gottesfürchtig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennunggot-tes-fürch-tig
eWDG, 1969

Bedeutung

veraltet von Ehrfurcht vor Gott erfüllt
Beispiele:
ein gottesfürchtiges Leben
Meine Mutter war ... schlechthin gottesfürchtig [G. KellerGr. Heinrich4,36]
salopp Adj. + ›und gottesfürchtig
dreist und gottesfürchtig
verstärkt das Adjektiv   sehr dreist
Beispiele:
er erzählt Sachen, die liegen schon eine Weile zurück, ganz dreist und gottesfürchtig [BobrowskiLevin116]
ihr Segelmanöver war ganz richtig, wenn auch verdammt frech und gottesfürchtig [DreyerGestrandet24]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gott · Göttin · vergöttern · Gottheit · göttlich · Gottesdienst · Gottesfurcht · gottesfürchtig · Gotteshaus · gottlob · gottlos · Gottlosigkeit
Gott m. (in polytheistischen Religionen) übermenschliches, (in monotheistischen Religionen) höchstes, übernatürliches Wesen, von dem sich der religiöse Mensch seinem Glauben gemäß abhängig fühlt, ahd. (8. Jh.), mhd. mnd. got, asächs. aengl. engl. mnl. nl. god, anord. goð, guð, schwed. gud, got. guþ weisen auf germ. *guða- ‘Gott, Gottheit’, im Plur. ‘Schicksalsmächte’, das als Neutr. für männliche und weibliche Gottheiten gilt. Unter christlichem Einfluß wird das Genus mask., und das Substantiv bezeichnet im gesamten germ. Sprachbereich den ‘Christengott’. Die Herkunft ist nicht sicher geklärt. Allgemein führt man germ. *guða- auf ein mit -to- gebildetes Part. Perf. ie. *g̑hū̌to- ‘angerufen’, zur Wurzel ie. *g̑hau-, *g̑hau̯ə- ‘rufen, anrufen’, zurück, so daß die substantivierte Form ie. *g̑hū̌tom als ‘das (durch Zauberwort) angerufene oder berufene Wesen’ zu deuten wäre; vgl. dazu aind. hávatē ‘ruft (an, herbei)’, hūtá- ‘angerufen, herbeigerufen’, puruhūtá- ‘von vielen angerufen’ (als Beiname Indras in den Veden), griech. kauchā́sthai (καυχᾶσθαι) ‘sich rühmen, prahlen’, air. guth ‘Stimme’, gall.-lat. gutuater ‘gallischer Priester’, wohl aus *g̑hutupətēr ‘Vater (d. h. Meister) des Anrufs (an Gott)’, lit. žavė́ti, lett. zavēt ‘zaubern’, aslaw. zъvati, russ. zvat’ (звать) ‘rufen’. Eine andere Deutung knüpft germ. *guða- als ‘das (Wesen), dem geopfert wird’ an die Wurzel ie. *g̑heu- (s. ↗gießen) an, mit einem im Germ. allerdings nicht belegten Bezug auf das Trankopfer. Göttin f. ‘weibliche Gottheit’, ahd. gutin, gutinna (um 1000), mhd. gotinne, gotin, gotīn, seit dem 14. Jh. umgelautet göt(t)in. vergöttern Vb. ‘zu einem Gott, göttlich machen, wie einen Gott behandeln, hoch verehren’ (17. Jh.), Präfixbildung zu frühnhd. göttern, gottern ‘Gott weihen’ (16. Jh., Luther ‘göttlich machen, göttliche Art verleihen’); daneben frühnhd. gotten, götten ‘vergöttlichen, ein Gott werden, zu einem Gott erklären’, mhd. goten und frühnhd. vergotten ‘zu einem Gott machen, göttliche Verehrung erweisen’, mhd. vergoten ‘göttlich machen, in Gott verwandeln’; Ableitungen vom Substantiv. Gottheit f. ‘als Gott verehrtes Wesen, Göttlichkeit, Gott’, ahd. got(a)heit (um 1000), mhd. got(e)heit, mnd. gothēt, mnl. godheit, nl. godheid, aengl. godhād, engl. godhead. göttlich Adj. ‘Gott betreffend, von Gott kommend, einem Gott ähnlich, herrlich, wunderbar’, ahd. got(a)līh (8. Jh.), mhd. got(e)lich, göt(e)lich, göttelich, mnd. gȫdelīk, mnl. god(d)elijc, nl. goddelijk, aengl. godlic, engl. godly, anord. guðligr. Gottesdienst m. ‘gemeinsame Verehrung Gottes durch die Gemeinde, Anbetung Gottes’, mhd. gotsdienst, Zusammenrückung aus der schon ahd. bezeugten Genitivverbindung zi gotes thionōste (9. Jh.). Gottesfurcht f. ‘Ehrfurcht vor Gott’ (Ende 15. Jh.), Zusammenrückung der seit ahd. Zeit als Übersetzung von lat. timor deī bestehenden Genitivverbindung gotes forhta (um 1000). gottesfürchtig Adj. ‘von Ehrfurcht vor Gott erfüllt’ (17. Jh.), älter mhd. gotevorhtec; vgl. ahd. gotafor(a)htal (9. Jh.). Gotteshaus n. ‘Kirchengebäude, Tempel’, ahd. goteshūs (Hs. 12. Jh.), mhd. gothūs, got(e)shūs, frühnhd. Gothaus, im 17. Jh. Gotteshaus; vgl. die Genitivverbindung ahd. gotes hūs (9. Jh.) und got. gudhūs. gottlob Interjektion Ausruf der Erleichterung; aus Fügungen wie ahd. gilobōt sī got (um 1000), mhd. dem gote sī lop, nhd. Gott sei Lob (16. Jh.) entwickelt sich die Kurzform mhd. gote lop, zusammengerückt mhd. gotelop, -lob. gottlos Adj. ‘Gott leugnend, nicht achtend, ruchlos’, mhd. gotlōs (vereinzelt), geläufig seit Anfang des 16. Jhs.; vgl. anord. goðlauss, got. gudalaus; Gottlosigkeit f. (1. Hälfte 16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
fromm · ↗frömmlerisch · ↗gottergeben · gottesfürchtig · ↗gottgefällig
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Amerikaner Christ Eselin Mann Muslim Mönch Untertan fleißig fromm gerecht gläubig konservativ patriotisch rechtschaffen streng

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gottesfürchtig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der gottesfürchtige Minister äußert sich selbst nicht zu diesen Plänen.
Süddeutsche Zeitung, 16.05.2002
Ich wollte sie davon heilen, aber sie war zu gottesfürchtig.
Bild, 12.12.1998
Sie war ein ruhiges und gottesfürchtiges Weib und hatte das Haus voll Kinder, ohne selber jemals eins geboren zu haben.
Christ, Lena: Mathias Bichler. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1914], S. 17086
Wenn ihr euch geduldig und gottesfürchtig zeigt, wird ihre List euch nichts schaden.
Khoury, Adel Theodor: Nächstenliebe. In: Lexikon des Islam, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 6239
Unsere Landbevölkerung ist gottesfürchtig und königstreu bis auf die Knochen.
Friedländer, Hugo: Räuberhauptmann Kneißl vor dem Schwurgericht. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1910], S. 657
Zitationshilfe
„gottesfürchtig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gottesfürchtig>, abgerufen am 21.10.2019.

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