gräflich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennunggräf-lich (computergeneriert)
WortzerlegungGraf1-lich
Duden GWDS, 1999

Bedeutungen

1.
(zu) einem Grafen gehörend
2.
nach Art eines Grafen, wie ein Graf
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Graf · gräflich · Grafschaft
Graf m. erblicher Adelstitel, ahd. grāvo (8. Jh.), mhd. grāve ‘Vorsteher des königlichen Gerichts, Verwalter’, asächs. grāvio, mnl. grāve, nl. graaf, daneben mit Umlaut afries. grēva, mnd. mnl. grēve. Die Etymologie ist ungewiß. Man hat versucht, von in der Bedeutung übereinstimmendem aengl. gerēfa (erhalten als zweiter Bestandteil in engl. sheriff) auszugehen, einer Präfixbildung, deren Grundwort aengl. rēfa in einem Ablautverhältnis zu ahd. ruoba (8. Jh.), ruova (9. Jh.) ‘Zahl’ stehen könnte. Doch sind die übrigen germ. Formen nicht als Präfixbildungen nachzuweisen. Eine andere Deutung will eine Beziehung zu got. gagrēfts ‘Beschluß, Verordnung’ und einem daraus erschlossenen got. *grēfan ‘gebieten’ herstellen; dabei bliebe freilich die aengl. Form unerklärt. Vielleicht aber ist das in merowingischen und karolingischen Quellen gut bezeugte mlat. graphio, grafio, grauio ‘Steuerbeamter, gerichtlicher Verwalter’ nicht als Latinisierung eines germ. Wortes, sondern vielmehr als Entlehnung des byzantinischen Hoftitels byzant.-griech. graphé͞us (γραφεύς), eigentlich ‘Schreiber’, zu griech. gráphein (γράφειν) ‘schreiben’, aufzufassen. In frühmerowingischen Quellen bezeichnet graphio einen Polizei- und Vollstreckungsbeamten, dann einen königlichen Beamten mit administrativen und richterlichen Befugnissen. In spätkarolingischer Zeit wird das Grafenamt mit der Verleihung von Landbesitz zu einem erblichen Lehen umgewandelt (vgl. ahd. burg-, lant-, marc-, phalanzgrāvo). Seit dem späteren Mittelalter kann Graf, besonders in md. und nd. Gebieten, auch eine gewählte oder ernannte Amtsperson mit niederer richterlicher Gewalt oder den Vorsitzenden eines genossenschaftlichen Amtes bezeichnen, meist in Zusammensetzungen mit Graf als Grundwort wie Deich-, Wasser-, Feld-, Wald-, Holz-, Salzgraf. gräflich Adj. ‘zu einem Grafen gehörig, ihn betreffend’, spätmhd. grevelich, greflich. Grafschaft f. ‘Amt und Würde eines Grafen, das unter der Verwaltung oder Herrschaft eines Grafen stehende Gebiet’, ahd. grāfscaft (um 1000), mhd. grāveschaft, grāfschaft.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anwesen Apfel Besitz Ehepaar Familie Forst Gemach Geschlecht Gnade Gut Herrschaft Hof Kurhaus-Hotel Landsitz Paar Park Parkhotel Schloß Schönheitsfarm Wappen freiherrlich fürstlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gräflich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das gräfliche Bad hat etwas zu bieten, trotzdem sind die Einrichtungen nur zu rund drei Vierteln ausgelastet.
Süddeutsche Zeitung, 03.07.2002
Demselben ist für seine Person der Rang unmittelbar hinter den Chefs der ehemals reichsständischen gräflichen Häuser zugestanden worden.
Baudissin, Wolf von u. Baudissin, Eva von: Spemanns goldenes Buch der Sitte. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1901], S. 24724
Das gräfliche Paar pflegte nur einen Teil des Jahres in Mainz zu verbringen.
Seidel, Ina: Das Wunschkind, Frankfurt a. M. u. a.: Ullstein 1987 [1930], S. 67
Die Reitpferde des gräflichen Paares hatten sich losgerissen, waren dem Stall entschlüpft und tobten im Hofe umher.
Liliencron, Adda Freifrau von: Krieg und Frieden, Erinnerungen aus dem Leben einer Offiziersfrau. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 45222
Daraus wurde nichts, und die Burg Hardenberg blieb in der Hand der gräflichen Familie.
Die Welt, 15.08.2003
Zitationshilfe
„gräflich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gräflich>, abgerufen am 22.11.2019.

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