heften

GrammatikVerb · heftet, heftete, hat geheftet
Aussprache
Worttrennunghef-ten
Wortbildung mit ›heften‹ als Erstglied: ↗Heftung  ·  mit ›heften‹ als Letztglied: ↗abheften · ↗anheften · ↗aufheften · ↗beiheften · ↗einheften · ↗festheften · ↗zuheften · ↗zusammenheften
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
etw. mit einer Reißzwecke, Klammer oder Nadel an etw. befestigen
Beispiele:
einen Zettel, eine Bekanntmachung an die Tür, Wand, das Schwarze Brett heften
jmdm. einen Orden, eine Auszeichnung, Nadel an die Brust heften (= anstecken)
an den Originalbrief ist ein Durchschlag geheftet (= angeklammert)
In der Schneiderei hing, mit Reißnägeln an die Tapete geheftet, ein Zeitungsausschnitt [BrechtDreigroschenroman423]
an den Rahmen unten hat Findeisen ein Pappschild ... geheftet [BobrowskiBoehlendorff94]
An seinen Fragebogen ... war ein Zettel geheftet [H. KantAula249]
gehoben, veraltendSie haben Christus ... ans Kreuz geheftet (= geschlagen) [G. Hauptm.Quint1,418]
bildlich
Beispiel:
unsere Armee konnte den Sieg an ihre Fahne heften (= sie hat gesiegt)
übertragen etw. heftet sich an etw.etw. schließt an etw. an, etw. ist mit etw. verbunden
Beispiele:
Auf der anderen Seite aber heftete sich an die Errungenschaft sogleich wieder ein Nachteil [G. KellerGr. Heinrich4,239]
an das Neue heftete sich manche Hoffnung [HardenKöpfe11]
2.
etw. mit weiten Stichen oder mit Nadeln lose zusammenhalten, besonders die zugeschnittenen Teile eines Kleidungsstückes
Beispiele:
das Kleid für die Anprobe heften
einen Saum, eine Naht heften
Handwerk Papierblätter, Papierbogen mit dünnen Drahtklammern oder Fäden zu einem Heft, Block, Buch zusammenfügen
Beispiele:
ein Buch heften
die Druckbogen (provisorisch) heften
die Broschüre ist nur geheftet, nicht gebunden
3.
die Augen, den Blick auf, an jmdn., etw. heftenjmdn., etw. unverwandt ansehen
Beispiele:
die Augen, den Blick auf eine Person, den Boden heften
sie fühlte seinen Blick, seine Augen auf sich geheftet
Des Pastors Blick ... heftet sich sekundenlang an die Bank, in der Wilhelm Stresow sitzt [NachbarMond222]
umgangssprachlich sich an jmds. Fersen, Sohlen, sich an jmdn. heftennicht von jmdm. weichen, jmdn. hartnäckig (unauffällig) verfolgen
Beispiele:
der Läufer heftete sich an die Fersen seines Vordermannes
ein Verfolger heftet sich an seine Fersen
Warum verfolgst du mich und heftest dich / So wutentbrannt an meine Fersen? [SchillerJungfr. v. OrleansIII 9]
[sie] heftet sich an die Männer und Frauen der Bühne [Tageszeitung1956]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

