Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

herausnehmen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung he-raus-neh-men · her-aus-neh-men
Wortzerlegung heraus- nehmen
Wortbildung  mit ›herausnehmen‹ als Erstglied: herausnehmbar  ·  mit ›herausnehmen‹ als Grundform: Herausnahme

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. etw. aus etw. nehmen
    1. [übertragen] jmdn., etw. aus seiner bisherigen Umgebung entfernen
  2. 2. ⟨einen Gang herausnehmen⟩ ein Kraftfahrzeug auf Leerlauf schalten
  3. 3. [umgangssprachlich] ⟨sich etw. herausnehmen⟩ sich etw. anmaßen, erlauben
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. aus etw. nehmen
Beispiele:
Geld aus der Kasse, die Blumen aus der Vase herausnehmen
hat jmd. ein Buch aus dem Regal herausgenommen?
der Dekorateur nimmt die Ausstellungsstücke aus dem Schaufenster heraus
sich den Blinddarm herausnehmen (= operativ entfernen) lassen
übertragen jmdn., etw. aus seiner bisherigen Umgebung entfernen
Beispiele:
einen Schüler aus der Klasse, aus einem Internat herausnehmen
die Fehlerrechnung wurde aus dem Lehrplan dieser Klassenstufe herausgenommen
2.
einen Gang herausnehmenein Kraftfahrzeug auf Leerlauf schalten
Beispiel:
er nahm den dritten Gang an der Kreuzung heraus und fuhr mit dem ersten wieder an
3.
umgangssprachlich sich [Dativ] etw. herausnehmensich etw. anmaßen, erlauben
Beispiele:
sich Freiheiten, Eigenmächtigkeiten herausnehmen
sie hat sich viel(es), zu viel, allerhand herausgenommen
es ist unglaublich, was er sich anderen, mir gegenüber herausnimmt!
[danach] nahm ich es mir in der Stille heraus, zugleich mit meiner die Rechnung der Damen zu begleichen [ G. Hauptm.4,239]

Thesaurus

Synonymgruppe
Assoziationen
Technik
Synonymgruppe
ausbauen · entfernen  ●  herausnehmen  ugs.
Synonymgruppe
(die) Unverfrorenheit haben (zu + Infinitiv) · (sich einer Sache) erdreisten · (sich etwas) anmaßen · (sich etwas) herausnehmen · (sich) Freiheiten (heraus)nehmen · (sich) die Freiheit nehmen (zu) · (sich) erkühnen · (sich) erlauben · (sich) nicht scheuen (zu)  ●  (sich) aufschwingen (zu)  fig. · (die) Frechheit haben (zu + Infinitiv)  ugs. · (die) Nerven haben (zu + Infinitiv)  ugs. · (frech) das Haupt erheben  geh., fig. · (sich etwas) leisten  ugs. · (sich) erfrechen  geh., veraltet · (sich) unterstehen  ugs. · die Chuzpe besitzen  geh. · die Chuzpe haben  geh. · die Stirn haben  ugs. · so frei sein (zu)  geh., ironisch
Assoziationen
  • (einer Sache) trotzen · (etwas) nicht auf sich sitzen lassen · (jemandem / einer Sache) die Stirn bieten · (sich) (etwas) nicht gefallen lassen · (sich) sträuben · (sich) verteidigen · (sich) widersetzen · Widerstand leisten  ●  (sich) auf die Hinterbeine stellen  fig. · (sich) nichts gefallen lassen  Hauptform · (sich) seiner Haut wehren  auch figurativ · (sich) wehren  Hauptform, auch figurativ · (sich) zur Wehr setzen  auch figurativ · (sich jemandes / einer Sache) erwehren  geh. · Kontra geben  ugs. · Trotz bieten  geh. · wider den Stachel löcken  geh., veraltend
  • frech werden · patzige Antworten geben · provozieren  ●  Widerworte geben  ugs. · wider den Stachel löcken  geh., veraltet
  • (sich) aufführen (als) · (sich) darstellen · (sich) gefallen in der Pose (des/eines/der/einer) · (sich) gefallen in der Rolle (des/eines/der/einer) · (sich) in die Pose eines (einer ...) werfen · (sich) inszenieren (als) · (sich) präsentieren  ●  (sich) gerieren (als)  geh.
  • Sie werden entschuldigen, aber (...) · ich bin so frei · in aller Bescheidenheit (adverbial) · nehmen Sie's mir nicht übel (aber) · wenn Sie gestatten · wenn Sie nichts dagegen haben · wenn ich (so) ehrlich sein darf  ●  wenn Sie erlauben  Hauptform · wenn ich mir die(se) Bemerkung erlauben darf  variabel · Ich hab da mal ne ganz blöde Frage: (...)  ugs., Spruch · Sie werden gestatten, dass (...)  geh. · Tschuldigung, aber (...)  ugs. · bei allem Respekt (, aber)  geh. · halten zu Gnaden (veraltet, heute ironisierend)  geh. · ich will ja nix sagen, aber (...)  ugs. · mit Ihrer (gütigen) Erlaubnis  geh. · mit Verlaub  geh. · sit venia verbo  geh., lat. · wenn's recht ist  ugs.
  • (etwas) steht jemandem nicht zu  ●  (da) wedelt der Schwanz mit dem Hund  fig., variabel
Synonymgruppe
herausholen · herausnehmen · herausziehen · hervorholen · hervorziehen · ziehen · zücken  ●  (etwas irgendwoher) kramen  ugs. · (umständlich) hervorkramen  ugs. · blank ziehen (blankziehen)  geh., historisch, auch figurativ · herauskramen  ugs.
Synonymgruppe
(operativ) entfernen · ausschneiden · exzidieren · herausnehmen · herausschneiden  ●  dekupieren  franz.
Synonymgruppe
(jemandem etwas) entziehen · (jemandem) (eine Aufgabe) abnehmen · (jemanden) (von einer Aufgabe) entbinden · (jemanden) abziehen (von einer Aufgabe) · (jemanden) entpflichten · (jemanden) herausnehmen · (jemanden) herausziehen · abgeben müssen (Aufgabe)  ●  (jemanden) rausnehmen  ugs. · (jemanden) rausziehen  ugs.

Typische Verbindungen zu ›herausnehmen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›herausnehmen‹.

Verwendungsbeispiele für ›herausnehmen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Quasi nebenbei wären die aus der Produktion herausgenommenen Flächen ökologisch nutzbar. [Die Zeit, 29.04.1988, Nr. 18]
Sie nahm einen Ring mit einem einfach gefaßten blauen Stein heraus. [Suter, Martin: Lila, Lila, Zürich: Diogenes 2004, S. 229]
Aber ein paar Tage darauf nahm sie es wieder heraus. [Müller,Herta: Der König verneigt sich und tötet, München: Carl Hanser Verlag 2003, S. 104]
Das Buch erschien erst 1995, es wäre also leicht gewesen, Sätze wie diesen herauszunehmen. [Die Zeit, 30.05.1997, Nr. 23]
Ich kämpfe sehr mit mir, ob es recht ist, Eva hier herauszunehmen. [Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1918. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1918], S. 12]
Zitationshilfe
„herausnehmen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/herausnehmen>.

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