glorifizieren

GrammatikVerb · glorifiziert, glorifizierte, hat glorifiziert
Aussprache
Worttrennungglo-ri-fi-zie-ren
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›glorifizieren‹ als Erstglied: ↗Glorifizierung  ·  mit ›glorifizieren‹ als Grundform: ↗Glorifikation
eWDG, 1969

Bedeutung

jmdn., etw. verherrlichen
Beispiele:
jmdn. als Helden, Märtyrer glorifizieren
seine Tat wurde durch die Presse glorifiziert
die Vergangenheit, ein Land glorifizieren
Am kleinen Fürstenhofe zu Granitz wurde Erasmus glorifiziert und verwöhnt [G. Hauptm.2,371]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Glorie · Gloria · glorreich · Gloriole · glorios · glorifizieren
Glorie f. ‘Ruhm, Glanz’, in der Sprache des Christentums auch ‘(himmlische) Herrlichkeit’, mhd. glōrie, glōrje, entlehnt aus lat. glōria ‘Ruhm, Ehre’. In Anlehnung an ‘himmlische Herrlichkeit’ bezeichnet Glorie in der Malerei einen den ganzen Körper Christi, Mariens oder eines Heiligen umgebenden leuchtenden Schein (17. Jh.). Gloria n. (mit lat. Endung) bezeichnet den Lobgesang in der Messe nach dem ersten Wort der Anfangszeile gloria in excelsis deo ‘Ehre sei Gott in der Höhe’ (Lukas 2, 14). Vgl. auch die Wendung mit Glanz und Gloria ‘mit allem Prunk’, aber auch ironisierend ‘unrühmlich’ (19. Jh.). glorreich Adj. ‘ruhmreich, glanzvoll, herrlich’ (Mitte 17. Jh.). Gloriole f. (den Kopf umgebender) ‘Heiligenschein, Strahlenkranz’, übertragen ‘Nimbus’ (Ende 18. Jh.); wohl in der Malerei entstandene Deminutivbildung zu Glorie ‘leuchtender Schein’ (s. oben); formal entspricht lat. glōriola ‘ein bißchen Ruhm’ (Deminutivum zu glōria). glorios Adj. ‘ruhmreich, glanzvoll’ (14. Jh.), aus lat. glōriōsus ‘ruhmvoll, ruhmsüchtig, prahlerisch’. glorifizieren Vb. ‘verherrlichen, mit einem Nimbus umgeben’ (14. Jh.), aus kirchenlat. glōrificāre ‘verherrlichen’, zu lat. glōrificus ‘glorreich’ (vgl. lat. glōria und facere ‘machen, tun’).

Thesaurus

Synonymgruppe
anbeten · ↗beweihräuchern · eine (ihm / ihr) nicht zukommende Bedeutung beimessen · eine (ihm / ihr) nicht zukommende Bedeutung verleihen · ↗emporstilisieren · ↗hochjubeln · ↗hochstilisieren · mit einem Glorienschein umgeben · mit einem Glorienschein versehen · ↗verbrämen · ↗verherrlichen · ↗verklären · ↗überhöhen  ●  ↗idealisieren  Hauptform · ↗anhimmeln  ugs. · glorifizieren  geh. · ↗huldigen  geh.
Assoziationen
  • (einer Sache) zu viel Gewicht beimessen · zu hoch bewerten · zu viel Wichtigkeit beimessen · ↗überbewerten · ↗überschätzen
  • (verborgene) Absichten unterstellen · ↗hineininterpretieren · ↗hineinlesen  ●  ↗hineingeheimnissen  geh.
  • (ein) Geheimnis machen (aus) · geheimnisvolle Kräfte zuschreiben · magische Kräfte zuschreiben · ↗mystifizieren · zu einem Mysterium emporstilisieren
  • (ein) Loblied anstimmen (auf) · (jemandem) ein großes Lob aussprechen · (jemandem) großes Lob spenden · (jemandem) hohes Lob zollen · (jemandes) Lob singen · (jemandes) Loblied singen · ↗(sehr) rühmen · (sich) in Lobeshymnen ergehen · in den Himmel heben · in den höchsten Tönen loben · in den höchsten Tönen reden (von) · ↗lobpreisen · sehr loben  ●  (sich) in Lobtiraden ergehen  abwertend · (einer Sache / jemandem) Weihrauch spenden  geh., fig. · (jemandem einen) Lorbeerkranz flechten  geh., fig. · (jemandem) Lorbeerkränze flechten  geh., fig. · (jemandem) ein dickes Lob geben  ugs. · (sich) in Lobestiraden ergehen  geh., abwertend · des Lobes voll (sein)  geh. · voll des Lobes (sein)  geh. · über den grünen Klee loben  ugs.
  • (begeistert) gefeiert · bejubelt · gepriesen · hoch gerühmt · hoch geschätzt · ↗hochgelobt · in den Himmel gehoben · in den höchsten Tönen gelobt · mit Preisen überhäuft · vielfach ausgezeichnet

Typische Verbindungen
computergeneriert

Akt Droge Held Jugend Märtyrer Nationalsozialismus Propaganda Tat Vergangenheit als geradezu

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›glorifizieren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Noch immer neigen viele Polen dazu, diese Geschichte zu glorifizieren.
Süddeutsche Zeitung, 04.01.1996
Er glorifiziert ein relativ kurzfristiges Ereignis in sehr subjektiver Weise.
Die Zeit, 02.04.1993, Nr. 14
So erscheint der Tod in der Schlacht weder als unvermeidbares Schicksal, noch wird er durch metaphysische Erhöhung glorifiziert.
Heuß, Alfred: Hellas. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 3471
Die Umwandlung des Verbrechens in das Laster war nur die Vorstufe davon, das Verbrechen selbst zu glorifizieren.
Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, Frankfurt a. M.: Europäische Verl.-Anst. 1957 [1955], S. 127
Ich kenne die Generalstäbe vieler Länder genau, und ich habe nie einen gekannt, der einen Krieg glorifiziert hätte und ihn gewünscht hätte.
o. A.: Einhundertdreiundsiebzigster Tag. Montag, 8. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 12867
Zitationshilfe
„glorifizieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/glorifizieren>, abgerufen am 21.11.2019.

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