heulen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungheu-len
Wortbildung mit ›heulen‹ als Erstglied: ↗Heulboje · ↗Heuler · ↗Heulerei · ↗Heulliese · ↗Heulmeier · ↗Heulpeter · ↗Heulsuse · ↗Heultrine
 ·  mit ›heulen‹ als Letztglied: ↗anheulen · ↗aufheulen · ↗ausheulen · ↗heranheulen · ↗hinausheulen · ↗hinüberheulen · ↗losheulen · ↗mitheulen · ↗vollheulen · ↗vorheulen
 ·  mit ›heulen‹ als Grundform: ↗Geheul · ↗Geheule  ·  formal verwandt mit: ↗verheult · ↗wutheulend
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
laute langgezogene und hohe Töne hervorbringen
a)
Beispiele:
Wölfe heulen
nur die vergessenen und verlassenen Hunde in einzelnen Gehöften heulten vor Hunger und Angst [J. RothRadetzkymarsch378]
umgangssprachlich, übertragen mit den Wölfen heulenwider besseres Wissen um des Vorteils willen sich der Meinung, dem Handeln der Menge anschließen
Beispiel:
Hans Unwirrsch hatte bis zu dieser Stunde auch hier mit den Wölfen geheult, und was die anderen taten, hatte er ... ohne Überlegung ebenfalls getan [RaabeHungerpastorI 1,217]
b)
scharf, durchdringend tönen
Beispiele:
eine Sirene, Boje heulte
die Granate flog heulend über uns hinweg
der Motor heult (= läuft mit einer zu hohen Drehzahl)
Das Heulen der ersten Warnung wurde lauter [RemarqueZeit zu leben111]
c)
sausend wehen
Beispiele:
der Wind, Sturm heult um das Haus
Nachts heulen die Winde, als führen die Hexen daher in ungeheuren Rudeln [WeismantelRiemenschneider110]
[ein Windstoß] der ... sich heulend im Ofenrohr verfing [Th. MannBuddenbrooks1,37]
2.
umgangssprachlich mit langgezogenen, hohen Tönen heftig und laut weinen
Beispiele:
laut, hemmungslos, hysterisch heulen
vor Wut, Ärger, Schmerz, Freude, Rührung heulen
der Kleine heult bei dem geringsten Anlass
hör doch endlich auf zu heulen!
er heulte wie ein Schlosshund (= sehr stark)
mir ist zum Heulen (= elend) zumute
etw. ist zum Heulen
es ist zum Heulen (mit jmdm., etw.)es ist deprimierend, traurig
Beispiele:
das alles ist zum Heulen
es ist zum Heulen mit dir
Unsere Stadt kann in solchen Momenten [im Winter, wenn alles kahl ist] zum Heulen sein [DürrenmattVersprechen215]
scherzhaft das heulende Elend bekommen, kriegensich tief unglücklich fühlen, zeigen
Beispiele:
wie das heulende Elend (= verzweifelt, verheult) aussehen
Sonst bekam er leicht das heulende Elend, wenn er einen in der Krone hatte [G. HermannWordelmann77]
Hatten sie aber mal einen von uns geschnappt, gab's Heulen und Zähneklappern [NellFischer163]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

