gleichmütig

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung gleich-mü-tig
Wortzerlegung Gleichmut -ig
Wortbildung  mit ›gleichmütig‹ als Erstglied: Gleichmütigkeit
eWDG

Bedeutung

unverändert ruhig
Beispiele:
eine Nachricht gleichmütig aufnehmen, anhören
seine gleichmütige Ruhe
er sprach mit gleichmütiger Höflichkeit
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gleich · Gleiche · Gleichheit · gleichen · begleichen · vergleichen · Vergleich · Vergleichung · Gleichnis · gleichsam · Gleichung · Gleichgewicht · gleichgültig · Gleichgültigkeit · gleichmäßig · Gleichmaß · gleichmütig · Gleichmut · Gleichschritt · gleichwohl · gleichzeitig
gleich Adj. ‘in allen oder wesentlichen Merkmalen übereinstimmend, ähnlich, der-, die-, dasselbe’, Adv. ‘sofort, auf einmal’, ahd. gilīh Adj., gilīhho Adv. (beide 8. Jh.), mhd. g(e)līch, -lich Adj., g(e)līche Adv., asächs. gilīk Adj., gilīko Adv., mnd. g(e)līk, mnl. ghelijc, nl. gelijk, aengl. (ge)līc, engl. like, anord. (g)līkr, got. galeiks beruhen auf einer Zusammensetzung germ. *ga-līka- aus dem unter ge- (s. d.) behandelten Präfix und germ. *līka- ‘Körper, Gestalt’ (s. Leiche, -lich), so daß von einer Bedeutung ‘dieselbe Gestalt habend’ auszugehen ist. Adjektivischen Gebrauch von germ. *līka- im Sinne von ‘ähnlich, gleich, glatt, passend’ setzen ahd. līhhēn, gilīhhēn (8. Jh.), mhd. gelīchen ‘gefallen’ mit asächs. līkon, mnl. ghelīken, aengl. līcian, engl. to like, anord. līka, got. leikan, galeikan voraus. Außergerm. vergleichbar sind lit. lýgus ‘gleich, gleichartig, gut gebaut’, lýgti ‘gleichen, gleichkommen’, lett. līgt ‘übereinkommen’, so daß auf Grund der germ.-balt. Parallelen von ie. *lē̌ig- bzw. *līg- ‘Gestalt, die Gestalt jmds. habend, gleich, ähnlich’ ausgegangen werden kann. Gleiche f. nur noch in der Wendung in die Gleiche (‘ins Gleichgewicht, in Ordnung’) bringen, ahd. gilīhhī ‘Ähnlichkeit, Gleichheit’ (um 1000), mhd. gelīche; dafür heute allgemein Gleichheit (s. unten). Erhalten hat sich das Substantiv in Tagundnachtgleiche (17. Jh.), für lat. aequinoctium. Gleichheit f. ‘Übereinstimmung (in allen oder wesentlichen Merkmalen), Ähnlichkeit, gleiche Stellung, Gleichrangigkeit, Gleichberechtigung’, mhd. gelīcheit, glīcheit ‘Gleichheit, Gleichmäßigkeit, Gleichnis’, in der Mystik ‘Gleichmut aus Gottergebenheit’, im 16. Jh. synonymes Gleiche (s. oben) zurückdrängend. gleichen Vb. ‘gleich, ähnlich sein’, mhd. gelīchen; die heute übliche starke Flexion kommt (wohl in Analogie zu Verben wie bleichen, schleichen, streichen) im 16./17. Jh. auf und setzt sich im 18. Jh. durch. Daneben steht (transitiv) ahd. gilīhhen (8. Jh.), mhd. gelīchen, nhd. gleichen ‘gleich, ähnlich machen’, dessen schwache Flexion bis zur Ablösung des Verbs durch Präfixbildungen (19. Jh.) beibehalten wird; doch weisen die zugehörigen Präfixverben (an-, aus-, be-, vergleichen) heute ebenfalls starke Flexion auf. begleichen Vb. ‘bezahlen, bereinigen, ausgleichen’, Neubildung (nach nur kurzlebigem frühnhd. sich begleichen ‘sich vergleichen’) Ende des 19. Jhs. in der Handelssprache für saldieren, das zuvor mit vergleichen, ab-, ausgleichen verdeutscht wird. vergleichen Vb. ‘prüfend nebeneinanderstellen’, reflexiv ‘sich gütlich einigen’, mhd. verg(e)līchen ‘ausgleichen’, reflexiv ‘sich vertragen’; Vergleich m. ‘prüfende, kritische Nebeneinanderstellung, gütlicher Ausgleich in einem Streitfall, Einigung’ (17. Jh.), älter Vergleichung f. mhd. vergelīchunge. Gleichnis n. ‘Veranschaulichung eines Sachverhaltes durch eine beispielhafte, bildliche Darstellung’, ahd. gilīhnissa, gilīhnessi, -nissi ‘Abbild, Ähnlichkeit, Gleichnis’ (8. Jh.), mhd. gelīchnisse. gleichsam Adv. ‘gewissermaßen, in derselben Art wie’ (15. Jh.). Gleichung f. in der Mathematik ‘Gleichsetzung mathematischer Größen’ (Ende 17. Jh.), Verdeutschung von lat. aequātio anstelle des im 16. und 17. Jh. üblichen Vergleichung; zuvor ‘Vergleichung, Gleichartigkeit, Ähnlichkeit’ (vereinzelt bis ins 19. Jh.), mhd. g(e)līchunge. Gleichgewicht n. ‘Gleichheit des Gewichts’ (16. Jh.) für lat. aequipondium (aus lat. aequus ‘gleich’ und lat. pondus n. ‘Gewicht’; vgl. gleichwichtig, 15. Jh., gleichgewichtig, Gleichwichtigkeit, 16. Jh.), ‘Balance, Zustand eines Körpers, in dem sich die auf ihn entgegengesetzt einwirkenden Kräfte aufheben’ (17. Jh.) für lat. aequilībrium (zu lat. aequilībris ‘im Gleichgewicht’, lat. lībra ‘Waage, Pfund’), übertragen ‘Ausgleich von Kräften, Machtverhältnissen, seelische Ruhe, Ausgeglichenheit’ (18. Jh.). gleichgültig Adj. ‘teilnahmslos, belanglos, unwesentlich’ (18. Jh.), zuvor ‘gleichwertig, gleichbedeutend’, auch ‘ohne Wert, ohne Bedeutung’ (um 1600); Gleichgültigkeit f. (2. Hälfte 17. Jh.). gleichmäßig Adj. ‘unverändert fortlaufend, regelmäßig, ruhig, ausgeglichen’ (15. Jh.); Gleichmaß n. ‘Ebenmaß, Gleichförmigkeit, Ausgeglichenheit’ (vereinzelt 16. Jh., häufiger seit etwa 1700). gleichmütig Adj. ‘ruhig, gefaßt, gelassen’ (15. Jh.); dazu die Rückbildung Gleichmut m. ‘Gelassenheit’ (17. Jh.). Gleichschritt m. ‘gleichmäßige Bewegung zweier und mehrerer Personen bzw. der Truppe mit einheitlicher Schrittlänge und taktmäßigem Niedersetzen des gleichen Fußes’ (2. Hälfte 18. Jh.). gleichwohl Konj. Adv. ‘trotz dem Vorhergesagten, dennoch, trotzdem’ (15. Jh.), Zusammenrückung von gleich und wohl, spätmhd. gelīche wol, eigentlich ‘in gleicher Weise gut, wirksam’, mnd. gelīkewol. gleichzeitig Adj. ‘zur gleichen Zeit’ (Mitte 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
gefasst · gleichmütig · kaltblütig · kühl · nervenstark · nicht aus der Ruhe zu bringen · ruhig · seelenruhig · stoisch · unaufgeregt · unerschütterlich · ungerührt  ●  ohne mit der Wimper zu zucken  ugs., fig.
Assoziationen
  • eiskalt · emotionslos · gefühllos · gefühlsarm · gefühlskalt · gemütsarm · hartgesotten · skrupellos · verroht  ●  abgebrüht  ugs. · kaltschnäuzig  ugs.
  • beherrscht · diszipliniert · kontrolliert · nicht (so leicht) aus der Reserve zu locken
  • bedacht · besonnen · durchdacht · mit Vorbedacht · mit Weitblick · planvoll · strategisch · umsichtig · vorausblickend · vorausplanend · vorausschauend · weitsichtig · wohlüberlegt · überdacht · überlegt
  • (so leicht) nicht zu erschüttern · dickfellig · seelenruhig · unbeeindruckt · ungerührt  ●  (jemanden) bringt so schnell nichts aus der Ruhe  floskelhaft · (so leicht) nicht aus der Ruhe zu bringen  Hauptform · cool drauf  ugs.
  • beruhige dich (wieder)!  ●  (immer schön) geschmeidig bleiben  ugs., jugendsprachlich · (jetzt) beruhig(e) dich (erst mal)!  ugs. · (jetzt) chill mal  ugs., jugendsprachlich · (jetzt) halt (mal) die Luft an!  ugs. · (jetzt) mach (aber) mal halblang  ugs. · (nun) halt mal den Ball flach  ugs., fig. · (so) beruhigen Sie sich (doch)!  geh. · bleib mal locker  ugs. · chill mal deine Base  ugs., jugendsprachlich, variabel · entspann dich!  ugs. · jetzt beruhig' dich mal wieder!  ugs. · jetzt reg dich (doch) nicht (gleich) auf  ugs. · komm (mal) wieder runter  ugs., fig. · krieg' dich wieder ein!  ugs. · reg dich (wieder) ab  ugs. · wer wird denn gleich!?  geh., veraltend
  • (sich) nicht nervös machen lassen · Nerven wie Drahtseile (haben) · nervenstark (sein) · starke Nerven (haben)  ●  keine Nerven zeigen  fig.
  • sachbezogen · sachlich · unpersönlich  ●  detachiert  geh., veraltet
Synonymgruppe
gleichmütig · lapidar · stoisch · trocken · ungerührt  ●  cool  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›gleichmütig‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gleichmütig‹.

Verwendungsbeispiele für ›gleichmütig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zwei von ihnen waren gleichmütig liegen geblieben, in ihre Mäntel gewickelt. [Frenssen, Gustav: Peter Moors Fahrt nach Südwest, Berlin: Grote 1920 [1906], S. 124]
Manchmal setzt ein Tier jahrelang gleichmütig einen Fuß vor den anderen. [Die Zeit, 14.03.2011, Nr. 11]
Als er 1992 plötzlich mit Preisen überhäuft wurde, nachdem er zehn Jahre keine Platte mehr aufgenommen hatte, war er ebenso verblüfft wie verblüffend gleichmütig erfreut. [Die Zeit, 09.07.2001, Nr. 28]
Dem Tisch sind Überschriften egal – er trägt die Toten gleichmütig. [Süddeutsche Zeitung, 29.01.1994]
Sie wirken gleichmütig, ja emotionslos – wie die Stilleben der alten Meister. [Bild, 11.07.1998]
Zitationshilfe
„gleichmütig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gleichm%C3%BCtig>.

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