heiligen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung hei-li-gen
Wortbildung  mit ›heiligen‹ als Erstglied: Heiligung  ·  mit ›heiligen‹ als Grundform: entheiligen
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. heilig machen
a)
gehoben etw., jmdn. weihen
Beispiele:
er … heiligte neu nach seinem Geist die Anbetungsstätten der Leute des Landes [ Th. MannJoseph3,113]
[Gebete] darin er den Heiland bat, ihn ganz zu heiligen [ G. Hauptm.Quint1,14]
Die reinigende, heiligende Wirkung der Literatur [ Th. MannZauberb.2,740]
b)
etw. unantastbar machen, rechtfertigen
Beispiele:
ein Verbrechen, einen Rechtsbruch durch viele erklärende Worte zu heiligen versuchen
sprichwörtlichder Zweck heiligt die Mittel (= um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sind alle Mittel recht)
2.
etw. als heilig achten
Beispiele:
den Feiertag heiligen
scherzhaftbei uns herrscht die geheiligte Sitte, sonntags lange zu schlafen
biblisch geheiligt werde dein Name
Es bestand am Théâtre Français eine geheiligte Tradition über die Darstellung Molières [ Feuchtw.Füchse58]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

heilig · Heiligkeit · heiligen · Heiligtum
heilig Adj. ‘erhaben über alles Irdische, unantastbar, von Gottes Geist erfüllt, gottgeweiht’, ahd. heilag, heilīg ‘geweiht, heilbringend, zum Heil bestimmt, fromm’ (8. Jh.), mhd. heilec, heilic, asächs. hēlag, hēlig, mnd. hillich, hīlich, mnl. heilich, hēlich, hillich, nl. heilig, aengl. hālig, engl. holy, anord. heilagr, schwed. helig, got. (runisch) hailag (n.) ist zu dem unter heil (s. d.) dargestellten Adjektiv gebildet. Es wird ein Wort der angelsächsischen Mission, verdrängt dabei das alte ahd. (obd.) wīh (s. weihen) und übersetzt wie dieses kirchenlat. sānctus und sacer. Als Ausgangsbedeutung der vorchristlichen Verwendung ist (wie bei heil) ‘Heil bringend, heilvoll’ anzunehmen (vgl. Baetke, s. heil). Anders Krogmann in: Wörter u. Sachen 21 (1940) 44 f., der im Hinblick auf anord. helga ‘zueignen’, isl. helga sér ‘als sein eigen erweisen’ und die für diesen Komplex mögliche Wurzel ie. *kai- ‘allein’ von einer Ausgangsbedeutung ‘jmdm. ausschließlich eigen, ganz, vollständig’ ausgehen möchte. Heiligkeit f. ‘heiliges Wesen, göttliche Vollkommenheit, Unantastbarkeit’, ahd. heilīgheit (10. Jh.), mhd. heilecheit, heilekeit, heilikeit ‘Heiligkeit, Frömmigkeit, Heiligtum, Sakrament’. heiligen Vb. ‘heiligsprechen, weihen, für göttlich, verehrungswürdig halten’, ahd. heilagōn, heilīgōn ‘heiligen, weihen, heiligsprechen’ (8. Jh.), mhd. heiligen, hēligen. Heiligtum n. ‘Gott geweihter, verehrungswürdiger Ort oder Gegenstand’, ahd. heilagtuom, heiligtuom (8. Jh.), mhd. heilec-, heilictuom.

Thesaurus

Synonymgruppe
anbeten · heiligen · huldigen · verehren · vergöttern  ●  adorieren  veraltet

Typische Verbindungen zu ›heiligen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›heiligen‹.

Verwendungsbeispiele für ›heiligen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Zweck heiligt das Mittel, entrüstet ab, jedoch man handelt danach. [Haluschka, Helene: Noch guter Ton? In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1938], S. 3196]
Es gibt kein anderes Ziel als den Sieg; dieser Zweck heiligt alle Mittel. [Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 10558]
Dieser gute Zweck heiligte die Mittel, und ihr hemmungsloser Einsatz sprach für den guten Zweck. [o. A.: "STASI" - DAS SCHLAGENDSTE ARGUMENT IN DER INNENPOLITISCHEN AUSEINANDERSETZUNG DER DDR. In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1990]]
In der Politik galt schon immer das Motto, der Erfolg heiligt die Mittel. [Die Zeit, 23.08.2008, Nr. 34]
Nicht der Erfolg heiligt die Mittel, aber die gute Absicht. [Die Zeit, 03.07.2007, Nr. 27]
Zitationshilfe
„heiligen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/heiligen>.

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