heben
GrammatikVerb · hob, hat gehoben
Aussprache
Worttrennunghe-ben (computergeneriert)
Wortbildung mit ›heben‹ als Erstglied: ↗-hebig · ↗Hebebalken · ↗Hebebaum · ↗Hebebock · ↗Hebebühne · ↗Hebekran · ↗Hebeschiff · ↗Hebeschmaus · ↗Hebewerk · ↗Hebezeug
 ·  mit ›heben‹ als Letztglied: ↗abheben · ↗anheben2 · ↗anheben1 · ↗aufheben · ↗ausheben · ↗einheben · ↗emporheben · ↗heraufheben · ↗herausheben · ↗herunterheben · ↗hervorheben · ↗herüberheben · ↗hinaufheben · ↗hinausheben · ↗hineinheben · ↗hinwegheben · ↗hinüberheben · ↗hochheben · ↗umheben · ↗unterheben · ↗wegheben · ↗überheben
 ·  Ableitungen von ›heben‹: ↗beheben · ↗entheben · ↗erheben · ↗verheben
 ·  Ableitung von ›heben‹: ↗Heben  ·  mit ›heben‹ als Grundform: ↗gehoben  ·  formal verwandt mit: ↗Gewichtheben
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
etw., jmdn., sich nach oben bewegen, etw., jmdn. in die Höhe bringen
a)
Beispiele:
ein Gewicht, einen Sack, eine Last heben
etw. mühelos, langsam, vorsichtig, mit einer Hand heben
er kann mit Leichtigkeit einen Zentner heben
hebe einmal den Koffer, wie schwer er ist!
er hat sich [Dativ] einen Bruch gehoben (= beim Heben zugezogen)
das hebt sich leicht, schwer (= hat wenig, viel Gewicht) umgangssprachlich
der Kran hebt 5000 Kilogramm bis zu, auf zehn Meter Höhe
die Mädchen hoben die Röcke, als sie durch den Bach wateten
der Dirigent hebt den Taktstock
der Bahnhofsvorsteher hob die Kelle zur Abfahrt des Zuges
die Gäste hoben ihre Gläser auf das Wohl des Jubilars
der Mittelstürmer hob (= schoss) den Ball in das Tor Sport
beim Essen die Zähne heben (= mit Widerwillen, Unlust essen) ostmitteldeutsch, umgangssprachlich
eine Hefe gilt als gut, wenn sie den Teig in 60 bis 65 Minuten hebt [Urania1961]
er hob sich im Sattel (= reckte sich im Sattel empor), gab seinem Schimmel die Sporen [StormSchimmelr.7,247]
daß in Südwest-Tibet eiszeitliche Schichten bereits um 2000 m gehoben sind [Wissenschaft und Fortschritt1957] Geologie
etw. hebt sichetw. geht in die Höhe
Beispiele:
die Bahnschranke hebt sich
unter dem begeisterten Beifall der Zuschauer hob sich der Vorhang immer wieder
als das Wasser kochte, hob sich der Deckel des Topfes
der Nebel hebt sich
kaum hatte sich unser Fahrgestell von der weißen Piste gehoben [FrischHomo faber8]
die Schwalbe ... die sich von dem Balken mit einem Flügelschlag hob und aus dem Fenster flog [H. W. RichterSpuren255]
die Stimme heben übertragen lauter und höher sprechen
Beispiel:
Er verzichtet auf alle rhetorischen Effekte, er hob nicht ein einziges Mal die Stimme [Weiskopf8,243]
b)
in Verbindung mit richtungsbezeichnender Präposition
mit Präposition
in Verbindung mit »auf«
Beispiele:
man hob den Verunglückten auf eine Tragbahre
die Spieler der siegreichen Mannschaft wurden von den begeisterten Zuschauern auf die Schultern gehoben
jmdn. auf den Schild heben gehoben, bildlich jmdn. zum Führer, Leitbild erklären
Beispiel:
Die bürgerliche Klasse hob ihn [Schiller] auf den Schild [MehringDt. Geschichte135]
in Verbindung mit »aus«
Beispiele:
die Mutter hob das Kind aus dem Wagen
bei dem Zusammenstoß wurde ein Anhänger der Straßenbahn aus den Schienen gehoben (= geschleudert)
die Tür aus den Angeln heben
Plötzlich gab es einen splitternden Krach, ich spürte, wie es mich aus dem Sattel [des Fahrrades] hob (= herunterschleuderte) [H. W. RichterSpuren268]
übertragen
Beispiele:
die Welt aus den Angeln heben (= grundlegend ändern)
ein Kind aus der Taufe heben (= Pate stehen) Religion
jmdn. aus dem Sattel hebenjmdn. zu Fall bringen, entmachten
Beispiele:
bei dem Umsturz wurde der Minister aus dem Sattel gehoben
Keine Schmähung, keine Niederlage, keine Einsicht hebt sie aus dem Sattel (= bringt sie aus dem Gleichgewicht) [HagelstangeSpielball163]
etw., jmdn. aus der Taufe hebenetw., jmdn. vor die Öffentlichkeit bringen
Beispiele:
das neue Theaterstück des Dramatikers wurde aus der Taufe gehoben
einen Verein aus der Taufe heben (= gründen)
Gern komme ich dem Wunsche des Greifenverlages nach, seine Ausgabe meines Tollen Bomberg mit einem kurzen Vorspruch aus der Taufe zu heben [J. WincklerBomberg5]
wenn Sie diesen unsterblichen Dichter aus der Taufe heben ... sind Sie ein gemachter Mann [G. Hauptm.2,297]
in Verbindung mit »in«
Beispiele:
den Pflug in die Furche heben
den Reiter in den Sattel heben
übertragen
jmdn. in den Sattel hebenjmdn. unterstützen, an die Macht bringen
Beispiel:
daß die Sozialdemokratie den heute regierenden Monarchisten erst den Weg geebnet und sie in den Sattel gehoben hat [Thälm.Reden1,152]
jmdn., etw. in den Himmel heben umgangssprachlich jmdn., etw. übermäßig loben
Beispiele:
er hebt seine Frau in den Himmel
in den Zeitungen und im Radio wurde der neue Roman des Schriftstellers in den Himmel gehoben
in Verbindung mit »vom«
Beispiel:
einen Sack Kohle vom Wagen, das Kind vom Stuhl heben (= einen Sack Kohle vom Wagen, das Kind vom Stuhl herunternehmen)
c)
Körperteile emporstrecken, erheben
Beispiele:
die Hand (zum Gruß, Schwur), den Arm, die Finger, den Kopf heben
wer etwas sagen möchte, hebt die Hand!
beim Gehen die Füße heben
der Hund hebt das Bein (= lässt Wasser) verhüllend
die Lider, Schultern heben (= hochziehen, anheben)
die Augen heben (= nach oben blicken)
Hebe die Beine und spute dich schnell! [StormKnecht Rupr.]
2.
etw. zutage fördern, aus der Tiefe bergen
Beispiele:
ein gesunkenes Schiff heben
ein gehobenes Wrack
einen verborgenen, vergrabenen Schatz heben (= ausgraben)
3.
etw., sich erhöhen, verbessern, die Entfaltung von etw. begünstigen
Beispiele:
den Lebensstandard, Wohlstand, das geistige, künstlerische Niveau, den Umsatz, Fremdenverkehr heben
dieser Erfolg hat sein Selbstbewusstsein gehoben
jmdn. in seinem Rang heben
etw. hebt jmds. Ansehen
den Mut, die Stimmung heben
Gewürze heben den Geschmack
war Zollerhöhung auf die Einfuhr vom Ausland das einzige Mittel, die heimische Landwirtschaft zu heben [ViebigSchlafendes Heer334]
etw. hebt sich
Beispiele:
der Wohlstand, Handel hebt sich von Jahr zu Jahr
sein Geschäft hat sich gehoben
seine Laune, sein Wohlbefinden, Mut hob sich
etw. auf eine höhere Stufe heben (= auf ein höheres Niveau bringen)
die wissenschaftliche Zusammenarbeit auf eine höhere Stufe heben
daß sich dieser Ertrag vielleicht doch noch heben könne [MusilMann1647]
etw. hebt etw.etw. erhöht, steigert durch den Kontrast die Wirkung von etw.
Beispiele:
der Goldgrund hebt die Farben
der dunkle Hintergrund hebt die Farbwirkung des ganzen Bildes
der hübsche Kragen hebt das ganze Kleid
Die Balken des Fachwerks, schwarz geteert und wuchtig, heben das Weiß der Mauern [NachbarMond9]
Er war ... von durchscheinender, ja phosphoreszierender Blässe, die noch gehoben wurde durch die dunkle Glut seiner Augen [Th. MannZauberb.2,25]
4.
es hebt mich umgangssprachlich ich bekomme Brechreiz
Beispiele:
es hebt mich, wenn ich den Gestank rieche
wenn er sie nur sah, hob es ihn (= war es ihm zum Brechen)
5.
einen heben salopp ein Glas Bier, Schnaps trinken
Beispiele:
er hebt gern einen
wir gehen noch einen heben
6.
etw. hebt jmdn. dichterisch etw. erhebt, erbaut jmdn.
