gotisch

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung go-tisch
Wortbildung  mit ›gotisch‹ als Erstglied: Gotik · gotisieren  ·  mit ›gotisch‹ als Letztglied: frühgotisch · hochgotisch · spätgotisch
eWDG

Bedeutungen

1.
im Kunststil der Gotik
Beispiele:
eine gotische Kirche
gotische Säulen
ein hochgewölbtes gotisches Zimmer
ein gotischer Giebel
das typische Element der gotischen Baukunst ist der Spitzbogen
der gotische Schwung in der Darstellung von Figuren
die gotische Glasmalerei
bildlich
Beispiel:
die schöngeistige Corona Freese reichte mir ... lächelnd ihre gotisch schmale Hand [ PenzoldtErdenwurm184]
2.
Druckerei die gotische SchriftSchriftart mit Spitzbogen, schmalen Buchstaben und konsequent gebrochenen Grundstrichen und Verbindungsstrichen
Beispiele:
etw. in gotischer Schrift drucken
er konnte die gotische Schrift nicht lesen
»I. v. C.« stand in verschnörkelten gotischen Lettern auf dem Deckel [ WeiskopfAbschied v. Frieden1,142]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gotisch · Gotik
gotisch Adj. ‘den Goten zugehörig bzw. sie betreffend, im Kunststil der Gotik’. Zu einem aus got. Gutþiuda ‘Gotenvolk’ als wahrscheinlich zu erschließenden got. *Gutans Plur. ‘Goten’ (weitere Anknüpfungen ungewiß; vielleicht im Sinne von ‘Männer’ zu got. giutan ‘gießen’, also auch ‘Samen ergießen’?) sind gebildet griech. Gū́tōnes (Γούτωνες), lat. Gothōnēs sowie griech. Góthoi (Γόθοι), spätlat. Gothī ‘Goten’ und das Adjektiv spätlat. gothicus; in Anlehnung daran begegnet in der Zeit des Humanismus (16. Jh.) Goten Plur. und gotisch. Das Adjektiv dient zunächst (1. Hälfte 16. Jh.) zur Kennzeichnung der Zugehörigkeit zu oder Herkunft von dem in der Völkerwanderungszeit untergegangenen Volk der Goten (gotische Sprache, gotisches Volk), steht aber auch allgemein im Sinne von ‘germanisch’ (17. Jh.). Im 18. Jh. wird gotisch auf eine Stilform bezogen und nimmt im Klassizismus unter Einfluß von frz. gothique, ital. gotico, engl. gothic den abschätzigen Sinn ‘mittelalterlich verworren und dunkel, barbarisch, roh, geschmacklos’ an. Zugrunde liegt die verächtliche Einschätzung der mittelalterlichen Bauten Italiens während der italienischen Renaissance, die dafür die Goten, d. h. die Germanen, die Barbaren, verantwortlich macht. In der 2. Hälfte des 18. Jhs. erfährt gotisch, besonders durch Goethes Schrift „Von deutscher Baukunst“ (1772), später durch die Romantiker, hinsichtlich seiner Wertung eine völlige Umkehrung von entschiedener Ablehnung zu Bewunderung und begeisterter Zustimmung; es steht seit Mitte des 19. Jhs. als ästhetische Stil- und Epochenbezeichnung, besonders für den mittel- und westeuropäischen Kunststil des 13. bis 15. Jhs. Als Kennzeichnung der aus der karolingischen Minuskel entwickelten Frakturschrift wird gotisch im 18. Jh. gebräuchlich. Gotik f. europäische Kunstepoche (in Frankreich etwa seit 1150, in Deutschland seit 1220) im Anschluß an die Romanik bis zur Renaissance (in Italien bis Anfang des 15. Jhs., im übrigen Europa bis Anfang des 16. Jhs.), für die in der Baukunst steile Spitzbogen, Pfeiler und hohe Fenster charakteristisch sind; gegen Ende des 18. Jhs. (auch hier wohl unter Einfluß von frz. le gothique) zu gotisch gebildet mit dem auf dem fem. Adjektivsuffix griech. -ikē (-ικη) (zu ergänzen téchnē, τέχνη ‘Kunst, Geschick’), lat. -ica (zu ergänzen ars ‘Kunst, Handwerk’) beruhenden Abstraktsuffix -ik (s. Klassik, Romantik, Technik).

Typische Verbindungen zu ›gotisch‹ (computergeneriert)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gotisch‹.

Verwendungsbeispiele für ›gotisch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Hier speist man sehr originell in einer kleinen gotischen Kapelle.
Die Welt, 12.07.2003
Durch die zwei gotischen Fenster kommt langsam seit siebenhundert Jahren Licht.
Stadler, Arnold: Sehnsucht, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2002, S. 73
Immerhin erblickt so die gotische Kapelle, die vierzig Jahre lang als Depot diente, wieder das Licht des Museums.
Der Tagesspiegel, 10.09.1998
Aber es wollten die Bürger der Stadt die Freude der gotischen Punks nicht teilen.
Grass, Günter: Die Rättin, Darmstadt: Luchterhand 1986, S. 441
Die Kirche ist ein massives gotisches Gebäude, das 1349 erwähnt worden ist.
Erwin Hemke, Neustrelitzer Seengebiet Wesenberg-Mirow-Fürstenberg: Berlin-Leipzig: VEB Tourist-Verlag 1979, S. 32
Zitationshilfe
„gotisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gotisch>, abgerufen am 21.01.2022.

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