großzügig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennunggroß-zü-gig (computergeneriert)
Wortbildung mit ›großzügig‹ als Erstglied: ↗Großzügigkeit
Duden GWDS, 1999

Bedeutungen

1.
von Menschen   sich über als unwichtig Empfundenes hinwegsetzend; Gesinnungen, Handlungen anderer gelten lassend; nicht kleinlich (denkend), tolerant
2.
a)
in Geldangelegenheiten, im Geben und Schenken nicht kleinlich; spendabel
b)
von einer großzügigen Haltung zeugend
3.
große Ausmaße habend, weit(räumig), in großem Stil
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

groß · Größe · Größenwahn · größenwahnsinnig · vergrößern · großartig · großsprecherisch · großkotzig · großmütig · Großmut · großzügig · Großzügigkeit · Großmacht · großmächtig · Großstadt · Großstädter · großstädtisch · Großmutter · Großvater
groß Adj. ‘ausgedehnt, von beträchtlichem Ausmaß’, bei näherer Bestimmung der räumlichen Ausdehnung mit vorangestellter Maßangabe im Akkusativ (seit Ende des 18. Jhs., zuvor und bis ins 19. Jh. im Genitiv), auch ‘der Zahl, dem Grad nach herausragend, von hohem Wert, besonderer Bedeutung’, ahd. (9. Jh.), mhd. grōʒ, asächs. mnd. grōt, mnl. nl. groot, afries. grāt, aengl. grēat, engl. great. Die semantische Entwicklung des nur westgerm. belegten Adjektivs germ. *grauta-, das wahrscheinlich mit anord. grautr ‘Grütze’ (s. ↗Grütze) und lit. graudùs ‘spröde, brüchig’, lett. grauds ‘Korn’ an ie. *ghrēud-, Erweiterung der Wurzel ie. *gher- ‘hart worüber streichen, zerreiben’ anzuschließen ist, entspricht zunächst der des vielleicht ebenfalls verwandten ↗grob (s. d.): aus ‘grobkörnig’ (so noch im Aengl. und gelegentlich im Frühnhd.) erwächst die Bedeutung ‘massig, dick’, die in mhd. Zeit vorherrscht. Daran knüpfen sich (schon ahd. und in den übrigen westgerm. Sprachen) Übertragungen auf andere räumliche Erstreckungen (‘lang, breit, weit’) und (besonders asächs. mnd. mnl. frühnhd.) auf Mengen (‘zahlreich, viel’), ferner (bereits asächs. mhd. mnd. mnl. sowie im modernen Engl.) Verwendungen, die Qualitätsmerkmale, namentlich einen hohen Rang oder außergewöhnlichen Wert kennzeichnen (‘bedeutsam, wichtig, hervorragend, vornehm’). Der im älteren Nhd. verbreitete Gebrauch als intensivierendes Adverb ist heute auf bestimmte Konstruktionen, vor allem auf einige negative Fügungen (nicht groß, niemand groß) eingeschränkt. Jüngerer Umgangssprache gehört adverbielles (ganz) groß ‘großartig, prächtig’ an (groß ausgehen, etw. ganz groß ankündigen). Die oben angeführten Formen vom Stamm *grauta- verdrängen im Kontinentalwestgerm. das vorher zur Bezeichnung eines beträchtlichen Ausmaßes übliche gemeingerm. Adjektiv ahd. mihhil (8. Jh.), asächs. mikil, mhd. michel, mnd. mnl. mēkel, michel, aengl. micel, anord. mikill, got. mikils (noch lebendig in engl. much, schwed. mycken, dän. megen ‘viel’ und in Namen wie Michelstadt, Mecklenburg), das wie lat. magnus, griech. mégas (μέγαϛ) (s. ↗mega-), aind. mahā́n ‘groß’ auf die Wurzel ie. *meg̑(h)- ‘groß’ zurückgeht. Größe f. ‘räumliche Ausdehnung, Ausmaß, hoher Wert, besondere Bedeutung’, auch ‘bedeutende Persönlichkeit’, terminologisch in der Mathematik ‘durch eine Zahl ausdrückbarer Begriff’ (16. Jh.), in der Bekleidungsindustrie ‘genormtes Maß für Kleidungsstücke’ (20. Jh.), ahd. grōʒī (9. Jh.), mhd. grœʒe ‘Größe, Dicke’, mnd. grȫte ‘Größe, Menge’ als Adjektivabstraktum; dazu Größenwahn m. ‘krankhaft übersteigertes Selbstgefühl’ (auch Größenwahnsinn) und größenwahnsinnig Adj. (alle 19. Jh.). vergrößern Vb. ‘größer machen’, reflexiv ‘größer werden’ (17. Jh.), löst vorausgehendes ergrößern (16. Jh.), größern (Ende 15. Jh.) ab; vgl. auch gleichbed. mhd. grœʒen, frühnhd. größen. großartig Adj. ‘prächtig, eindrucksvoll, hervorragend’, auch mit negativer Wertung ‘prahlerisch, auf Wirkung abzielend’ (Anfang 19. Jh., zunächst für ↗grandios, s. d.). großsprecherisch Adj. ‘prahlerisch, wichtigtuerisch’ (17. Jh.), zu älterem Großsprecher (15. Jh.), groß sprechen, großsprechen (16. Jh.); in ähnlichem Sinne umgangssprachlich großkotzig Adj. (19. Jh.), wohl dem Rotw. entstammend, vgl. jidd. kozin ‘reicher Mann’, hebr. qātzīn ‘Fürst, Anführer, Richter’. großmütig Adj. ‘edel denkend, nachsichtig’ (so vom 17. Jh. an), spätmhd. grōʒmüetec, -muotec (14. Jh.) und im Frühnhd. ‘hochgestimmt, kühn, unverzagt’ (für lat. magnanimus); vgl. ahd. mihhilmuotīg ‘tapfer, beherzt’ (11. Jh.); Großmut f. ‘edle Gesinnung’, frühnhd. auch ‘Kühnheit’ (16. Jh.). großzügig Adj. ‘nicht kleinlich, freigebig, tolerant’ (um 1900); Großzügigkeit f. (Anfang 20. Jh.). Großmacht f. ‘entscheidenden Einfluß auf die internationale Politik ausübender Staat’ (Mitte 19. Jh., zunächst von bestimmten Staaten des Deutschen Bundes, entsprechend frz. grande puissance), vorher gleichbed. mit große Macht, woraus es zusammengerückt ist (17. Jh.); früher bezeugt ist großmächtig Adj. ‘sehr mächtig’ (besonders in Titeln), ‘sehr groß’, frühnhd. auch ‘von kräftiger Gestalt, dick’ (15. Jh.). Großstadt f. ‘große Stadt’, namentlich (nach statistischer Festlegung) ‘Stadt mit mehr als 100 000 Einwohnern’, vereinzelt schon im 16. Jh. vorkommend, dann seit Anfang des 19. Jhs., wohl angelehnt an Großstädter m. (17. Jh.), großstädtisch Adj. (Mitte 18. Jh.). Großmutter f. Großvater m. ‘Mutter, Vater des Vaters oder der Mutter’, mhd. grōʒmuoter (1350), spätmhd. grōʒvater (um 1400), mnd. grōt(e)mōder, grōt(e)vāder. Die offenbar vom Norden des dt. Sprachgebiets ausgehenden Bildungen treten in dieser Verwendung an die Stelle von mhd. ane f., an(e), ene m. (s. ↗Ahn); wie nl. grootmoeder, grootvader, engl. grandmother, grandfather folgen sie vielleicht dem Muster der allerdings erst verhältnismäßig spät nachweisbaren Zusammensetzungen frz. grand’mère (in diesem Sinne schon afrz. grant mere?), grand-père (16. Jh.), doch ist wegen der frühen Bezeugung im Dt. auch an vom Frz. unabhängige Bildungen zu denken.