Beispiele:
seine Freundschaft zu Marcel war etwas Neues in seinem so fest irdischen Leben, eben etwas, das ihn hob [OelfkenTraum135]
Den Josef hob dieser warme Empfang [Feuchtw.Tag272]
Merkl, durch diesen Zuspruch noch mehr gehoben [O. M. GrafBolwieser78]
7.
sich heben gehoben aufragen, sich erheben
Beispiel:
[ein] Felsblock, der näher aus den Fluten sich hob [C. Hauptm.Einhart2,88]
8.
sich heben Mathematik sich ausgleichen
Beispiele:
diese Zahlen heben sich beim Kürzen
3/4 mal 4/3 hebt sich (= ergibt eins)
zwei gegen zwei hebt sich
etw. heben veraltet etw. beheben, beseitigen
Beispiel:
einen Schaden, Übelstand heben
9.
etw. hebt sich dichterisch etw. beginnt, fängt an, erhebt sich
Beispiele:
der Tag hebt sich
Von neuem aber hob sich das Lied [Feuchtw.Narrenweisheit442]
Im Schlosse des Grafen, da hebt sich ein Klingen [UhlandGraf Eberstein]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

heben · erheben · erheblich
heben Vb. ‘etw. in die Höhe bewegen’. Das stark flektierende, zu den j-Präsentien gehörende Verb ahd. heffen ‘(er)heben, nehmen, setzen, höherstellen, (be)treiben, sich erheben, sich aufmachen’ (8. Jh.), mhd. heben, heven, nhd. heben (mit Angleichung an die durch grammatischen Wechsel b aufweisenden Präteritalformen, vgl. ahd. huob, gihaban), asächs. hebbian, heffian, mnd. hēven, heffen, mnl. nl. heffen, aengl. hebban, engl. to heave, anord. hefja, schwed. häva, got. hafjan gehört mit ↗haben, ↗-haft, ↗Haft, ↗Heft und griech. káptein (κάπτειν) ‘schnappen, schlucken’, lat. capere ‘nehmen, fassen, ergreifen’, lett. (nasaliert) kàmpt ‘fassen, greifen’ zur Wurzel ie. *kap- ‘fassen’. Die alte Bedeutung ‘fassen, packen’ ist erhalten in ↗Habicht (s. d.). erheben Vb. ‘in die Höhe heben, emporstrecken’, refl. ‘aufstehen, sich empören’, ahd. irheffen ‘emporheben, gären machen’ (8. Jh.), mhd. erheben, auch ‘zuoberst stellen, mit getriebener Arbeit (Ziselierung) verzieren’ (s. ↗erhaben). erheblich Adj. ‘beträchtlich, schwerwiegend, groß’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
anheben · ↗aufheben · ↗hieven · ↗hochheben · ↗hochziehen · ↗stemmen · ↗wuchten
Assoziationen
Synonymgruppe
hochstellen · in der Höhe halten
Synonymgruppe
adeln · ↗aufwerten · ↗auszeichnen · ↗erheben · höhere Weihen erteilen · ↗upgraden · ↗verbessern · ↗veredeln · ↗verfeinern  ●  nobilitieren  geh.
Assoziationen
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angeln Arm Arme Augenbrauen Finger Glas Hand Himmel Kopf Niveau Sattel Schatz Schild Schultern Stimmung Taufe Vorhang Zeigefinger ab abhebt anhebt aufhob aushob emporhob heraushebt hervor hervorhob hinaushebt hochhob senkt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›heben‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn du eine weiße Frau hast, dann ist dein sozialer Status gehoben.
Die Zeit, 18.12.2012, Nr. 21
Erst hob sich ein Mann einen Bruch, und dann brach auch noch ein Tisch zusammen.
Süddeutsche Zeitung, 20.10.2004
Der Minister horchte.. er hob horchend die Finger der Rechten, als wolle er schwören.
Niebelschütz, Wolf von: Der blaue Kammerherr, Stuttgart u. a.: Dt. Bücherbund [1991] [1949], S. 139
Wie Fenster am heiligen Abend hob sich das Rot aus dem Grau.
Aichinger, Ilse: Die größere Hoffnung, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1966 [1948], S. 228
Heute hätte ich Dir noch vieles zu sagen, aber das hebe ich mir auf bis später.
Brief von Unbekannt an Augusta, Stalingrad Winter 1942/43. In: Letzte Briefe aus Stalingrad, Gütersloh: Bertelsmann 1954 [1943]
Zitationshilfe
„heben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/heben>, abgerufen am 22.10.2017.

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