grienen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennunggrie-nen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›grienen‹ als Letztglied: ↗angrienen
eWDG, 1969

Bedeutung

umgangssprachlich grinsen
Beispiele:
hinterhältig, höhnisch, verlegen, über das ganze Gesicht grienen
was hast du bloß immer zu grienen?
das grienende Gesicht des Bauern [WelkBulle39]
Die Jette, die grienend zugehört hat [Suderm.6,202]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

grinsen · greinen · grienen
grinsen Vb. ‘breit lächeln’ (als Ausdruck von Schadenfreude, Zufriedenheit, Einfalt oder Verlegenheit), in dieser Bedeutung seit dem 16. Jh. bezeugt (zuvor ‘knirschen’, 15. Jh.; omd. auch ‘weinen’, 17. Jh.), ist eine Intensivbildung (mit mhd. nhd. -sen, ahd. -isōn, das hier vielleicht anstelle von mhd. nhd. -zen, ahd. -azzen steht, vgl. die noch im 19. Jh. literatursprachlich vorkommende Variante grinzen) zu dem nur bis ins 16. Jh. gebräuchlichen Verb mhd. frühnhd. grinnen ‘knirschen, grunzen, keifen’ (vgl. mnd. grinsen ‘grunzen’, grinnen, gransen, grensen ‘den Mund verziehen, knirschen, grunzen, murren’). Dieses grinnen verschmilzt im Nhd. offenbar mit verwandtem greinen Vb. ‘weinen, weinend klagen’, ahd. grīnan ‘bellen, heulen, knurren’ (9. Jh.), mhd. grīnen ‘lachend, knurrend, winselnd oder weinend den Mund verziehen’, mnd. grīnen ‘den Mund verziehen, weinen, knurren, grunzen, knirschen’, selten ‘grinsen’, mnl. grīnen ‘schreien, heulen, hohnlachen’, nl. grijnen, grienen ‘weinen, flennen’, anord. grīna ‘grinsen’, schwed. grina ‘grinsen, flennen’, wozu mit Ablaut aengl. grānian, engl. to groan ‘stöhnen, seufzen’. Nhd. greinen, im 17./18. Jh. von der starken zur schwachen Flexion übertretend, bedeutet zunächst noch ‘knurren, grunzen, brüllen, keifen, weinen’, engt sich aber seit dem 18. Jh. auf die heutige Verwendung ein. Die nd. Form grienen Vb. dringt dagegen im 19. Jh. als Synonym für grinsen von Norden her in die Literatursprache ein. Für die im Germ. reich entwickelte Verbgruppe (mit wechselndem Vokal, vgl. auch ahd. granōn ‘grunzen’, 9. Jh., mhd. grannen, grennen ‘flennen, weinen’, aengl. grennian, engl. to grin ‘die Zähne fletschen’, anord. grenja ‘heulen’), deren gemeinsame Ausgangsbedeutung als ‘den Mund breitziehen und die Zähne zeigen’ angegeben werden kann, fehlen außergerm. Verwandte (afrz. grignier ‘den Mund verziehen, klagen, winseln’, ital. digrignare ‘die Zähne fletschen, knurren’ sind Entlehnungen aus dem Germ.). Die weitere Herkunft ist deshalb ungeklärt, doch kommt möglicherweise Lautnachahmung in Betracht.

Thesaurus

Synonymgruppe
grinsen · ↗lächeln · ↗schmunzeln  ●  grienen  ugs., norddeutsch
Assoziationen
  • in sich hinein lächeln · ↗schmunzeln · vor sich hin lächeln
  • (seinen) Spaß haben · (sich) amüsiert zeigen · (sich) einen Jux machen aus
  • (das) Gesicht zu einem Grinsen verziehen · (das) Gesicht zu einem Lächeln verziehen · (einfach) lächeln müssen
  • feixen · ↗keckern · ↗kichern · ↗prusten  ●  ↗lachen  Hauptform · ↗gackern  ugs. · ↗gickeln  ugs. · ↗johlen  ugs.
  • Gesichtsausdruck · ↗Miene · ↗Mienenspiel · ↗Mimik
  • (sich) amüsieren · (sich) köstlich amüsieren · (sich) prächtig amüsieren · ↗(sich) vergnügen · seinen Spaß haben  ●  ↗(sich) verlustieren  altertümelnd · Spaß haben  variabel · auf seine Kosten kommen  fig. · ↗(sich) (gut) unterhalten  ugs. · eine nette Zeit haben  ugs., variabel
  • lachen · ↗strahlen · von einem Ohr zum anderen lachen · übers ganze Gesicht lachen · übers ganze Gesicht strahlen  ●  über alle vier Backen strahlen  scherzhaft · grinsen wie ein Honigkuchenpferd  ugs. · lachen wie ein Honigkuchenpferd  ugs.
  • (sich) (auf dem Boden) wälzen vor Lachen · ↗(sich) (beinahe) totlachen · (sich) (die) Seiten halten (müssen) vor Lachen · (sich) ausschütten vor Lachen · (sich) biegen vor Lachen · (sich) den Bauch halten vor Lachen · (sich) festhalten müssen vor Lachen · ↗(sich) kaputtlachen · (sich) kugeln (vor Lachen) · (sich) nicht / kaum noch halten können vor Lachen · Tränen lachen · Tränen weinen vor Lachen · aus vollem Halse lachen · dröhnend lachen · einen Lachanfall haben · einen Lachflash haben · ↗grölen (vor Lachen) · herausplatzen vor Lachen · hysterisch lachen · schallend lachen · wiehernd lachen  ●  (sich fast) in die Hose machen vor Lachen  ugs. · (sich) 'nen Ast lachen  ugs. · (sich) (auf dem Boden) kugeln vor Lachen  ugs. · (sich) (beinahe) wegschmeißen (vor Lachen)  ugs. · (sich) (fast) bepissen vor Lachen  derb · (sich) bekringeln (vor Lachen)  ugs. · (sich) beömmeln  ugs. · (sich) flachlegen vor Lachen  ugs. · (sich) halbtot lachen  ugs. · ↗(sich) kranklachen  ugs. · (sich) kringeln (vor Lachen)  ugs. · (sich) krumm und bucklig lachen  ugs. · (sich) krumm und schieflachen  ugs. · (sich) nicht mehr / kaum noch einkriegen vor Lachen  ugs. · (sich) scheckig lachen  ugs. · (sich) schepp lachen  ugs., variabel · ↗(sich) schieflachen  ugs. · (sich) schlapplachen  ugs. · ↗(sich) weglachen  ugs. · fast sterben vor Lachen  ugs. · ↗geiern  ugs., regional · in die Tischkante beißen vor Lachen  ugs. · ↗losgrölen  ugs. · ↗losprusten  ugs. · loswiehern  ugs. · rumgeiern  ugs. · ↗wiehern  ugs.
  • (das) Gesicht zu einem schiefen Grinsen verziehen · (ein) süßsaures Lächeln aufsetzen · gequält lächeln · gute Miene zum bösen Spiel machen · säuerlich lächeln  ●  (sich) ein (gequältes) Lächeln abringen  variabel

Typische Verbindungen
computergeneriert

Kamera an

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›grienen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

An diesem Abend grient er die meiste Zeit ins Rund.
Die Welt, 28.06.2005
Wenn ich geschimpft habe, grientest Du einfach, und ich dachte, ja, so funktioniert es.
Süddeutsche Zeitung, 26.01.1994
Der Jubilar ist übrigens bei dem ganzen Gedöns grienend sitzen geblieben.
Degenhardt, Franz Josef: Für ewig und drei Tage, Berlin: Aufbau-Verl. 1999, S. 264
Der Kellner an ihrer Seite, der nichts verstand, griente sie an.
Jentzsch, Kerstin: Seit die Götter ratlos sind, München: Heyne 1999 [1994], S. 330
Er drohte der Menge mit dem Zeigefinger, hat dann aber doch noch gegrient.
Kursbuch, 1966, Bd. 4
Zitationshilfe
„grienen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/grienen>, abgerufen am 23.10.2019.

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