Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

halsen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung hal-sen
GrundformHals1
Wortbildung  mit ›halsen‹ als Letztglied: aufhalsen · umhalsen
eWDG

Bedeutung

gehoben, veraltend sich, jmdn. halsen und küssensich, jmdn. umarmen, umhalsen und küssen
Beispiel:
Sie halste ihn, küßte ihn [ Feuchtw.Tag394]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Hals · halsen1 · halsen2 · Halsabschneider · Halsgericht · halsstarrig · lauthals
Hals m. ‘Kopf und Rumpf verbindender Körperteil’, ahd. hals (8. Jh.), mhd. asächs. mnd. mnl. nl. hals, aengl. heals, anord. hals, schwed. hals, got. hals (germ. *halsa-) vergleichen sich mit lat. collus (aus *colsos), collum ‘Hals, Bergjoch’. Die Zuordnung zur Wurzel ie. *ku̯el(ə)- ‘(sich) drehen’, wobei Hals als ‘Dreher’ aufzufassen wäre, ist nur möglich, wenn für das Germ. und Lat. Verlust des labialen ‐ͧ vor dem ie. o der zweiten Hochstufe angenommen wird. Vielleicht ist auch Anschluß an die Wurzel ie. *k̑el- ‘neigen’ (s. Halde, hold) zu erwägen? Hals steht in zahlreichen festen Verbindungen und bildlichen Wendungen, die zunächst an das Äußere des Körperteils anknüpfen, wie Hals über Kopf (aus über Hals und Kopf), jmdm. (vor Freude) um den Hals fallen, etw. auf dem Halse haben. Auf alte Formen der Todesstrafe, das Köpfen, Henken, Rädern, gehen zurück: es geht ihm an den Hals, sich um Hals und Kragen reden. Die Innenseite des Halses im Sinne von ‘Schlund, Kehle’ ist gemeint in Wendungen wie den Hals nicht voll kriegen, jmdm. den Hals stopfen. Vielfach wird Hals übertragen auf halsähnliche Teile von Sachgegenständen (Flaschenhals, Oberschenkelhals). – halsen1 Vb. ‘umarmen’, ahd. halsen (8. Jh.), helsen (9. Jh.), mhd. halsen, helsen (auch nhd. noch hälsen), asächs. helsian, mnd. helsen, anord. halsa. Die schwachen Verben sind Ableitungen vom Substantiv. Die unkomponierte Verbform tritt im Nhd. allmählich zurück und wird im 19. Jh. durch umhalsen, ahd. umbihalsen (8. Jh.), mhd. umbehalsen, umbehelsen verdrängt. halsen2 Vb. ‘das Segel beim Wenden auf die andere Bootsseite nehmen’ (19. Jh.), zu Hals(e) ‘untere Ecke des Segels’, eigentlich ‘Dreher’ (18. Jh.), vgl. gleichbed. anord. hals. Halsabschneider m. ‘Betrüger, Wucherer’ (19. Jh.). Halsgericht n. historisch ‘Gericht für todeswürdige Verbrechen’, mhd. halsgerihte, auch ‘Richtplatz’. halsstarrig Adj. ‘eigensinnig, unnachgiebig’, Ableitung (16. Jh.) von Halsstarre ‘Steifhalsigkeit’, zunächst ‘an Halsstarre leidend’, unter Einfluß von spätmhd. frühnhd. halsstarc ‘eigensinnig’ auf die Willenshaltung des Menschen übertragen. lauthals Adv. ‘aus voller Kehle’; aus nd. lūdhals (19. Jh.) zu Anfang des 20. Jhs. ins Hd. eingedrungen, wo um 1800 bereits lauthalsig.

Verwendungsbeispiele für ›halsen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und der emotional sonst eher reservierte Magath ließ sich herzen und halste zurück. [Süddeutsche Zeitung, 26.05.2003]
Die Hanni will sich plötzlich an ihn hängen und ihn halsen. [Christ, Lena: Die Rumplhanni. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1917], S. 17468]
Zitationshilfe
„halsen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/halsen#1>.

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halsen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung hal-sen
Wortbildung  mit ›halsen‹ als Grundform: Halse
eWDG

Bedeutung

Seemannssprache segeln, indem man mit dem Heck durch den Wind geht, vor dem Wind wendet
Beispiel:
der Steuermann der Jacht halste im Sturm
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Hals · halsen1 · halsen2 · Halsabschneider · Halsgericht · halsstarrig · lauthals
Hals m. ‘Kopf und Rumpf verbindender Körperteil’, ahd. hals (8. Jh.), mhd. asächs. mnd. mnl. nl. hals, aengl. heals, anord. hals, schwed. hals, got. hals (germ. *halsa-) vergleichen sich mit lat. collus (aus *colsos), collum ‘Hals, Bergjoch’. Die Zuordnung zur Wurzel ie. *ku̯el(ə)- ‘(sich) drehen’, wobei Hals als ‘Dreher’ aufzufassen wäre, ist nur möglich, wenn für das Germ. und Lat. Verlust des labialen ‐ͧ vor dem ie. o der zweiten Hochstufe angenommen wird. Vielleicht ist auch Anschluß an die Wurzel ie. *k̑el- ‘neigen’ (s. Halde, hold) zu erwägen? Hals steht in zahlreichen festen Verbindungen und bildlichen Wendungen, die zunächst an das Äußere des Körperteils anknüpfen, wie Hals über Kopf (aus über Hals und Kopf), jmdm. (vor Freude) um den Hals fallen, etw. auf dem Halse haben. Auf alte Formen der Todesstrafe, das Köpfen, Henken, Rädern, gehen zurück: es geht ihm an den Hals, sich um Hals und Kragen reden. Die Innenseite des Halses im Sinne von ‘Schlund, Kehle’ ist gemeint in Wendungen wie den Hals nicht voll kriegen, jmdm. den Hals stopfen. Vielfach wird Hals übertragen auf halsähnliche Teile von Sachgegenständen (Flaschenhals, Oberschenkelhals). – halsen1 Vb. ‘umarmen’, ahd. halsen (8. Jh.), helsen (9. Jh.), mhd. halsen, helsen (auch nhd. noch hälsen), asächs. helsian, mnd. helsen, anord. halsa. Die schwachen Verben sind Ableitungen vom Substantiv. Die unkomponierte Verbform tritt im Nhd. allmählich zurück und wird im 19. Jh. durch umhalsen, ahd. umbihalsen (8. Jh.), mhd. umbehalsen, umbehelsen verdrängt. halsen2 Vb. ‘das Segel beim Wenden auf die andere Bootsseite nehmen’ (19. Jh.), zu Hals(e) ‘untere Ecke des Segels’, eigentlich ‘Dreher’ (18. Jh.), vgl. gleichbed. anord. hals. Halsabschneider m. ‘Betrüger, Wucherer’ (19. Jh.). Halsgericht n. historisch ‘Gericht für todeswürdige Verbrechen’, mhd. halsgerihte, auch ‘Richtplatz’. halsstarrig Adj. ‘eigensinnig, unnachgiebig’, Ableitung (16. Jh.) von Halsstarre ‘Steifhalsigkeit’, zunächst ‘an Halsstarre leidend’, unter Einfluß von spätmhd. frühnhd. halsstarc ‘eigensinnig’ auf die Willenshaltung des Menschen übertragen. lauthals Adv. ‘aus voller Kehle’; aus nd. lūdhals (19. Jh.) zu Anfang des 20. Jhs. ins Hd. eingedrungen, wo um 1800 bereits lauthalsig.

Verwendungsbeispiele für ›halsen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zum Glück muss man bei einer Weltumseglung nicht allzu oft halsen. [Die Zeit, 03.06.2002, Nr. 22]
Dabei wendet und halst die von uns gefahrene 3‑Kabinen‑Eignerversion auch wie ein Kleinwagen. [Die Welt, 28.08.2004]
Schon hört man, dass Verhandlungen mit Kiel vorbereitet würden, ob nicht auf der Ostsee um die Wette gewendet und gehalst werden dürfe. [Die Welt, 21.01.2003]
Schließlich kam der Befehl, nach Steuerbord zu halsen und die Rahsegel an die Luvseite zu führen. [Schrott, Raoul: Tristan da Cunha oder die Hälfte der Erde; Hanser Verlag 2003, S. 439]
Zitationshilfe
„halsen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/halsen#2>.

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