbst sie so sogar was wir wirklich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›glauben‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch erst nach vierzig Minuten glaubte er eine bestimmte Kurve wiederzuerkennen.
Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 242
Ich glaube auch nicht, daß er Ihnen eine Arbeit besorgen kann.
Die Zeit, 01.10.1998, Nr. 41
Diese »nur für Gottes Auge wahrnehmbare Kirche« muß ich glauben.
Iserloh, Erwin u. a.: Reformation, katholische Reform und Gegenreformation. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1967], S. 7548
Um so eher glaubt mancher, auf anderen Wegen käme man weiter.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1936, S. 195
Man darf aber nicht glauben, daß die ganzen 1200 Mann der Legion in dieser Weise verwandt wurden.
Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Erster Teil: Das Altertum, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1920], S. 976
Zitationshilfe
„glauben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/glauben>, abgerufen am 15.12.2018.

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