halbieren
GrammatikVerb · halbierte, hat halbiert
Worttrennunghal-bie-ren
Wortzerlegunghalb-ieren
Wortbildung mit ›halbieren‹ als Erstglied: ↗Halbierung
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
jmd. halbiert etw.in zwei Hälften, zwei gleiche Teile teilen
Beispiele:
Zwei der Äpfel gut waschen, mittig halbieren, Kerngehäuse entfernen und Apfelhälften mit feinem Messer aushöhlen […]. [Spiegel, 12.07.2009 (online)]
Für die Süßkartoffel-Gnocchi in brauner Salbeibutter Süßkartoffeln halbieren, mit Öl einreiben und im Ofen backen, bis sie weich sind, anschließend pürieren. [Die Zeit, 20.11.2016 (online)]
Außer der Absenderangabe auf der Vorderseite der Postkarte darf auf der Rückseite, die durch einen Querstrich zu halbieren ist, im oberen Teil nur die alte Anschrift und im unteren Teil hur die neue Anschrift niedergeschrieben werden. [Berliner Zeitung, 06.09.1946]
Ein Strudelwurm, bei dem der Darm, die Exkretionsorgane und das zentrale Nervensystem sich durch den ganzen Körper ausdehnen, kann halbiert und geviertelt werden, und jeder Teil lebt weiter, und ebenso ist es mit dem Regenwurm […]. [3: Hesse, Richard: Der Tierkörper als selbständiger Organismus, Leipzig u. a.: B. G. Teubner 1910, S. 759]
Kollokation:
in Koordination: etw. [Obst, Gemüse o. Ä.] waschen, schälen, entkernen und halbieren; halbieren oder dritteln, vierteln
2.
a)
jmd., etw. halbiert etw.um die Hälfte verringern
Beispiele:
Der 25-Jährige hatte das Land zunächst auf 10000 Euro Schmerzensgeld verklagt, seine Forderung dann auf 5000 Euro halbiert. [Süddeutsche Zeitung, 15.12.2016]
Die Energiewirtschaft muss ihre derzeitigen Emissionen noch einmal halbieren – auf 170 bis 180 Millionen Tonnen im Jahr 2030. [Süddeutsche Zeitung, 05.11.2016]
Durch Massnahmen gegen Malaria, Masern und Durchfall konnten die Todesfälle bei Kleinkindern seit 2005 halbiert werden. [Neue Zürcher Zeitung, 06.10.2016]
Nachdem Startläufer Groß angesichts seiner momentan beschränkten läuferischen Fähigkeiten nur als Sechster wechselte, halbierte Rösch nach zwei fehlerfreien Schnellfeuereinlagen den Rückstand. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.12.2006]
Deshalb ist von vornherein ein Zusammenarbeiten ratsam; es halbiert Kosten und Mühe und verdoppelt den Nutzen und die Freude. [Meier, Alexander: Wenn du einen Garten hast, Stuttgart: Franckh 1941 [1936], S. 252]
Kollokationen:
mit Akkusativobjekt: das Defizit, die Arbeitslosigkeit, Arbeitslosenzahl halbieren
in Koordination: halbieren oder dritteln, vierteln, verdoppeln
b)
etw. halbiert sichsich um die Hälfte verringern
Beispiele:
Der Anteil der extrem Armen hat sich in Äthiopien seit 1981 mehr als halbiert. [Der Standard, 21.11.2016]
Der Umsatz schrumpfte in den ersten neun Monaten um 4%, und der Gewinn halbierte sich […]. [Neue Zürcher Zeitung, 16.11.2016]
[…] hatten die Umweltschützer berichtet, dass sich die Zahl der mehr als 10.000 untersuchten Wirbeltier-Populationen zwischen 1970 und 2010 […] halbiert habe. [Spiegel, 27.10.2016 (online)]
In den letzten 40 Jahren hat sich der Verbrauch von rohem Rindfleisch in Grossbritannien halbiert, aber von Fleisch in Fertigprodukten fast versechsfacht. [Neue Zürcher Zeitung, 16.02.2013]
Die Zahl der kirchlichen Trauungen habe sich […] beinahe halbiert, bei den Bestattungen betrage der Rückgang 17 Prozent. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.07.2006]
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: sich nahezu, beinahe halbieren
mit Aktivsubjekt: die Zahl von etw., der Gewinn, Aktienkurs halbiert sich
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

