gleisnerisch

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennunggleis-ne-risch (computergeneriert)
WortzerlegungGleisner-isch
eWDG, 1969

Bedeutung

veraltet heuchlerisch, scheinheilig
Beispiele:
eine gleisnerische Außenseite
gleisnerische Freundlichkeit
Geh, falsche, gleisnerische Königin! [SchillerStuartII 6]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gleisner · gleisnerisch
Gleisner m. ‘Heuchler, Scheinheiliger’, mhd. gelīchs(e)nære und (mit Beseitigung der Konsonantenhäufung) glīsenære ist eine Bildung zu dem vom Adjektiv mhd. g(e)līch, ahd. gilīh (s. ↗gleich) abgeleiteten Verb mhd. gelīchsenen ‘heucheln’, einer Nebenform von gelīchesen, ahd. gilīhhisōn ‘jmdm. gleichtun, sich verstellen, heucheln’ (um 800), eigentlich ‘sich einem anderen gleichstellen’, wozu ahd. gilīhhisāri (9. Jh.), mhd. gelīchesære ‘Heuchler’. Das Sprachgefühl lehnt das Wort schon früh an das etymologisch nicht verwandte ↗gleißen (s. d.) an, daher früher auch Gleißner geschrieben. gleisnerisch Adj. ‘heuchlerisch, scheinheilig’ (Ende 15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
bigott · ↗doppelzüngig · geheuchelt · ↗heuchlerisch · ↗hypokritisch · ↗pharisäerhaft · ↗schlangenzüngig · ↗unaufrichtig · ↗verlogen  ●  ↗scheinheilig  Hauptform · ↗falsch  ugs. · gleisnerisch  geh., veraltet · ↗hintenrum  ugs. · ↗hinterfotzig  derb, bair. · ↗link  ugs. · ↗scheißfreundlich  derb
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Im Gegensatz zu unseren Gegnern, die unter gleisnerischen Phrasen und verführerischen Versprechungen nur weltimperialistische, völkerfeindliche Ziele verfolgen, verteidigen wir unser Leben.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1944]
Heribert Sasse präsentierte sie, vom Publikum gefeiert, mit einer raffiniert gleisnerischen, wirkungssicheren Freundlichkeit.
Der Tagesspiegel, 11.04.1999
Der gleisnerische Mesner Matthias hatte trotz seines Katarrhs großen Appetit auf Grießklößchen.
Reimann, Hans: Vergnügliches Handbuch der Deutschen Sprache, Düsseldorf: Econ-Verl. 1964 [1931], S. 190
Sie käme den Bündnern nicht mehr zunutze, sondern Athen verwende sie für sich selbst und putze sich damit auf wie ein gleisnerisches Weib.
Heuß, Alfred: Hellas. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 3755
Und das Haupt des alten Peter O'Toole strahlt genial das gleisnerische Air und die verzweifelte Machtbesessenheit der von Reformideen bedrängten Kirche aus.
Die Zeit, 02.12.1999, Nr. 49
Zitationshilfe
„gleisnerisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gleisnerisch>, abgerufen am 21.07.2019.

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