Thesaurus

Synonymgruppe
alles erlaubend · großzügig · ↗weitherzig
Synonymgruppe
(sich) weithin ausbreiten(d) · (sich) weithin erstrecken(d) · ausgedehnt · ↗großflächig · ↗großräumig · großzügig · so weit das Auge reicht · ↗weit · weithin ausgebreitet · ↗weitläufig · ↗weiträumig  ●  (sich) in die Tiefe des Raumes erstrecken(d)  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
edelmütig · ↗erhaben · ↗feudal · ↗großmütig · großzügig · ↗nobel  ●  ↗hehr  veraltet
Assoziationen
Synonymgruppe
freigebig · ↗freigiebig · ↗generös · ↗großherzig · ↗großmütig · großzügig · ↗gönnerhaft · ↗hochherzig · in Geberlaune · ↗nobel (aus der Nehmerperspektive) · ↗spendabel · ↗spendierfreudig  ●  Man muss auch gönnen können.  ugs., sprichwörtlich
Assoziationen
  • entgegenkommend · ↗gefällig · ↗gnädig · ↗großherzig · ↗großmütig · ↗gütig · ↗kulant · ↗mild · ↗milde · ↗sanftmütig  ●  ↗wohlwollend  Hauptform · ↗huldvoll (oft ironisch)  geh., veraltend
  • (die) Runde geht auf (...) · (die) Zeche zahlen (für jemanden) · (eine) Runde ausgeben · (einen) ausgegeben bekommen · (jemandem) (ein) Getränk spendieren · ↗(jemanden) freihalten · aufs Haus gehen  ●  ↗(etwas) spendieren  Hauptform · (eine) Runde schmeißen  ugs. · das geht auf meinen Deckel  ugs. · das geht auf mich  ugs. · einen ausgeben  ugs. · frei saufen haben  derb
  • (es) nicht fehlen lassen (an) · großzügig austeilen · nicht sparen an · nicht sparen mit  ●  es hagelt (nur so)  fig. · (nur so) um sich schmeißen (mit)  ugs. · um sich werfen (mit)  ugs.
  • (viel) Geld ausgeben · in Kauflaune · in Konsumlaune sein  ●  (Geld) mit vollen Händen ausgeben  fig. · (das) Geld locker sitzen haben  ugs. · (das) Geld sitzt locker (bei jemandem)  ugs.
  • nicht alles für sich haben wollen · teilen können · verzichten können  ●  (anderen) auch etwas gönnen  ugs.
Antonyme
Synonymgruppe
großzügig · ↗gönnerhaft · ↗jovial · ↗leutselig
Synonymgruppe
großzügig · in großem Maßstab · in großem Rahmen · in großem Stil · in großem Umfang · ↗massiv
Assoziationen
Synonymgruppe
ansehnlich (Rente, Pension, Tantiemen, Diäten) · großzügig · reichlich bemessen · ↗üppig  ●  ↗dick  ugs., fig. · ↗fett  ugs., fig.
Assoziationen
Antonyme
Synonymgruppe
freigebig · ↗generös · großzügig · ↗spendabel · ↗splendid

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abfindung Auslegung Finanzhilfe Geschenk Geste Handhabung Innenraum Mäzen Platzangebot Platzverhältnis Rabatt Raumangebot Raumgefühl Regelung Schenkung Spende Spender Zuwendung angelegt ausgestattet auslegen bemessen dimensioniert geschnitten gestaltet hinwegsehen umgehen verfahren äußerst überaus

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›großzügig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Alle paar Meter staunen wir neidisch über die großzügig angelegten Villen am Hang.
Die Welt, 30.07.2004
Waren Sie mit Dino großzügiger als Ihr Vater mit Ihnen?
Der Tagesspiegel, 27.04.2002
Nach etwa einer Stunde fuhr ich großzügig beschenkt zurück in mein Büro.
Reich-Ranicki, Marcel: Mein Leben, Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 1999, S. 329
Das erscheint viel, eine weniger großzügige Schätzung kommt zu einer Zahl von 10 bis 11 Millionen.
Ganshof, François Louis: Das Hochmittelalter. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 7362
Äußerst großzügig hat er anscheinend in Ur geplant, doch konnte er die Bauten nicht vollenden.
Soden, Wolfram von: Der Nahe Osten im Altertum. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 17905
Zitationshilfe
„großzügig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/großzügig>, abgerufen am 23.09.2019.

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