Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

glauben

Grammatik Verb · glaubt, glaubte, hat geglaubt
Aussprache 
Worttrennung glau-ben
Wortbildung  mit ›glauben‹ als Erstglied: glaubhaft · glaubwürdig  ·  mit ›glauben‹ als Grundform: Glaube · Glauben
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. vermuten, annehmen, der Meinung sein
Beispiele:
ich glaube, er ist in B, im Urlaub, zu Hause
er glaubte, sie gesehen zu haben
die Mutter glaubte, das Richtige getroffen zu haben
er hatte im Ernst geglaubt, noch Zeit zu haben
er glaubte sich angesteckt, verloren
sie glaubte sich unbeobachtet
wir glaubten nicht, noch deutlicher werden zu sollen
wir glaubten, dass sie bald wieder gesund würde, dass es bald Frost gibt
ich habe immer geglaubt, das Mädchen wohne bei euch, sei deine Schwester
sie glaubt, er sei tot
er glaubte seinen Vater schon dem Verscheiden nahe [ le FortPapst238]
So glaube jeder sicher seinen Ring / Den echten [ LessingNathanIII 7]
2.
Dinge, die objektiv nicht bewiesen sind, aufgrund innerer Überzeugung für wahr halten
Beispiele:
jmdm. etw. glauben
etw. fest, sicher, unbeirrbar glauben
sie glaubt ihm alles, was er sagt
er glaubte ihr nicht, glaubte ihre schönen Worte, glaubte ihren Bericht nicht
ich glaube dir kein Wort, aufs Wort
du glaubst ja selbst nicht, was du sagst
das will ich dir gern glauben
das kann ich von ihm nicht glauben
ihm wurde nicht, ihm wurde von niemandem geglaubt
saloppwer's glaubt, wird selig (= ich glaube es nicht)
es ist kaum zu glauben! (= Ausruf der Überraschung, Entrüstung)
ich glaube gar! (= Ausruf der Überraschung, des Zweifels)
jmdn. etw. glauben machen wollenjmdm. etw. einzureden versuchen
Beispiel:
er wollte mich glauben machen, dass er das schon gesagt habe
an etw. glauben
Beispiele:
an das Gute im Menschen, an jmds. Aufrichtigkeit glauben
an den Sieg der Wahrheit, des Fortschritts glauben
an Träume, Wunder glauben
Und was man immer wieder und wieder hört / daran glaubt man [ P. WeissMarat13]
an jmdn. glaubenvon jmds. Können und von seinem zukünftigen Erfolg überzeugt sein
Beispiel:
die Schwester des Dichters glaubte an ihn
salopp dran glauben müssenetw. Unangenehmes ertragen müssen; sterben müssen
Beispiel:
Jeder muß mal dran glauben (= muss mal sterben), der eine so, der andere so [ SchallückWenn man aufhören könnte161]
3.
eine religiöse Überzeugung haben
Beispiele:
an Gott, an die Auferstehung, Unsterblichkeit glauben
er konnte nicht mehr glauben
fest, unbeirrbar glauben
sie glaubt wieder
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

