Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

grell

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Wortbildung  mit ›grell‹ als Erstglied: grell beleuchtet · grellbeleuchtet · grellbunt · grellfarben · grellfarbig · grellgelb · grellgrün · grellrosa · grellrot · grellweiß
 ·  mit ›grell‹ als Letztglied: übergrell  ·  mit ›grell‹ als Grundform: Grellheit

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. sehr hell und blendend
    1. übertrieben leuchtend
    2. [übertragen] ...
  2. 2. in hohen Tönen laut erklingend
    1. [übertragen] ...
eWDG

Bedeutungen

1.
sehr hell und blendend
Beispiele:
er trat in die grelle Sonne
grelle Blitze
das grelle Scheinwerferlicht
grelle Lampen beleuchteten die Eisfläche
die Sonne scheint, strahlt grell durch die Gardinen
etw., jmd. ist grell von der Sonne beschienen, beleuchtet
übertrieben leuchtend
Beispiele:
ein grelles Rot, Blau
die grelle Farbe gefällt mir nicht
das Rosa ist mir zu grell
das Muster der Gardine sticht grell vom Grundton ab
übertragen
Beispiele:
er schilderte den Zusammenstoß in den grellsten Farben
seine jetzige Meinung steht zu seiner früher geäußerten im grellen Widerspruch
Ein Menschenschlag … ließ in dem kleinen Staate, von dem wir reden, manches weit greller hervortreten als anderswo unter gleichen Umständen [ Droste-Hülsh.Judenbuche883]
2.
in hohen Tönen laut erklingend
Beispiele:
eine grelle Musik
grelle Trompetentöne, Dissonanzen
ein greller Pfiff, Schrei
ihr grelles Lachen
die Blechbläser traten zu grell hervor
eine grell klingende Hupe
grell pfeifen, lachen
zu viele bedienten sich seiner, es [das Wort] fing an, grell aus jedem Satz, in dem es vorkam, herauszutönen [ M. WalserHalbzeit27]
übertragen
Beispiel:
Plötzlich brach Tycho grell (= unvermittelt) ab [zu sprechen] und wandte sich nun an alle [ BrodTycho Brahe61]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

grell Adj. ‘durchdringend, schrill, blendend’, mhd. (md.) grel ‘zornig, rauh’, mnd. grel, (ablautend) gral ‘zornig, böse, verärgert’, mnl. gril, grel ‘jähzornig, leidenschaftlich’; dazu das Substantiv frühnhd. gral ‘Schrei, Zorn’ (15. Jh.), grel (16. Jh.) sowie das Verb mhd. grellen, grillen ‘laut, vor Zorn schreien’, mnd. grellen ‘in Zorn versetzen, reizen’, mnl. grillen ‘murren, brummen’, aengl. grillan ‘zum Zorn reizen, mit den Zähnen knirschen’ und anord. grellskapr ‘Zorn’. Sie alle sind (wie auch ablautendes grollen, Groll, s. d.) als lautnachahmende Bildungen anzusehen. grell und seine Verwandten bezeichnen zunächst das zornige Gebrüll, vom 16. Jh. an steht das Adjektiv für ‘schrill, durchdringend’ und, übertragen auf Gesichtseindrücke, für ‘hell, blendend’ (geläufig seit 18. Jh.). Man kann die Wortgruppe um grell und Groll in Verbindung mit grüßen, girren, gurren (s. d.) bringen.

Thesaurus

Synonymgruppe
durchdringend · gellend · grell · kreischend · markerschütternd · ohrenbetäubend · schrill · sehr laut · spitz (Schrei)  ●  ohrenzerreißend  fig. · gell  geh., literarisch, selten
Assoziationen
Synonymgruppe
auffällig · grell · ins Auge fallen(d) · ins Auge stechen(d) · plakativ · unübersehbar  ●  knallig  Hauptform · schreiend  fig. · alle Blicke auf sich ziehen(d)  geh. · aufdringlich  geh., fig.
Assoziationen
Antonyme
Synonymgruppe
blendend · gleißend · gleißend hell · grell · leuchtend · neon... · sehr hell · stark glänzend · stark reflektierend · strahlend  ●  leuchtkräftig  fachspr.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›grell‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›grell‹.

Verwendungsbeispiele für ›grell‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dann schalte ich das Radio aus und lösche das grelle Neonlicht. [Wallraff, Günter: Ganz unten, Berlin: Aufbau-Verl.1986 [1985], S. 164]
Man spricht von knallgelb, von schreiendem Rot, von grellem Licht, von einem satten Blau. [Reimann, Hans: Vergnügliches Handbuch der Deutschen Sprache, Düsseldorf: Econ-Verl. 1964 [1931], S. 17]
Erleichtert schaltete er den Stab ein, und sogleich hielt er ein grelles Neonlicht in seiner Hand. [C’t, 1992, Nr. 5]
Dann raffen sich alle drei noch einmal auf zu einem ebenso grauen wie grellen Showdown. [Die Zeit, 26.03.1998, Nr. 14]
Es war ein heißer Tag, mit grellem Licht, mit kurzen Schatten. [Harig, Ludwig: Ordnung ist das ganze Leben, München u. a.: Hanser 1987 [1986], S. 441]
Zitationshilfe
„grell“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/grell>.

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