heulen Vb. ‘laute klagende Töne von sich geben, laut weinen’, ahd. hūwilōn, hūlōn (11. Jh.), mhd. hiulen, (md.) hūlen. Das Verb ist entweder im Sinne von ‘schreien wie eine Eule’ von ahd. hūwila, spätmhd. hiuwel, hūwel ‘Eule’, ahd. hūwo, mhd. hūwe ‘Uhu’ (s. ↗Eule) abgeleitet oder aber als selbständige lautmalende Bildung ‘den Klagelaut hū bzw. hiu ertönen lassen’ anzusehen. Vgl. E. Karg-Gasterstädt in: PBB (H) Sonderbd. (1957) 88 ff. Das Verb ist Bestandteil mehrerer Wendungen, vgl. es ist zum Heulen ‘ist mißlich, beklagenswert’, heulen wie ein Schloßhund ‘herzzerreißend weinen’, das heulende Elend haben ‘tief bekümmert, deprimiert sein’, mit den Wölfen heulen ‘sich bedingungslos anpassen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
bejammern · ↗klagen · ↗lamentieren · ↗wehklagen · ↗zetern  ●  ↗jammern  Hauptform · ↗barmen  geh., veraltend, regional, literarisch · heulen  ugs. · ↗janke(r)n  ugs. · ↗raunzen  ugs., österr.
Assoziationen
Synonymgruppe
Tränen vergießen · ↗jammern · ↗schluchzen · ↗schreien (Baby) · ↗weinen (vor) · ↗wimmern  ●  ↗weinen (über)  Hauptform · (sich) ein Tränchen verdrücken  ugs. · ↗barmen  geh., poetisch · ↗bläken  ugs., abwertend, regional · das heulende Elend haben  ugs. · ↗flennen  ugs., regional · ↗greinen  ugs. · heulen  ugs. · leise weinend (in der Ecke)  ugs., floskelhaft · ↗plieren  ugs. · ↗plinsen  ugs., norddeutsch · ↗plärren  ugs., abwertend, regional
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • (jemandem) schießen (die) Tränen in die Augen · (plötzlich) weinen müssen  ●  (das) heulende Elend bekommen  ugs.
Assoziationen
  • Tränchen  abwertend · ↗Träne  Hauptform · ↗Zähre  veraltet
  • Traurigkeit heucheln  ●  (den) Traurigen mimen  ugs. · (sich) ein paar Tränchen verdrücken  ugs. · Krokodilstränen vergießen  ugs., Hauptform · Krokodilstränen weinen  ugs. · auf traurig machen  ugs.
  • bejammern · ↗klagen · ↗lamentieren · ↗wehklagen · ↗zetern  ●  ↗jammern  Hauptform · ↗barmen  geh., veraltend, regional, literarisch · heulen  ugs. · ↗janke(r)n  ugs. · ↗raunzen  ugs., österr.
  • gefühlig · gefühlsbesoffen · ↗gekünstelt · im Überschwang der Gefühle · ↗kitschig · ↗larmoyant · ↗melodramatisch · mit reichlich Herz und Schmerz · rührstückhaft · ↗schmalzig · ↗seelenvoll · ↗sentimental · ↗theatralisch · ↗tränenselig  ●  ↗gefühlsbetont  Hauptform · ↗gefühlsduselig  ugs. · mit Pipi inne Augen  ugs., ruhrdt.
  • herumjanken · ↗janken · keine Ruhe geben  ●  (rum)knöttern  ugs., ruhrdt. · ↗(rum)quaken  ugs. · ↗herumquengeln  ugs. · ↗quengeln  ugs.
  • anfangen zu weinen · in Tränen ausbrechen · in Weinen ausbrechen · ↗losweinen  ●  das heulende Elend kriegen  ugs. · ↗losheulen  ugs.
  • (sich die) Augen aus dem Kopf weinen · Rotz und Wasser heulen · Ströme von Tränen vergießen · dicke Tränen vergießen · heiße Tränen vergießen · heiße Tränen weinen · hemmungslos weinen · heulen wie ein Schlosshund · in Tränen aufgelöst sein · in Tränen schwimmen  ●  (die) Tränen laufen jemandem (nur so) übers Gesicht  variabel · (sich die) Augen ausweinen  fig. · (sich) in Tränen auflösen  fig. · alle Schleusen öffnen  fig · bittere Tränen vergießen  veraltend · heftig weinen  Hauptform · in Tränen zerfließen  fig. · hemmungslos losheulen  ugs.
  • (sich) ausweinen (bei jemandem)  auch figurativ · (sich) ausheulen (bei jemandem)  ugs., auch figurativ
  • (jemandem etwas) vorweinen  ●  ↗(jemandem etwas) vorjammern  abwertend · ↗(jemandem etwas) vorheulen  ugs.
  • (sich) eine Träne aus dem Augenwinkel wischen · feuchte Augen bekommen · nasse Augen bekommen  ●  dem Weinen nahe sein  Hauptform · Pipi in die Augen bekommen  derb
  • (jemandem) stehen die Tränen in den Augen · (jemandem) steht das Wasser in den Augen · Tränen in den Augen haben · feuchte Augen haben  ●  nasse Augen haben  Hauptform · Pipi in den Augen haben  derb
  • (sich) in den Schlaf weinen · (sich) müde weinen
  • fiepen · ↗jaulen · ↗wimmern · ↗winseln
  • (sich) (wehmütigen Gedanken) hingeben · hinterhertrauern · ↗nachhängen · ↗nachtrauern · ↗nachweinen
  • bei jeder Kleinigkeit weinen · immer gleich weinen · oft weinen · schnell weinen · sofort weinen (müssen)  ●  nah(e) am Wasser gebaut haben  Hauptform, fig.
  • gefühlsbeladen · ↗gefühlsselig · ↗gefühlvoll · ↗rührselig · ↗schmalzig · ↗schnulzig · ↗sentimental  ●  auf die Tränendrüse drücken(d)  ugs., fig.
  • (heftig) weinend · in Tränen aufgelöst · ↗tränenreich · unter Tränen
  • (den Verlust einer Person) beklagen · ↗(jemanden) beweinen · ↗bejammern · ↗betrauern · ↗trauern (um) (über) · ↗weinen (um)
  • Weinkrampf  ●  (das) heulende Elend  ugs. · Heulanfall  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Alarmsirene Hyäne Kojote Luftschutzsirene Polizeisirene Rotz Rührung Schakal Schiffssirene Schloßhund Sirene Wind Wolf anheulen aufheulen ausheulen bellen brüllen draußen hemmungslos heulen jammern jaulen kreischen losheulen mitheulen rumheulen schluchzen schreien winseln

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›heulen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nach Ende des Films habe ich 20 Minuten lang nur geheult.
Die Welt, 10.06.1999
Nach den "kritischen" Diskussionen tagsüber kann man dann nachts mit dem Wolf heulen.
Der Tagesspiegel, 04.05.1999
Kein Wort spricht sie, sie heult nur den lieben langen Tag.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 17.12.1944, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Und nun geht Sie hin und heult mit den Wölfen.
Seidel, Ina: Das Wunschkind, Frankfurt a. M. u. a.: Ullstein 1987 [1930], S. 371
Es gilt, unsere Schuld in die Welt zu pauken, zu posaunen, zu läuten, zu zischeln, zu heulen.
Klabund: Bracke. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1918], S. 2325
Zitationshilfe
„heulen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/heulen>, abgerufen am 20.10.2019.

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