Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

heil

Grammatik Adjektiv
Aussprache  [haɪ̯l]
eWDG

Bedeutung

unbeschädigt
a)
unversehrt, unverletzt
Beispiele:
heil davonkommen, das Unglück heil überstehen
[die Kompanie] die … außer vielen heilen auch an zwanzig zerschossene Russen gefangen hatte [ A. ZweigElfenbeinfächer130]
wird Sie Nerven kosten, da heil durchzukommen [ DürrenmattPanne200]
umgangssprachlich mit heiler Hautunversehrt, ohne Schaden zu nehmen
Beispiele:
mit heiler Haut davonkommen
mit heiler Haut wäre er nicht mehr nach Hause gekommen
Ich erzielte einen Preis, der es mir ermöglichte, mich aus den Bankverpflichtungen mit heiler Haut herauszumanövrieren [ WeitendorfLogbuch196]
landschaftlich, umgangssprachlich aus heiler Hautunversehens, ohne erkennbare Ursache
Beispiele:
aus heiler Haut packte ihn die Wut
Wir führten aus heiler Haut Stücke mit zwei oder drei Mitwirkenden auf [ MühsamNamen198]
b)
nach einer Verletzung wiederhergestellt, geheilt, gesund
Beispiele:
der Finger ist wieder heil
Aber das [Kind] war ja schon in der Geburt gestorben und hatte dabei der Mutter den Leib zerrissen, so daß er nie mehr ganz heil ward [ Suderm.6,114]
c)
ganz, nicht entzwei
Beispiele:
heile Strümpfe, Stiefel, Hosen
seine Sachen waren heil und ordentlich
nach dem Bombenangriff gab es kaum ein heiles Haus mehr in der Stadt
das Geschirr ist beim Transport heil geblieben
zwei Eier, Flaschen sind noch heil
Man fand kein heiles und sauberes Hemd in seinen Schubladen [ Th. Mann11,125]
übertragen
Beispiel:
Eine Welt, die heil war, in Ordnung, voller Hoffnung [ CramerKonzessionen307]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

heil · heilfroh
heil Adj. ‘unbeschädigt, unverletzt, gesund’, ahd. heil ‘gesund, ganz, vollkommen, unversehrt, errettet, erlöst’ (8. Jh.), mhd. heil, asächs. mnd. hēl, mnl. nl. heel, aengl. hāl, engl. whole ‘ganz, vollständig, unverletzt’, anord. heill ‘heilvoll, unverletzt, vollständig’, schwed. hel ‘ganz’, got. hails ‘gesund’ (germ. *haila-) läßt sich mit griech. kó͞ily (κοῖλυ) ‘das Schöne, Gute’, kymr. coel ‘Vorzeichen’, apreuß. kailūstiskun ‘Gesundheit’, aslaw. cělъ ‘gesund, unversehrt, ganz, heil’, russ. célyj (целый) ‘ganz, lauter, heil’ auf ie. *kailo-, *kailu- ‘heil, unversehrt, von guter Vorbedeutung’, eine Bildung mit l-Suffix, zurückführen. Die ursprüngliche Zugehörigkeit des Adjektivs zum magisch-religiös-kultischen Bereich im Sinne von ‘Heil bringend, heilvoll’ (s. auch Heil n.) ist resthaft bewahrt in der Wunsch- und Grußformel ahd. heil (wis)!, heil thu! (9. Jh.), heilo! (10. Jh.), aengl. wes hāl!, anord. ver þu heill!, got. hails! Zum Komplex vgl. Baetke Das Heilige im Germ. (1942) 68 ff. heilfroh Adj. ‘ganz und gar, völlig froh’ (18. Jh.), zu heil im Sinne von ‘völlig’ (nordd. und md.).

Heil · heillos · heilsam
Heil n. ‘Glück, Wohlergehen, Rettung’, in religiöser Vorstellung ‘Erlösung im Glauben’, ahd. heil ‘Glück’ (8. Jh.), mhd. heil ‘Gesundheit, Glück, glücklicher Zufall, Heilung, Rettung, Hilfe’, asächs. hēl ‘Vorzeichen’, mnd. heil ‘Glück, Segen, Rettung, Wohlergehen’, mnl. heil, heel, nl. heil, aengl. hǣl ‘(günstiges) Vorzeichen, Glück, Gesundheit’, anord. heill ‘(glückverheißendes) Vorzeichen, Glück’ gehen zurück auf einen alten s-Stamm germ. *hailaz, *hailiz (vgl. die zu aengl. hǣl gehörende Nebenform aengl. hālor), verwandt mit der unter heil Adj. (s. d.) dargestellten Wortgruppe. Deutlicher als beim Adjektiv wird die religiös-kultische Herkunft in der Semantik des Substantivs, deren Ausgangspunkt mit ‘magisch bedingtes Glück, Segen’ definiert werden kann, vgl. Baetke Das Heilige im Germ. (1942) 63 ff. Unter christlichem Einfluß steht Heil für ‘Vergebung der Sünden, Erlösung vom Bösen und Gewährung der ewigen Seligkeit’ (mhd. daʒ ēwige heil), vgl. auch Bildungen wie Heilsgeschichte, -verkündung, -weg (19. Jh.). In Grußformeln wie Gut Heil, Petri Heil, Weidmanns Heil erscheint Heil im Sinne von ‘Glück’. – heillos Adj. ‘krank, körperlich gebrechlich, arm, elend, moralisch böse’ (16. Jh.), ‘ohne Rettung, ohne Hilfe’ (19. Jh.), heute vor allem in steigernder Funktion, vgl. heilloses Durcheinander ‘sehr großes, unbeschreibliches Chaos’, heillose Unordnung. heilsam Adj. ‘heilend, nützlich’ (für zukünftiges Verhalten), ahd. heilsam ‘Heil bringend’ (10. Jh., heilsamo Adv., um 900), mhd. heilsam ‘Heil bringend, gesund, heil’.

Thesaurus

Synonymgruppe
funktionierend · funktionsfähig · heil · intakt · mängelfrei · unbeschädigt · unversehrt  ●  ganz  ugs. · heile  ugs. · läuft (noch)  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
heil (überstehen) · mit heilen Knochen (davonkommen) · schadlos (überstehen) · wohlbehalten (ankommen)  ●  mit heiler Haut (davonkommen)  fig., Redensart
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›heil‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›heil‹.

Verwendungsbeispiele für ›heil‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In ihnen bringt man selbst die zerbrechlichsten Pilze heil nach Hause. [Ulbrich, Eberhard: Essbar oder giftig?, Berlin: Grüne Post 1937, S. 7]
Doch diesmal ging es nicht um die Nutzung heil gebliebener Kirchen in der geschonten Stadt. [Grass, Günter: Die Rättin, Darmstadt: Luchterhand 1986, S. 301]
Und so ist die Welt bei ihnen eben nicht mal mehr heil genug für einen plausiblen Plot. [Die Zeit, 01.07.1999, Nr. 27]
Anfangs kommt er gar nicht erst heil vom Hof, dann fleddern sie ihn durch den Wald. [Die Zeit, 04.03.1999, Nr. 10]
Es war noch alles heil, die Luft frei von Staub. [Zwerenz, Gerhard: Die Ehe der Maria Braun, München: Goldmann 1979, S. 11]
Zitationshilfe
„heil“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/heil>.

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