Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

hinterrücks

Grammatik Adverb
Aussprache 
Worttrennung hin-ter-rücks
eWDG

Bedeutung

abwertend hinterhältig, heimtückisch
a)
von hinten
Grammatik: in Verbindung mit Verben des Überfallens, Tötens
Beispiele:
jmdn. auf der Straße hinterrücks überfallen, erschießen, ermorden
er wollte sie hinterrücks mit einem Stein erschlagen
jmdn. hinterrücks ins Wasser stoßen
dieses Land hat den Nachbarstaat hinterrücks (= völlig unerwartet) angegriffen
bildlich
Beispiel:
die Rechtsparteien versuchten, die Volksbefragung hinterrücks abzuwürgen
b)
ohne Wissen, hinter dem Rücken des Betroffenen, heimlich
Grammatik: in Verbindung mit anderen Verben
Beispiele:
jmdn. hinterrücks verleumden
sie lachten hinterrücks über ihn
hinterrücks wurden Gerüchte über ihn verbreitet
trotz des Verbotes wurden die Waren hinterrücks verkauft
jmdm. etw. hinterrücks entwenden
bildlich
Beispiel:
Er sah ihre Augen auf sich zukommen … mit diesem sanft schielenden Blick, der sich hinterrücks in einen hineinstiehlt [ MundstockMann271]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hinter2 · hinterher · hinterrücks · Hinterhalt · hinterhältig · Hinterlist · hinterlistig · