hauen

GrammatikVerb · haut, hieb/haute, hat/ist gehauen
Aussprache
Worttrennunghau-en
Wortbildung mit ›hauen‹ als Erstglied: ↗Haudegen · ↗Haudrauf · ↗Hauerei · ↗Hauklotz · ↗Haumeister · ↗Haumesser · ↗Haustein · ↗haubar
 ·  mit ›hauen‹ als Letztglied: ↗abhauen1 · ↗anhauen · ↗aufhauen · ↗aushauen · ↗behauen · ↗danebenhauen · ↗dazwischenhauen · ↗draufhauen · ↗dreinhauen · ↗durchhauen · ↗einhauen · ↗heraushauen · ↗hereinhauen · ↗herumhauen · ↗herunterhauen · ↗hineinhauen · ↗hinhauen · ↗loshauen · ↗niederhauen · ↗raushauen · ↗reinhauen · ↗runterhauen · ↗umhauen · ↗unterhauen · ↗vorbeihauen · ↗weghauen · ↗zerhauen · ↗zuhauen · ↗zurechthauen · ↗zurückhauen · ↗zusammenhauen
 ·  formal verwandt mit: ↗gehaut
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
ausholend einen Schlag führen, schlagen
a)
umgangssprachlich jmdn. prügeln, verhauen
Grammatik: Präsens ‘haut’, Präteritum ‘haute’, mit Hilfsverb ‘hat’, Partizip II ‘gehauen’
Beispiele:
der Vater haut den Sohn
der große Junge hat die kleinen Kinder gehauen
die Geschwister hauten sich
saloppsie haben sich mit den Nachbarskindern gehauen, dass die Fetzen flogen
jmdn. mit dem Stock, der Rute hauen
saloppjmdn. krumm und lahm, windelweich, braun und blau hauen
saloppjmdm. den Hintern voll hauen
saloppjmdm. den Buckel, die Jacke voll hauen
jmdn. zum Krüppel hauen
Haut den Lukas! (= Jahrmarktsfigur als Kraftmesser)
b)
auf etw. schlagen, einer Sache einen oder mehrere Schläge versetzen
Grammatik: Präsens ‘haut’, Präteritum ‘haute’, mit Hilfsverb ‘hat’, Partizip II ‘gehauen’
gehoben
Grammatik: Präsens ‘haut’, Präteritum ‘hieb’, mit Hilfsverb ‘hat’, Partizip II ‘gehauen’
Beispiele:
(mit der Faust) auf den Tisch hauen
auf die Tasten (des Klaviers) hauen (= sehr stark anschlagen)
jmdm., jmdn. auf die Finger, Hand, Schulter, ins Gesicht hauen
sich [Dativ] (vor Lachen) auf die Schenkel hauen
saloppjmdm. ein Buch, Heft um die Ohren hauen
saloppjmdm. eins über den Kopf, eine aufs Maul hauen
vulgärjmdm., jmdn. eins auf die Schnauze, ein paar in die Fresse hauen
salopp, übertragen
Beispiele:
jmdn. übers Ohr hauen (= jmdn. betrügen, übervorteilen)
auf die Pauke hauen (= etw. großsprecherisch, nachdrücklich verkünden, verlangen)
auf den Putz hauen (= heftig aufbegehren)
er haute ihnen übers Maul (= brachte sie zum Schweigen)
Silvester haben wir mal auf die Pauke gehauen (= tüchtig, lärmend gefeiert) [HartungWunderkinder54]
2.
