Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

grienen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung grie-nen
Wortbildung  mit ›grienen‹ als Letztglied: angrienen
eWDG

Bedeutung

umgangssprachlich grinsen
Beispiele:
hinterhältig, höhnisch, verlegen, über das ganze Gesicht grienen
was hast du bloß immer zu grienen?
das grienende Gesicht des Bauern [ WelkBulle39]
Die Jette, die grienend zugehört hat [ Suderm.6,202]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

grinsen · greinen · grienen
grinsen Vb. ‘breit lächeln’ (als Ausdruck von Schadenfreude, Zufriedenheit, Einfalt oder Verlegenheit), in dieser Bedeutung seit dem 16. Jh. bezeugt (zuvor ‘knirschen’, 15. Jh.; omd. auch ‘weinen’, 17. Jh.), ist eine Intensivbildung (mit mhd. nhd. -sen, ahd. -isōn, das hier vielleicht anstelle von mhd. nhd. -zen, ahd. -azzen steht, vgl. die noch im 19. Jh. literatursprachlich vorkommende Variante grinzen) zu dem nur bis ins 16. Jh. gebräuchlichen Verb mhd. frühnhd. grinnen ‘knirschen, grunzen, keifen’ (vgl. mnd. grinsen ‘grunzen’, grinnen, gransen, grensen ‘den Mund verziehen, knirschen, grunzen, murren’). Dieses grinnen verschmilzt im Nhd. offenbar mit verwandtem greinen Vb. ‘weinen, weinend klagen’, ahd. grīnan ‘bellen, heulen, knurren’ (9. Jh.), mhd. grīnen ‘lachend, knurrend, winselnd oder weinend den Mund verziehen’, mnd. grīnen ‘den Mund verziehen, weinen, knurren, grunzen, knirschen’, selten ‘grinsen’, mnl. grīnen ‘schreien, heulen, hohnlachen’, nl. grijnen, grienen ‘weinen, flennen’, anord. grīna ‘grinsen’, schwed. grina ‘grinsen, flennen’, wozu mit Ablaut aengl. grānian, engl. to groan ‘stöhnen, seufzen’. Nhd. greinen, im 17./18. Jh. von der starken zur schwachen Flexion übertretend, bedeutet zunächst noch ‘knurren, grunzen, brüllen, keifen, weinen’, engt sich aber seit dem 18. Jh. auf die heutige Verwendung ein. Die nd. Form grienen Vb. dringt dagegen im 19. Jh. als Synonym für grinsen von Norden her in die Literatursprache ein. Für die im Germ. reich entwickelte Verbgruppe (mit wechselndem Vokal, vgl. auch ahd. granōn ‘grunzen’, 9. Jh., mhd. grannen, grennen ‘flennen, weinen’, aengl. grennian, engl. to grin ‘die Zähne fletschen’, anord. grenja ‘heulen’), deren gemeinsame Ausgangsbedeutung als ‘den Mund breitziehen und die Zähne zeigen’ angegeben werden kann, fehlen außergerm. Verwandte (afrz. grignier ‘den Mund verziehen, klagen, winseln’, ital. digrignare ‘die Zähne fletschen, knurren’ sind Entlehnungen aus dem Germ.). Die weitere Herkunft ist deshalb ungeklärt, doch kommt möglicherweise Lautnachahmung in Betracht.

Thesaurus

Synonymgruppe
(ein) Lächeln aufsetzen · grinsen · schmunzeln  ●  lächeln  Hauptform · grienen  ugs., norddeutsch
Assoziationen
  • in sich hinein lächeln · schmunzeln · vor sich hin lächeln
  • (seinen) Spaß haben · (sich) amüsiert zeigen · (sich) einen Jux machen aus
  • (das) Gesicht zu einem Grinsen verziehen · (das) Gesicht zu einem Lächeln verziehen · (einfach) lächeln müssen
  • (sich) ein Lachen nicht verkneifen können · einfach lachen müssen (bei) · nicht (länger) an sich halten können (und loslachen) · unfreiwillig komisch (sein) · unwillkürlich lachen müssen · zum Lachen reizen

Verwendungsbeispiele für ›grienen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn ich geschimpft habe, grientest Du einfach, und ich dachte, ja, so funktioniert es. [Süddeutsche Zeitung, 26.01.1994]
An diesem Abend grient er die meiste Zeit ins Rund. [Die Welt, 28.06.2005]
Über die Effektivität ihres Systems schweigen sich Opa und Enkel grienend aus. [Die Zeit, 27.02.1984, Nr. 09]
Dabei grient er über den Rand seiner schmalen Lesebrille hinweg. [Die Zeit, 25.12.1987, Nr. 53]
Er ist drei Minuten zu früh gekommen, jetzt grient er in das Blitzlichtgewitter. [Die Welt, 26.04.2005]
Zitationshilfe
„grienen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/grienen>.

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