halb · -halb · -halben · halber · halbieren · Halbinsel · halbseiden · Halbstarker · Halbwelt · Halbzeit
halb Adj. ‘den einen von zwei gleichen Teilen eines Ganzen ausmachend’, dann auch ‘unvollständig, unvollkommen, nicht ganz’, in adverbieller Verwendung (häufig verdoppelt halb …, halb … oder halb und halb) ‘zur Hälfte, zum Teil, beinahe, fast’ ahd. halb (8. Jh.), mhd. halp, asächs. mnd. mnl. nl. half, aengl. healf, engl. half, anord. halfr, schwed. dän. halv, got. halbs. Das Adjektiv germ. *halba- läßt sich, wenn man eine Ausgangsbedeutung ‘zerschnitten, geteilt’ annimmt, wie die unter ↗Halfter (s. d.) dargestellten westgerm. Substantivformen mit aind. kálpatē ‘gelingt, fügt sich, wird zuteil’ (Part. Perf. kḷptá- ‘fertig, gerüstet’) sowie mit griech. skólops (σκόλοψ) ‘Spitzpfahl, Palisade, Dorn’, lat. scalpere ‘kratzen, ritzen, einschneiden’ (s. ↗Skalpell), sculpere ‘schnitzen, meißeln, gravieren’ (s. ↗Skulptur), lit. sklem̃bti ‘zuschneiden, behauen, glätten’ verbinden; es stellt sich dann zu einer p-Erweiterung der Wurzel ie. *(s)kel- ‘schneiden’ (wurzelverwandt sind ferner ↗Helm, ↗Holm, ↗Schale, ↗Schale, ↗Schild, ↗Scholle, ↗Scholle, ↗Skalp, ↗verschleißen und vielleicht ↗Schulter, s. d.). Als zweites Glied erscheint halb in Zahlenangaben wie nhd. anderthalb ‘eineinhalb’ (eigentl. ‘das andere, zweite nur halb’), älter ebenfalls dritt(e)halb ‘zweieinhalb’, viert(e)halb ‘dreieinhalb’ usw.; vgl. schon ahd. anderhalb (8. Jh.), thrittohalb (9. Jh.), mhd. anderhalp, drithalp, vierdehalp; dieser Bildungstyp ist im Germ. früh verbreitet (z. B. aengl. ōþer healf, þridde healf, anord. halfr annarr, halfr þriði). Hiervon zu unterscheiden sind die heute nur in zusammengesetzten Adverbien und Präpositionen vorkommenden Formen -halb, -halben ‘-seits, -wegen’ (vgl. außer-, inner-, ober-, unterhalb, allent-, meinethalben und oft konjunktional verwendetes deshalb, weshalb); halb, halben ‘auf Seiten, wegen’, zunächst im Nhd. noch selbständig als lokale und kausale Präpositionen mit vorangestelltem Gen. geläufig (ahd. halb ‘wegen’, 10. Jh., mhd. halp, halbe, halben ‘auf Seiten, wegen’), beruhen auf adverbiellem Gebrauch erstarrter Kasusformen der neben dem Adjektiv existierenden femininen Substantive ahd. halba (um 800, auch mit im Adverb erhaltenem endungslosem Akk. halb), mhd. halbe, frühnhd. Halbe ‘Seite, Richtung, Gegend’ (vgl. ebenso asächs. halҍa, mnd. halve, aengl. healf, anord. halfa, got. halba, im Aengl. und Anord. auch ‘Hälfte’). Bis in die Gegenwart Präposition (mit vorangestelltem Gen.) und daneben Kompositionsglied von Adverbien (vgl. ehren-, krankheits-, sicherheitshalber) ist halber ‘wegen’ (Ende 15. Jh.), eine wohl an das stark flektierte Maskulinum des Adjektivs halb angelehnte Umbildung von halben. halbieren Vb. ‘in zwei Hälften teilen’, mhd. halbieren, im 13. Jh. aufkommende französierende Variante zu gleichbed. mhd. halben, helben (mit Präfix ahd. bihalbōn, umbihalbōn ‘umgeben, umringen’, 9. Jh.). Das Verb ist anfangs vor allem für die nach damaliger französischer Mode aus zwei Stoffen unterschiedlicher Farbe gefertigte Kleidung üblich, bes. im Part. Prät. mhd. gehalbier(e)t nach gleichbed. afrz. (mi) parti (vgl. entsprechendes