mit einer Waffe, einem Werkzeug schlagen
Grammatik: Präsens ‘haut’, Präteritum ‘hieb’, mit Hilfsverb ‘hat’, Partizip II ‘gehauen’
umgangssprachlich
Grammatik: Präsens ‘haut’, Präteritum ‘haute’, mit Hilfsverb ‘hat’, Partizip II ‘gehauen’
a)
zur Bekämpfung, Vernichtung
Beispiele:
er haut (mit dem Schwert, Säbel) auf den Feind, nach seinen Verfolgern
der Junge hieb (mit dem Stock) um sich
etw. zuschanden hauen
umgangssprachlichetw. kurz und klein hauen
umgangssprachlich, saloppetw., jmdn. in Klump hauen (= etw., jmdn. völlig vernichten, jmdn. zusammenschlagen)
ohne jedes Wort wird der Gemeindevorsteher erschossen oder in Stücke gehauen [WelkHoher Befehl487]
übertragen
Beispiele:
sich auf Hauen und Stechen stehen (= sehr verfeindet sein)
die Auseinandersetzung ging auf Hauen und Stechen (= war sehr heftig, ging bis zum Äußersten)
das ist nicht gehauen und nicht gestochen (= das ist unklar)
das ist gehauen wie gestochen (= das bleibt sich gleich)
b)
sich durch etw. hauen (= sich durch etw. einen Weg bahnen)
Beispiele:
er haut sich [Dativ] (mit seinem Messer) einen Weg durch das dichte Buschwerk, den Urwald
er hieb sich (mit dem Degen) durch die feindlichen Reihen zu den Seinigen
er hieb sich [Dativ] einen Weg durch das Gedränge (= er bahnte sich mit Gewalt einen Weg durch das Gedränge)
c)
Jägersprache
Grammatik: Präsens ‘haut’, Präteritum ‘haute’
Beispiel:
der Keiler haut (= stößt mit den Hauern)
3.
etw. mit einem Werkzeug in etw. hineinschlagen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
a)
umgangssprachlich
Grammatik: Präsens ‘haut’, Präteritum ‘haute’
Beispiel:
einen Nagel in die Wand hauen (= durch Schlagen in die Wand treiben)
übertragen
Beispiel:
in dieselbe, die gleiche Kerbe hauen (= dieselbe Sache vertreten, die gleiche Meinung haben)
ein Loch ins Eis hauen (= durch Schlagen ein Loch im Eis herstellen)
Beispiele:
ein Loch ins Fenster, in die Scheibe hauen
jmdm. ein Loch in den Kopf hauen
b)
seine Zähne in etw. hauen (= seine Zähne in etw. hineinschlagen, in etw. hineinbeißen)
Grammatik: Präsens ‘haut’, Präteritum ‘hieb’
umgangssprachlich
Grammatik: Präsens ‘haut’, Präteritum ‘haute’
Beispiele:
der Adler haut seine Fänge, Krallen in die Beute
salopper hieb, haute in die leckere Pastete (= aß die Pastete mit Heißhunger), als sei er ausgehungert
4.
salopp etw., jmdn. krachend, mit Schwung werfen, schleudern
Grammatik: Präsens ‘haut’, Präteritum ‘haute’, mit Hilfsverb ‘hat’, Partizip II ‘gehauen’
a)
Beispiele:
Skatkarten, Geld auf den Tisch hauen
er haute die Bücher auf den Tisch, seine Schuhe auf den Fußboden
sich auf, in etw. hauen (= sich auf, in etw. werfen, legen)
Beispiele:
sich aufs, ins Bett, in die Falle, Koje hauen
Gehst du für einen Moment fort […] so hau ich mich irgendwo ins Heu [WerfelBernadette376]
übertragen
Beispiel:
sich aufs Ohr hauen (= sich schlafen legen)
etw. haut jmdn. vom Stuhl (= etw. erstaunt, verwundert jmdn. sehr)
Beispiele:
das haut mich vom Stuhl!
diese Neuigkeit wird dich vom Stuhl hauen
jmdn., etw. in die Pfanne hauen (= jmdm. geistig oder körperlich sehr zusetzen, jmdn., etw. übermäßig kritisieren)
Beispiel:
mit gepfefferten Argumenten haute er seinen Vorredner in die Pfanne
b)
übertragen etw. schwungvoll, rasch schreiben
Beispiele:
seinen Namen unter das Protokoll, unter die Vollmacht hauen
quer über das Blatt hauen
er haute seine Buchstaben (ungelenk und klobig) über das Papier
Der König haut höchstselbst zwei Zeilen aufs Papier [TralowNeuhoff42]
5.
umgangssprachlich
Grammatik: Präsens ‘haut’, Präteritum ‘haute’
an, gegen etw. hauenan, gegen etw. stoßen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
mit dem Kopf, der Schulter an die Wand, Tür hauen
er ist mit dem Fuß an einen Stein gehauen
der Regen haut ans Fenster (= der Regen schlägt prasselnd ans Fenster)
sich an einer Sache hauen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
er hat sich am Mauervorsprung gehauen
sie haut sich ständig beim Gehen an den Knöcheln
6.
