handgreiflich

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung hand-greif-lich
formal verwandt mit greifen
Wortbildung  mit ›handgreiflich‹ als Erstglied: Handgreiflichkeit

Bedeutungsübersicht+

  1. tätlich
    1. [übertragen] greifbar, konkret
    2. offensichtlich, deutlich
eWDG

Bedeutung

tätlich
Beispiele:
handgreifliche Auseinandersetzungen, Streitigkeiten
sich mit jmdm. handgreiflich auseinandersetzen
Das Publikum ... will gegen Jans handgreiflich werden [ J. WincklerBomberg256]
übertragen greifbar, konkret
Beispiele:
ein handgreiflicher Beweis
jmdm. etw. handgreiflich machen, zeigen, widerlegen
es war handgreifliche Wirklichkeit [ BredelHeerstraßen474]
offensichtlich, deutlich
Beispiele:
ein handgreiflicher Misserfolg, Unsinn, Betrug
hier liegt ein handgreiflicher Widerspruch vor
um den handgreiflichen Lug und Trug zu durchschauen [ MehringDt. Geschichte50]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Hand · aushändigen · Handbuch · handfest · Handgeld · handgemein · Handgemenge · handgreiflich · Handhabe · handhaben · Handlanger · handlich · Handschrift · Handschuh · Handstreich · Handtuch · Oberhand · überhandnehmen
Hand f. ‘unterster Teil des Armes zum Greifen und Halten’, ahd. hant (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. hant, asächs. hand, aengl. hand, hond, nl. engl. hand, anord. hǫnd, schwed. hand, got. handus führen auf eine Substantivbildung germ. *handu-, die im Ablautverhältnis steht zu got. -hinþan ‘greifen, fangen’ (frahinþan ‘gefangennehmen’), aschwed. schwed. hinna ‘erlangen, erreichen’ und zu ahd. herihunda ‘Beute’ (9. Jh.), aengl. hūþ, got. hunþs ‘Beute’. Hand wäre danach als ‘die Greifende, Fangende’ zu deuten. Eine Verbindung zu außergerm. Wörtern ist nicht sicher nachzuweisen; de Vries Nl. 234 hält daher Herkunft aus einem vorie. Substrat für möglich. Doch vgl. zur Problematik des Wortes Markey in: Journal of Indo-European Studies 12 (1984) 261 ff. Im Ahd. geht Hand in die i-Deklination über; Reste des alten u-Stammes zeigen Fügungen wie abhanden (s. ab), vorhanden ‘verfügbar, vorrätig’, eigentlich ‘vor den Händen’ (15. Jh.), meist in der Fügung vorhanden sein, attributiv seit dem 18. Jh., und zuhanden ‘greifbar, nahe’ (15. Jh.), die den umlautlosen Dativ Plur. bewahren. aushändigen Vb. ‘aus der Hand geben’ (17. Jh.). Handbuch n. ‘Buch, das den Stoff eines Wissensgebietes umfaßt’, Übersetzung (15. Jh.) von gleichbed. lat. manuāle. handfest Adj. ‘kräftig, derb’, mhd. hantveste, mnd. hantvast ‘in feste Hand genommen, gefangen, tüchtig’. Handgeld n. ‘Anzahlung bei mündlichem Abschluß eines Vertrages’, besonders ‘Geld, das jmdm. (bei der Anwerbung zum Militärdienst) in die gelobende Hand gezahlt wird’ (17. Jh.); vgl. mnd. hantgelt ‘Zins, Rente’ (14. Jh.). handgemein Adj. ‘handgreiflich, tätlich’ (18. Jh.). Handgemenge n. ‘Schlägerei, Nahkampf’ (17. Jh.). handgreiflich Adj. ‘tätlich, greifbar’ (17. Jh.). Handhabe f. ‘Griff, Henkel, begründeter Anlaß’, ahd. hanthaba (9. Jh.), mhd. hanthabe; handhaben Vb. ‘auf eine bestimmte Weise gebrauchen, benutzen’ (16. Jh.), frühnhd. hanthaben ‘fest fassen, (an)halten, schützen, unterstützen’ (15. Jh.). Handlanger m. ‘Zuarbeiter’ (in Bauberufen), ‘willfähriger Helfer’ (15. Jh.); zu langen ‘ausstrecken, reichen, greifen’ (s. d.). handlich Adj. ‘bequem, leicht zu handhaben’, mhd. hantlich ‘mit der Hand verrichtet’. Handschrift f. ‘für jmdn. charakteristische Schrift, handgeschriebenes Werk’, frühnhd. auch ‘Unterschrift, Schuldbrief’ (15. Jh.). Handschuh m. ‘Bekleidungsstück der Hand’, ahd. hantscuoh (9. Jh.), mhd. hantschuoch. Handstreich m. ‘Handschlag’ (16. bis 19. Jh.); ‘plötzlicher Überfall’ (Anfang 19. Jh. als Übersetzung von frz. coup de main). Handtuch n. ‘Tuch zum Abtrocknen der Hände, des Körpers’, ahd. hanttuoh (Hs. 12. Jh.), mhd. hanttuoch; aus dem Boxsport das Handtuch werfen ‘(den Kampf) aufgeben’ (20. Jh.). Oberhand f. ‘Überlegenheit, Übermacht’, mhd. oberhant (aus obere hant); geläufig die Oberhand gewinnen, behalten. Zu Hand im Sinne von ‘Besitz, Macht’. überhandnehmen Vb. ‘sich zu stark vermehren, ausbreiten’ (15. Jh.), mhd. überhant nemen; vgl. mhd. überhant f. ‘Übermacht’.

Thesaurus

Synonymgruppe
brachial · gewalttätig · grob · grobschlächtig · handgreiflich · rabiat · roh · ruppig
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›handgreiflich‹ (computergeneriert)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›handgreiflich‹.

Verwendungsbeispiele für ›handgreiflich‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie sind sogar schon handgreiflich geworden, und die Opposition drohte, das Parlament zu verlassen.
Der Tagesspiegel, 27.02.2002
Zwar werden bisher nur wenige der verbitterten Kunden wirklich handgreiflich.
Die Zeit, 07.02.1997, Nr. 7
Nicht immer freilich sind wir so »glücklich«, handgreifliche Defekte wie geistige Störungen in bestimmten Dynastien verfolgen zu können.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1934, S. 312
Das leuchtende Gold nimmt der Szene, dem Leben, den Körpern ihr handgreifliches Sein.
Spengler, Oswald: Der Untergang des Abendlandes, München: Beck 1929 [1918], S. 311
Hier war das Interesse an imperialistischer Politik und Macht jedem Vollbürger handgreiflich.
Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.), Grundriß der Sozialökonomik, Tübingen: Mohr 1922 [1909-1914, 1918-1920], S. 997
Zitationshilfe
„handgreiflich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/handgreiflich>, abgerufen am 22.01.2022.

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