hausen

GrammatikVerb
Worttrennunghau-sen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›hausen‹ als Letztglied: ↗einhausen  ·  mit ›hausen‹ als Grundform: ↗behausen  ·  formal verwandt mit: ↗abgehaust
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
(unkultiviert) wohnen
a)
unter schlechten Bedingungen, dürftig leben
Beispiele:
in den zerstörten Städten mussten viele Menschen in Kellerwohnungen hausen
die Flüchtlinge hausten in Baracken
b)
abgesondert, sittenlos und ungezügelt leben
Beispiele:
auf dieser Burg haben früher die Raubritter gehaust
in den Wäldern hausten Räuber
c)
umgangssprachlich, scherzhaft
Beispiele:
wo haust du jetzt eigentlich?
hier hausen wir!
wie er dort haust, ist fabelhaft. Ein wahres Schloß am Meer ist sein [Th. Mann11,308]
2.
umgangssprachlich, abwertend Verwüstungen anrichten, wüten
Beispiele:
Soldaten haben in dieser Stadt beim Plündern fürchterlich gehaust
wie die Wandalen hausen
das Unwetter hat in den Kornfeldern schrecklich gehaust
in den Südstaaten der USA hauste ein Tornado
3.
süddeutsch, schweizerisch den Haushalt (gut) führen, sparsam wirtschaften
Beispiel:
sie [Gertrud] begann das Hausen und Sparen nun erst recht, da es sich lohnte und etwas zum Sparen da war [HesseGertrud2,140]
4.
veraltet weilen, sich einige Zeit an einem Ort aufhalten
Beispiel:
der Rappe scharrt; es klirrt der Sporn / Ich darf allhier nicht hausen [BürgerLenore]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Haus · Häuschen · hausen · behausen · Behausung · unbehaust · hausieren · Hausierer · Häusler · häuslich · Häuslichkeit · Hausfrau1 · Haushalt · haushalten · Haushälterin · haushälterisch · Hausherr · Hausmann · Hausmannskost · Hausrat · Haussuchung · Haustier · Hauswesen
Haus n. ‘Gebäude, Bewohner desselben, Geschlecht, Hauswesen’. Das gemeingerm. Substantiv ahd. hūs ‘Gebäude, Familie, Hauswesen, Geschlecht’ (8. Jh.), mhd. hūs ‘Gebäude, Wohnung, Hütte, Schloß, Rathaus, Haushaltung, Familie, Geschlecht’, asächs. mnd. aengl. anord. hūs, mnl. huus, nl. huis, engl. house, schwed. hus, got. in gudhūs ‘Gotteshaus’ läßt sich vielleicht im Sinne von ‘Bedeckendes’ an ie. *(s)keus- anschließen (wozu auch ↗Hose und ↗Hort, s. d.), eine s-Erweiterung der weitverbreiteten Wurzel ie. *(s)keu-, *(s)keu̯ə-, *(s)kū- ‘bedecken, umhüllen’ (s. ↗Haut, ↗Hode, ↗Hütte, ↗Scheune, ↗Schuh). Häuschen n. ‘kleines Haus’ (17. Jh.); vgl. ahd. hūsilī(n) (8. Jh.), hūsil (Hs. 13. Jh.), mhd. hiuselīn, hiusel. Die Wendung (ganz) aus dem Häuschen sein, geraten ‘aufgeregt, außer sich sein’ (um 1800) ist vielleicht beeinflußt von frz. Redensarten, die sich an den Namen Petites-Maisons eines ehemaligen Pariser Hospitals mit Irrenanstalt anschließen (vgl. z. B. frz. être un échappé des Petites-Maisons ‘sich wie ein aus dem Narrenhaus Entsprungener gebärden’). hausen Vb. ‘unter schlechten Bedingungen wohnen’, im Südd. und Schweiz. auch ‘sparsam wirtschaften’, ahd. hūsōn ‘wohnen’ (um 1000), mhd. hūsen ‘ein Haus bauen, sich häuslich niederlassen, wohnen, beherbergen, wirtschaften’, seit dem 15. Jh. auch ‘schlecht wirtschaften’, daraus ‘zerstören, verwüsten’ (16. Jh.). behausen Vb. ‘in einer Wohnung unterbringen’ (jetzt nur noch in gehobener Ausdrucksweise), mhd. behūsen ‘mit einem Haus versehen, besiedeln, beherbergen’; Behausung f. ‘Wohnstätte, Unterkunft’, mhd. behūsunge ‘Herberge, Wohnung’; unbehaust Part.adj. ‘keine Unterkunft, keine Wohnung habend, umherziehend’, mhd. unbehūset. hausieren Vb. ‘Waren von Haus zu Haus feilbieten’ (15. Jh.), vgl. mnd. hūsēren; Hausierer m. (16. Jh.). Häusler m. ‘als Tagelöhner arbeitender Dorfbewohner mit eigenem (kleinen) Haus, aber ohne oder mit nur wenig Landbesitz’ (17. Jh.). häuslich Adj. ‘das Haus(wesen), die Familie betreffend, gern zu Hause bleibend, in der Hauswirtschaft tüchtig, wirtschaftlich’ (15. Jh.); vgl. mhd. hiuslīche(n), hūslīche Adv. ‘häuslich, ein Haus besitzend’; Häuslichkeit f. ‘das Zuhause, hauswirtschaftliche Tüchtigkeit’ (16. Jh.). Hausfrau1 f. ‘das Hauswesen besorgende Frau’, mhd. hūsvrou(we), hūsvrowe ‘Herrin im Hause, Gattin’. Haushalt m. ‘Führung eines Hauswesens, alle Mitglieder eines Hauswesens, Aufrechnung von Einnahmen und Ausgaben eines Staates, einer öffentlichen Einrichtung für ein Jahr, Etat’ (15. Jh.), Rückbildung aus haushalten Vb. ‘sparsam wirtschaften, einteilen, den Haushalt führen’, mhd. hūshalten ‘ein Hauswesen führen’; Haushälterin f. ‘den Haushalt führende Angestellte, Wirtschafterin’ (16. Jh.), älter Haushälter (15. Jh.); haushälterisch Adj. ‘sparsam, wirtschaftlich’ (Anfang 18. Jh.), älter haushältisch (17. Jh.). Hausherr m. ‘Familienoberhaupt, Gastgeber’, (südd. öst.) ‘Hauswirt, Vermieter’, ahd. hūshērro ‘Familienoberhaupt’ (11. Jh.), mhd. hūsherre, auch ‘Hausverwalter’. Hausmann m. ‘mit der Instandhaltung und Reinigung eines Hauses Beauftragter’, früher ‘Vorstand einer Haushaltung, Hausvater, wer bei einem anderen zur Miete wohnt’, ahd. (11./12. Jh.), mhd. hūsman ‘Hausherr, Hausbewohner, Mietsmann’; Hausmannskost f. ‘einfache, nahrhafte, kräftige Kost’ (15. Jh.), wie sie ein Hausmann (‘Hausvater’) gewöhnlich für sich und die Seinen bereiten läßt. Hausrat m. ‘Hausgerät, für die Hauswirtschaft benötigte Gerätschaften und Möbel’, mhd. hūsrāt. Haussuchung f. ‘zur Aufklärung einer Straftat angeordnete Durchsuchung einer Wohnung, eines Gebäudes’ (14./15. Jh.); vgl. ahd. hūssuohha (um 1000), mhd. hūssuoche ‘Hausdurchsuchung’, dagegen mhd. hūssuochunge ‘Hausfriedensbruch’. Haustier n. ‘vom Menschen zur wirtschaftlichen Nutzung oder aus Liebhaberei in der Hauswirtschaft gehaltenes zahmes Tier’ (Mitte 18. Jh.). Hauswesen n. ‘alles, was zu Haushalt, Familie, Wohnung gehört’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(etwas) sein Zuhause nennen · (irgendwo) zu Hause sein · (sein) Zuhause haben · jemandes Zuhause sein · ↗leben  ●  hausen  abwertend · ↗wohnen  Hauptform · ↗residieren  geh.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Baracke Bruchbude Container Dämon Erdhöhle Erdloch Eremit Höhle Hütte Keller Kellerloch Lehmhütte Notunterkunft Obdachlose Pappkarton Plastikplane Ratte Ruine Slum Stadtrand Vandale Verschlag Wellblechhütte Wohnwagen Zelt Zimmer abhausen einhausen zuhausen zusammenhausen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›hausen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nur Basta hauste, seit sie in das Dorf gekommen waren, am selben Platz.
Funke, Cornelia: Tintenherz, Hamburg: Cecilie Dressler Verlag 2003, S. 619
Einige meinen, sie hausten immer noch hoch oben in den Bergen.
Der Tagesspiegel, 31.03.2000
Sie hausten in fast 1000 über die ganze Stadt verteilten Lagern.
Die Welt, 03.03.2000
So ist es dann auch geworden, und so hausen wir, fast schon eingewöhnt.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1945. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1945], S. 59
Irgendeine frühere Angestellte haust da; weil sie arisch ist, darf sie mit den Juden nicht kommunizieren.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1942. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1942], S. 224
Zitationshilfe
„hausen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/hausen>, abgerufen am 13.12.2018.

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