greinen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennunggrei-nen
eWDG, 1969

Bedeutung

umgangssprachlich, abwertend
1.
(klagend) weinen
Beispiele:
Leise hörte sie das Neugeborene greinen [ViebigDie vor d. Toren129]
Als dann der Geheimrat wie ein Wickelkind zu greinen begann [BredelSöhne295]
Selbst den Säuglingen blieb das Lallen und Greinen im Halse stecken [WerfelMusa Dagh301]
bildlich
Beispiele:
die Katze hatte vor der Tür gegreint
Käuzchen greinten durch die ... alten Baumriesen [G. Hauptm.4,454]
2.
klagen, jammern
Beispiel:
»Die müssen wir nun auch noch ernähren«, greinte sie [Weiskopf4,411]
über etw., jmdn. greinen
Beispiele:
sie greinte über das kaputte Geschirr
man sollte darüber, über ihn nicht so viel greinen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

grinsen · greinen · grienen
grinsen Vb. ‘breit lächeln’ (als Ausdruck von Schadenfreude, Zufriedenheit, Einfalt oder Verlegenheit), in dieser Bedeutung seit dem 16. Jh. bezeugt (zuvor ‘knirschen’, 15. Jh.; omd. auch ‘weinen’, 17. Jh.), ist eine Intensivbildung (mit mhd. nhd. -sen, ahd. -isōn, das hier vielleicht anstelle von mhd. nhd. -zen, ahd. -azzen steht, vgl. die noch im 19. Jh. literatursprachlich vorkommende Variante grinzen) zu dem nur bis ins 16. Jh. gebräuchlichen Verb mhd. frühnhd. grinnen ‘knirschen, grunzen, keifen’ (vgl. mnd. grinsen ‘grunzen’, grinnen, gransen, grensen ‘den Mund verziehen, knirschen, grunzen, murren’). Dieses grinnen verschmilzt im Nhd. offenbar mit verwandtem greinen Vb. ‘weinen, weinend klagen’, ahd. grīnan ‘bellen, heulen, knurren’ (9. Jh.), mhd. grīnen ‘lachend, knurrend, winselnd oder weinend den Mund verziehen’, mnd. grīnen ‘den Mund verziehen, weinen, knurren, grunzen, knirschen’, selten ‘grinsen’, mnl. grīnen ‘schreien, heulen, hohnlachen’, nl. grijnen, grienen ‘weinen, flennen’, anord. grīna ‘grinsen’, schwed. grina ‘grinsen, flennen’, wozu mit Ablaut aengl. grānian, engl. to groan ‘stöhnen, seufzen’. Nhd. greinen, im 17./18. Jh. von der starken zur schwachen Flexion übertretend, bedeutet zunächst noch ‘knurren, grunzen, brüllen, keifen, weinen’, engt sich aber seit dem 18. Jh. auf die heutige Verwendung ein. Die nd. Form grienen Vb. dringt dagegen im 19. Jh. als Synonym für grinsen von Norden her in die Literatursprache ein. Für die im Germ. reich entwickelte Verbgruppe (mit wechselndem Vokal, vgl. auch ahd. granōn ‘grunzen’, 9. Jh., mhd. grannen, grennen ‘flennen, weinen’, aengl. grennian, engl. to grin ‘die Zähne fletschen’, anord. grenja ‘heulen’), deren gemeinsame Ausgangsbedeutung als ‘den Mund breitziehen und die Zähne zeigen’ angegeben werden kann, fehlen außergerm. Verwandte (afrz. grignier ‘den Mund verziehen, klagen, winseln’, ital. digrignare ‘die Zähne fletschen, knurren’ sind Entlehnungen aus dem Germ.). Die weitere Herkunft ist deshalb ungeklärt, doch kommt möglicherweise Lautnachahmung in Betracht.

Thesaurus

Synonymgruppe
Tränen vergießen · ↗jammern · ↗schluchzen · ↗schreien (Baby) · ↗weinen (vor) · ↗wimmern  ●  ↗weinen (über)  Hauptform · (sich) ein Tränchen verdrücken  ugs. · ↗barmen  geh., poetisch · ↗bläken  ugs., abwertend, regional · das heulende Elend haben  ugs. · ↗flennen  ugs., regional · greinen  ugs. · ↗heulen  ugs. · leise weinend (in der Ecke)  ugs., floskelhaft · ↗plieren  ugs. · ↗plinsen  ugs., norddeutsch · ↗plärren  ugs., abwertend, regional
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • (jemandem) schießen (die) Tränen in die Augen · (plötzlich) weinen müssen  ●  (das) heulende Elend bekommen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Baby grinsen heulen hin jammern nachher schreien weinen zetern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›greinen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Fast alles hat ihm diese Regierung ohnehin gegeben; damit daraus alles werde, erpresst, droht, greint er.
Süddeutsche Zeitung, 31.08.2002
Wir hocken aber genauso atavistisch davor - und gackern, grunzen, greinen wie sie.
Die Welt, 04.06.2003
Er ließ die Hosen schlottern und seine rauhe Stimme greinen.
Die Zeit, 31.05.1968, Nr. 22
Und wenn es auch noch keine Eile hat, greinend der neuen Zeit nachzukeifen, bin ich doch so nachdenklich wie nie.
Tucholsky, Kurt: Ans Erich Blaich, 24.12.1916. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1916], S. 15826
Stolte hat Kirch reich gemacht, er hat Kirch mächtig werden lassen, und nun greint er.
konkret, 1996
Zitationshilfe
„greinen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/greinen>, abgerufen am 16.11.2018.

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