mnd. halvēren, Part. Prät. halvērt); im 15. Jh. wird halbieren mathematischer Terminus (neben frühnhd. medieren nach spätlat. mediāre ‘sich in der Mitte befinden, halbieren’). Halbinsel f. ‘nur eine schmale Verbindung mit dem Festland aufweisendes und sonst vom Wasser umgebenes Landstück’ (17. Jh., zuvor ein halb Insel, 16. Jh.), freie Übersetzung von gleichbed. lat. paenīnsula (eigentl. ‘was fast eine Insel ist’, vgl. lat. paene ‘beinahe, fast’ und īnsula ‘Insel’). halbseiden Adj. ‘aus einem Mischgewebe von Seide und Baumwolle oder Leinen bestehend’ (17. Jh., zusammengewachsen aus halb seyden, 15. Jh., halb sidin, 14. Jh.); wegen der Minderwertigkeit und mangelnden Gediegenheit solchen Stoffes dient halbseiden schon bei Goethe zur abschätzigen Kennzeichnung und wird seit Beginn des 20. Jhs. übertragen für ‘fragwürdig, anrüchig, von zweifelhaftem Ruf’ gebraucht. Halbstarker m. ‘flegelhaft auftretender Jugendlicher’, Substantivierung des wenig üblichen Adjektivs halbstark (s. ↗stark). Seit Ende des 19. Jhs. ist in Hamburg nd. de Halfstarken (Plur.) ‘verwahrloste Jugendliche aus den untersten sozialen Schichten, Randalierer, Rowdys’ geläufig, breitet sich in hd. Form aber vorerst nur zögernd aus; in den 50er Jahren des 20. Jhs. wird Halbstarker allgemein zu einer Kritik und Ablehnung ausdrückenden Bezeichnung für den männlichen Halbwüchsigen, dessen Verhalten als unreif und provozierend angesehen wird. Halbwelt f. ‘äußerlich elegante, aber moralisch verwerfliche Gesellschaftskreise’, in den 60er Jahren des 19. Jhs. aufkommende Nachbildung von frz. demi-monde; dieses ist Anfang des 19. Jhs. als ‘Welt der Prostituierten’ bezeugt, wird jedoch erst durch die Komödie „Le Demi-monde“ von A. Dumas dem Jüngeren (1855, hier im Sinne von ‘die wegen eines Fehltritts aus ihrer Klasse Ausgeschlossenen’) bekannt und gelangt bereits 1856 als fremdes Wort ins Dt., wo es zunächst versuchsweise mit halbe Welt übersetzt wird. Halbzeit f. ‘eine Hälfte der für ein Ballspiel vorgeschriebenen Gesamtspielzeit’ sowie ‘Pause zwischen den beiden Spielhälften’ (daher gelegentlich übertragen ‘Zeitpunkt nach Ablauf der ersten Hälfte eines bestimmten Zeitraums’); um 1900 eingeführter Sportterminus nach entsprechendem engl. half-time (1871, anfangs als Ausruf, der das Ende der ersten Spielhälfte anzeigt), das seit dem 17. Jh. in der Bedeutung ‘Hälfte eines bestimmten Zeitabschnitts’ belegt ist (so auch vereinzeltes frühnhd. Halbzeit).

Thesaurus

Synonymgruppe
hälftig teilen · um die Hälfte verringern · ↗zweiteilen
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aktienkurs Arbeitslosenquote Arbeitslosenzahl Arbeitslosigkeit Armut Belegschaft Börsenwert Defizit Dividende Fahrzeit Freibetrag Haushaltsdefizit Jahresfrist Jahresüberschuß Mehrwertsteuer Mehrwertsteuersatz Mitarbeiterzahl Sparerfreibetrag Stimmenanteil Verlust Vorjahr Vorjahresverlust Wachstumsprognose Weihnachtsgeld Zahl entkernen fast nahezu schälen vierteln

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›halbieren‹.

Zitationshilfe
„halbieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/halbieren>, abgerufen am 22.10.2017.

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