heißen

GrammatikVerb · hieß, hat geheißen
Aussprache
Worttrennunghei-ßen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›heißen‹ als Letztglied: ↗gutheißen  ·  mit ›heißen‹ als Grundform: ↗verheißen
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
genannt werden, den Namen haben
Beispiele:
er heißt Karl
wie heißt du?
wie heißt er mit Nachnamen?
umgangssprachlich wie hieß er doch gleich?
umgangssprachlich das wird geschehen, so wahr ich Hans heiße
umgangssprachlich wenn das stimmt, heiße ich Hans (= das stimmt gewiß nicht)
auch hätte sie nie daran gedacht, seine Frau zu heißen [Ric. HuchConfalonieri375]
2.
jmdn., etw. nennen
a)
gehoben, veraltend ›jmdn. heißen‹ + ENjmdm. einen Namen geben
Beispiel:
das Kind hieß man Beate
jmdn. rufen
Beispiele:
Antje wurde sie von allen geheißen
ein Junge, Rainer geheißen
b)
›jmdn. heißen‹ + Nomenjmdn. als etw. bezeichnen
Beispiele:
gehoben jmdn. seinen Freund, einen Dummkopf, Betrüger heißen
jmdn. willkommen heißen (= ihn als willkommen begrüßen)
gehoben Na ja, Bräutigam, man hieß es eben so [Wasserm.Wahnschaffe2,112]
gehoben die ihr mich phlegmatisch und ohne Sehnsucht heißt [Th. MannKröger9,270]
›etw. heißen‹ + Nomen, Inf. oder Part. Prät.
Beispiele:
etw. richtig heißen
das heiße ich tapfer, ordentlich, pünktlich sein, gesund leben!
das heiße ich einen tiefen Schlaf, Glück (haben)!
das heiße ich arbeiten, klug gehandelt
3.
gehoben jmdn. etw. tun heißenjmdm. gebieten, etw. zu tun
Beispiele:
tu, was ich dich heiße
er hat sie geheißen, Platz zu nehmen, zu warten, darüber nachzudenken
wer hat dich das tun heißen?
verhüllend er hat das Buch mitgehen heißen (= entwendet)
Und wer hat sie geheißen, sich darum zu kümmern? [FusseneggerAntlitz50]
ja, der erwachende Morgen ist es, der mich an Dich, Geliebte, schreiben heißt [ZuchardtSpießrutenlauf5]
Einen hieß der Henker niederknien [WeismantelRiemenschneider269]
4.
einen bestimmten Sinn haben, etw. bedeuten
Beispiele:
was heißt das, was eben gesagt wurde?
das heißt nichts weiter, anderes, als dass man das Problem noch nicht gelöst hat
all das kann doch nur heißen, es muss noch einmal von vorn begonnen werden
was soll dieses unleserliche Wort heißen?
das hieße, die Sache verschlimmern, auf den Kopf stellen
wenn wir das alles schaffen wollen, hieße das, sehr früh aufstehen
das will viel, (schon) etwas heißen (= ist beachtlich)
das will wenig, nichts heißen (= ist ohne Bedeutung)
umgangssprachlich das sollte nun was heißen (= das sollte Eindruck machen), dass sie so großartig feierte
heißt das nicht schnell gearbeitet, gut gelebt?
Verreisen, das heißt neue Städte, neue Menschen kennenlernen
sprichwörtlich alles verstehen heißt alles verzeihen
Heißt das, daß du den Mördern vergeben willst? [FrischNun singen sie wieder5]
Er ist sogar größer als der Weinkeller unterm Julius-Spital, und das will was heißen [L. Frank2,322]
als Einleitung eines erläuternden Zusatzes oder einer Einschränkung des vorher Gesagten
das heißt
Beispiele:
meine Bekannten wohnen in Berlin, das heißt in einem Vorort von Berlin
er lebte von 1860 bis 1957, das heißt fast ein ganzes Jahrhundert
ich werde morgen kommen, das heißt, wenn nichts dazwischenkommt
er ist ein kluger Mensch, das heißt, ich nehme es an
5.
es heißtes wird gesagt
a)
es lautet
Beispiel:
wie heißt es im Text, Lied, Gedicht, bei Schiller?
b)
es geht die Rede
Beispiele:
es heißt, man müsse mit einem kalten Winter rechnen
es heißt, man sei ihm schon auf der Spur, er sei steinreich
Und wissen Sie, wie es heute heißt in der ganzen Stadt? Der Neumann, das ist ein Geschäftsmann [BaierlFlinz7]
6.
es heißtes gilt
Beispiele:
jetzt heißt es aufpassen, aufgepasst
hier heißt es, sich schnell entscheiden, zugreifen, sofort helfen
Nun hieß es noch, das praktische Jahr als Volontär in den Kliniken absolvieren [SchweitzerAus meinem Leben107]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

