glaubhaft

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungglaub-haft (computergeneriert)
Wortzerlegungglauben-haft
Wortbildung mit ›glaubhaft‹ als Erstglied: ↗Glaubhaftigkeit · ↗Glaubhaftmachung  ·  mit ›glaubhaft‹ als Letztglied: ↗unglaubhaft
eWDG, 1969

Bedeutung

so, dass es für wahr gehalten wird, geglaubt wird
Beispiele:
eine glaubhafte Entschuldigung, Begründung
ein glaubhafter Bericht
er verlieh der Rolle glaubhafte Züge
was er mir sagte, war glaubhaft, klang glaubhaft
etw. glaubhaft zu machen versuchen, darstellen
er konnte nichts Glaubhaftes vorbringen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

glauben · Glaube · gläubig · Gläubiger1 · Gläubiger2 · glaubhaft · glaublich · unglaublich · glaubwürdig
glauben Vb. ‘annehmen, vermuten, für wahr halten, eine religiöse Überzeugung haben’, ahd. gilouben (8. Jh.), mhd. g(e)louben, asächs. gilōƀian, mnd. gelȫven, mnl. ghelōven, nl. geloven, aengl. gelēfan, gelīefan, (mit anderem Präfix) belȳfan, belēfan, engl. to believe, got. galaubjan ist ein Präfixverb mit Ablaut zu dem unter ↗lieb (s. d.) behandelten Adjektiv im Sinne von ‘lieb halten, lieb nennen’. Wohl bereits in vorchristlicher Zeit bezieht sich das Verb auf das vertrauensvolle Verhältnis zwischen Mensch und heidnischem Gott (vgl. Wissmann Älteste Postverbalia (1938) 40), so daß es in der got., angelsächs. und ahd. Missionssprache für griech. pisté͞uein (πιστεύειν) bzw. lat. crēdere ‘(ver)trauen, glauben, für wahr halten’ eintreten und das Verhältnis des Menschen zum Christengott ausdrücken kann. Vor oder neben der religiösen Verwendung darf wohl ein Gebrauch im Sinne von ‘sich auf einen Menschen verlassen, ihm vertrauen’ (vgl. aengl. gelīefan ‘jmdm. vertrauen, sich auf jmdn. verlassen’, Beowulf) angenommen werden. Aus ‘jmdm. vertrauen in bezug auf die Wahrheit seiner Aussage’ entwickelt sich ‘etw. für wahr halten’, dann auch ‘für möglich halten, vermuten, meinen’ (bereits ahd.). Glaube m. auch Glauben (seit dem 15. Jh. mit -n aus den flektierten Kasus), ‘Vertrauen, Zuversicht, innere Gewißheit von Gott, religiöse Überzeugung, Bekenntnis’, ahd. gilouba f. und giloubo m. (beide 8. Jh.), mhd. g(e)loube f. m., asächs. gilōƀo m., mnd. g(e)lōve m., mnl. ghelōve m. f. n., nl. geloof n., aengl. gelēafa m., engl. belief, Abstraktbildungen zum Verb. Im Dt. gilt maskulines Genus seit spätmhd. Zeit. gläubig Adj. ‘vertrauensvoll, an Gott, die Lehre der Kirche glaubend, fromm’, ahd. giloubīg (9. Jh.), mhd. g(e)loubec. Substantiviert Gläubiger1 m. ‘Bekenner des Christentums, frommer Mensch’, ahd. giloubīgo, mhd. g(e)loubige; allgemein (seit 18. Jh.) ‘Anhänger einer Religion, einer Glaubenslehre’. Gläubiger2 m. ‘wer aus einem Vertragsverhältnis von einem anderen eine Leistung, besonders Geld, zu fordern hat, Geld-, Kreditgeber’, spätmhd. geloubiger (14. Jh.), Übersetzung von lat. crēditor (und wohl auch von ital. creditore), ebenfalls Substantivierung des Adjektivs gläubig, jedoch mit festgewordener ehemaliger Flexionsendung -er (nach dem Muster der Nomina agentis), semantisch anknüpfend an glauben im Sinne von ‘jmdm. etw. anvertrauen, borgen’. glaubhaft Adj. ‘vertrauenswürdig, glaubwürdig, zuverlässig, überzeugend’, ahd. giloubhaft ‘rechtgläubig’ (9. Jh.), mhd. geloubehaft ‘glaubend, gläubig, glaubwürdig’. glaublich Adj. bis ins 18. Jh. auch gläublich, ‘überzeugend, verläßlich, wahrhaftig’, ahd. giloublīh (um 800), mhd. geloublich. unglaublich Adj. ‘unwahrscheinlich, unglaubhaft, ungeheuerlich, unfaßbar, unerhört’, als Adverb (steigernd) ‘überaus, sehr’, ahd. ungiloublīh (um 1000), mhd. ungelouplich, ungeloubelich ‘ungläubig, nicht zu glauben’. glaubwürdig Adj. ‘glaubhaft’ (15. Jh.), anfänglich im Bereich des Rechtswesens.

Thesaurus

Synonymgruppe
annehmbar · ↗denkbar · ernst zu nehmen · ↗erwartbar · glaubhaft · ↗glaubwürdig · vermutbar
Assoziationen
Synonymgruppe
augenfällig · ↗begreiflich · ↗eingängig · ↗einleuchtend · ↗einsichtig · ↗einsichtsvoll · ↗erklärlich · ↗ersichtlich · ↗fassbar · ↗fasslich · glaubhaft · ↗klar · ↗nachvollziehbar · nachzuvollziehen · ↗plausibel · ↗schlagend · ↗schlüssig · ↗sinnfällig · ↗triftig · ↗verstehbar · ↗verständlich · ↗überzeugend  ●  ↗evident  geh. · ↗intelligibel  fachspr., Philosophie · ↗noetisch  fachspr., griechisch, Philosophie
Assoziationen
Antonyme

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abschreckung Abschreckungsfähigkeit Alibi Androhung Beteuerung Dementi Drohkulisse Drohung Geheimdienstinformation Geständnis Zeugenaussage beteuern darlegen durchaus einigermaßen gemacht halbwegs kaum klingen machen nachvollziehbar nachweisen rüberbringen schlüssig unbestätigt verkörpern vermitteln versichern vorleben wenig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›glaubhaft‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wer sie nie in Frage gestellt hat, kann sie nicht glaubhaft verteidigen.
Der Tagesspiegel, 09.02.2001
Und dann wieder glaubhaft in ihrer tränenreichen Verteidigung, so daß man überhaupt nicht mehr weiß, wo man dran ist.
Süddeutsche Zeitung, 20.04.1996
Daß sie alle verloren gegangen sein sollen, ist wenig glaubhaft.
Stäblein, Bruno: Sequenz. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1965], S. 22053
Alles wob sich zur Wand, die bezeichneten Eingänge waren wohl sichtbar, aber nicht eigentlich glaubhaft.
Doderer, Heimito von: Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre, Gütersloh: Bertelsmann 1996 [1951], S. 654
Vieles mag immerhin glaubhaft genug erscheinen, um es einfach nachzuerzählen, aber es ist nicht glaubhaft genug, um, wie unser Zweck es verlangt, Schlüsse darauf aufzubauen.
Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Erster Teil: Das Altertum, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1920], S. 892
Zitationshilfe
„glaubhaft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/glaubhaft>, abgerufen am 13.12.2019.

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