Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

grau

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
eWDG

Bedeutungen

1.
Mischfarbe aus Schwarz und Weiß
Beispiele:
die graue Haut des Elefanten
grau wie eine Maus
ein grauer Stoff, ein graues Kostüm
eine graue Uniform
er hat graue Augen
graues Gestein
graue Mauern
graue Rauchwolken, Regenwolken
der Himmel ist ganz grau
graues Frühlicht
ein helles, dunkles, düsteres, bleiches, kaltes, fahles, farbloses Grau
das Grau der Regenwolken
das Blau des Himmels ging in Weiß und Grau über
eine Bluse in Grau
die Dame in Grau
sie kam in Grau, bevorzugt die Farbe Grau
sprichwörtlichbei Nacht sind alle Katzen grau (= nachts erkennt man keine äußerlichen Unterschiede)
Am grauen Strand, am grauen Meer / Und seitab liegt die Stadt [ Storm8,194]
Grau ist's immer, wenn ein Morgen naht [ BrechtGedichte278]
2.
farblos, bleich
a)
durch zunehmendes Alter
Beispiele:
graues Haar
eine graue Haarsträhne
ein grauer Bart
Achtung vor einem grauen Haupte (= einem alten Menschen) haben
sein graues Haar färben
alt und grau werden
er ist in Ehren grau geworden
der graue Star (= krankhafte Trübung der Linse im Auge)
Sie hatte bereits einen grauen Scheitel [ G. Hauptm.4,552]
bildlich
Beispiel:
umgangssprachlichdarüber, deshalb brauchst du dir keine grauen Haare wachsen zu lassen (= darüber brauchst du dir keine Sorgen zu machen)
b)
durch Blutleere
Beispiele:
ein graues Gesicht
eine graue Gesichtsfarbe
mein mageres graues Gesicht und die Trostlosigkeit meines Blickes [ BöllWort12]
Der alte Mann wurde ganz grau im Gesicht [ BrechtDreigroschenroman296]
Sie starrte mich grau vor Haß an [ MarchwitzaJugend248]
3.
übertragen trostlos, trübe, öde
Beispiele:
ihr erschien die Welt grau und öde
umgangssprachlich, scherzhaftdas graue Elend kriegen (= sich tief unglücklich fühlen, zeigen)
Es hieß warten, einen grauen Morgen und einen grauen Tag und eine graue Woche und einen grauen Monat [ Feuchtw.Tag78]
In Dresden ging der graue Alltag wieder los [ RennKindheit23]
Grau, teurer Freund, ist alle Theorie [ GoetheFaustI 2038]
ich kann das Grau in Grau unserer Nachkriegsepoche auf die Dauer nicht aushalten [ G. Hauptm.SonnenuntergangI]
4.
weit zurückliegend, längst vergangen
Beispiele:
in grauer Vorzeit
im grauen Altertum, Mittelalter
vor grauen Jahren, Zeiten
5.
unbestimmt, ungewiss
Beispiel:
das liegt noch in grauer Ferne, Zukunft
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

grau · grauen1 · ergrauen · graulich · gräulich · Morgengrau · Morgengrauen
grau Adj. Bezeichnung des Farbtons zwischen schwarz und weiß, ahd. grāo, Genitiv grāwes (9. Jh.), mhd. grā, asächs. grāo, grē, mnd. grā, grāwe, mnl. grā, grau, nl. grauw, aengl. grǣg, engl. grey, anord. grār, schwed. grå, germ. *grēwa- gehört als wa-Stamm (darin den Farbbezeichnungen blau, gelb, s. d., vergleichbar) bzw. (im Aengl.) als Weiterbildung eines wa-Stammes mit lit. žėrė́ti ‘im Glanze strahlen, funkeln, glänzen’, žarà ‘Röte am Himmel, Lichtschein’, aslaw. zaŕa, zoŕa, russ. zarjá (заря) ‘Glanz, Röte am Himmel’ und wohl auch lat. rāvus (mit r aus *ghr- und unerklärtem ā) ‘grau, graugelb’ zur Wurzel ie. *g̑her(ə)-, *g̑hrē- ‘strahlen, glänzen, schimmern’. Ähnlich wie blau (s. d.) entwickelt sich auch grau aus einer Ausgangsbedeutung ‘glänzend, strahlend, hell’. Zur genaueren Bezeichnung des Farbtons dienen mehrere Zusammensetzungen wie tauben-, maus-, schiefergrau. grauen1 Vb. ‘dämmern, hell werden’, ahd. grāwēn, grāwōn ‘grau sein, werden’ (11. Jh.), mhd. grāwen, auch ‘altern, dämmern’. Die Bedeutung ‘grau werden’ übernimmt im 18. Jh. ergrauen Vb. graulich, gräulich Adj. ‘ins Graue spielend, ein wenig grau’ (17. Jh.), zuvor graulicht (16. Jh.). Im substantivierten Kompositum mit Adjektiv Morgengrau n. mit Verb Morgengrauen n. ‘Morgendämmerung’ (beide Anfang 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
grau · mausgrau
Synonymgruppe
blass · dröge · eintönig · fade · farblos · geisttötend · grau · grau in grau · kontrastarm · langatmig · langweilig · monoton · reizlos · schal · schnöde · spannungsarm · stupid · stupide · trist · trostlos · wenig aufregend · öd · öde  ●  fad  ugs., österr. · trocken  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
ergraut · grau · grau geworden · graue Haare haben · grauhaarig · grauköpfig  ●  alt und grau  ugs.
Assoziationen
  • in Ehren ergraut · in Würde ergraut
  • (langsam) graue Haare bekommen · anfangen, grau zu werden (Haare) · angegraut · einzelne graue Haare haben · grau meliert · graumeliert · leicht ergraut · von Silberfäden durchzogen · von grauen Fäden durchzogen · von grauen Strähnen durchzogen

Typische Verbindungen zu ›grau‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›grau‹.

Verwendungsbeispiele für ›grau‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mit ihren kühlen grauen Augen musterte auch sie nachdenklich ihr Gegenüber. [Venske, Regula: Marthes Vision, Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2006, S. 92]
Die Wege waren holprig, die Felder steinig, trocken, grau mit struppigen Rändern. [Kuckart, Judith: Lenas Liebe, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2002, S. 3]
Der graue Schatten des frühen Abends kroch durch die Fenster. [Braun, Lily: Memoiren einer Sozialistin. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 1636]
Grau schien der Minister, als er antrat, nun ist er der unumstrittene Star im Kabinett. [Die Zeit, 10.02.2000, Nr. 7]
Vieles blieb merkwürdig undifferenziert in seiner Deutung, grau in grau, mit manchen starken lyrischen Momenten. [Die Zeit, 29.07.1999, Nr. 31]
Zitationshilfe
„grau“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/grau>.

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