umgangssprachlich mit Getöse fallen, stürzen
Grammatik: Präsens ‘haut’, Präteritum ‘haute’, mit Hilfsverb ‘ist’, Partizip II ‘gehauen’
Beispiele:
die Granate, Bombe ist in das Haus nebenan gehauen
das Segelflugzeug haut in den Kartoffelacker
das Kind stolperte und haute (= fiel mit voller Wucht) aufs Gesicht, auf die Erde
In den hinteren Turm [des Kriegsschiffes] haute so ’ne schwere Marke [Granate] [F. WolfMatrosen1]
7.
etw. mit Werkzeugen herstellen
Grammatik: Präsens ‘haut’, Präteritum ‘haute’, mit Hilfsverb ‘hat’, Partizip II ‘gehauen’
a)
künstlerische Figuren mit Hammer und Meißel herausarbeiten, meißeln
Beispiele:
ein Wappen, Monument, Statue, Skulptur in Stein, Marmor hauen
jmdn. in Stein hauen (= jmdn. als Bildwerk, Plastik darstellen)
in, aus Holz gehauene Figuren
b)
einen Stein in die erforderliche Form bringen, bearbeiten
Beispiel:
für jeden [Gas]kanal brauche ich vier gehauene Steine, sogenannte Düsensteine […] Das kostet mich die meiste Zeit, diese Steine zu hauen [E. ClaudiusMenschen271]
c)
einen freien Raum, eine Vertiefung in Gestein schlagen, aushauen
Beispiele:
Stufen (in den Fels) hauen
Bergmannsspracheeinen Schacht, Stollen, Gang, eine Strecke hauen
8.
etw. mit einem Werkzeug abschlagen, loshacken
Grammatik: Präsens ‘haut’, Präteritum ‘haute’, mit Hilfsverb ‘hat’, Partizip II ‘gehauen’
a)
etw. fällen, abhacken
Beispiele:
Bäume, den Wald hauen
Äste, Zweige (vom Baum) hauen
wenn ich nun den Wald hauen lasse, so schadet es dem jungen Aufschlag [Droste-Hülsh.Judenbuche924]
b)
landschaftlich etw. mähen
Beispiele:
eine Wiese, Heu, Gras, Korn hauen
Darum ist die Heide da auch so lang; denn keiner haut sie [Löns2,308]
wenn man eine Sense hat, die nicht haut (= nicht schneidet) [F. WolfGrenze5,78]
c)
Bergmannssprache
Beispiel:
Erze hauen (= aus dem Gestein losbrechen)
9.
etw. durch Schlagen mit einem Werkzeug zerteilen
Grammatik: Präsens ‘haut’, Präteritum ‘haute’, mit Hilfsverb ‘hat’, Partizip II ‘gehauen’
a)
landschaftlich, veraltend etw. mit einem Beil durch Schlagen zerlegen, zerkleinern
Beispiel:
Fleisch, ein geschlachtetes Tier, Knochen hauen
b)
landschaftlich
Beispiel:
Holz hauen (= Holzblöcke zu Brennholz spalten, zerhacken)
10.
umgangssprachlich, übertragen
Grammatik: Präsens ‘haut’, Präteritum ‘haute’, mit Hilfsverb ‘hat’, Partizip II ‘gehauen’
über den Strang, die Stränge, Schnur hauen (= die Grenze des Erlaubten überschreiten, leichtsinnig, ausgelassen sein)
Beispiel:
Er hat sich [als Student] niemals ein wenig wild gebärdet, niemals ein wenig über die Schnur gehauen [Th. MannBuddenbrooks1,477]
salopp das (ganze) Geld auf den Kopf hauen (= alles Bargeld auf einmal, leichtsinnig ausgeben)
Beispiel:
Je mehr [Geld] zusammen ist, um so besser. Und dann hauen wir das Geld richtig auf den Kopf [FalladaKleiner Mann172]
in den Sack hauen (= sich davonmachen, verschwinden) (= die Arbeit aufgeben, kündigen)
Beispiele:
die Arbeit war so schwer, dass er in den Sack haute
als er […] erfährt, daß Grigoleit und der Säugling in den Sack gehauen haben, atmet er auf [FalladaJeder stirbt111]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hauen · Haue1 · Haue2 · Hauer · abhauen · verhauen · Verhau · zerhauen
