graduell

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennunggra-du-ell
HerkunftLatein
WortzerlegungGrad-uell
Wortbildung mit ›graduell‹ als Letztglied: ↗postgraduell
eWDG, 1969

Bedeutung

in Graden, stufenweise
Beispiele:
graduelle Unterschiede
die Unterschiede waren nur gradueller Art
sie wichen nur graduell, nicht qualitativ voneinander ab
die Leistungen waren graduell differenziert
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Grad · -gradig · Gradmesser · gradieren · Gradierwerk · graduieren · graduell
Grad m. ‘Stufe, Abstufung in einer Rangskala, in der Stärke oder Intensität, Maßeinheit’, ahd. grād ‘Stufe, Rang’ (um 1000), mhd. grāt sind aus lat. gradus ‘Schritt, Stufe, Abstufung, Rang’ entlehnt, einem Deverbativum zu lat. gradī ‘Schritte machen, schreiten’. Das Wort wird zunächst in enger Anlehnung an die lat. Bedeutung ‘Schritt, Stufe’, bald auch im übertragenen Sinne von ‘Rangstufe’ verwendet, der im Dt. wie im Lat. eine reiche Bedeutungsentfaltung aufweist. So ist der Gebrauch als Maß- und Rangbegriff für Sachverhalte seit mhd. Zeit, speziell für den ‘360. Teil eines Kreises’ seit dem 16. Jh. (im Anschluß an den mlat. Gebrauch von gradus), der ‘akademische Rang’ seit dem 17. Jh., die ‘Stufe zur Bezeichnung der Nähe einer Verwandtschaft’ seit dem 15. Jh., das ‘Maß der Intensität’, das ‘Ausmaß von Eigenschaften, Zuständen und Verhaltensweisen des Menschen’ ansatzweise im 14. Jh., häufiger seit dem 16. und 17. Jh. bezeugt. -gradig Adj. ‘Grade enthaltend, in Grade abgeteilt’ (18. Jh.), nur mit vorausgehendem Bestimmungswort gebraucht wie hochgradig. Gradmesser m. ‘Maßstab, Kriterium’ (um 1800). gradieren Vb. heute vor allem im Sinne von ‘Sole in Gradierwerken konzentrieren’ (18. Jh.), älter sind die Bedeutungen ‘abstufen, einteilen’ (16. Jh.), ‘einen Rang, besonders einen akademischen Grad erwerben’ (16. bis 18. Jh.), ‘in seiner Qualität steigern’ (16. bis 19. Jh.); s. auch ↗degradieren. Gradierwerk n. mit Reisigbündeln bedecktes Gerüst, über das langsam Salzsole rieselt, die durch Verdunstung des Wassers konzentriert wird (18. Jh.). graduieren Vb. Die Bedeutungen decken sich teilweise mit denen von gradieren (s. oben): ‘in einen Rangerheben, befördern, einen akademischen Grad verleihen, promovieren’ (Ende 14. Jh.), ‘abstufen, einteilen, mit einer Gradeinteilung versehen’ (17. Jh.). Das Verb ist aus mlat. graduare, vielleicht unter Einfluß von mfrz. frz. graduer, entlehnt; vorwiegend wird das Part.adj. graduiert ‘im Besitz eines akademischen Grades’ gebraucht. graduell Adj. ‘in Graden, stufenweise, schrittweise, allmählich’ (Anfang 19. Jh.), aus gleichbed. frz. graduel, mlat. gradualis.

Thesaurus

Synonymgruppe
allmählich · graduell · mit der Zeit · nach und nach · ↗sukzessiv · ↗sukzessive · zögernd  ●  ↗peu à peu  franz. · langsam aber sicher  ugs. · langsam langsam  ugs. · ↗mählich  geh., veraltend
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (jeder) einzeln · Punkt für Punkt · abwechselnd · der Reihe nach · einer nach dem anderen · nach der Reihe · ↗nacheinander · ↗reihum
  • Stück für Stück · Zug um Zug · ↗abschnittweise · ↗etappenweise · in Etappen · in kleinen Schritten · ↗portionsweise · ↗ratenweise · ↗schrittweise · ↗stufenweise · ↗stückweise  ●  Schritt für Schritt  fig. · in einzelnen Schritten  Hauptform
  • auf Dauer · auf lange Sicht · für (eine) lange Zeit · für (eine) längere Zeit · für einen langen Zeitraum · für einen längeren Zeitraum · ↗langfristig · ↗längerfristig · ↗nachhaltig · nicht nur für (ein paar Tage)  ●  für länger  ugs.
  • auf (die) Jahre gerechnet · auf (die) Jahre gesehen · im Lauf der Jahre · im Lauf der Zeit · im Lauf vieler Jahre · im Laufe der Jahre · im Laufe der Zeit · mit den Jahren · mit der Zeit · über die Jahre
  • (sehr) verzögert · im Schleichtempo · im Schritttempo · im Zeitlupentempo · in Zeitlupe · kriechend · quälend langsam · ↗schleichend · ↗schleppend · sehr langsam  ●  (kommt) langsam wie beim Ochsen die Milch  ugs., scherzhaft · im Schneckentempo  ugs.
  • nicht erkennbar · nicht wahrnehmbar · unbemerkbar · ↗unerkennbar · ↗unmerklich  ●  ↗schleichend  Hauptform

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abstieg Abstufung Abweichung Annäherung Anpassung Differenz Erholung Erleichterung Korrektur Rückzug Steigerung Unterschied Verbesserung Verbesserunge Verringerung Verschiebung Veränderung Wandel abgestuft allenfalls allmählich bloß nur prinzipiell qualitativ unterscheiden vollziehen zumindest Öffnung Übergang

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›graduell‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In der Version III finden sich daher nur graduelle Verbesserungen.
C't, 1998, Nr. 6
Oder können wir nur noch versuchen, die Dinge graduell zu verändern?
Die Zeit, 03.02.1986, Nr. 05
Dabei ist der "Herr" nur graduell vom Führer einer kommunistischen Wirtschaft geschieden.
Schumpeter, Joseph: Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, Berlin: Duncker u. Humblot 1997 [1912], S. 212
In dem allem unterscheidet sich der Erwachsene vom Kind nur graduell, nicht wesenhaft.
Bohne, G.: Kinderpsychologie. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1959], S. 25329
Das kanonische Recht des Christentums nahm gegenüber allen anderen heiligen Rechten eine mindestens graduelle Sonderstellung ein.
Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.), Grundriß der Sozialökonomik, Tübingen: Mohr 1922 [1909-1914, 1918-1920], S. 599
Zitationshilfe
„graduell“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/graduell>, abgerufen am 19.04.2019.

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