grausen

GrammatikVerb
Worttrennunggrau-sen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›grausen‹ als Erstglied: ↗grauslich
eWDG, 1969

Bedeutungen

jmdm., jmdn. graust (es) vor etw., jmdm.jmd. empfindet Grausen vor etw., jmdm.
Beispiele:
mir, mich graust (es)
es graust einem, einen, wenn man das sieht
ihr hatte (es) oft gegraust vor diesem Augenblick, bei dem Gedanken
mich graust es noch, wenn ich daran denke
Dem Vater grausets, er reitet geschwind [GoetheErlkönig]
Vor der Nacht aber grauste ihm heute mehr als sonst [BredelEnkel105]
mich grauste vor ihnen und vorm Kriege [RennKrieg55]
Den Kutscher auf dem Bock des Schlittens grauste es vor seinem Fahrgast [J. RothRadetzkymarsch118]
sich grausen
Beispiele:
weil man mit ihnen zusammen im Haus gearbeitet hatte, frühstückte man auch gemeinsam mit ihnen und grauste sich nicht [MusilDrei Frauen58]
Denn ein Blick in die Zukunft nimmt einen Menschen mitunter so her, daß er sich graust [BrechtSchweyk3]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

grausen · Graus · Grausen · grauslich · graus · grausig
grausen Vb. (unpersönlich oder reflexiv) ‘schaudern, Furcht, Entsetzen empfinden’. Das nur im Dt. bezeugte Verb ist, wie ahd. irgrū(w)isōn (10. Jh.) deutlich macht, eine Weiterbildung mit dem im Ahd. lebendigen Suffix -isōn zu den unter ↗grauen (s. d.) aufgeführten Formen. Seit dem 12. Jh. herrscht die kontrahierte umlautlose Form mhd. grūsen (neben vereinzeltem griusen, s. ↗gruseln), die sich in nhd. grausen fortsetzt. Wohl aus dem Verb rückgebildet ist Graus m. ‘grauenerregendes Ereignis’, mhd. grūs(e), das jedoch durch den substantivierten Infinitiv Grausen n. ‘Schauder, Entsetzen’ (15. Jh.) weitgehend verdrängt wird. Dazu die Adjektive grauslich, mhd. grūs(en)lich, graus (17. Jh.) und grausig (18. Jh.) ‘wild, schrecklich, entsetzlich’; vgl. ahd. grūsīg.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) kalt den Rücken herunterlaufen · ↗(sich) graulen · (sich) grausen · ↗(sich) gruseln · ↗schaudern · unheimlich (zumute) sein  ●  (jemanden) kalt überlaufen  geh.
Assoziationen
  • (etwas) fürchten · ↗(sich) fürchten · ↗(sich) ängstigen · Angst haben · ↗bangen · ↗befürchten  ●  (das) Herz in der Hose (haben / tragen)  veraltend · ↗(jemandem) bang(e) (zumute) sein  veraltet · vor etwas Gamaschen haben  veraltet · (den) Flattermann kriegen  ugs. · (die) Hosen gestrichen voll haben (Verstärkung)  ugs. · (die) Hosen voll haben  ugs. · (jemandem) geht der Arsch auf Grundeis  derb · (jemandem) geht der Arsch mit Grundeis  derb · (jemandem) geht die Düse  derb · (jemandem) geht die Muffe (1 zu 1000)  ugs. · Muffensausen haben  ugs. · Schiss inne Buchs haben  ugs., regional · ↗bibbern  ugs.
  • (eine) Gänsehaut bekommen · (jemandem) schlottern die Knie · ↗(vor Kälte) bibbern · am ganzen Körper zittern · ↗erbeben · ↗erschaudern · ↗erschauern · ↗erzittern · ↗schaudern · ↗schauern · weiche Knie haben · ↗zittern  ●  schuckern  regional · ↗(vor Angst) schlottern  ugs. · gebeutelt werden  ugs. · zittern wie Espenlaub (Verstärkung)  ugs.
  • (das) kalte Grausen bekommen · (eine) Gänsehaut bekommen · (es) mit der Angst zu tun bekommen · (jemandem) wird angst und bange · ↗(jemanden) überläuft es (heiß und) kalt · Angst bekommen · mulmig zumute werden (jemandem wird ...) · starr vor Angst (sein) · unheimlich werden (jemandem wird etwas ...)  ●  (jemandem) gefriert das Blut in den Adern  fig. · (jemandem) gerinnt das Blut in den Adern  fig. · (jemandem) läuft es eiskalt den Rücken hinunter  fig. · (jemandem) stockt das Blut in den Adern  fig. · (jemandem) (das) Blut in den Adern gefrieren lassen  geh., fig. · (jemandem) erstarrt das Blut in den Adern  geh. · kalte Füße bekommen  ugs., fig.
  • (eine) Gänsehaut bekommen · (es) mit der Angst zu tun bekommen · (jemandem) wird angst und bange · Angst bekommen · mulmig zumute werden (jemandem wird ...) · unheimlich werden (jemandem wird etwas ...)  ●  kalte Füße bekommen  ugs., fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anblick Gedanke Sau Vorstellung da davor es

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›grausen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Manche Tiere essen wir ohne Bedenken, bei anderen graust es uns.
Die Zeit, 09.05.2013, Nr. 20
Anderen hat es gegraust, mich aber hat die Atmosphäre immer fasziniert.
Süddeutsche Zeitung, 06.02.1997
Der Ökonom guckt bedeutend, der Interviewer nickt, und den Fernsehzuschauer graust es.
Krämer, Walter / Sauer, Wolfgang, Lexikon der populären Sprachirrtümer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 199
Dem Kutscher auf dem Bock des Schlittens grauste es vor seinem Fahrgast.
Roth, Joseph: Radetzkymarsch, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1978 [1932], S. 118
Emilia stieg hinab, öffnete die Tür, und schon grauste es sie.
Koeppen, Wolfgang: Tauben im Gras. In: ders., Drei Romane, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 [1951], S. 82
Zitationshilfe
„grausen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/grausen>, abgerufen am 22.10.2019.

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