glimpflich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungglimpf-lich (computergeneriert)
Wortbildung mit ›glimpflich‹ als Erstglied: ↗Glimpflichkeit
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
ohne größeren Schaden
Beispiele:
er ist noch glimpflich davongekommen
das ist noch einmal glimpflich abgegangen, verlaufen
ein glimpflicher Ausgang der Verhandlungen
Weniger glimpflich erging es jenem Manne [KusenbergNicht zu glauben22]
2.
nachsichtig, schonend
Beispiele:
jmdn. glimpflich behandeln
mit jmdm. glimpflich umgehen
die Strafe war glimpflich (= mild) ausgefallen
Er war sehr zufrieden, mit den Töchtern auch Tengnagel auf eine glimpfliche Weise losgeworden zu sein [TralowKepler121]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

glimpflich · unglimpflich · Unglimpf · verunglimpfen
glimpflich Adj. ‘ohne größeren Schaden, schonend, nachsichtig’. Das nur im Dt. und Engl. bezeugte Adjektiv ahd. gilimphlīh (9. Jh.), mhd. gelimpflich ‘recht, angemessen’, mnd. (ge)limplīk, aengl. (ge)limplic ‘passend, geeignet, angemessen’, (ablautend) asächs. gilumplīk ‘passend’ hat neben sich (bei ungeklärtem Ableitungsverhältnis) ein im Frühnhd. untergehendes starkes Verb ahd. limphan (9. Jh.), gilimphan (um 800) ‘zukommen, zutreffen, geziemen’, mhd. limpfen ‘angemessen, geeignet sein’, aengl. (ge)limpan ‘geschehen, vorhanden sein, angemessen sein’, ein Adjektiv ahd. gilimph (um 1000), mhd. gelimpf ‘angemessen’ und ein wohl zum Verb gebildetes Substantiv ahd. gilimph ‘Angemessenheit’ (um 1000), mhd. g(e)limpf ‘angemessenes, schonendes Benehmen’, nhd. Glimpf ‘Schonung, Nachsicht’ (so noch in der Fügung mit Glimpf ‘auf gute Art’), mnd. gelimp, aengl. gelimp ‘Ereignis, Zufall’. Herkunft ungewiß. Man hat versucht, mhd. limpfen ‘hinken’, engl. to limp ‘hinken’, limp ‘schlaff, schlapp, biegsam’, aengl. lemphealt ‘hinkend’, mnd. lumpen ‘hinken, lahmen, sich fortschleppen’, die unter ↗Lumpen und ↗Schlampe (s. d.) angeführten Wörter und außergerm. aind. rámbatē, jünger lámbatē ‘hängt (schlaff) herab’, lambana- ‘herabhängend’, lat. limbus ‘Besatz am Kleid, Saum’ vergleichend heranzuziehen. Dann ist Anschluß an ie. *(s)lemb(h)-, die nasalierte Form der unter ↗Lappen (s. d.) genannten Wurzel ie. *lē̌b-, *lō̌b-, *lā̌b- ‘schlaff herabhängen(d)’ (wozu auch mit s-Anlaut ↗schlafen, ↗schlaff, ↗schlapp, s. d.), möglich, sofern man eine Bedeutungsentwicklung von ‘schlaff, locker’ zu ‘biegsam’ und zu ‘weich, rücksichtsvoll, nachsichtig’, weiter zu ‘angemessen, geeignet’ annimmt. unglimpflich Adj. ‘schonungslos, ungerecht, kränkend’, ahd. ungilimphlīh ‘unpassend, unrichtig’ (8. Jh.), mhd. ungelimpflich. Unglimpf m. ‘Unrecht, Kränkung, Schaden, Beleidigung’, mhd. ungelimpf ‘unziemliches Betragen, Unangemessenheit, Unrecht’. verunglimpfen Vb. ‘schmähen, beleidigen’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
friedlich · glimpflich · ↗harmlos · ↗mild · ↗sanft · ↗weich
Synonymgruppe
barmherzig · glimpflich · ↗mild · ↗nachsichtig
Assoziationen
  • (etwas) nicht ahnden · (etwas) nicht bestrafen · (jemandem etwas) durchgehen lassen · (jemandem) etwas nachsehen · (jemandem) nicht böse sein (können) · (sich) nachsichtig zeigen · Gnade walten lassen · Milde walten lassen · Nachsicht üben · auf (eine) Bestrafung verzichten · auf (eine) Strafe verzichten · barmherzig sein · gnädig sein · nicht zu streng sein · von einer Bestrafung absehen  ●  Gnade vor Recht ergehen lassen  floskelhaft · beide Augen zudrücken  fig. · dann woll'n wir mal nicht so sein  ugs., Spruch · etwas mit dem Mantel der Nächstenliebe zudecken  ugs., sprichwörtlich
  • (etwas) dulden(d) · ↗duldsam · ↗gütig · ↗tolerant · viel Verständnis haben (für)  ●  ↗nachsichtig  Hauptform · ↗verständnisvoll  Hauptform · ↗gelinde  geh., veraltend · ↗konnivent  geh., bildungssprachlich · milde gestimmt  geh. · ↗permissiv  geh., bildungssprachlich

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausgang Verlauf abgehen abgelaufen ablaufen ausfallen ausgegangen ausgehen beendet davongekommen davonkommen diesmal einigermaßen enden glücklicherweise halbwegs letztlich meist umspringen verfahren vergleichsweise verhältnismäßig verlaufen verlaufend wegkommen weniger zumeist überstanden überstehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›glimpflich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dann wäre der Keeper vielleicht glimpflicher davon gekommen als drei Minuten später.
Die Welt, 29.11.2004
Eher sollte er sich glücklich schätzen, so glimpflich davongekommen zu sein.
Süddeutsche Zeitung, 05.12.1995
Frankreich kam jetzt nicht wieder so glimpflich davon wie anderthalb Jahre früher.
Nürnberger, Richard: Das Zeitalter der französischen Revolution und Napoleons. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 16365
Unter den Frauen ging es diesmal glimpflicher ab als unter den Männern.
Klepper, Jochen: Der Vater, Gütersloh: Bertelsmann 1962 [1937], S. 38
Da sich niemand gemeldet hat, ist die Sache glimpflich abgegangen.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1942. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1942], S. 18
Zitationshilfe
„glimpflich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/glimpflich>, abgerufen am 21.10.2019.

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