glauben · Glaube · gläubig · Gläubiger1 · Gläubiger2 · glaubhaft · glaublich · unglaublich · glaubwürdig
glauben Vb. ‘annehmen, vermuten, für wahr halten, eine religiöse Überzeugung haben’, ahd. gilouben (8. Jh.), mhd. g(e)louben, asächs. gilōƀian, mnd. gelȫven, mnl. ghelōven, nl. geloven, aengl. gelēfan, gelīefan, (mit anderem Präfix) belȳfan, belēfan, engl. to believe, got. galaubjan ist ein Präfixverb mit Ablaut zu dem unter lieb (s. d.) behandelten Adjektiv im Sinne von ‘lieb halten, lieb nennen’. Wohl bereits in vorchristlicher Zeit bezieht sich das Verb auf das vertrauensvolle Verhältnis zwischen Mensch und heidnischem Gott (vgl. Wissmann Älteste Postverbalia (1938) 40), so daß es in der got., angelsächs. und ahd. Missionssprache für griech. pisté͞uein (πιστεύειν) bzw. lat. crēdere ‘(ver)trauen, glauben, für wahr halten’ eintreten und das Verhältnis des Menschen zum Christengott ausdrücken kann. Vor oder neben der religiösen Verwendung darf wohl ein Gebrauch im Sinne von ‘sich auf einen Menschen verlassen, ihm vertrauen’ (vgl. aengl. gelīefan ‘jmdm. vertrauen, sich auf jmdn. verlassen’, Beowulf) angenommen werden. Aus ‘jmdm. vertrauen in bezug auf die Wahrheit seiner Aussage’ entwickelt sich ‘etw. für wahr halten’, dann auch ‘für möglich halten, vermuten, meinen’ (bereits ahd.). – Glaube m. auch Glauben (seit dem 15. Jh. mit -n aus den flektierten Kasus), ‘Vertrauen, Zuversicht, innere Gewißheit von Gott, religiöse Überzeugung, Bekenntnis’, ahd. gilouba f. und giloubo m. (beide 8. Jh.), mhd. g(e)loube f. m., asächs. gilōƀo m., mnd. g(e)lōve m., mnl. ghelōve m. f. n., nl. geloof n., aengl. gelēafa m., engl. belief, Abstraktbildungen zum Verb. Im Dt. gilt maskulines Genus seit spätmhd. Zeit. gläubig Adj. ‘vertrauensvoll, an Gott, die Lehre der Kirche glaubend, fromm’, ahd. giloubīg (9. Jh.), mhd. g(e)loubec. Substantiviert Gläubiger1 m. ‘Bekenner des Christentums, frommer Mensch’, ahd. giloubīgo, mhd. g(e)loubige; allgemein (seit 18. Jh.) ‘Anhänger einer Religion, einer Glaubenslehre’. Gläubiger2 m. ‘wer aus einem Vertragsverhältnis von einem anderen eine Leistung, besonders Geld, zu fordern hat, Geld-, Kreditgeber’, spätmhd. geloubiger (14. Jh.), Übersetzung von lat. crēditor (und wohl auch von ital. creditore), ebenfalls Substantivierung des Adjektivs gläubig, jedoch mit festgewordener ehemaliger Flexionsendung -er (nach dem Muster der Nomina agentis), semantisch anknüpfend an glauben im Sinne von ‘jmdm. etw. anvertrauen, borgen’. glaubhaft Adj. ‘vertrauenswürdig, glaubwürdig, zuverlässig, überzeugend’, ahd. giloubhaft ‘rechtgläubig’ (9. Jh.), mhd. geloubehaft ‘glaubend, gläubig, glaubwürdig’. glaublich Adj. bis ins 18. Jh. auch gläublich, ‘überzeugend, verläßlich, wahrhaftig’, ahd. giloublīh (um 800), mhd. geloublich. unglaublich Adj. ‘unwahrscheinlich, unglaubhaft, ungeheuerlich, unfaßbar, unerhört’, als Adverb (steigernd) ‘überaus, sehr’, ahd. ungiloublīh (um 1000), mhd. ungelouplich, ungeloubelich ‘ungläubig, nicht zu glauben’. glaubwürdig Adj. ‘glaubhaft’ (15. Jh.), anfänglich im Bereich des Rechtswesens.

