hörig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennunghö-rig (computergeneriert)
Wortzerlegunghören-ig
Wortbildung mit ›hörig‹ als Erstglied: ↗Hörigkeit  ·  mit ›hörig‹ als Letztglied: ↗obrigkeitshörig
eWDG, 1969

Bedeutung

sich dem Willen eines anderen unterwerfend
a)
Grammatik: oft in Verbindung mit »sein«
Beispiele:
jmdm., einer Sache hörig sein
er ist ihr hörig (= hat eine übermäßig starke sexuelle Bindung an sie)
er war der Organisation, Kirche gegenüber nie hörig gewesen
eine der vorherrschenden Meinung nicht hörige Zeitung
daß es eine Zeit gegeben hatte ... in der auch Holt den Peinigern hörig und dienstbar gewesen war [NollHolt2,317]
b)
historisch unfrei, leibeigen
Beispiele:
die Hörigen mussten schwere Arbeit leisten
Die bis dahin hörigen Handwerker in der Stadt suchten ihre Verpflichtungen abzuschütteln, und die hörigen Handwerker der Umgehung flüchteten in die Stadt [MehringDt. Geschichte21]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hören · Hörer · hörig · Hörigkeit · aufhören · erhören · unerhört · Gehör · verhören · Verhör · Hörensagen
hören Vb. ‘mit dem Ohr wahrnehmen, vernehmen’, ahd. hōren (8. Jh.), mhd. hœren, asächs. hōrian, mnd. hȫren, mnl. hōren, nl. horen, aengl. (angl.) hēran, (westsächs.) hīeran, engl. to hear, anord. heyra, schwed. höra, got. hausjan. Das zu erschließende germ. jan-Verb für unwillkürliches Wahrnehmen mit dem Ohr, das später auch Bedeutungen wie ‘absichtlich vernehmen’ und weiter ‘gehorchen’ annimmt (vgl. wer nicht hören will, muß fühlen und s. ↗gehorsam), führt mit russ. (landschaftlich) čúchat’ (чухать) ‘wahrnehmen, riechen, schmecken’ und wohl auch mit (nicht eindeutig geklärtem) griech. akū́ein (ὀκούειν) ‘hören, gehorchen’ auf ie. *keus-, *kūs-, eine s-Erweiterung der Wurzel ie. *kē̌u- ‘worauf achten, beobachten, schauen’, auch ‘hören, fühlen, merken’, wozu (mit anlautendem s-) ↗schauen und ↗schön (s. d.) sowie auch aind. kavíḥ ‘klug, weise, Seher, Weiser, Dichter’, griech. koé͞in (κοεῖν) ‘bemerken, vernehmen, hören’, lat. cavēre ‘sich in acht nehmen, sich vorsehen’, lett. kavēt ‘zaudern, zögern’, aslaw. čuti ‘empfinden, erkennen’, russ. (älter) čut’ (чуть) ‘empfinden, fühlen, wittern, wahrnehmen’ gehören. Hörer m. ‘Zuhörer’, mhd. hœrære, hœrer. hörig Adj. ‘sich dem Willen eines anderen unterwerfend, triebhaft, sexuell abhängig’, älter (zuerst mnd., 14. Jh.) ‘abhängig vom Feudalherrn, an die Scholle gebunden, unfrei’, mhd. hœrec ‘auf einen anderen hörend, folgsam’, mnd. hȫrich ‘gehorsam, ergeben, zugehörig, an die Scholle gebunden’; dazu Hörigkeit f. (18. Jh.), mnd. hȫrichēt. aufhören Vb. ‘ablassen, nicht länger andauern, aufmerksam hinhören (aus aktuellem Anlaß)’, mhd. ūfhœren ‘ab-, unterlassen’. erhören Vb. ‘anhörend erfüllen, Erbetenes gewähren’, ahd. irhōren ‘hören’ (11. Jh.), mhd. erhœren ‘hören, hörend wahrnehmen, erfüllen’. unerhört Part.adj. ‘nicht erhört, nicht gebilligt, erstaunlich, empörend’, spätmhd. unerhōrt, eigentlich ‘nie gehört, beispiellos’. Gehör n. ‘das Hören, Hörsinn’, mhd. gehœre; vgl. häufigeres mhd. gehœrde, ahd. gihōrida (9. Jh.). verhören Vb. ‘eingehend befragen und anhören’, mhd. verhœren ‘hören, anhören, vernehmen, prüfen, erhören, überhören’, auch etw., sich verhören ‘falsch hören’ (17. Jh.); Verhör n. ‘eindringliche Befragung’, spätmhd. verhœr(e). Hörensagen n. heute meist in der präpositionalen Fügung vom Hörensagen (älter auch auf, durchs Hörensagen) ‘aus Erzählungen anderer’, mhd. hœrsagen (14. Jh.), frühnhd. hör(en)sagen.

Thesaurus

Synonymgruppe
blind ergeben · ↗devot · hörig · ↗hündisch · ↗knechtisch · ↗kriecherisch · ↗sklavisch · ↗speichelleckerisch · ↗untertänig · ↗unterwürfig  ●  ↗(jemandem) untertan  geh. · ↗servil  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
hörig · in Ketten · ↗leibeigen · ↗sklavisch
Assoziationen
Synonymgruppe
hörig · in Ketten · ↗leibeigen · ↗sklavisch
Synonymgruppe
hörig · ↗leibeigen · ↗sklavisch  ●  in Ketten  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bauer Geliebte Medium geradezu leibeigen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›hörig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie genierten sich alle, so hörig zu sein, wie sie waren.
Müller,Herta: Der König verneigt sich und tötet, München: Carl Hanser Verlag 2003, S. 111
Finn bleibt ihr ein Leben lang hörig - was er tut, tut er für sie.
Der Tagesspiegel, 21.02.1998
Es ist auch übertrieben, ihn als völlig Österreich hörig hinzustellen 9.
o. A.: Die Kirche in der Gegenwart. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1971], S. 15846
Die Frau war damals alkoholabhängig und ihrem Partner hörig gewesen.
Süddeutsche Zeitung, 28.06.2002
Er ist Lulu vollkommen hörig, und sie zwingt ihn, seiner Braut einen Abschiedsbrief zu schreiben.
Fath, Rolf: Werke - L. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 26046
Zitationshilfe
„hörig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/hörig>, abgerufen am 21.11.2019.

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