graulen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennunggrau-len
Wortbildung mit ›graulen‹ als Letztglied: ↗fortgraulen · ↗herausgraulen · ↗rausgraulen · ↗weggraulen
 ·  mit ›graulen‹ als Grundform: ↗vergraulen
eWDG, 1969

Bedeutung

umgangssprachlich
1.
sich graulensich gruseln, Grauen empfinden
Beispiele:
ich graule mich
sich bei dem bloßen Gedanken an etw. graulen
sie hat sich davor, vor dem Anblick gegrault
die Kinder graulten sich vor, in der Dunkelheit
vor dieser Arbeit graule (= fürchte) ich mich
[ich] komme in Gegenden, wo keine Seele mehr atmet und weiß nicht ein und nicht aus und graule mich ordentlich [Th. MannKönigl. Hoheit7,71]
jmdm., jmdn. grault (es)
Beispiele:
Einem normalen Menschen grault vor Mäusen [Wasserm.Wahnschaffe2,49]
Es graulte ihn, wenn er an sein Bauernleben vor dem Krieg bloß dachte [SeghersDie Toten6,29]
2.
jmdn. aus dem Hause graulenjmdn. durch unfreundliches Verhalten aus dem Hause treiben
Beispiel:
seine Frau, ein gemeines Frauenzimmer, hatte die gutmütige Rüscher aus der Wohnung gegrault [BredelVäter317]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

graulen · vergraulen
graulen Vb. (meist reflexiv) ‘ängstlich erschaudern, sich fürchten’. Das durchgängig seit dem 18. Jh. bezeugte Verb gilt (obwohl vereinzelt schon vom 16. Jh. an belegt) als relativ junge Bildung mit hd. Diphthongierung zu mundartlichem mhd. grūweln (13. Jh.), griuweln, griulen, grūlen. Möglicherweise aber hat es sich aus dem bereits im Frühnhd. (16. Jh.) durch Diphthongierung von mnd. md. grūweln entstandenen graueln entwickelt, das seinerseits bis ins 19., vereinzelt bis ins 20. Jh. hinein existiert. Zur Bildungsweise der md. und nd. Verbformen s. ↗Greuel. vergraulen Vb. ‘durch unfreundliches Verhalten vertreiben, durch unfreundliche Darstellung abstoßen’ (20. Jh.), eigentlich ‘jmdn. zum Erschaudern bringen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) kalt den Rücken herunterlaufen · (sich) graulen · ↗(sich) grausen · ↗(sich) gruseln · ↗schaudern · unheimlich (zumute) sein  ●  (jemanden) kalt überlaufen  geh.
Assoziationen
  • (etwas) fürchten · ↗(sich) fürchten · ↗(sich) ängstigen · Angst haben · ↗bangen · ↗befürchten  ●  (das) Herz in der Hose (haben / tragen)  veraltend · ↗(jemandem) bang(e) (zumute) sein  veraltet · vor etwas Gamaschen haben  veraltet · (den) Flattermann kriegen  ugs. · (die) Hosen gestrichen voll haben (Verstärkung)  ugs. · (die) Hosen voll haben  ugs. · (jemandem) geht der Arsch auf Grundeis  derb · (jemandem) geht der Arsch mit Grundeis  derb · (jemandem) geht die Düse  derb · (jemandem) geht die Muffe (1 zu 1000)  ugs. · Muffensausen haben  ugs. · Schiss inne Buchs haben  ugs., regional · ↗bibbern  ugs.
  • (eine) Gänsehaut bekommen · (jemandem) schlottern die Knie · ↗(vor Kälte) bibbern · am ganzen Körper zittern · ↗erbeben · ↗erschaudern · ↗erschauern · ↗erzittern · ↗schaudern · ↗schauern · weiche Knie haben · ↗zittern  ●  schuckern  regional · ↗(vor Angst) schlottern  ugs. · gebeutelt werden  ugs. · zittern wie Espenlaub (Verstärkung)  ugs.
  • (das) kalte Grausen bekommen · (eine) Gänsehaut bekommen · (es) mit der Angst zu tun bekommen · (jemandem) wird angst und bange · ↗(jemanden) überläuft es (heiß und) kalt · Angst bekommen · mulmig zumute werden (jemandem wird ...) · starr vor Angst (sein) · unheimlich werden (jemandem wird etwas ...)  ●  (jemandem) gefriert das Blut in den Adern  fig. · (jemandem) gerinnt das Blut in den Adern  fig. · (jemandem) läuft es eiskalt den Rücken hinunter  fig. · (jemandem) stockt das Blut in den Adern  fig. · (jemandem) (das) Blut in den Adern gefrieren lassen  geh., fig. · (jemandem) erstarrt das Blut in den Adern  geh. · kalte Füße bekommen  ugs., fig.
  • (eine) Gänsehaut bekommen · (es) mit der Angst zu tun bekommen · (jemandem) wird angst und bange · Angst bekommen · mulmig zumute werden (jemandem wird ...) · unheimlich werden (jemandem wird etwas ...)  ●  kalte Füße bekommen  ugs., fig.

Verwendungsbeispiele für ›graulen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Eigentlich wollte er den Banker nur aus der Stadt graulen.
Bild, 23.11.2000
Haben sie es darauf abgesehen, sie aus dem Land zu graulen?
Die Zeit, 28.11.1986, Nr. 49
Sie drängten sich zusammen und schauderten und machten einander graulen.
Viebig, Clara: Das Weiberdorf, Briedel u. Mosel: Houben 1996 [1900], S. 139
Man kann den langen, zotteligen Hals streicheln und das Fell graulen.
Die Welt, 22.10.2005
Das Linoleum spiegelt, man grault sich ordentlich, mit Gummiabsätzen darauf zu gehen.
Fallada, Hans: Wer einmal aus dem Blechnapf frißt - Bd. 2, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1990 [1934], S. 59
Zitationshilfe
„graulen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/graulen>, abgerufen am 28.02.2020.

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