hinterher

GrammatikAdverb
Aussprache
Worttrennunghin-ter-her (computergeneriert)
Wortbildung mit ›hinterher‹ als Letztglied: ↗dahinterher  ·  mit ›hinterher‹ als Grundform: ↗hinterher-
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
jmdm., einer Sache nach, hinterdrein
Grammatik: räumlich
Beispiele:
sie ging voran und er hinterher
das Auto raste davon und die Polizei hinterher
2.
danach, nach diesem Vorgang
Grammatik: zeitlich
a)
Beispiele:
er hat sich gesonnt und gleich hinterher gebadet
er aß gut zu Mittag und trank hinterher ein Glas Wein
ein Schuß ertönte. Hinterher war alles wieder ruhig
zuerst wurden die Straßen gebaut, hinterher die Wohnhäuser
b)
nachträglich, später, zu spät
Beispiele:
die Bedeutung dieser Worte wurde ihm erst hinterher klar
er richtet Unheil an, das hinterher niemand wieder in Ordnung bringen kann
man muss vorher nachdenken, hinterher ist es zu spät
es hat sich erst hinterher herausgestellt, dass ...
hinterher (= wenn die Sache fertig ist) sieht es leicht aus
hinterher (= wenn das Unglück geschehen ist) will es keiner gewesen sein
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hinter2 · hinterher · hinterrücks · Hinterhalt · hinterhältig · Hinterlist · hinterlistig · Hinterland · Hintersasse · Hinterwäldler
hinter2 Präp. mit Dativ und Akkusativ ‘an der, an die Rückseite von’, ein konstantes Lageverhältnis (bei Ruhe und gleichlaufender Bewegung) oder die Richtung auf einen Zielpunkt angebend, von räumlichen Vorstellungen her auch auf zeitliche Verhältnisse übertragen (vgl. etw. hinter sich haben, bringen); ahd. hintar (10. Jh., bereits für das 9. Jh. mehrfach als 1. Kompositionsglied bezeugt, ferner in hintarort ‘zurück, verkehrt’, gihintaren, firhintaren, s. ↗hindern, ↗verhindern), mhd. hinder, frühnhd. hinder, hinter, mnd. hinder (auch temporal ‘nach, von … an’), mnl. hinder, got. hindar (auch ‘jenseits von’). Die heute literatursprachlich allein in präpositionaler Verwendung übliche Lokalpartikel ist zunächst Adverb, daher noch mhd. mnl. aengl. hinder ‘hinten, nach hinten, zurück’ (aengl. auch ‘hinunter’) sowie die oben angeführten Ableitungen und zahlreiche Zusammensetzungen im Ahd.; nur die regionale Umgangssprache bewahrt Reste des adverbiellen Gebrauchs in Präfixverben wie omd. südd. hinterbringen, -kommen, -schaffen (‘nach hinten’), omd. hinteressen, -kippen, -schlucken (‘hinunter’); vgl. auch dahinter. Bei hinter, das wahrscheinlich an den unter ↗hinten (s. d.) genannten erweiterten Pronominalstamm germ. *hind- anzuschließen ist, handelt es sich um eine Adverbialbildung auf -r, vergleichbar den in ↗da, ↗hier, ↗wo (s. d.) fortlebenden Pronominaladverbien ahd. thār, hier, (h)wār und anderen lokalen Adverbien und Präpositionen mit derselben Endung, z. B. ↗außer, ↗nieder, ↗über, ↗unter (s. d.). Dieser Bildungstyp liegt vielleicht alten Komparativformen auf ie. -(t)ero- zugrunde (s. ↗hinter Adj.). hinterher Adv. räumlich ‘nach einer Person, Sache folgend’, auch (in der Gegenwart häufiger) zeitlich ‘danach, später’ (Anfang 18. Jh.), entstanden aus adverbialen Bestimmungen des Typs hinter jmdm., etw. her durch verkürzende Zusammenrückung von Präposition und nachgestelltem Adverb (s. ↗her). hinterrücks Adv. ‘von hinten’, daher ‘unversehens, heimlich, heimtückisch’ (15. Jh., frühnhd. hinderrucks, -rücks), gelegentlich im Sinne von ‘rücklings, mit dem Rücken voran’; Verschmelzung von mhd. frühnhd. hinder Präp., das in älterer Zeit vereinzelt auch den Genitiv regiert, mit der Genitivform des (ehemals stark flektierenden) Substantivs mhd. frühnhd. rück(e), ruck(e) (s. ↗Rücken); vgl. vorausgehendes ahd. hintarruggi (10. Jh.), mhd. hinderrucke ‘rückwärts, zurück’ (aus Präposition und Akkusativform). Hinterhalt m. ‘Versteck, von dem aus man einem Gegner auflauert, ihn überraschend (eigentlich von hinten) angreift, Falle’ (16. Jh.), früher auch ‘Truppenreserve, Stütze, Rückhalt’ (so schon 15. Jh.), ‘heimlicher Vorbehalt’ (17. Jh.); dazu hinterhältig Adj. ‘seine wahren Absichten verbergend, verschlossen, heimtückisch’ (17. Jh.; bis ins 19. Jh. oft hinterhaltig); nicht verwandt ist frühnhd. hynderheldig ‘abschüssig’, 15. Jh. (zu ↗Halde, s. d.). Hinterlist f. ‘heimtückisches Wesen, unehrliches Handeln, Falschheit’, mhd. hinderlist m. (zum Grundwort s. ↗List); dazu älter bezeugtes hinterlistig Adj. ‘heimtückisch, unaufrichtig’, ahd. hintarlistīg (Hs. 12. Jh.), mhd. hinderlistec. Hinterland n. ‘wirtschaftlich nutzbares Gebiet in der Umgebung einer Stadt, eines Hafens, Industriezentrums’, vom 15. Jh. an vereinzelt belegt, im letzten Viertel des 19. Jhs. geläufig, zu dieser Zeit vor allem Rechtsbegriff der Kolonialpolitik (vgl. die Entlehnungen engl. frz. ital. span. hinterland), seit den 20er Jahren des 20. Jhs. auch ‘Gebiet hinter der Front’. Hintersasse m. ‘von einem Feudalherrn abhängiger Bauer’ (eigentlich ‘wer hinter einem, in dessen Schutz ansässig ist’), auch ‘Stadtbewohner ohne Bürgerrechte, Zugezogener’ (seit dem 14. Jh. allgemeiner ‘zur Miete Wohnender’), mhd. hindersæʒe, hinderseʒʒe; im Nhd. setzt sich eine umlautlose Nebenform durch (zur Bildungsweise s. ↗Insasse). Hinterwäldler m. ‘ungeschliffener, urwüchsig derber, weltfremder Mensch’, heute meist spöttisch für einen hinter der modernen Entwicklung Zurückgebliebenen; Lehnbildung (30er Jahre des 19. Jhs.) nach amerik.-engl. backwoodsman, das zunächst den Ansiedler im Westen Nordamerikas jenseits des Alleghanygebirges bezeichnet.

