halt

Grammatik Adverb · partikelhaft
Aussprache  [halt]
eWDG

Bedeutung

landschaftlich, besonders süddeutsch, österreichisch, schweizerisch ohne eigentliche Bedeutung; in resignierenden Feststellungen oder in Feststellungen, die man ohne nähere Begründung lassen will   eben, nun einmal, so wie die Dinge liegen
Synonym zu eben² (2 a)
Beispiele:
da kann man halt nichts machen
er wird sich halt damit abfinden müssen
das ist halt so
es geht halt nichts über ein gutes Frühstück
dann will ich halt auch nicht so sein
[…] ich bin halt ein plumper gerader teutscher Kerl […] [ SchillerKabaleI 2]
Es ist halt a Kreiz […] [ Th. MannBuddenbrooks1,335]
Auch die mißtrauischsten Weiber haben halt ihre […] leichtgläubige Stelle […] [ WerfelVeruntreuter Himmel45]
Dann soll er sich halt ein Atelier mit Oberlicht mieten […] [ KästnerLottchen103]
[…] ein Buch – »möglichst dick, oben mit Goldschnitt […] halt (= kurz und gut) so was, was ältere Damen gern lesen« […] [ Weiskopf8,10]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

halt Adv. ‘eben, wohl, schon, nun einmal’, ahd. (um 800), mhd. halt ‘mehr, vielmehr’, besonders bekräftigend ‘eben, freilich’, auch (mit Komparativendung) mhd. halter, asächs. hald, anord. heldr ‘vielmehr, eher’, schwed. heller, got. haldis ‘mehr’. halt ist endungsloser Adverbialkomparativ (ähnlich baß, s. d.) zum Positiv ahd. halto Adv. ‘bald, schnell, rasch’ (um 900). Die Herkunft ist nicht geklärt. Vielleicht zu einem Adjektiv ahd. hald ‘schräg, geneigt’ (s. Halde)? Die Ausgangsbedeutung ‘mehr’ begegnet mhd. nur noch vereinzelt; halt wird bekräftigend und begründend (‘eben, ja, freilich’) und im Nhd. vielfach einschränkend im Sinne eines Resignierens, Sichfügens (da kann man halt nichts machen) verwendet. Über das südd. Verbreitungsgebiet hinaus begegnet halt in jüngerer Zeit auch bei md. und nordd. Autoren.

halten · Halt · Halter · Haltung · abhalten · Anhalt · anhalten · Anhalter · aushalten · behalten · Behälter · Behältnis · einhalten · Einhalt · enthalten · erhalten · unterhalten · Unterhalt · Zuhälter · zuhalten · Unterhaltung
halten Vb. ‘festhalten, bewahren’, ahd. haltan ‘festhalten, befolgen, (be)hüten’ (8. Jh.), mhd. halten, halden ‘hüten, weiden, bewahren, verehren, festhalten, gefangenhalten, meinen, sich benehmen, an einem Punkt anhalten, stillhalten’, asächs. haldan ‘halten, hüten, feiern’, mnd. hōlden ‘hüten, bewachen, schützen, weiden, einhalten, veranstalten, festhalten, stillhalten, sich verhalten’, mnl. nl. houden, aengl. haldan, healdan, engl. to hold, anord. halda, schwed. hålla, got. haldan ‘hüten, weiden’. Sieht man den Dental des ehemals reduplizierenden germ. Verbs als präsensbildendes Formans an und geht von einer Grundbedeutung ‘(Vieh) hüten’ aus, dann läßt sich eine Verbindung zu griech. kéllein (κέλλειν) ‘antreiben, bewegen, anfahren, landen’, lat. celer ‘schnell, rasch’, aind. kaláyati ‘treibt (Vieh), hält, trägt, macht’ und Anschluß an die Wurzel ie. *kel- ‘treiben, zu schneller Bewegung antreiben’ herstellen, die möglicherweise mit *kel(ə)- ‘rufen, schreien, lärmen, klingen’ (s. hell) identisch ist (vgl. Pokorny 1, 548; anders Seebold 249, der auf Grund der Bedeutung ‘hüten, weiden’ das germ. Verb auf die Wurzel ie. *ku̯el(ə)- ‘drehen, sich um etw. herumbewegen’ zurückführen möchte, s. Hals). Aus der Grundbedeutung ‘hüten’ entwickelt sich einerseits ‘achthaben, beobachten, bewahren’, andrerseits ‘festhalten’ sowie ‘an-, stillhalten, in einem Zustand verharren’, schließlich (vielleicht unter dem Einfluß von haben) ‘für etw. ansehen, glauben, meinen’. Halt m. ‘Stütze, das (Inne)halten’, mhd. halt ‘Bestand, Ort, Aufenthalt’. Halter m. ‘Haltevorrichtung’ (vgl. Federhalter), ‘wer etw. hält’ (vgl. Statthalter), ahd. haltāri ‘Erretter, Erlöser’ (um 1000; vgl. bihaltāri ‘Wächter’, 8. Jh.), mhd. haltære, halter ‘Hirt, Bewahrer, Erlöser’. Haltung f. ‘Körperhaltung, Pose, innere Einstellung, Beherrschtheit’, spätmhd. haltunge, auch ‘Gewahrsam, Verwahrung, Inhalt’. abhalten Vb. ‘fernhalten, hindern, durchführen’ (15. Jh.). Anhalt m. ‘Anhaltspunkt, Ursache’, mhd. anhalt; anhalten Vb. ‘festhalten, stehenbleiben, stoppen, andauern, zu etw. bewegen, um etw. bitten’ (1. Hälfte 15. Jh.); Anhalter m. ‘wer fremde Autos anhält, um sich mitnehmen zu lassen’, geläufig in der Wendung per Anhalter fahren (Mitte 20. Jh.); zuvor im Sinne von ‘Förderer, (An)treiber’ (16. Jh.). aushalten Vb. ‘bis zum Ende durchstehen, ertragen, Unterhalt gewähren’, mhd. ūʒhalten ‘instand halten, verpflegen’. behalten Vb. ‘nicht weggeben, bewahren’, ahd. bihaltan ‘beachten. bewahren, schützen’ (8. Jh.), mhd. behalten, -halden ‘für sich behalten, bewahren, Erfolg haben, beherbergen, einhalten, (vor Gericht) durch Zeugen erhärten’; Behälter m. ‘Gefäß’, frühnhd. auch ‘Gefängnis’ (15. Jh.); vgl. mhd. behaltære, behalter ‘Beobachter, Bewahrer, Erlöser’, ahd. bihaltāri ‘Wächter’ (8. Jh.); Behältnis n. ‘Behälter, Gefäß’ (15. Jh.), mhd. behaltnisse ‘das Halten, Erhaltung, Vorbehalt, Gewahrsam, Gedächtnis’, ahd. bihaltnessi ‘das Zurückhalten’ (9. Jh.). einhalten Vb. ‘aufhören, aufhalten, beachten’ (15. Jh.); Einhalt m. ‘Einschränkung, Eindämmung’ (Mitte 15. Jh.), dann besonders in der Verbindung Einhalt gebieten, tun (16. Jh.); frühnhd. auch für Inhalt. enthalten Vb. ‘(sich) fernhalten, zurückhalten, enthaltsam sein, zum Inhalt haben’, mhd. enthalten ‘stillhalten, zurückhalten’; dazu enthaltsam ‘mäßig, abstinent’ und Enthaltsamkeit (beide 18. Jh.). erhalten Vb. ‘empfangen, bekommen, bewahren’ (16. Jh.). unterhalten Vb. ‘etw. sichern, bewahren, sich erfreuen, ein Gespräch führen’ (17. Jh.); Unterhalt m. (17. Jh.); Zuhälter m. ‘wer von den Einkünften einer Prostituierten lebt’ (Mitte 19. Jh.), wohl in der Sprache der Polizei gebildet nach älterem Zuhalter ‘wer zu einem hält, Anhänger’ (15. Jh.), mnd. toholder, tohelder, zu zuhalten Vb. im Sinne von ‘zu einer Person halten, ihr beistehen’, auch mit einem zuhalten ‘es mit einem halten, ein außereheliches Verhältnis haben’ (15. Jh.). Unterhaltung f. (18. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›halt‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›halt‹.

