Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

heucheln

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung heu-cheln
Wortbildung  mit ›heucheln‹ als Erstglied: Heuchelei  ·  mit ›heucheln‹ als Letztglied: erheucheln · umheucheln · ungeheuchelt · verheucheln · vorheucheln
eWDG

Bedeutung

eigene seelische, geistige Werte vortäuschen
Beispiele:
Liebe, Demut, Mitgefühl, Fröhlichkeit, Reue heucheln
etw. mit geheucheltem Gleichmut, Erstaunen sagen
Marion betrachtete es aufmerksam, um Interesse zu heucheln [ Kellerm.Totentanz328]
sich verstellen
Beispiele:
er konnte nicht heucheln
die Muße der Frauen am Morgen … dazu ein Gespräch über Liebe und Ehe, das erträgt kein Mann, glaube ich, oder er heuchelt [ FrischHomo faber111]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

heucheln · Heuchelei · Heuchler · heuchlerisch
heucheln Vb. ‘sich verstellen, unaufrichtig, scheinheilig reden und handeln’ (16. Jh., Luther), mnd. hǖchelen (16. Jh.). Herkunft ungeklärt. Vielleicht ist das Verb als eine Iterativbildung zu mhd. (md.) hūchen ‘kauern, sich ducken, einschrumpfen’, mnd. hūken ‘sich mit gebeugten Knien tief herablassen’ (s. hocken) aufzufassen mit einer Ausgangsbedeutung ‘sich klein, unterwürfig, übertrieben demütig zeigen’. Oder man erschließt (mit Kluge ²¹306) für heucheln im Sinne von ‘einen falschen Schein erwecken’ ein Intensivum ahd. *hiwihhōn ‘scheinen’ in Hinblick auf got. hiwi ‘Gestalt, Aussehen’, aengl. hēow, hēw, engl. hue ‘Erscheinung, Form, Farbe’, anord. ‘Flaum, Gesichtsfarbe’, schwed. hy ‘Gesichtsfarbe, Teint’, so daß Anschluß an die unter hehr (s. d.) genannte Wurzel ie. *k̑ei- in Farbbezeichnungen (meist für dunkle Farben) möglich ist. – Heuchelei f. ‘falsche, unaufrichtige Art zu reden oder zu handeln, Unaufrichtigkeit’ (16. Jh.). Heuchler m. ‘unaufrichtiger, scheinheiliger Mensch’ (16. Jh.). heuchlerisch Adj. ‘falsch, unaufrichtig, schöntuerisch’ (16. Jh.), daneben auch heuch(e)lisch (16./17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
erdichten · erlügen · fingieren · gaukeln · heucheln · vorgaukeln · vorgeben · vorschützen · vortäuschen  ●  ersinnen  geh. · türken  derb
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(etwas) heucheln · (sich) geben · (sich) verstellen · (sich) zeigen (+ Adjektiv) · (überrascht / unschuldig / schüchtern / vornehm ...) tun · nur so tun · schauspielern · sich (irgendwie) stellen · simulieren · so tun als wäre man (...) · vorgeben (etwas zu sein) · vortäuschen  ●  so tun als ob  Hauptform · (eine) Show abziehen  ugs. · (sich) ein ... Mäntelchen umhängen  ugs., fig. · machen auf  ugs. · markieren  ugs. · so tun als sei man (...)  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›heucheln‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›heucheln‹.

Verwendungsbeispiele für ›heucheln‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Irgendwie ist die Redeweise von einer bloßen "Übergangsgarantie" da schon bedeutend weniger geheuchelt. [o. A.: WIR GARANTIEREN, DASS WIR FÜR NICHTS GARANTIEREN KÖNNEN. In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1990]]
Dabei ist man nicht abgeneigt, falsche Erklärungen über die Menschenrechte zu heucheln. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1984]]
Der Roman heuchelt nicht einmal Interesse an der Welt da draußen. [Die Zeit, 17.09.2013, Nr. 38]
Und wenn ich es missbilligt hätte, dann wäre das geheuchelt gewesen. [Die Zeit, 13.08.2001, Nr. 33]
Bei euch wird gar nicht geheuchelt – nicht mehr jedenfalls als bei uns. [Tucholsky, Kurt: An Marierose Fuchs, 17.12.1929. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke – Briefe – Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1929], S. 9783]
Zitationshilfe
„heucheln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/heucheln>.

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