heidnisch

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungheid-nisch
GrundformHeide2
eWDG, 1969

Bedeutung

von Heiden geprägt
Beispiele:
heidnische Sitten, Gebräuche, Mythen, ein heidnischer Götzendienst
Bräuche, Namen aus heidnischer Zeit
Götter und Götzen der ... heidnischen (= der aus Heiden bestehenden) Völker beschäftigten sie durch ihre Geschichte [G. KellerGr. Heinrich4,53]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Heide1 · heidnisch · Heidentum · Heidenangst · Heidengeld · Heidenlärm
Heide1 m. ‘Anhänger einer nichtchristlichen Religion’. Das Substantiv ahd. heidan (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. nl. heiden, aengl. hǣþen, engl. heathen und die Adjektive ahd. heidan ‘heidnisch’, heidanisc (s. unten), asächs. hēðin (vgl. auch die Substantivierung hēðino neben hēðin man), mnl. heiden, anord. heiðinn schließen sich an got. haiþnō ‘Heidin’ an, das Mark. 7, 26 griech. Hellēnís (Ἑλληνίς) ‘Hellenin, Griechin’, daher ‘Nicht-Jüdin’, wiedergibt. Man sieht in der got. Bildung, die mit der gotischen Mission ins Westgerm. gelangt, eine singularisierte Entlehnung aus griech. (neutestamentlich) tá éthnē (τὰ ἔθνη) ‘die Heiden’ (eigentlich ‘die Völker’). Für dieses ist, wie auch für griech. ethnikós (ἐθνικός) ‘zum (fremden) Volke gehörig, volkstümlich, heidnisch’, spätgriech. Aspirierung anzunehmen, so daß got. haiþn- entsteht, wobei got. ai als Wiedergabe (in Lehnwörtern) von griech. ε betrachtet werden muß; vgl. Seebold in: PBB (T) 93 (1971) 29 ff. Man kann ferner vermuten, daß got. haiþn- mit got. haiþi ‘Feld, Acker’ (s. ↗Heide2 f.) in Verbindung gebracht und als ‘zum fremden (nichtchristlichen) Volk gehörig, auf dem freien, unbebauten Lande lebend’ verstanden wurde; vgl. W. Schulze Kl. Schr. 517 ff. Die im Nhd. gültige Form Heide tritt zuerst md. im 14. Jh. auf, setzt sich im 16. Jh. durch und bezeichnet, vor allem in der Sprache der Bibel, den Nichtjuden und Nichtchristen, im Mittelalter und bis ins 16. Jh. speziell auch den Mohammedaner, in neuerer Zeit ferner den dem Christentum Fernstehenden (vgl. moderner Heide). heidnisch Adj. ‘die Heiden betreffend, ihrer Art gemäß’, ahd. heidanisc (8. Jh.), mhd. heidenisch. Heidentum n. ‘Gesamtheit der Heiden, heidnische Welt und Kultur’, ahd. heidantuom (9. Jh.), mhd. heidentuom. Seit dem 19. Jh. begegnet Heiden-, ausgehend von der Vorstellung des Ungezügelten, Furchterregenden, Schrecklichen (vgl. mhd. heidenkraft ‘Heidenheer’, heidendrō ‘Heidenzorn’), als verstärkendes Bestimmungswort in Zusammensetzungen wie Heidenangst f. ‘panische Angst’, Heidengeld n. ‘große Menge Geldes’, Heidenlärm m. ‘starker Lärm’.

Typische Verbindungen zu ›heidnisch‹

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›heidnisch‹.

Verwendungsbeispiele für ›heidnisch‹

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Und dann haben sie ihre grauenhaften Kirchen auf unsere schönen heidnischen Plätze gestellt.
Süddeutsche Zeitung, 02.09.2000
Nicht wenige halten aber noch heute an heidnischen Bräuchen fest.
Die Zeit, 13.09.1991, Nr. 38
Er ist vor allem aber nicht statisch beschaffen, wie alle heidnischen Götter bisher.
Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 3, Berlin: Aufbau-Verl. 1956, S. 328
Wenn wir von den «Alten» sprechen, meinen wir damit die heidnischen Autoren.
Curtius, Ernst Robert: Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter, Tübingen: Francke 1993 [1948], S. 250
Schade, aber in diesem Moment versagte sein heidnisches Empfinden, und er wurde ärgerlich.
Reventlow, Franziska Gräfin zu: Herrn Dames Aufzeichnungen. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 8384
Zitationshilfe
„heidnisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/heidnisch>, abgerufen am 09.04.2020.

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