Zitationshilfe
„halt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/halt#1>.

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halt

Grammatik Interjektion
Aussprache  [halt]
Grundformhalten
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
Warnschild
Warnschild
(Michael Sander, CC BY-SA 3.0)
Warnkelle der Polizei
Warnkelle der Polizei
(Tim Reckmann, CC BY 2.0)
drückt die Aufforderung aus, anzuhalten (1), stehen zu bleiben
Synonym zu stopp (1)
oft als Warnhinweis
Beispiele:
Halt, hiergeblieben! [Bild am Sonntag, 23.06.1996]
Halt, Polizei! E‑Scooter‑Kontrolle! [Bild am Sonntag, 28.07.2019]
Auf der Rückfahrt von diesem Besuch im Brinkmann’schen Lieferwagen war Gröning äußerst unruhig. Seine Nervosität steigerte sich immer mehr, bis er plötzlich ausrief: »Rechts heran und halt! Der Satan ist hinter uns her.« [Der Spiegel, 07.07.1949]
»Abteilung – halt!« kommandierte der Schützenhauptmann. [Preußler, Otfried: Die kleine Hexe. Stuttgart: Thienemann 1980 [1957], S. 64]
Halt, Kutscher, halt! [Aichinger, Ilse: Die größere Hoffnung. Frankfurt a. M.: S. Fischer 1966 [1948], S. 62]
2.
drückt die Aufforderung aus, mit etw. aufzuhören, nicht fortzufahren
Synonym zu stopp (2)
Beispiele:
Da muss man dann irgendwann sagen: Stopp, halt! Liebe Gesundheitspolitik, liebe Krankenkassen, so geht es nicht mehr weiter. [Der Standard, 21.02.2014]
Im Restaurant oder als Gast bedeutet »Danke« zuweilen auch »Stopp!«, »Halt!«, »Danke, es ist genug!« – zum Beispiel, wenn uns eingeschenkt wird. [Danke sagen: So geht es richtig, 10.06.2020, aufgerufen am 01.09.2020]
Halt, nicht in den Abfalleimer damit! [Bild am Sonntag, 22.11.1998]
Halt, jetzt kein Wort weiter. [Berliner Zeitung, 04.11.1995]
Es war eine unbeschreibliche Nacht, in die immer wieder die Signale »Wasser halt!« und »Wasser marsch!« hineingellten und nach deren prallem Feuerlicht das erste Frührot blaß und armselig wirkte. [Hartung, Hugo: Wir Wunderkinder. Düsseldorf: Droste Verl. 1970 [1959], S. 71]
3.
drückt aus, dass Anlass für eine Pause besteht, um kurz nachzudenken, genauer hinzusehen o. Ä. und etw. zu korrigieren, seine Meinung zu ändern oder einen Einwand vorzubringen
Synonym zu stopp (3)
Beispiele:
Am Dienstag – halt! – am Mittwoch gelang dem Spanier in seinem 100. Match der 98. Sieg. [Süddeutsche Zeitung, 08.10.2020]
Allerdings liegt unter dem gläsernen Tischmöbel[…] gar nichts. Doch halt! – Schaut man genau hin, werden vier Miniobjekte sichtbar. [Neue Zürcher Zeitung, 14.09.2020]
Online‑Professorin, nein, halt, das klingt zu gewöhnlich, nennen wir es Digital[-]Life[-]Content[-]Advisor. [Süddeutsche Zeitung, 14.09.2019]
Da haben Sie gedroht, bei einer Annahme der Initiative von Zürich wegzuziehen. Halt, halt! Ich habe nie gedroht. Ich habe lediglich gesagt, vielleicht muss ich über den See in den Kanton Schwyz ziehen, vielleicht. Von einer Drohung kann nicht die Rede sein. [Die Welt, 23.07.2013]
Ehe die übrigen wach sind, steht Forell bereits auf und will sich melden. Aber halt! Nicht so! Keine Absicht und keine Hast anmerken lassen! [Bauer, Josef Martin: So weit die Füße tragen. Frankfurt a.M: Fischer 1960 [1955], S. 93]

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Typische Verbindungen zu ›halt‹ (berechnet)

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Zitationshilfe
„halt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/halt#2>.

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