heißen · Geheiß · verheißen · Verheißung
heißen Vb. ‘genannt werden, den Namen haben, nennen, gebieten, einen bestimmten Sinn haben, bedeuten’. Das ehemals reduplizierende Verb ahd. heiʒan ‘(be)nennen, rufen, befehlen, auffordern’ (8. Jh.), mhd. heiʒen, asächs. hētan, mnd. mnl. hēten, nl. heten, aengl. hātan ‘befehlen, heißen, verheißen, nennen’, anord. heita ‘nennen, rufen, heißen, versprechen’, schwed. heta ‘heißen’, got. haitan ‘nennen, rufen’, (Pass.) ‘genannt werden’ gehört wohl zu einer d-Erweiterung der Wurzel ie. *kēi-, *ki- ‘in Bewegung setzen, in Bewegung sein’, die unerweitert vorliegt in griech. kíein (κίειν) ‘in Bewegung setzen, (weg)gehen’, (mit n-Infix) kī́nysthai (κίνυσθαι) ‘sich bewegen, bewegt, erschüttert werden, gehen’ und kīné͞in (κινεῖν) ‘in Bewegung setzen, bewegen, erschüttern, veranlassen’, lat. ciēre ‘rege machen, wecken, erregen, anregen’ (mit citus ‘schnell’, citāre ‘in Bewegung setzen, vorladen, herbei-, an-, aufrufen’) sowie in aind. cyávatē ‘bewegt sich, entfernt sich’ und griech. sé͞uesthai (σεύεσθαι) ‘in Bewegung setzen, antreiben, (ver)jagen, verfolgen’. Die Grundbedeutung des germ. Verbs scheint ‘jmdn. heißen, befehlen, (her)rufen, einladen’, auch ‘versprechen’ und ‘mit Namen rufen’ zu sein. Geheiß n. ‘Anweisung, Anordnung, Befehl’, ahd. giheiʒ m. ‘Verheißung, Versprechen, Gelöbnis, Vorhersage’ (8. Jh.), mhd. geheiʒ m., geheiʒe n. ‘Befehl, Gebot, Versprechen, Gelübde, Verheißung’, Verbalabstraktum zu ahd. giheiʒan ‘versprechen, verheißen, versichern’ (8. Jh.), mhd. geheiʒen. verheißen Vb. ‘versprechen, voraussagen, prophezeien’, frühnhd. ‘versprechen’, (reflexiv) ‘geloben’ (15. Jh.); vgl. got. faírhaitan; Verheißung f. ‘Versprechen, Zusicherung’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(den) Namen haben · (den) Namen tragen · (der) Name ist · (der) Name lautet · ↗(die) Bezeichnung (...) tragen · (sich) bezeichnen (als) · ↗(sich) nennen · angesprochen werden (können) als · bezeichnet werden als · ↗darstellen · ↗figurieren (als) · ↗firmieren (als) · ↗firmieren (unter) · ↗fungieren (als) · genannt werden · heißen · man nennt (ihn)  ●  (sich jemanden) als etwas vorstellen müssen (lit.)  geh. · ↗(sich) schimpfen  ugs.
Assoziationen
  • (die) Bedeutung haben · ↗(einer Sache) gleichkommen · ↗bedeuten · ↗bilden · ↗darstellen · gleichzusetzen sein (mit) · ↗sein
  • (eine) geborene (...) · ↗geb. (...) · ihr Geburtsname ist · ihr Mädchenname ist (...) · ihr früherer Name ist · ihr vormaliger Familienname ist · mit Geburtsnamen · mit Mädchennamen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So heisst ein Künstler, von dem Sie noch nie was gehört haben, aber jetzt.
Bild, 18.07.2001
Das heisst aber nicht, dass ich nicht von meiner Umgebung beeinflusst wäre.
Der Tagesspiegel, 07.09.1999
Das heisst, sie wollen die Welt mitmachen, statt sie zu machen.
Rubiner, Ludwig: Die Änderung der Welt. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1916], S. 16811
So heisst ein gar nicht weit von hier gelegener Ort.
Francke, Alexander: Fünf Wochen im Osten der Vereinigten Staaten und Kanadas, Bern: A. Francke 1913, S. 65
Produzieren heisst nicht soviel wie Stoff schaffen; das wäre Erschaffen.
Brentano, Lujo: Der Unternehmer. In: Volkswirtschaftliche Zeitfragen, Bd. 29, 1908 [1907], S. 380
Zitationshilfe
„heißen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/heißen#1>, abgerufen am 18.02.2019.

