Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

grausen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung grau-sen
Wortbildung  mit ›grausen‹ als Erstglied: grauslich

Bedeutungsübersicht+

  1. ⟨jmdm., jmdn. graust (es) vor etw., jmdm.⟩ jmd. empfindet Grausen vor etw., jmdm.
  2. ⟨sich grausen⟩
eWDG

Bedeutungen

jmdm., jmdn. graust (es) vor etw., jmdm.jmd. empfindet Grausen vor etw., jmdm.
Beispiele:
mir, mich graust (es)
es graust einem, einen, wenn man das sieht
ihr hatte (es) oft gegraust vor diesem Augenblick, bei dem Gedanken
mich graust es noch, wenn ich daran denke
Dem Vater grausets, er reitet geschwind [ GoetheErlkönig]
Vor der Nacht aber grauste ihm heute mehr als sonst [ BredelEnkel105]
mich grauste vor ihnen und vorm Kriege [ RennKrieg55]
Den Kutscher auf dem Bock des Schlittens grauste es vor seinem Fahrgast [ J. RothRadetzkymarsch118]
sich grausen
Beispiele:
weil man mit ihnen zusammen im Haus gearbeitet hatte, frühstückte man auch gemeinsam mit ihnen und grauste sich nicht [ MusilDrei Frauen58]
Denn ein Blick in die Zukunft nimmt einen Menschen mitunter so her, daß er sich graust [ BrechtSchweyk3]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

grausen · Graus · Grausen · grauslich · graus · grausig
grausen Vb. (unpersönlich oder reflexiv) ‘schaudern, Furcht, Entsetzen empfinden’. Das nur im Dt. bezeugte Verb ist, wie ahd. irgrū(w)isōn (10. Jh.) deutlich macht, eine Weiterbildung mit dem im Ahd. lebendigen Suffix -isōn zu den unter grauen2 (s. d.) aufgeführten Formen. Seit dem 12. Jh. herrscht die kontrahierte umlautlose Form mhd. grūsen (neben vereinzeltem griusen, s. gruseln), die sich in nhd. grausen fortsetzt. Wohl aus dem Verb rückgebildet ist Graus m. ‘grauenerregendes Ereignis’, mhd. grūs(e), das jedoch durch den substantivierten Infinitiv Grausen n. ‘Schauder, Entsetzen’ (15. Jh.) weitgehend verdrängt wird. Dazu die Adjektive grauslich, mhd. grūs(en)lich, graus (17. Jh.) und grausig (18. Jh.) ‘wild, schrecklich, entsetzlich’; vgl. ahd. grūsīg.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) kalt den Rücken herunterlaufen · (sich) graulen · (sich) grausen · (sich) gruseln · schaudern · unheimlich (zumute) sein  ●  (jemanden) kalt überlaufen  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›grausen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›grausen‹.

Verwendungsbeispiele für ›grausen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Manche Tiere essen wir ohne Bedenken, bei anderen graust es uns. [Die Zeit, 09.05.2013, Nr. 20]
Anderen hat es gegraust, mich aber hat die Atmosphäre immer fasziniert. [Süddeutsche Zeitung, 06.02.1997]
Ihn grauste vor meinem Hobby nicht viel weniger als mir vor seinem. [Die Welt, 15.09.2000]
Der Ökonom guckt bedeutend, der Interviewer nickt, und den Fernsehzuschauer graust es. [Krämer, Walter / Sauer, Wolfgang, Lexikon der populären Sprachirrtümer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 199]
Der Ehefrau graust es, die Kinder finden den Vater cool. [Die Zeit, 29.12.1999, Nr. 1]
Zitationshilfe
„grausen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/grausen>.

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