Thesaurus

Synonymgruppe
(von etwas) ausgehen · annehmen · denken · erwarten · glauben · meinen · mutmaßen · vermuten  ●  tippen auf  fig. · schätzen  ugs. · zu wissen glauben  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) einbilden · glauben · meinen
Synonymgruppe
(der) Meinung sein · (es) für richtig halten · (etwas) so sehen (dass) · der Ansicht sein · der Überzeugung sein · glauben (dass) · meinen (dass) · zu wissen glauben · überzeugt (sein)  ●  dafürhalten  geh.
Assoziationen
  • der festen Überzeugung · felsenfest überzeugt (von) · fest glauben (an)  ●  durchdrungen sein von dem Glauben (an)  geh.
  • (sich) absolut sicher sein (in/dass) · Stein und Bein schwören (können) · felsenfest überzeugt sein von · ich könnte schwören, dass · nicht den Schatten eines Zweifels haben (dass) · nicht den geringsten Zweifel haben (an/dass) · nicht den kleinsten Zweifel haben (an) · nicht den mindesten Zweifel hegen (an)
  • (von etwas) ausgehen · annehmen · denken · erwarten · glauben · meinen · mutmaßen · vermuten  ●  tippen auf  fig. · schätzen  ugs. · zu wissen glauben  geh.
Synonymgruppe
(etwas) wörtlich nehmen · (jemandem / einer Sache) Glauben schenken · ernst nehmen  ●  (etwas) unbesehen glauben  variabel · (jemandem etwas) glauben  Hauptform · (jemandem etwas) abkaufen  ugs., fig. · (jemandem etwas) abnehmen  ugs., fig. · für bare Münze nehmen  ugs. · gefressen haben  ugs., fig. · geschluckt haben  ugs., fig.
Assoziationen
  • (sich) anlocken lassen · (sich) blenden lassen · (sich) einwickeln lassen · (sich) täuschen lassen · hereinfallen (auf)  ●  (jemandem) auf den Leim gehen  ugs., fig. · (jemandem) aufsitzen  ugs. · (sich) einseifen lassen  ugs., fig. · einer Täuschung erliegen  geh.
Synonymgruppe
(jemandem etwas) zutrauen · Vertrauen haben (in) · Vertrauen setzen in · nicht zweifeln  ●  (an jemanden) glauben  Hauptform · für voll nehmen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) glauben · (jemanden) für vertrauenswürdig halten · Vertrauen haben zu · Vertrauen schenken  ●  (jemandem) vertrauen  Hauptform · Vertrauen entgegenbringen  geh.
Assoziationen
  • (sich) verlassen (auf) · ausgehen können von · bauen (auf) · ganz sicher sein (können) · vertrauen · zählen (auf)  ●  (einen) lassen können (auf)  derb · Gift nehmen können (auf)  ugs. · gehen (können) nach  ugs.
  • (fest) glauben an · (sich) verlassen auf · (sich) viel erhoffen von · bauen auf · setzen auf · sich viel versprechen von · vertrauen auf · viel erwarten von  ●  (große) Hoffnungen setzen in  Hauptform
  • (jemandem) Vertrauen schenken · (jemanden) für vertrauenswürdig halten · für wahr halten, was jemand sagt · nicht an jemandes ehrlichen Absichten zweifeln · nichts Böses vermuten hinter · von jemandes Loyalität ausgehen · von jemandes ehrlichen Absichten überzeugt sein  ●  (jemandem) trauen  Hauptform · (jemandem etwas) abnehmen  ugs.
Synonymgruppe
an Gott glauben · einen Glauben haben · glauben · gläubig sein · gottgläubig sein · religiös sein
Assoziationen
Synonymgruppe
(etwas) glauben · davon ausgehen, dass etwas stimmt  ●  (etwas) für wahr halten  Hauptform

Typische Verbindungen zu ›glauben‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›glauben‹.

Verwendungsbeispiele für ›glauben‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Fast niemand glaubte mehr so recht an die Doktrin der »unsichtbaren Hand«. [Kurz, Robert: Schwarzbuch Kapitalismus, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 616]
Aber nachdem ich mich eingearbeitet hatte, glaubte ich, dem Mann helfen zu können. [Hannover, Heinrich: Die Republik vor Gericht 1975 – 1995, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1999], S. 233]
Der größte Teil der konservativen Autoren glaubte sich notgedrungen arrangieren zu müssen. [Wittmann, Reinhard: Geschichte des deutschen Buchhandels. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Geschichte des deutschen Buchwesens, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1991], S. 7737]
Sie glaubte mit ihren Methoden das letzte Wesen der Dinge erkennen zu können. [Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel, München: Hanser 1988, S. 405]
Und ich glaube, diese Versammlung hat damals doch ihren großen Erfolg gehabt, nämlich? [o. A.: Gespräch mit Hans Hinkel über sein Buch »Einer unter Hunderttausend", 15.11.1938]
Zitationshilfe
„glauben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/glauben>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
glau
glatzköpfig
glattzüngig
glattzupfen
glattziehen
glaubensfest
glaubenshungrig
glaubenslos
glaubensstark
glaubensverschieden