glaubwürdig

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung glaub-wür-dig
Wortzerlegung glauben würdig
Wortbildung  mit ›glaubwürdig‹ als Erstglied: Glaubwürdigkeit  ·  mit ›glaubwürdig‹ als Letztglied: unglaubwürdig
eWDG

Bedeutung

so, dass jmdm. geglaubt wird
Beispiele:
ein glaubwürdiger Zeuge
der Zeuge ist, spricht glaubwürdig
Ich … muß mich, um glaubwürdig zu bleiben, hier dennoch bequemen, all die Versionen wunderbarer Rettungen wiederzugeben [ GrassBlechtrommel27]
so, dass es geglaubt wird, glaubhaft
Beispiele:
eine glaubwürdige Erklärung
Nach glaubwürdigen Überlieferungen [ MusilMann309]
in der durchaus glaubwürdigen Absicht, seinen Weg bis nach Wilna zu nehmen [ A. ZweigGrischa109]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

glauben · Glaube · gläubig · Gläubiger1 · Gläubiger2 · glaubhaft · glaublich · unglaublich · glaubwürdig
glauben Vb. ‘annehmen, vermuten, für wahr halten, eine religiöse Überzeugung haben’, ahd. gilouben (8. Jh.), mhd. g(e)louben, asächs. gilōƀian, mnd. gelȫven, mnl. ghelōven, nl. geloven, aengl. gelēfan, gelīefan, (mit anderem Präfix) belȳfan, belēfan, engl. to believe, got. galaubjan ist ein Präfixverb mit Ablaut zu dem unter lieb (s. d.) behandelten Adjektiv im Sinne von ‘lieb halten, lieb nennen’. Wohl bereits in vorchristlicher Zeit bezieht sich das Verb auf das vertrauensvolle Verhältnis zwischen Mensch und heidnischem Gott (vgl. Wissmann Älteste Postverbalia (1938) 40), so daß es in der got., angelsächs. und ahd. Missionssprache für griech. pisté͞uein (πιστεύειν) bzw. lat. crēdere ‘(ver)trauen, glauben, für wahr halten’ eintreten und das Verhältnis des Menschen zum Christengott ausdrücken kann. Vor oder neben der religiösen Verwendung darf wohl ein Gebrauch im Sinne von ‘sich auf einen Menschen verlassen, ihm vertrauen’ (vgl. aengl. gelīefan ‘jmdm. vertrauen, sich auf jmdn. verlassen’, Beowulf) angenommen werden. Aus ‘jmdm. vertrauen in bezug auf die Wahrheit seiner Aussage’ entwickelt sich ‘etw. für wahr halten’, dann auch ‘für möglich halten, vermuten, meinen’ (bereits ahd.). Glaube m. auch Glauben (seit dem 15. Jh. mit -n aus den flektierten Kasus), ‘Vertrauen, Zuversicht, innere Gewißheit von Gott, religiöse Überzeugung, Bekenntnis’, ahd. gilouba f. und giloubo m. (beide 8. Jh.), mhd. g(e)loube f. m., asächs. gilōƀo m., mnd. g(e)lōve m., mnl. ghelōve m. f. n., nl. geloof n., aengl. gelēafa m., engl. belief, Abstraktbildungen zum Verb. Im Dt. gilt maskulines Genus seit spätmhd. Zeit. gläubig Adj. ‘vertrauensvoll, an Gott, die Lehre der Kirche glaubend, fromm’, ahd. giloubīg (9. Jh.), mhd. g(e)loubec. Substantiviert Gläubiger1 m. ‘Bekenner des Christentums, frommer Mensch’, ahd. giloubīgo, mhd. g(e)loubige; allgemein (seit 18. Jh.) ‘Anhänger einer Religion, einer Glaubenslehre’. Gläubiger2 m. ‘wer aus einem Vertragsverhältnis von einem anderen eine Leistung, besonders Geld, zu fordern hat, Geld-, Kreditgeber’, spätmhd. geloubiger (14. Jh.), Übersetzung von lat. crēditor (und wohl auch von ital. creditore), ebenfalls Substantivierung des Adjektivs gläubig, jedoch mit festgewordener ehemaliger Flexionsendung -er (nach dem Muster der Nomina agentis), semantisch anknüpfend an glauben im Sinne von ‘jmdm. etw. anvertrauen, borgen’. glaubhaft Adj. ‘vertrauenswürdig, glaubwürdig, zuverlässig, überzeugend’, ahd. giloubhaft ‘rechtgläubig’ (9. Jh.), mhd. geloubehaft ‘glaubend, gläubig, glaubwürdig’. glaublich Adj. bis ins 18. Jh. auch gläublich, ‘überzeugend, verläßlich, wahrhaftig’, ahd. giloublīh (um 800), mhd. geloublich. unglaublich Adj. ‘unwahrscheinlich, unglaubhaft, ungeheuerlich, unfaßbar, unerhört’, als Adverb (steigernd) ‘überaus, sehr’, ahd. ungiloublīh (um 1000), mhd. ungelouplich, ungeloubelich ‘ungläubig, nicht zu glauben’. glaubwürdig Adj. ‘glaubhaft’ (15. Jh.), anfänglich im Bereich des Rechtswesens.

Thesaurus

Synonymgruppe
annehmbar · denkbar · ernst zu nehmen · erwartbar · glaubhaft · vermutbar  ●  glaubwürdig  Hauptform
Assoziationen
  • ernst zu nehmen · nicht von der Hand zu weisen · seriös

Typische Verbindungen zu ›glaubwürdig‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›glaubwürdig‹.

Verwendungsbeispiele für ›glaubwürdig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Während er spricht, weiß er, daß er schlecht spricht, viel zu erregt, nicht glaubwürdig. [Feuchtwanger, Lion: Die Geschwister Oppermann, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1933], S. 321]
Diese Dinge mögen glaubwürdig erscheinen, doch sind sie nicht wahr. [o. A.: Zwölfter Tag. Dienstag, 4. Dezember 1945. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1945], S. 15523]
Wir denken, nur so glaubwürdig als neutrale Helfer auftreten zu können. [Die Zeit, 06.05.1999, Nr. 19]
Dennoch gibt es keine glaubwürdige Strategie für eine direkte Intervention. [Die Zeit, 05.02.1998, Nr. 7]
Sicherlich gibt es so ein Mittel, und es wird Ihnen eine Zeitlang helfen können, im glaubwürdigsten Aufzuge als alter Mann unbeobachtet arbeiten zu können. [Rubiner, Ludwig: Brief an einen Aufrührer. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1913], S. 16724]
Zitationshilfe
„glaubwürdig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/glaubw%C3%BCrdig>.

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