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heißen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennunghei-ßen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›heißen‹ als Letztglied: ↗aufheißen
eWDG, 1969

Bedeutung

etw. hochziehen
Beispiele:
norddeutsch die Segel heißen
gehoben eine Fahne, Flagge heißen (= eine Fahne, Flagge hissen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

heißen · Geheiß · verheißen · Verheißung
heißen Vb. ‘genannt werden, den Namen haben, nennen, gebieten, einen bestimmten Sinn haben, bedeuten’. Das ehemals reduplizierende Verb ahd. heiʒan ‘(be)nennen, rufen, befehlen, auffordern’ (8. Jh.), mhd. heiʒen, asächs. hētan, mnd. mnl. hēten, nl. heten, aengl. hātan ‘befehlen, heißen, verheißen, nennen’, anord. heita ‘nennen, rufen, heißen, versprechen’, schwed. heta ‘heißen’, got. haitan ‘nennen, rufen’, (Pass.) ‘genannt werden’ gehört wohl zu einer d-Erweiterung der Wurzel ie. *kēi-, *ki- ‘in Bewegung setzen, in Bewegung sein’, die unerweitert vorliegt in griech. kíein (κίειν) ‘in Bewegung setzen, (weg)gehen’, (mit n-Infix) kī́nysthai (κίνυσθαι) ‘sich bewegen, bewegt, erschüttert werden, gehen’ und kīné͞in (κινεῖν) ‘in Bewegung setzen, bewegen, erschüttern, veranlassen’, lat. ciēre ‘rege machen, wecken, erregen, anregen’ (mit citus ‘schnell’, citāre ‘in Bewegung setzen, vorladen, herbei-, an-, aufrufen’) sowie in aind. cyávatē ‘bewegt sich, entfernt sich’ und griech. sé͞uesthai (σεύεσθαι) ‘in Bewegung setzen, antreiben, (ver)jagen, verfolgen’. Die Grundbedeutung des germ. Verbs scheint ‘jmdn. heißen, befehlen, (her)rufen, einladen’, auch ‘versprechen’ und ‘mit Namen rufen’ zu sein. Geheiß n. ‘Anweisung, Anordnung, Befehl’, ahd. giheiʒ m. ‘Verheißung, Versprechen, Gelöbnis, Vorhersage’ (8. Jh.), mhd. geheiʒ m., geheiʒe n. ‘Befehl, Gebot, Versprechen, Gelübde, Verheißung’, Verbalabstraktum zu ahd. giheiʒan ‘versprechen, verheißen, versichern’ (8. Jh.), mhd. geheiʒen. verheißen Vb. ‘versprechen, voraussagen, prophezeien’, frühnhd. ‘versprechen’, (reflexiv) ‘geloben’ (15. Jh.); vgl. got. faírhaitan; Verheißung f. ‘Versprechen, Zusicherung’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(den) Namen haben · (den) Namen tragen · (der) Name ist · (der) Name lautet · ↗(die) Bezeichnung (...) tragen · (sich) bezeichnen (als) · ↗(sich) nennen · angesprochen werden (können) als · bezeichnet werden als · ↗darstellen · ↗figurieren (als) · ↗firmieren (als) · ↗firmieren (unter) · ↗fungieren (als) · genannt werden · heißen · man nennt (ihn)  ●  (sich jemanden) als etwas vorstellen müssen (lit.)  geh. · ↗(sich) schimpfen  ugs.
Assoziationen
  • (die) Bedeutung haben · ↗(einer Sache) gleichkommen · ↗bedeuten · ↗bilden · ↗darstellen · gleichzusetzen sein (mit) · ↗sein
  • (eine) geborene (...) · ↗geb. (...) · ihr Geburtsname ist · ihr Mädchenname ist (...) · ihr früherer Name ist · ihr vormaliger Familienname ist · mit Geburtsnamen · mit Mädchennamen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So heisst ein Künstler, von dem Sie noch nie was gehört haben, aber jetzt.
Bild, 18.07.2001
Das heisst aber nicht, dass ich nicht von meiner Umgebung beeinflusst wäre.
Der Tagesspiegel, 07.09.1999
Das heisst, sie wollen die Welt mitmachen, statt sie zu machen.
Rubiner, Ludwig: Die Änderung der Welt. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1916], S. 16811
So heisst ein gar nicht weit von hier gelegener Ort.
Francke, Alexander: Fünf Wochen im Osten der Vereinigten Staaten und Kanadas, Bern: A. Francke 1913, S. 65
Produzieren heisst nicht soviel wie Stoff schaffen; das wäre Erschaffen.
Brentano, Lujo: Der Unternehmer. In: Volkswirtschaftliche Zeitfragen, Bd. 29, 1908 [1907], S. 380
Zitationshilfe
„heißen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/heißen#2>, abgerufen am 18.02.2019.

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