Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

häuslich

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung häus-lich
Wortbildung  mit ›häuslich‹ als Erstglied: Häuslichkeit  ·  mit ›häuslich‹ als Letztglied: außerhäuslich
Mehrwortausdrücke  am heimischen Herd · am häuslichen Herd

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. das Zuhause, das Heim, die Familie betreffend
    1. [umgangssprachlich, scherzhaft, übertragen] ⟨sich (bei jmdm.) häuslich niederlassen⟩ es sich (bei jmdm.) bequem machen, für längere Zeit (bei jmdm.) bleiben
  2. 2. in der Hauswirtschaft tüchtig, sparsam, wirtschaftlich
eWDG

Bedeutungen

1.
das Zuhause, das Heim, die Familie betreffend
Beispiele:
häusliche Tätigkeiten, Pflichten
häusliche Arbeiten wie Waschen, Saubermachen, Kochen
Entwicklungsschwierigkeiten infolge ungünstiger häuslicher Verhältnisse, Umgebung
seine häuslichen Angelegenheiten regeln
die häusliche Gemeinschaft
häuslicher Ärger, Streit, häusliche Zufriedenheit, Sorgen, Freuden, häusliches Glück
das Kind, das krank von der Reise heimkehrte, erholte sich rasch durch die häusliche Pflege der Mutter
er ist ein bescheidener junger Mann und sehr fürs Häusliche (= hat großen Familiensinn)
Dieses stille, vom häuslichen Frieden segensreich umhegte Arbeiten [ HesseUnterm Rad1,379]
was ihm der Gastfreund über die sonstigen Verhältnisse mitteilte, befestigte seinen Entschluß, hiesigen Orts den Wanderstab abzusetzen und sich häuslich niederzulassen (= hier seinen ständigen Wohnsitz zu nehmen) [ RaabeHungerpastorI 1,233]
umgangssprachlich, scherzhaft, übertragen sich (bei jmdm.) häuslich niederlassenes sich (bei jmdm.) bequem machen, für längere Zeit (bei jmdm.) bleiben
Beispiele:
müde von der langen Wanderung erreichten sie das Dorfgasthaus und ließen sich dort häuslich nieder
eine Schar Krähen richtete sich in dem Saatfeld häuslich ein
2.
in der Hauswirtschaft tüchtig, sparsam, wirtschaftlich
Beispiele:
sie ist ein häusliches Mädchen
»Du mußt nicht verzweifeln«, sagte Liane, die am Stickrahmen saß – sie war im Laufe der Jahre sehr häuslich geworden [ HildesheimerParadies86]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Haus · Häuschen · hausen · behausen · Behausung · unbehaust · hausieren · Hausierer · Häusler · häuslich · Häuslichkeit · Hausfrau1 · Haushalt · haushalten · Haushälterin · haushälterisch · Hausherr · Hausmann · Hausmannskost · Hausrat · Haussuchung · Haustier · Hauswesen
Haus n. ‘Gebäude, Bewohner desselben, Geschlecht, Hauswesen’. Das gemeingerm. Substantiv ahd. hūs ‘Gebäude, Familie, Hauswesen, Geschlecht’ (8. Jh.), mhd. hūs ‘Gebäude, Wohnung, Hütte, Schloß, Rathaus, Haushaltung, Familie, Geschlecht’, asächs. mnd. aengl. anord. hūs, mnl. huus, nl. huis, engl. house, schwed. hus, got. in gudhūs ‘Gotteshaus’ läßt sich vielleicht im Sinne von ‘Bedeckendes’ an ie. *(s)keus- anschließen (wozu auch Hose und Hort, s. d.), eine s-Erweiterung der weitverbreiteten Wurzel ie. *(s)keu-, *(s)keu̯ə-, *(s)kū- ‘bedecken, umhüllen’ (s. Haut, Hode, Hütte, Scheune, Schuh). Häuschen n. ‘kleines Haus’ (17. Jh.); vgl. ahd. hūsilī(n) (8. Jh.), hūsil (Hs. 13. Jh.), mhd. hiuselīn, hiusel. Die Wendung (ganz) aus dem Häuschen sein, geraten ‘aufgeregt, außer sich sein’ (um 1800) ist vielleicht beeinflußt von frz. Redensarten, die sich an den Namen Petites-Maisons eines ehemaligen Pariser Hospitals mit Irrenanstalt anschließen (vgl. z. B. frz. être un échappé des Petites-Maisons ‘sich wie ein aus dem Narrenhaus Entsprungener gebärden’). hausen Vb. ‘unter schlechten Bedingungen wohnen’, im Südd. und Schweiz. auch ‘sparsam wirtschaften’, ahd. hūsōn ‘wohnen’ (um 1000), mhd. hūsen ‘ein Haus bauen, sich häuslich niederlassen, wohnen, beherbergen, wirtschaften’, seit