Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

höflich

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung höf-lich
Wortbildung  mit ›höflich‹ als Erstglied: Höflichkeit  ·  mit ›höflich‹ als Letztglied: überhöflich
eWDG

Bedeutung

liebenswürdige Umgangsformen wahrend, wohlerzogen und zuvorkommend
in gegensätzlicher Bedeutung zu unhöflich
Beispiele:
etw. höflich sagen
höflich lächeln, grüßen
sich höflich bedanken, verbeugen
höflich Bescheid geben
nicht gerade, übertrieben, ausgesucht höflich sein
etw. wenig höflich äußern
ein höflicher Brief
eine höfliche Bitte, Absage
höfliche Antworten, Redensarten
ein höflicher junger Mann
jmdn. in höflichen Worten, mit höflicher Stimme, in höflichem Ton etw. fragen
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Hof · Gehöft · hofieren · höfisch · höflich · Höflichkeit · Höfling · Hofmeister · Hofnarr
Hof m. ‘in einen Wohnkomplex einbezogener eingezäunter Platz, bäuerliches Anwesen, fürstliche Residenz, fürstliches Gefolge und Milieu’, ahd. (9. Jh.), mhd. asächs. mnd. mnl. nl. aengl. hof können der unter Hobel (s. d.) behandelten Labialerweiterung ie. *keup-, *kūp- der Wurzel ie. *keu-, *keu̯ə- ‘biegen, Wölbung, Höhlung’ zugeordnet werden; dann würde Verwandtschaft mit Hübel ebenso wie mit Hügel, hoch (s. d.) und den dort genannten Wörtern bestehen. Der inhaltliche Bezug zur genannten Wurzel ließe sich aus der Vorstellung eines auf erhöhtem Gelände, auf einer Anhöhe gelegenen Anwesens erklären, wofür Parallelen wie norw. hov ‘Hügel’, anord. hof ‘Tempel’ sprechen. Vertreten wird auch die Vermutung, daß die aus Lehm und Flechtwerk errichtete Wand eines Gebäudes oder einer Einhegung um den Wohnkomplex, also eine Wurzelbedeutung ‘biegen, flechten; umhegter, umzäunter Raum’ als Ausgangspunkt zu betrachten sei (vgl. de Vries Nl. 261). Die bereits im Ahd. und Asächs. nachzuweisende und bei mhd. hof deutlich hervortretende Verwendung im Sinne von ‘Fürstenresidenz, fürstlicher Hofstaat’, an die die meisten Komposita und Ableitungen anknüpfen, entwickelt sich unter dem Einfluß von gleichbed. afrz. cort (frz. cour), mlat. cortis, curtis. Gehöft n. ‘bäuerliches Anwesen, ländlicher Gebäudekomplex’, frühnhd. (md.) gehofte (15. Jh.), dann Gehöfte, Gehöfde; Kollektivbildung zu Hof. hofieren Vb. ‘jmdn. mit Galanterie, übertriebener Liebenswürdigkeit behandeln, sich mit Höflichkeit und Dienstbeflissenheit um jmds. Gunst bemühen’ (vgl. jmdm. den Hof machen), mhd. hovieren, hofieren, auch ‘in festlicher Geselligkeit sich erfreuen, aufwarten, musizieren, einherstolzieren’. höfisch Adj. ‘zum Hof (eines Fürsten) gehörig, den Fürstenhof betreffend’, mhd. hövesch, hövisch ‘hofgemäß, fein, gesittet, unterhaltend’, entsprechend afrz. corteis, cortois (frz. courtois); s. auch hübsch. höflich Adj. ‘zuvorkommend, aufmerksam, gute Umgangsformen beweisend’, mhd. hovelich ‘dem Hof angemessen, fein gebildet’; Höflichkeit f. ‘guter Umgangston, Zuvorkommenheit’, mhd. hovelecheit. Höfling m. ‘Angehöriger eines fürstlichen Hofstaats, Fürstendiener’, mhd. hovelinc. Hofmeister m. ‘Verwalter, Aufseher über Dienerschaft und Hofhaltung eines Fürsten, Erzieher (in einem vornehmen Hause)’, mhd. hovemeister. Hofnarr m. ‘Spaßmacher, Unterhalter an einem Fürstenhof’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Assoziationen
Synonymgruppe
(lediglich) formell · der Form nach · formal korrekt · höflich · äußerlich korrekt

Typische Verbindungen zu ›höflich‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›höflich‹.

Verwendungsbeispiele für ›höflich‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch wenn man manchmal nervös wird, sollte man höflich bleiben. [Giesder, Gabriele: Gutes Benehmen, Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verl. 1991 [1986], S. 193]
Dabei tut es ihnen aber doch recht gut, gelegentlich auch einmal höflich als Frau behandelt zu werden. [Ichenhäuser, Ernst Z.: Erziehung zum guten Benehmen, Berlin: Volk u. Wissen 1983, S. 70]
Sie erklärte ihm, so höflich sie nur konnte, da er nicht dort gewesen sei, wo sie war, werde er nicht verstehen. [Die Zeit, 23.09.1999, Nr. 39]
Auf unserem ersten Flug hatte ich sie noch auf höfliche fünfunddreißig geschätzt. [Die Zeit, 24.06.1999, Nr. 26]
Der höfliche Gast wird sich immer bemühen, pünktlich zu sein. [Oheim, Gertrud: Einmaleins des guten Tons, Gütersloh: Bertelsmann 1957 [1955], S. 204]
Zitationshilfe
„höflich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/h%C3%B6flich>.

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