hell

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›hell‹ als Erstglied: ↗Helldunkel · ↗Hellfeld · ↗Helligkeit · ↗Hellseher · ↗Hellsicht · ↗hell-licht · ↗hell-lodernd · ↗hellauf · ↗hellblau · ↗hellblond · ↗hellbraun · ↗hellfarben · ↗hellfarbig · ↗hellgelb · ↗hellgestreift · ↗hellglühend · ↗hellgrau · ↗hellgrün · ↗hellhaarig · ↗hellhäutig · ↗hellhörig · ↗hellklingend · ↗helllicht · ↗helllodernd · ↗hellrot · ↗hellsehen · ↗hellsichtig · ↗hellwach · ↗helläugig
 ·  mit ›hell‹ als Letztglied: ↗blitzhell · ↗dämmerhell · ↗glashell · ↗glockenhell · ↗goldhell · ↗halbhell · ↗kerzenhell · ↗kristallhell · ↗mondhell · ↗silberhell · ↗sonnenhell · ↗spiegelhell · ↗sternenhell · ↗sternhell · ↗taghell · ↗wasserhell · ↗überhell
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
Gegenwort zu dunkel
a)
reich an Licht, lichterfüllt
Beispiele:
ein helles (= sonniges, dem Tageslicht offenes) Zimmer, Treppenhaus
der Raum ist hell erleuchtet
hell erleuchtete Fenster, Straßen, Häuser
umgangssprachlich es ist schon hell in der Wohnung (= die Wohnung ist schon erleuchtet, es brennt schon Licht)
hell (= leuchtendes) Feuer
ein heller Schein
eine helle elektrische Beleuchtung
ein heller Lichtstrahl fiel ins Zimmer
im hellen Mondschein spazierengehen
die Scheune stand in hellen Flammen
sie schlief in den hellen Morgen hinein
steh auf, die helle Sonne scheint!
als er erwachte, war heller Tag
umgangssprachlich die Bank wurde ausgeraubt, und das (noch dazu) am hellen Tage! (= vor aller Augen, vor der Öffentlichkeit!)
die Kerze, Lampe brennt, leuchtet hell
die Sonne, der Mond scheint hell
das Feuer flammt hell auf
die Glühbirne ist mir zu hell
wir traten ins Helle
es wird langsam, ist schon hell (= Tag)
bald wird es heller Tag sein
es bleibt jetzt lange hell (= die Tage sind lang)
umgangssprachlich sie wollten noch im Hellen (= bei Tageslicht) nach Hause fahren
bildlich
Beispiel:
Die Beantwortung dieser Frage […] stellt meine Uneigennützigkeit in ein helles Licht (= rühmt sie) [DroysenYork v. Wartenburg3,495]
übertragen
Beispiele:
der Weg in eine helle (= freudvolle, glückliche) Zukunft
Durch manche schwere Prüfung wirst du gehn, / Orest, doch seh ich deine Zukunft hell / trotzdem [G. Hauptm.Agamemnon397]
b)
sich im Farbton mehr oder weniger dem Weiß annähernd, von wenig intensiver Färbung
Beispiele:
ein heller Anzug, Kleid, Stoff
eine helle Farbe
helle Möbel
sie hat helles Haar, Haut
sie hatte hellere Augen als ihr Vater
die Bluse hat helle Streifen
ich möchte ein helles Brot
helles Bier (= Vollbier von gelblicher Färbung)
ein helles Rot, Blau
die Wand ist hell gestrichen, getönt
die Tapete wirkt hell
plötzlich schnitt er dem Wirt so derb in die Nase, daß die hellen Blutstropfen hervorquollen [E. T. A. Hoffm.6,133]
c)
hoch tönend
Beispiele:
ein heller Klang, Ton
eine helle (Knaben)stimme
in ein helles Gelächter ausbrechen
plötzlich knallten helle Pistolenschüsse
das helle Summen der Mücke
das Glöckchen klingt, die Gläser klingen hell
hell auflachen
die Trompeten schmettern hell
die Tonblende (auf) hell stellen
dann kreischte sie hell auf und begann zu laufen [MusilMann808]
2.