hauen Vb. ‘schlagen, prügeln, fällen (Holz), (zer)hacken (Fleisch), mähen, bearbeiten, behauen (Stein), loshacken, abschlagen (Erz)’. Neben dem starken Verb (nhd. hieb, gehauen) ahd. houwan (9. Jh.), mhd. mnd. houwen ‘(ab-, ein-, nieder-, zer)hauen, schlagen, stechen, behauen, bearbeiten, (ab-, zu)schneiden, ernten’, asächs. hauwan, mnl. nl. houwen, aengl. hēawan, engl. to hew, anord. hǫggva, schwed. hugga (dazu ↗Hieb und ↗Heu, s. d.) steht ein schwaches Verb (nhd. haute, gehaut) ahd. houwōn (10. Jh.), mhd. houwen. Sie führen mit lat. cūdere ‘schlagen, klopfen, stampfen, Metall bearbeiten’ (mit präsensbildendem d, wohl aus *caud-, vgl. caudex, cōdex ‘Baumstamm, Klotz’, s. ↗Kodex), lit. káuti ‘schlagen, hauen, umbringen’, kovà ‘Kampf, Schlacht’, aslaw. kovati, russ. kovát’ (ковать) ‘schmieden’ auf eine Wurzel ie. *kāu-, *kəu- ‘hauen, schlagen’. Haue1 f. ‘Hacke’, ahd. houwa (9. Jh.), mhd. houwe. Haue2 f. ‘Prügel, Schläge’, eigentlich Plur. von heute unüblichem Hau ‘Schlag, Hieb’, mhd. hou ‘Hieb, Holzeinschlag’. Hauer m. ‘Eckzahn des Keilers, vor Ort arbeitender Bergmann’ (meist umgelautet Häuer), (öst.) ‘Winzer, Weinbauer’, spätmhd. houwer ‘Bergmann, Holzfäller, Weinbauer’. abhauen Vb. ‘abschlagen, abhacken, abschneiden’, ahd. abahouwan (9. Jh.), mhd. abehouwen; im Sinne von ‘sich (eilig) davonmachen’ als steigender Kraftausdruck seit dem ersten Weltkrieg (nach obd. hauen ‘gehen, laufen, treten’, s. ↗Gassenhauer). verhauen Vb. ‘schlagen, verprügeln, falsch machen’, (reflexiv) ‘sich irren’, ahd. firhouwan ‘abschlagen, abschneiden’ (9. Jh.), mhd. verhouwen ‘zerhauen, verletzen, beschädigen, nieder-, weghauen, ausholzen, mit gefällten Bäumen versperren’; dazu Verhau m. n. ‘aus vielen (sperrigen) Teilen errichtetes Hindernis, Dickicht’, ursprünglich ‘Wegsperre durch niedergehauene Bäume’ (18. Jh.). zerhauen Vb. ‘entzweischlagen, in Stücke hauen’, mhd. zerhouwen.

Thesaurus

Synonymgruppe
bearbeiten · ↗behauen · hauen
Synonymgruppe
boxen · hauen · ↗prügeln · ↗schlagen  ●  ↗dreschen  ugs. · ↗kloppen  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ball Faust Fels Fresse Hocker Kerbe Lukas Ohr Pauke Pfanne Putz Schulter Taste Tisch ab abhauen anhauen danebenhauen dazwischenhauen drauf draufhauen einhauen hinhauen raushauen rein reinhauen runterhauen umhauen weghauen zuhauen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›hauen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bei Aldi zählt nur der Preis, aber auch der haut mich nicht vom Hocker.
Bild, 16.04.2003
Man haue einem Maler, der so etwas vollbringt, auf die Finger.
Schalcher, Traugott: Die Reklame der Straße, Wien: C. Barth 1927, S. 2
Sie haben sich mit allem gehauen, womit man sich überhaupt nur hauen kann.
Tucholsky, Kurt: Das Fotografie-Album. In: Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1925]
Ich dachte an Worte wie »Aura«, und daß nur ich sie sehen könne, aber innerlich haute ich mir auf die Finger, so was war Unsinn.
Goosen, Frank: Liegen lernen, Frankfurt am Main: Eichborn AG 2000, S. 206
Er stand auf und haute Detlev mit aller Kraft auf die Nase.
Regener, Sven: Herr Lehmann, Frankfurt am Main: Eichborn AG 2006 [2001], S. 132
Zitationshilfe
„hauen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/hauen>, abgerufen am 21.11.2019.

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