grauen

GrammatikVerb
Worttrennunggrau-en (computergeneriert)
Wortbildung mit ›grauen‹ als Grundform: ↗ergrauen  ·  formal verwandt mit: ↗Morgengrauen
eWDG, 1969

Bedeutung

es grautes wird allmählich hell oder dunkel, dämmert
Beispiele:
es graute eben, als sie aufstanden
der Morgen, ein neuer Tag graut
es begann gerade erst zu grauen, als ...
beim ersten Grauen des Tages
Eh noch der Abend graut, seh' ich dich wieder [Grillp.WellenIV]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

grau · grauen1 · ergrauen · graulich · gräulich · Morgengrau · Morgengrauen
grau Adj. Bezeichnung des Farbtons zwischen schwarz und weiß, ahd. grāo, Genitiv grāwes (9. Jh.), mhd. grā, asächs. grāo, grē, mnd. grā, grāwe, mnl. grā, grau, nl. grauw, aengl. grǣg, engl. grey, anord. grār, schwed. grå, germ. *grēwa- gehört als wa-Stamm (darin den Farbbezeichnungen ↗blau, ↗gelb, s. d., vergleichbar) bzw. (im Aengl.) als Weiterbildung eines wa-Stammes mit lit. žėrė́ti ‘im Glanze strahlen, funkeln, glänzen’, žarà ‘Röte am Himmel, Lichtschein’, aslaw. zaŕa, zoŕa, russ. zarjá (заря) ‘Glanz, Röte am Himmel’ und wohl auch lat. rāvus (mit r aus *ghr- und unerklärtem ā) ‘grau, graugelb’ zur Wurzel ie. *g̑her(ə)-, *g̑hrē- ‘strahlen, glänzen, schimmern’. Ähnlich wie ↗blau (s. d.) entwickelt sich auch grau aus einer Ausgangsbedeutung ‘glänzend, strahlend, hell’. Zur genaueren Bezeichnung des Farbtons dienen mehrere Zusammensetzungen wie tauben-, maus-, schiefergrau. grauen1 Vb. ‘dämmern, hell werden’, ahd. grāwēn, grāwōn ‘grau sein, werden’ (11. Jh.), mhd. grāwen, auch ‘altern, dämmern’. Die Bedeutung ‘grau werden’ übernimmt im 18. Jh. ergrauen Vb. graulich, gräulich Adj. ‘ins Graue spielend, ein wenig grau’ (17. Jh.), zuvor graulicht (16. Jh.). Im substantivierten Kompositum mit Adjektiv Morgengrau n. mit Verb Morgengrauen n. ‘Morgendämmerung’ (beide Anfang 19. Jh.).

grauen2 · Grauen · grauenhaft · grauenvoll
grauen2 Vb. (unpersönlich oder reflexiv) ‘schaudern, sich fürchten’, ahd. grūēn (11. Jh.), ingrūēn (um 800), mhd. grūwen, grūen, mnd. mnl. grūwen, grouwen, nl. gruwen. Dazu gehören ↗Greuel, ↗graulen, ↗grausen (s. d.). Man versucht, die Wortgruppe an ie. *ghrēu-, *ghrū-, Erweiterung der Wurzel ie. *gher- ‘hart worüber streichen, zerreiben’, anzuknüpfen, und verweist dabei auf ie. *ghrēud-, wozu nicht nur ↗Grieß und ↗Grütze (s. d.), sondern auch lit. grū́sti ‘stampfen, zerstoßen, wehmütig, traurig gestimmt werden, sich grämen’, russ. grustít’ (грустить) ‘traurig sein’, grust’ (грусть) ‘Kummer, Trauer’ gehören, so daß sich eine befriedigende semantische Beziehung zu der oben genannten germ. Wortgruppe herstellen läßt. Aber auch Anschluß an die Wurzel ie. *g̑her(s)- ‘starren, beben’ (wozu lat. horrēre ‘starr sein, sich emporsträuben, schaudern, sich entsetzen’ gehört) wird erwogen; die germ. Wörter um grauen wären dann als onomatopoetische Weiterbildungen zu erklären (vgl. Kluge ²⁵372). Grauen n. ‘Furcht, Entsetzen, Abscheu’ (16. Jh.), substantivierter Infinitiv von grauen, älteres Grau m. ‘Schauder’ (mhd. grūwe) verdrängend. grauenhaft Adj. grauenvoll Adj. (beide 18. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Alltag Anzug Bart Beton Eminenz Fassade Flanell Haar Himmel Hose Kapitalmarkt Kasten Kloster Mantel Maus Panther Schleier Schläfe Star Strähne Theorie Vollbart Vorzeit Wolf Wolke Zelle braun meliert schwarz trist

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›grauen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Als der Morgen graute, entschleierte sich die fremde Umgebung allmählich den staunenden Augen.
Jünger, Ernst: In Stahlgewittern, Stuttgart: Klett-Cotta 1994 [1920], S. 94
Noch ehe aber der späte Morgen graute, wurde die unglückliche Frau gebracht.
Keller, Paul: Ferien vom Ich, München: Bergstadtverl. Korn 1963 [1915], S. 246
Als der Morgen dieses Tages graute, floh sie aus dem Krankenzimmer.
Meisel-Hess, Grete: Die Intellektuellen. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 10964
Als ich das Buch aus der Hand legte, graute der Morgen.
Die Zeit, 21.10.1960, Nr. 43
Endlich graut der Morgen, und wir mühen uns erleichtert an der sogenannten Wirklichkeit ab.
Süddeutsche Zeitung, 04.12.1998
Zitationshilfe
„grauen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/grauen#1>, abgerufen am 16.10.2019.