dem 15. Jh. auch ‘schlecht wirtschaften’, daraus ‘zerstören, verwüsten’ (16. Jh.). behausen Vb. ‘in einer Wohnung unterbringen’ (jetzt nur noch in gehobener Ausdrucksweise), mhd. behūsen ‘mit einem Haus versehen, besiedeln, beherbergen’; Behausung f. ‘Wohnstätte, Unterkunft’, mhd. behūsunge ‘Herberge, Wohnung’; unbehaust Part.adj. ‘keine Unterkunft, keine Wohnung habend, umherziehend’, mhd. unbehūset. hausieren Vb. ‘Waren von Haus zu Haus feilbieten’ (15. Jh.), vgl. mnd. hūsēren; Hausierer m. (16. Jh.). Häusler m. ‘als Tagelöhner arbeitender Dorfbewohner mit eigenem (kleinen) Haus, aber ohne oder mit nur wenig Landbesitz’ (17. Jh.). häuslich Adj. ‘das Haus(wesen), die Familie betreffend, gern zu Hause bleibend, in der Hauswirtschaft tüchtig, wirtschaftlich’ (15. Jh.); vgl. mhd. hiuslīche(n), hūslīche Adv. ‘häuslich, ein Haus besitzend’; Häuslichkeit f. ‘das Zuhause, hauswirtschaftliche Tüchtigkeit’ (16. Jh.). Hausfrau1 f. ‘das Hauswesen besorgende Frau’, mhd. hūsvrou(we), hūsvrowe ‘Herrin im Hause, Gattin’. Haushalt m. ‘Führung eines Hauswesens, alle Mitglieder eines Hauswesens, Aufrechnung von Einnahmen und Ausgaben eines Staates, einer öffentlichen Einrichtung für ein Jahr, Etat’ (15. Jh.), Rückbildung aus haushalten Vb. ‘sparsam wirtschaften, einteilen, den Haushalt führen’, mhd. hūshalten ‘ein Hauswesen führen’; Haushälterin f. ‘den Haushalt führende Angestellte, Wirtschafterin’ (16. Jh.), älter Haushälter (15. Jh.); haushälterisch Adj. ‘sparsam, wirtschaftlich’ (Anfang 18. Jh.), älter haushältisch (17. Jh.). Hausherr m. ‘Familienoberhaupt, Gastgeber’, (südd. öst.) ‘Hauswirt, Vermieter’, ahd. hūshērro ‘Familienoberhaupt’ (11. Jh.), mhd. hūsherre, auch ‘Hausverwalter’. Hausmann m. ‘mit der Instandhaltung und Reinigung eines Hauses Beauftragter’, früher ‘Vorstand einer Haushaltung, Hausvater, wer bei einem anderen zur Miete wohnt’, ahd. (11./12. Jh.), mhd. hūsman ‘Hausherr, Hausbewohner, Mietsmann’; Hausmannskost f. ‘einfache, nahrhafte, kräftige Kost’ (15. Jh.), wie sie ein Hausmann (‘Hausvater’) gewöhnlich für sich und die Seinen bereiten läßt. Hausrat m. ‘Hausgerät, für die Hauswirtschaft benötigte Gerätschaften und Möbel’, mhd. hūsrāt. Haussuchung f. ‘zur Aufklärung einer Straftat angeordnete Durchsuchung einer Wohnung, eines Gebäudes’ (14./15. Jh.); vgl. ahd. hūssuohha (um 1000), mhd. hūssuoche ‘Hausdurchsuchung’, dagegen mhd. hūssuochunge ‘Hausfriedensbruch’. Haustier n. ‘vom Menschen zur wirtschaftlichen Nutzung oder aus Liebhaberei in der Hauswirtschaft gehaltenes zahmes Tier’ (Mitte 18. Jh.). Hauswesen n. ‘alles, was zu Haushalt, Familie, Wohnung gehört’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›häuslich‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›häuslich‹.

Verwendungsbeispiele für ›häuslich‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Achte die häusliche Arbeit, die sie zu verrichten haben, nicht gering. [Franken, Konstanze von [d.i. Stoekl, Helene]: Handbuch des guten Tones, Berlin: Hesse 1936, S. 90]
An diesem Tage will er seine Frau frei wissen von der häuslichen Arbeit. [Reklame-Praxis, 1926, Nr. 9, Bd. 2]
Nicht zuletzt sollten nach 1850 die vier häuslichen Wände selber unkenntlich werden. [Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 1, Berlin: Aufbau-Verl. 1954, S. 404]
Die häuslichen Geräte bestanden zum guten Teil noch aus Stein. [Petech, Luciano: Indien bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 28787]
Wir begannen, die häusliche Bibliothek mit anderen Augen zu sehen. [Die Zeit, 14.05.1998, Nr. 21]
Zitationshilfe
„häuslich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/h%C3%A4uslich>.

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