klar
a)
rein, ungetrübt, durchsichtig
Beispiele:
das Wasser ist hell
der Himmel ist wieder hell (= wolkenlos)
In einem Bächlein helle [SchubertForelle]
Es war […] bei hellem Himmel ein verspätetes glänzendes Winterwetter [G. KellerKleider machen Leute6,317]
bildlich
Beispiele:
mit ihren hellen (= leuchtenden) Augen empfing sie den Gast
ein heller (= strahlender, offener) Blick
Der kurze Schlaf / Hat Euch erquickt, und hell ist Euer Blick [SchillerTellIV 2]
b)
übertragen klug, leicht und schnell auffassend, aufgeweckt
Synonym zu helle
Beispiele:
sie hat einen hellen Verstand
der Geistesgestörte hatte helle Augenblicke (= Augenblicke vollen Bewusstseins)
umgangssprachlich ein Junge mit hellem Kopf, Köpfchen
umgangssprachlich er ist ein heller Kopf
freute ich mich deines offenen Antlitzes und deines hellen Geistes [C. F. Meyer1,297]
diese Leute [Irren] haben oft innerhalb eines Monats nur eine halbe Stunde lang einen hellen Augenblick [AndresHochzeit191]
umgangssprachlich Der Timm? Ein ganz Heller! Den fangen sie nicht! [BredelSöhne321]
3.
drückt große Verstärkung aus   groß
Beispiele:
seine helle Freude an jmdm., etw. haben
an diesem Spiel wirst du deine helle Freude haben
sein Auftreten hatte helle Empörung ausgelöst
hellen Unsinn reden
umgangssprachlich das ist (ja) heller Wahnsinn!
helle Tränen weinen
etw. in heller Entrüstung, Verzweiflung sagen
in helle Wut, Verwunderung geraten
er war in heller Aufregung
in helle Begeisterung, in hellen Jubel ausbrechen
die hellen Tränen fließen mühelos aus ihren Augen [FalladaKleiner Mann40]
Bismarck brachten diese Bedingungen namentlich gegen Lasker in hellen Zorn [BebelAus meinem Leben580]
da las ich in München mit hellem Vergnügen seinen großen satirischen Roman »Erfolg« [Th. Mann11,306]
umgangssprachlich drückt ein gewaltiges Ausmaß aus
Beispiele:
sie kamen in hellen Haufen, Scharen
die Menschen liefen in hellen Scharen zum Bockwurststand
Dem Priester blieb nichts andres übrig, als sich an die Spitze des hellen Haufens zu stellen [WerfelMusa Dagh369]
adverbiell
sehr
Beispiele:
die Kinder waren von der Wanderung hell begeistert
sie sind von dem Vorschlag hell entzückt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hell · Helle · hellen · Helldunkel · helldunkel · hellhörig · Helligkeit · Hellseher · hellsehen · hellauf
hell Adj. ‘mit viel Licht erleuchtet, leuchtend, sich im Farbton dem Weiß nähernd, von hohem Klang, hoch tönend’. Das nur im Dt. und Nl. vorkommende Adjektiv ahd. hel ‘tönend’ (11. Jh.; vgl. gihelli ‘harmonisch’, 10. Jh., unhelli ‘mißtönend’, um 1000), mhd. hel ‘tönend, laut, glänzend, licht’, mnl. nl. hel ‘licht, klar, rein’ gehört zum starken Verb ahd. (8. Jh.), asächs. hellan, mhd. hellen ‘ertönen, erschallen’ (in frühnhd. Zeit abgelöst von ↗hallen, s. d.); vgl. auch verwandtes (ablautend) anord. hjala ‘sprechen, sich unterhalten’ sowie ↗Hall und ↗holen (s. d.). Außergerm. vergleichen sich aind. uṣākalaḥ ‘Hahn’ (wohl ‘in der Frühe rufend’), griech. kalé͞in (καλεῖν) ‘(herbei)rufen, nennen’, lat. calāre ‘aus-, zusammenrufen’, (mit m-Erweiterung) clāmāre ‘laut rufen, schreien’, lett. (älter) kalot ‘schwatzen’, air. cailech ‘Hahn’, so daß von einer Schallwurzel ie. *kel(ə)- mit den langvokalischen Ablautstufen *klē-, *klā- ‘rufen, schreien, lärmen, klingen’ auszugehen ist (wozu mit s- mobile auch ↗Schall, ↗Schelle, ↗schelten, s. d.). Das Adjektiv bezeichnet zunächst akustische, vom Mhd. an auch visuelle Eindrücke; Luther verwendet es als Gegenwort zu ↗dunkel anstelle des älteren ↗licht (s. d.), mit dem es formelhaft verbunden wird: am hellen lichten (später hellichten) Tage. Auf Farben bezogen bezeichnet hell den sich dem Weiß nähernden Farbton (hellrot, -blau im Gegensatz zu dunkelrot, -blau); s. auch ↗grell, ursprünglich ‘laut schreiend’, dann auf Farbtöne übertragen (mit ähnlicher Entwicklung vgl. schreiend, knallig). Bei