heften · Heft2 · behaftet
heften Vb. ‘etw. (mit Reißzwecken, Nägeln, Nadeln) befestigen, anbringen, (mit Fäden, Drahtklammern) zusammenfügen’, übertragen ‘fest, unverwandt worauf richten’ (die Augen, den Blick auf jmdn., etw. heften). Das gemeingerm. Verb ahd. (8. Jh.), mhd. heften, asächs. heftian, afries. hefta, aengl. hæftan ‘befestigen, binden, fesseln’, mnd. mnl. hechten, heften, nl. hechten ‘befestigen, anbringen’, auch intransitiv ‘haften, hängen, festsitzen’ (zum nd.-nl. Wandel von ft zu cht s. ↗Gerücht, ↗Nichte), anord. hepta, hefta ‘befestigen, hindern, verzögern’, schwed. häfta ‘an-, zusammenheften, haften, festsitzen, bürgen’, got. haftjan ‘sich anheften’ ist Faktitivum zu dem unter ↗-haft (s. d.) behandelten Adjektiv germ. *hafta-. Während die verbale Ableitung in den frühen Sprachstufen vorwiegend das Herstellen eines dauerhaften Zusammenhalts durch Festbinden bezeichnet, tritt im Nhd. (und schon im Mnd.) der Begriff des vorläufigen Anbringens, provisorischen Aneinanderfügens stärker in den Vordergrund. Reflexiven Gebrauch, wie er bereits im Got. belegt ist, kennt das Hd. seit ahd. Zeit, namentlich im Sinne von ‘sich anhängen, verbinden, hinwenden, anschließen, jmdm. folgen’ (vgl. auch sich an jmdn., an jmds. Fersen, Sohlen heften ‘jmdn. hartnäckig verfolgen’). Rechtssprachliche Verwendungen (‘in Gewahrsam nehmen, verhaften, beschlagnahmen’) finden sich im Mhd. und Frühnhd., ebenso im Aengl., Mnl. und gelegentlich noch im Nl. Heft2 n. ‘schmales Buch aus gefalteten, von Fäden, Drahtklammern zusammengehaltenen Papierblättern’, seit Mitte des 18. Jhs. (zunächst meist als Mask.) bezeugte Rückbildung aus dem Verb heften, vielleicht begünstigt durch ältere Zusammensetzungen mit ursprünglich verbalem erstem Glied wie Heftfaden, Heftnadel (15. Jh.). behaftet Part.adj. nur in der Fügung mit etw. behaftet sein ‘etw. (von anderen als unangenehm, belastend Empfundenes) an sich haben’, spätmhd. behaftet ist eine unter dem Einfluß von mhd. nhd.haften (s. d.) umgebildete Form von ahd. bihaft ‘gefesselt, gebunden, verstrickt’, mhd. frühnhd. behaft ‘gebunden, verpflichtet, besessen, mit etw. versehen’ (mit unumgelautetem Vokal neben ahd. biheftit, mhd. beheftet), Part. Prät. des zu heften gehörenden präfigierten Verbs ahd. biheften ‘binden, fesseln, belasten, quälen, sich beschäftigen’ (8. Jh.), mhd. beheften ‘fest-, zusammenheften, umstricken, einschließen, in Gewahrsam nehmen, verpflichten, verbinden’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(Aufmerksamkeit) richten (auf) · (Blick) heften · ↗fixieren

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anstecker Antikörper Brett Brust Button Fahne Ferse Fährte Klette Namensschild Orden Panier Pinnwand Preisschild Reißnagel Revers Sohle Verdienstorden Wand Windschutzscheibe Zettel Zielfahnder abheften aneinanderheften anheften durchheften einheften festheften raus zusammenheften

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›heften‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und wenn nicht, bleibe ich für immer ans Bett geheftet.
Erpenbeck, Jenny: Wörterbuch, Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2004, S. 7
Er wird sich nun den Erfolg ans eigene Banner heften wollen.
Süddeutsche Zeitung, 08.11.1999
Er heftet seinen Namen für alle Zeit an den eines Großen.
Die Zeit, 22.05.1981, Nr. 22
Die Frau hielt während dieser Zeit ihre sanften Augen düster auf ihren Mann geheftet, sagte aber nichts.
Huch, Ricarda: Der Dreißigjährige Krieg, Wiesbaden: Insel-Verl. 1958 [1914], S. 403
Es sind insgesamt fünf Bücher, die anderen drei Bücher scheinen noch nicht geheftet zu sein.
o. A.: Einhundertzwölfter Tag. Dienstag, 23. April 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 24772
Zitationshilfe
„heften“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/heften>, abgerufen am 13.12.2019.

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