Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

heulen

Grammatik Verb · heult, heulte, hat geheult
Aussprache 
Worttrennung heu-len
Wortbildung  mit ›heulen‹ als Erstglied: Heulboje · Heuler · Heulerei · Heulliese · Heulmeier · Heulpeter · Heulsuse · Heultrine
 ·  mit ›heulen‹ als Letztglied: Geheul · Geheule · anheulen · aufheulen · ausheulen · heranheulen · hinausheulen · hinüberheulen · losheulen · mitheulen · vollheulen · vorheulen
 ·  mit ›heulen‹ als Binnenglied: wutheulend  ·  formal verwandt mit: verheult
Mehrwortausdrücke  heulendes Elend · zum Heulen
eWDG

Bedeutungen

1.
laute langgezogene und hohe Töne hervorbringen
a)
Beispiele:
Wölfe heulen
nur die vergessenen und verlassenen Hunde in einzelnen Gehöften heulten vor Hunger und Angst [ J. RothRadetzkymarsch378]
umgangssprachlich, übertragen mit den Wölfen heulen (= wider besseres Wissen um des Vorteils willen sich der Meinung, dem Handeln der Menge anschließen)
Beispiel:
Hans Unwirrsch hatte bis zu dieser Stunde auch hier mit den Wölfen geheult, und was die anderen taten, hatte er … ohne Überlegung ebenfalls getan [ RaabeHungerpastorI 1,217]
b)
scharf, durchdringend tönen
Beispiele:
eine Sirene, Boje heulte
die Granate flog heulend über uns hinweg
der Motor heult (= läuft mit einer zu hohen Drehzahl)
Das Heulen der ersten Warnung wurde lauter [ RemarqueZeit zu leben111]
c)
sausend wehen
Beispiele:
der Wind, Sturm heult um das Haus
Nachts heulen die Winde, als führen die Hexen daher in ungeheuren Rudeln [ WeismantelRiemenschneider110]
[ein Windstoß] der … sich heulend im Ofenrohr verfing [ Th. MannBuddenbrooks1,37]
2.
umgangssprachlich mit langgezogenen, hohen Tönen heftig und laut weinen
Beispiele:
laut, hemmungslos, hysterisch heulen
vor Wut, Ärger, Schmerz, Freude, Rührung heulen
der Kleine heult bei dem geringsten Anlass
hör doch endlich auf zu heulen!
er heulte wie ein Schlosshund (= sehr stark)
mir ist zum Heulen (= elend) zumute
etw. ist zum Heulen
es ist zum Heulen (mit jmdm., etw.) (= es ist deprimierend, traurig)
Beispiele:
das alles ist zum Heulen
es ist zum Heulen mit dir
Unsere Stadt kann in solchen Momenten [im Winter, wenn alles kahl ist] zum Heulen sein [ DürrenmattVersprechen215]
umgangssprachlich das heulende Elend bekommen, kriegen (= sich tief unglücklich fühlen, zeigen)
Beispiele:
wie das heulende Elend (= verzweifelt, verheult) aussehen
Sonst bekam er leicht das heulende Elend, wenn er einen in der Krone hatte [ G. HermannWordelmann77]
Hatten sie aber mal einen von uns geschnappt, gab's Heulen und Zähneklappern [ NellFischer163]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