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grauen

GrammatikVerb
Worttrennunggrau-en (computergeneriert)
eWDG, 1969

Bedeutung

sich grauenGrauen empfinden
Beispiele:
das Kind graut sich allein im Walde
ich habe mich dort sehr gegraut
Das häusliche Leben, vor dem sich Wilhelm gegraut hatte [SeghersDie Toten6,160]
jmdm., jmdn. graut (es) vor etw., jmdm.
Beispiele:
mir, mich graut (es)
mir graut (es) vor der Kälte, vor der langen Fahrt, vor diesem Augenblick, bei dem Gedanken
es graute ihm vor den dunklen Wintermonaten, vor ihr
es hat mir schon lange davor gegraut
Mir grauet vor der Götter Neide [SchillerRing]
Heinrich, mir grauts vor dir [GoetheFaustI 4610]
daß auch diesem Herzen vielleicht zuweilen davor gegraut hat [Th. Mann11,112]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

grau · grauen1 · ergrauen · graulich · gräulich · Morgengrau · Morgengrauen
grau Adj. Bezeichnung des Farbtons zwischen schwarz und weiß, ahd. grāo, Genitiv grāwes (9. Jh.), mhd. grā, asächs. grāo, grē, mnd. grā, grāwe, mnl. grā, grau, nl. grauw, aengl. grǣg, engl. grey, anord. grār, schwed. grå, germ. *grēwa- gehört als wa-Stamm (darin den Farbbezeichnungen ↗blau, ↗gelb, s. d., vergleichbar) bzw. (im Aengl.) als Weiterbildung eines wa-Stammes mit lit. žėrė́ti ‘im Glanze strahlen, funkeln, glänzen’, žarà ‘Röte am Himmel, Lichtschein’, aslaw. zaŕa, zoŕa, russ. zarjá (заря) ‘Glanz, Röte am Himmel’ und wohl auch lat. rāvus (mit r aus *ghr- und unerklärtem ā) ‘grau, graugelb’ zur Wurzel ie. *g̑her(ə)-, *g̑hrē- ‘strahlen, glänzen, schimmern’. Ähnlich wie ↗blau (s. d.) entwickelt sich auch grau aus einer Ausgangsbedeutung ‘glänzend, strahlend, hell’. Zur genaueren Bezeichnung des Farbtons dienen mehrere Zusammensetzungen wie tauben-, maus-, schiefergrau. grauen1 Vb. ‘dämmern, hell werden’, ahd. grāwēn, grāwōn ‘grau sein, werden’ (11. Jh.), mhd. grāwen, auch ‘altern, dämmern’. Die Bedeutung ‘grau werden’ übernimmt im 18. Jh. ergrauen Vb. graulich, gräulich Adj. ‘ins Graue spielend, ein wenig grau’ (17. Jh.), zuvor graulicht (16. Jh.). Im substantivierten Kompositum mit Adjektiv Morgengrau n. mit Verb Morgengrauen n. ‘Morgendämmerung’ (beide Anfang 19. Jh.).

grauen2 · Grauen · grauenhaft · grauenvoll
grauen2 Vb. (unpersönlich oder reflexiv) ‘schaudern, sich fürchten’, ahd. grūēn (11. Jh.), ingrūēn (um 800), mhd. grūwen, grūen, mnd. mnl. grūwen, grouwen, nl. gruwen. Dazu gehören ↗Greuel, ↗graulen, ↗grausen (s. d.). Man versucht, die Wortgruppe an ie. *ghrēu-, *ghrū-, Erweiterung der Wurzel ie. *gher- ‘hart worüber streichen, zerreiben’, anzuknüpfen, und verweist dabei auf ie. *ghrēud-, wozu nicht nur ↗Grieß und ↗Grütze (s. d.), sondern auch lit. grū́sti ‘stampfen, zerstoßen, wehmütig, traurig gestimmt werden, sich grämen’, russ. grustít’ (грустить) ‘traurig sein’, grust’ (грусть) ‘Kummer, Trauer’ gehören, so daß sich eine befriedigende semantische Beziehung zu der oben genannten germ. Wortgruppe herstellen läßt. Aber auch Anschluß an die Wurzel ie. *g̑her(s)- ‘starren, beben’ (wozu lat. horrēre ‘starr sein, sich emporsträuben, schaudern, sich entsetzen’ gehört) wird erwogen; die germ. Wörter um grauen wären dann als onomatopoetische Weiterbildungen zu erklären (vgl. Kluge ²⁵372). Grauen n. ‘Furcht, Entsetzen, Abscheu’ (16. Jh.), substantivierter Infinitiv von grauen, älteres Grau m. ‘Schauder’ (mhd. grūwe) verdrängend. grauenhaft Adj. grauenvoll Adj. (beide 18. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anblick Gedanke Himmel Morgen Vorstellung davor du endlich es ich schon

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›grauen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Rote Blätter fallen, graue Nebel wallen, kühler weht der Wind.
Die Zeit, 22.08.2011, Nr. 34
Mit ihren kühlen grauen Augen musterte auch sie nachdenklich ihr Gegenüber.
Venske, Regula: Marthes Vision, Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2006, S. 92
Er steht sehr aufrecht, den fleischigen Kopf hoch, die grauen Augen geradeaus.
Feuchtwanger, Lion: Die Geschwister Oppermann, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1933], S. 85
In der letzten Zeit war Grau dann nur noch selten mit dem Mädchen zusammengekommen.
Berliner Tageblatt (Abend-Ausgabe), 03.03.1927
Unten im Dunkel erhob sich der Schatten des Malers in seinem grauen Mantel.
Schaeffer, Albrecht: Helianth I, Bonn: Weidle 1995 [1920], S. 356
Zitationshilfe
„grauen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/grauen#2>, abgerufen am 16.10.2019.

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