durchsichtigen Stoffen (Wasser, Glas) nimmt hell die Bedeutung von ‘klar, rein, ungetrübt, durchsichtig’ an; später wird es auf Geistiges, auf den menschlichen Verstand im Sinne von ‘klug, aufgeweckt, leicht und schnell auffassend’ angewandt, umgangssprachlich dafür helle, eigentlich Adverb (vgl. adverbielles mhd. helle). Schließlich drückt hell (seit dem 16. Jh.) eine Verstärkung ‘groß, stark, heftig’ aus (in hellen Haufen, seine helle Freude haben, in helle Wut geraten), adverbiell ‘sehr’ (hell begeistert sein). Helle f. ‘Helligkeit’, mhd. helle ‘Helligkeit, Reinheit’. hellen Vb. (reflexiv) ‘hell werden, sich erhellen’ (18. Jh.), mhd. (vereinzelt) hellen ‘hell werden, aufleuchten’, weitergeführt in frühnhd. nhd. erhellen ‘hell machen, erleuchten’ (16. Jh.), ‘klar werden, verdeutlichen’ (17. Jh.), aufhellen (17. Jh.); schwaches, vom Adj. abgeleitetes Verb. Zum starken Verb ahd. hellan s. oben. Helldunkel n. ‘Zusammenspiel von Licht und Schatten, von hellen und dunklen Farben’ (besonders in der Malerei), von dem Kunstwissenschaftler v. Hagedorn 1762 gebildet für frz. clair-obscur, das selbst aus ital. chiaroscuro entlehnt ist; dazu entsprechend helldunkel Adj. (ebenfalls 1762). hellhörig Adj. ‘mit scharfem Gehör ausgestattet, fähig, nicht Ausgesprochenes zu erraten’ (19. Jh.), heute vor allem ‘mit scharfem Verstand begabt’, auch ‘schalldurchlässig’ (von Wänden, Türen). Helligkeit f. ‘heller Zustand, helles Licht, Lichtfülle, Lichtstärke’ (16. Jh.). Hellseher m. ‘wer hellsehen kann’ (Anfang 19. Jh.), zuvor ‘scharfsinnige, klarsichtige, tiefere Zusammenhänge verstehende Person’ (1710, Übersetzung von substantiviertem frz. clairvoyant ‘scharfsinnig’); dazu hellsehen Vb. (nur im Inf. gebräuchlich) ‘räumlich und zeitlich entfernte Personen, Gegenstände und Ereignisse angeblich ohne Vermittlung von Sinnesorganen wahrnehmen, Zukünftiges vorhersehen’ (19. Jh.). hellauf Adj. ‘vergnügt, munter, flott’, Zusammenrückung der Adverbien hell und auf, zunächst in dem aufmunternden Zuruf hellauf! ‘nur zu!, frisch auf!’ (18. Jh.), anschließend häufig in der Fügung hellauf (‘fröhlich, lauthals’) lachen. Danach im Sinne von ‘überaus, sehr’ spontane emotionale Lautäußerungen (hellauf singen, jubeln, hellauf begeistert) oder Lichterscheinungen (hellauf leuchten, strahlen, lodern) verstärkend.

Thesaurus

Synonymgruppe
heiter · hell · ↗klar · ↗wolkenlos
Synonymgruppe
anstellig · ↗aufgeweckt · ↗aufnahmefähig · ↗begabt · ↗gelehrig · ↗gelehrsam · hell · ↗lernfähig · ↗verständig
Assoziationen
Synonymgruppe
(gut) ausgeleuchtet · hell · ↗licht · ↗lichtdurchflutet · lichtdurchtränkt · ↗lichterfüllt · strahlend (hell) · ↗taghell
Assoziationen
Antonyme
Synonymgruppe
hell · im Sonnenlicht · ↗sonnenbeschienen · ↗sonnig · strahlend · ↗taghell  ●  in der Sonne  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anzug Aufregung Begeisterung Blau Empörung Farbe Flamme Fleck Flecken Freude Haut Holz Hose Licht Sandstein Schar Sonnenlicht Stern Tageslicht Wahnsinn dunkel erleuchtet freundlich gleißend leuchten leuchtend licht luftig strahlen strahlend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›hell‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Um 22 Uhr geht das Licht aus, morgens um 8 Uhr wird es in der submarinen Welt wieder hell.
Die Zeit, 28.08.2012 (online)
Nur muß man dann auf die hellsten Stellen des Bildes belichten.
Spoerl, Alexander: Mit der Kamera auf du, München: Piper 1957, S. 162
Als das mißlang, griffen sie mich am hellen Tag an.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1941]
Die Instrumente blitzen in dem hellen Licht wie bösartige Tiere.
Remarque, Erich Maria: Im Westen nichts Neues, Berlin: Propyläen 1929, S. 232
Zitationshilfe
„hell“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/hell>, abgerufen am 23.10.2019.

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