heulen Vb. ‘laute klagende Töne von sich geben, laut weinen’, ahd. hūwilōn, hūlōn (11. Jh.), mhd. hiulen, (md.) hūlen. Das Verb ist entweder im Sinne von ‘schreien wie eine Eule’ von ahd. hūwila, spätmhd. hiuwel, hūwel ‘Eule’, ahd. hūwo, mhd. hūwe ‘Uhu’ (s. Eule) abgeleitet oder aber als selbständige lautmalende Bildung ‘den Klagelaut hū bzw. hiu ertönen lassen’ anzusehen. Vgl. E. Karg-Gasterstädt in: PBB (H) Sonderbd. (1957) 88 ff. Das Verb ist Bestandteil mehrerer Wendungen, vgl. es ist zum Heulen ‘ist mißlich, beklagenswert’, heulen wie ein Schloßhund ‘herzzerreißend weinen’, das heulende Elend haben ‘tief bekümmert, deprimiert sein’, mit den Wölfen heulen ‘sich bedingungslos anpassen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
bejammern · klagen · wehklagen · zetern  ●  jammern  Hauptform · lamentieren  abwertend · barmen  geh., veraltend, regional, literarisch · heulen  ugs. · janke(r)n  ugs. · raunzen  ugs., österr.
Assoziationen
Synonymgruppe
(es) fließen Tränen · Tränen vergießen · jammern · schluchzen · schreien (Baby) · weinen (vor) · wimmern  ●  (jemandem) laufen die Tränen (über das Gesicht)  variabel · weinen (über)  Hauptform · (jemandem) kullern die Tränen (über das Gesicht)  ugs., fig., variabel · (sich) ein Tränchen verdrücken  ugs. · barmen  geh., poetisch · bläken  ugs., abwertend, regional · das heulende Elend haben  ugs. · flennen  ugs., regional · greinen  ugs. · heulen  ugs. · leise weinend (in der Ecke)  ugs., floskelhaft · plieren  ugs. · plinsen  ugs., norddeutsch · plärren  ugs., abwertend, regional
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Tränchen  abwertend · Träne  Hauptform · Zähre  veraltet
  • Traurigkeit heucheln  ●  (den) Traurigen mimen  ugs. · (sich) ein paar Tränchen verdrücken  ugs. · Krokodilstränen vergießen  ugs., Hauptform · Krokodilstränen weinen  ugs. · auf traurig machen  ugs.
  • bejammern · klagen · wehklagen · zetern  ●  jammern  Hauptform · lamentieren  abwertend · barmen  geh., veraltend, regional, literarisch · heulen  ugs. · janke(r)n  ugs. · raunzen  ugs., österr.
  • gefühlig · gekünstelt · im Überschwang der Gefühle · melodramatisch · seelenvoll · sentimental · theatralisch  ●  gefühlsbetont  Hauptform · gefühlskitschig  abwertend · kitschig  abwertend · larmoyant  abwertend · mit reichlich Herz und Schmerz  scherzhaft-ironisch · rührstückhaft  abwertend · schmalzig  abwertend · tränenselig  ironisierend · gefühlsbesoffen  ugs., abwertend · gefühlsduselig  ugs., abwertend · mit Pipi inne Augen  ugs., ruhrdt.
  • herumjanken · janken · keine Ruhe geben  ●  (rum)knöttern  ugs., ruhrdt. · (rum)quaken  ugs. · herumquengeln  ugs. · quengeln  ugs., Hauptform
  • (sich die) Augen aus dem Kopf weinen · Rotz und Wasser heulen · Ströme von Tränen vergießen · dicke Tränen vergießen · heiße Tränen vergießen · heiße Tränen weinen · hemmungslos weinen · heulen wie ein Schlosshund · in Tränen aufgelöst sein · in Tränen schwimmen  ●  (die) Tränen laufen jemandem (nur so) übers Gesicht  variabel · (sich die) Augen ausweinen  fig. · (sich) in Tränen auflösen  fig. · alle Schleusen öffnen  fig · bittere Tränen vergießen  veraltend · heftig weinen  Hauptform · in Tränen zerfließen  fig. · hemmungslos losheulen  ugs.
  • (sich) ausweinen (bei jemandem)  auch figurativ · (sich) ausheulen (bei jemandem)  ugs., auch figurativ
  • (jemandem etwas) vorweinen  ●  (jemandem etwas) vorjammern  abwertend · (jemandem etwas) vorheulen  ugs.
  • (sich) eine Träne aus dem Augenwinkel wischen · feuchte Augen bekommen · nasse Augen bekommen  ●  dem Weinen nahe sein  Hauptform · Pipi in die Augen bekommen  derb
  • (jemandem) stehen die Tränen in den Augen · (jemandem) steht das Wasser in den Augen · Tränen in den Augen haben · feuchte Augen haben  ●  nasse Augen haben  Hauptform · Pipi in den Augen haben  derb
  • (sich) in den Schlaf weinen · (sich) müde weinen
  • fiepen · jaulen · wimmern · winseln
  • (jemandem / einer Sache) hinterhertrauern · (jemandem) nachhängen · (sich) (wehmütigen Gedanken) hingeben · nachtrauern · nachweinen
  • bei jeder Kleinigkeit weinen · immer gleich weinen · oft weinen · schnell weinen · sofort weinen (müssen)  ●  nah(e) am Wasser gebaut haben  Hauptform, fig.
  • gefühlsbeladen · gefühlsselig · gefühlvoll · rührselig · schmalzig · schnulzig · sentimental  ●  auf die Tränendrüse drücken(d)  ugs., fig.

Typische Verbindungen zu ›heulen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›heulen‹.

Verwendungsbeispiele für ›heulen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Schließlich habe ich vor Wut geheult, aber ich konnte nicht mehr anders. [Brussig, Thomas: Wasserfarben, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1991], S. 58]
Die Geschichte des Alten war zum Heulen, aber Reporter heulen nicht. [Kant, Hermann: Die Aula, Berlin: Rütten & Loening 1965, S. 112]
Tagelang heulte meine Mutter, und sein Vater drohte ihm, ihn zu enterben. [Der Spiegel, 16.02.1987]
Ich heulte wie ein Kind, das seine Milch nicht bekommen hat, die ganze Nacht. [Tucholsky, Kurt: Die beiden Höflichs. In: Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1914]]
Sie heulten zu einer ungewöhnlichen Stunde, kurz nach dem Mittag schon. [Neutsch, Erik: Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 7]
Zitationshilfe
„heulen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/heulen>.

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