Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

greinen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung grei-nen

Bedeutungsübersicht+

  1. [umgangssprachlich, abwertend] ...
    1. 1. (klagend) weinen
    2. 2. klagen, jammern
eWDG

Bedeutung

umgangssprachlich, abwertend
1.
(klagend) weinen
Beispiele:
Leise hörte sie das Neugeborene greinen [ ViebigDie vor d. Toren129]
Als dann der Geheimrat wie ein Wickelkind zu greinen begann [ BredelSöhne295]
Selbst den Säuglingen blieb das Lallen und Greinen im Halse stecken [ WerfelMusa Dagh301]
bildlich
Beispiele:
die Katze hatte vor der Tür gegreint
Käuzchen greinten durch die … alten Baumriesen [ G. Hauptm.4,454]
2.
klagen, jammern
Beispiel:
»Die müssen wir nun auch noch ernähren«, greinte sie [ Weiskopf4,411]
über etw., jmdn. greinen
Beispiele:
sie greinte über das kaputte Geschirr
man sollte darüber, über ihn nicht so viel greinen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

grinsen · greinen · grienen
grinsen Vb. ‘breit lächeln’ (als Ausdruck von Schadenfreude, Zufriedenheit, Einfalt oder Verlegenheit), in dieser Bedeutung seit dem 16. Jh. bezeugt (zuvor ‘knirschen’, 15. Jh.; omd. auch ‘weinen’, 17. Jh.), ist eine Intensivbildung (mit mhd. nhd. -sen, ahd. -isōn, das hier vielleicht anstelle von mhd. nhd. -zen, ahd. -azzen steht, vgl. die noch im 19. Jh. literatursprachlich vorkommende Variante grinzen) zu dem nur bis ins 16. Jh. gebräuchlichen Verb mhd. frühnhd. grinnen ‘knirschen, grunzen, keifen’ (vgl. mnd. grinsen ‘grunzen’, grinnen, gransen, grensen ‘den Mund verziehen, knirschen, grunzen, murren’). Dieses grinnen verschmilzt im Nhd. offenbar mit verwandtem greinen Vb. ‘weinen, weinend klagen’, ahd. grīnan ‘bellen, heulen, knurren’ (9. Jh.), mhd. grīnen ‘lachend, knurrend, winselnd oder weinend den Mund verziehen’, mnd. grīnen ‘den Mund verziehen, weinen, knurren, grunzen, knirschen’, selten ‘grinsen’, mnl. grīnen ‘schreien, heulen, hohnlachen’, nl. grijnen, grienen ‘weinen, flennen’, anord. grīna ‘grinsen’, schwed. grina ‘grinsen, flennen’, wozu mit Ablaut aengl. grānian, engl. to groan ‘stöhnen, seufzen’. Nhd. greinen, im 17./18. Jh. von der starken zur schwachen Flexion übertretend, bedeutet zunächst noch ‘knurren, grunzen, brüllen, keifen, weinen’, engt sich aber seit dem 18. Jh. auf die heutige Verwendung ein. Die nd. Form grienen Vb. dringt dagegen im 19. Jh. als Synonym für grinsen von Norden her in die Literatursprache ein. Für die im Germ. reich entwickelte Verbgruppe (mit wechselndem Vokal, vgl. auch ahd. granōn ‘grunzen’, 9. Jh., mhd. grannen, grennen ‘flennen, weinen’, aengl. grennian, engl. to grin ‘die Zähne fletschen’, anord. grenja ‘heulen’), deren gemeinsame Ausgangsbedeutung als ‘den Mund breitziehen und die Zähne zeigen’ angegeben werden kann, fehlen außergerm. Verwandte (afrz. grignier ‘den Mund verziehen, klagen, winseln’, ital. digrignare ‘die Zähne fletschen, knurren’ sind Entlehnungen aus dem Germ.). Die weitere Herkunft ist deshalb ungeklärt, doch kommt möglicherweise Lautnachahmung in Betracht.

Thesaurus

Synonymgruppe
(es) fließen Tränen · Tränen vergießen · jammern · schluchzen · schreien (Baby) · weinen (vor) · wimmern  ●  (jemandem) laufen die Tränen (über das Gesicht)  variabel · weinen (über)  Hauptform · (jemandem) kullern die Tränen (über das Gesicht)  ugs., fig., variabel · (sich) ein Tränchen verdrücken  ugs. · barmen  geh., poetisch · bläken  ugs., abwertend, regional · das heulende Elend haben  ugs. · flennen  ugs., regional · greinen  ugs. · heulen  ugs. · leise weinend (in der Ecke)  ugs., floskelhaft · plieren  ugs. · plinsen  ugs., norddeutsch · plärren  ugs., abwertend, regional
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Tränchen  abwertend · Träne  Hauptform · Zähre  veraltet
  • Traurigkeit heucheln  ●  (den) Traurigen mimen  ugs. · (sich) ein paar Tränchen verdrücken  ugs. · Krokodilstränen vergießen  ugs., Hauptform · Krokodilstränen weinen  ugs. · auf traurig machen  ugs.
  • bejammern · klagen · wehklagen · zetern  ●  jammern  Hauptform · lamentieren  abwertend · barmen  geh., veraltend, regional, literarisch · heulen  ugs. · janke(r)n  ugs. · raunzen  ugs., österr.
  • gefühlig · gekünstelt · im Überschwang der Gefühle · melodramatisch · seelenvoll · sentimental · theatralisch  ●  gefühlsbetont  Hauptform · gefühlskitschig  abwertend · kitschig  abwertend · larmoyant  abwertend · mit reichlich Herz und Schmerz  scherzhaft-ironisch · rührstückhaft  abwertend · schmalzig  abwertend · tränenselig  ironisierend · gefühlsbesoffen  ugs., abwertend · gefühlsduselig  ugs., abwertend · mit Pipi inne Augen  ugs., ruhrdt.
  • herumjanken · janken · keine Ruhe geben  ●  (rum)knöttern  ugs., ruhrdt. · (rum)quaken  ugs. · herumquengeln  ugs. · quengeln  ugs., Hauptform
  • (sich die) Augen aus dem Kopf weinen · Rotz und Wasser heulen · Ströme von Tränen vergießen · dicke Tränen vergießen · heiße Tränen vergießen · heiße Tränen weinen · hemmungslos weinen · heulen wie ein Schlosshund · in Tränen aufgelöst sein · in Tränen schwimmen  ●  (die) Tränen laufen jemandem (nur so) übers Gesicht  variabel · (sich die) Augen ausweinen  fig. · (sich) in Tränen auflösen  fig. · alle Schleusen öffnen  fig · bittere Tränen vergießen  veraltend · heftig weinen  Hauptform · in Tränen zerfließen  fig. · hemmungslos losheulen  ugs.
  • (sich) ausweinen (bei jemandem)  auch figurativ · (sich) ausheulen (bei jemandem)  ugs., auch figurativ
  • (jemandem etwas) vorweinen  ●  (jemandem etwas) vorjammern  abwertend · (jemandem etwas) vorheulen  ugs.
  • (sich) eine Träne aus dem Augenwinkel wischen · feuchte Augen bekommen · nasse Augen bekommen  ●  dem Weinen nahe sein  Hauptform · Pipi in die Augen bekommen  derb
  • (jemandem) stehen die Tränen in den Augen · (jemandem) steht das Wasser in den Augen · Tränen in den Augen haben · feuchte Augen haben  ●  nasse Augen haben  Hauptform · Pipi in den Augen haben  derb
  • (sich) in den Schlaf weinen · (sich) müde weinen
  • fiepen · jaulen · wimmern · winseln
  • (jemandem / einer Sache) hinterhertrauern · (jemandem) nachhängen · (sich) (wehmütigen Gedanken) hingeben · nachtrauern · nachweinen
  • bei jeder Kleinigkeit weinen · immer gleich weinen · oft weinen · schnell weinen · sofort weinen (müssen)  ●  nah(e) am Wasser gebaut haben  Hauptform, fig.
  • gefühlsbeladen · gefühlsselig · gefühlvoll · rührselig · schmalzig · schnulzig · sentimental  ●  auf die Tränendrüse drücken(d)  ugs., fig.

Verwendungsbeispiele für ›greinen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Fast alles hat ihm diese Regierung ohnehin gegeben; damit daraus alles werde, erpresst, droht, greint er. [Süddeutsche Zeitung, 31.08.2002]
Der Rest parliert auf slowenisch, singt afrikanisch und greint französisch. [Süddeutsche Zeitung, 01.09.2001]
Er bekam sie dann nicht wieder, greinte und sang ohne sie. [Süddeutsche Zeitung, 24.01.1994]
Wir hocken aber genauso atavistisch davor – und gackern, grunzen, greinen wie sie. [Die Welt, 04.06.2003]
Er kann winseln wie ein Kind, greinen wie ein Greis, er kann Pianissimo verhauchen und Fortissimo brüllen. [Süddeutsche Zeitung, 24.09.1994]
Zitationshilfe
„greinen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/greinen>.

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