grünen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennunggrü-nen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›grünen‹ als Letztglied: ↗aufgrünen · ↗durchgrünen · ↗eingrünen · ↗übergrünen
eWDG, 1969

Bedeutung

grün werden
Beispiele:
der Baum, das Gras grünt
grünende Birken, Hecken, Felder, Zweige
Die Rasenstücke, die Ellis Kinderhände ... auf das schmale Grab gelegt, waren angewachsen und grünten (= wuchsen, gediehen) lustig [ViebigTägl. Brot379]
übertragen
Beispiel:
dichterisch Nur wenn das Wörtchen »drüben« fällt, / grünt eine ferne Hoffnungswelt [R. Dehmel2,147]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

grün · Grün · grünen · grünlich · Grünkohl · Grünschnabel · Grünspan
grün Adj. Das im Westgerm. und Nordgerm. erscheinende Farbadjektiv ahd. gruoni (8. Jh.), mhd. grüene, asächs. grōni, mnd. grȫne, mnl. groene, nl. groen, aengl. grēne, engl. green, anord. grœnn, schwed. grön gehört mit n-Suffix zu dem im Nhd. untergegangenen Verb ahd. gruoen (8. Jh.), mhd. grüejen ‘wachsen, sprießen, gedeihen’, mnd. grōjen, mnl. groeyen, grōyen, nl. groeien ‘wachsen’, aengl. grōwan ‘wachsen, sprießen’, engl. to grow ‘wachsen’, anord. grōa ‘wachsen, grünen’. Germ. *grōni- Adj. und germ. *grōan Vb. führen auf die Form ie. *ghrō- der Wurzel ie. *gher(ə)- ‘hervorstechen’ (von Pflanzentrieben, Stacheln, Borsten, Erderhebungen, Kanten), weiterführend ‘wachsen, grünen’; sie sind verwandt mit ↗Grat, ↗Gräte, ↗Granne und ↗Gras (s. d.). Die für das Adjektiv zu erschließende Bedeutung ‘sprießend, hervorwachsend’ wird schon früh auf die Farbe der Pflanzen, speziell der jungen Triebe, eingeengt, meint also eigentlich ‘von der Farbe sprießender Pflanzen’. grün dient im Dt. nicht nur als Farbbezeichnung. Im Sinne von ‘frisch, jung, saftig’ steht es im Gegensatz zu ‘trocken, verwelkt’ (grüne Bohnen, Erbsen, grünes Holz, grüne Ware ‘frisches Gemüse’, grüne ‘ungeräucherte’ Heringe), im Sinne von ‘unreif’ im Gegensatz zu ‘ausgereift, rot’ (grüne Äpfel; vgl. auch grüner ‘unreifer, unerfahrener’ Junge). Als Farbe des sprießenden Frühlings wird grün schon in mhd. Zeit zum Sinnbild des Frohsinns und der Freude, im Nhd. der Hoffnung. Als Farbe des Angenehmen begegnet grün in den Wendungen einem (nicht) grün sein ‘einem (nicht) wohlgesinnt, gewogen sein’, die grüne Seite (‘wo das Herz sitzt’, Mitte 16. Jh.). Als Sinnbild des Gedeihens gilt der grüne Zweig, daher auf keinen grünen Zweig kommen ‘erfolglos sein, es zu nichts bringen’ (16. Jh.). Das substantivierte Adjektivabstraktum Grün n. ‘das Grünsein, frisches Laub, freie Natur, Grasboden’ (vereinzelt schon 12. Jh.) entfaltet sich als Neutrum seit dem 16. Jh. (im Grünen ‘in der freien Natur’, ins Grüne fahren); als abgeleitetes Fem. begegnet es in ahd. gruonī (9. Jh.), mhd. grüene, mnd. grȫne ‘Grünheit, grün bewachsener Boden’. grünen Vb. ‘grün werden, grüne Triebe zeigen, sprießen’, ahd. gruonēn (9. Jh.), mhd. gruonen ‘grün, frisch werden, sein’. Den Umlaut hat das intransitive Verb wohl vom Adj. grün übernommen, kaum von der nur selten gebrauchten transitiven Form mhd. grüenen ‘grün machen’. grünlich Adj. ‘ein wenig grün, ins Grüne spielend’, mhd. grüenlich ‘grün’; vgl. mhd. grüenlot ‘annähernd grün’. Grünkohl m. ‘Kohl mit krausen Blättern’ (16. Jh.), auch Braunkohl (Farbe nach dem Kochen), Kraus-, Winterkohl. Grünschnabel m. ‘sich als Besserwisser aufspielender unerfahrener junger Mensch’ (18. Jh.), nach der gelbgrünen Haut an der Schnabelwurzel junger Vögel; s. auch ↗Gelbschnabel. Grünspan m. durch Einwirkung von Essigsäure und Luft entstandener giftiger grüner Überzug auf Gegenständen aus Kupfer oder Messing, spätmhd. grüenspān, spāngrüen, nach mlat. viride Hispanicum bzw. Hispanum ‘spanisches Grün’, weil der aus künstlich hergestelltem essigsaurem Kupferoxid gewonnene Farbstoff aus Spanien eingeführt wird.
Zitationshilfe
„grünen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/grünen>, abgerufen am 27.05.2019.

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