Thesaurus

Synonymgruppe
hinter etwas her · hinter jemandem her · ↗hinterdrein... · ↗hinterher... · ↗nach...
Assoziationen
Synonymgruppe
als Nächstes · ↗anschließend · ↗danach · ↗darauf · ↗darauf folgend · ↗darauffolgend · ↗daraufhin · ↗folgend · ↗hernach · ↗hierauf · ↗hiernach · hinterher · im Anschluss (an) · im Folgenden (= später) · in der Folge · ↗nach (...) · nachfolgend · ↗nachher · ↗nachträglich · ↗sodann · ↗später · ↗späterhin · ↗worauf · ↗woraufhin · zu einem späteren Zeitpunkt  ●  ↗dann  Hauptform · ↗darnach  veraltet · ↗alsdann  geh.
Assoziationen
  • danach · ↗fortan · in der Folge · ↗nach (...) · ↗seit (...) · seit damals · seit diesem Zeitpunkt · seit dieser Zeit · ↗seither · von (...) an · von da an · von dem Zeitpunkt an (als) · von diesem Zeitpunkt an  ●  ↗seitdem  Hauptform · ab da  ugs. · ↗fürderhin  geh., veraltet · ↗hinfort  geh., veraltet · von Stund an  geh., veraltend
  • Nachleben · Nachwehen · ↗Nachwirkung
  • bald darauf · einen Augenblick später · einen Moment später · etwas später · kurz danach · kurz darauf · kurze Zeit später · nach kurzer Zeit · nach wenigen Sekunden / Minuten · wenig später  ●  (die) Tinte (unter dem Vertrag) war noch nicht trocken (als ...)  literarisch
  • hinterher · im Nachgang · im Nachhinein · in der Nachbetrachtung  ●  ↗nachträglich  Hauptform · ↗a posteriori  geh., lat., bildungssprachlich · von späterer Hand  geh.
  • anschließende(r) · darauffolgende(r) · folgende(r) · nachfolgende(r) · nachstehende(r) · sich anschließende(r)  ●  ↗nächste(r)  Hauptform
  • als Folge dessen · ↗also · ↗dadurch · ↗danach · ↗daraufhin · ↗dementsprechend · ↗demgemäß · ↗demnach · ↗demzufolge · ↗deshalb · ↗folglich · im Folgenden · im Weiteren · im weiteren Fortgang · im weiteren Verlauf · in der Folge · in der Konsequenz · ↗infolgedessen · ↗insofern · ↗mithin · ↗nachdem · resultierend daraus · ↗somit
Synonymgruppe
hinterher · im Nachgang · im Nachhinein · in der Nachbetrachtung  ●  ↗nachträglich  Hauptform · ↗a posteriori  geh., lat., bildungssprachlich · von späterer Hand  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

gestehen gucken hasten hecheln hechten hetzen hinken humpeln hüpfen jagen radeln rasen rasten reisen reisten rennen schleichen schwimmen segeln spionieren sprinten stolpern strampeln telefonieren traben trauern trotten weinen winken zuckeln

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›hinterher‹.

Zitationshilfe
„hinterher“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/hinterher>, abgerufen am 17.11.2019.

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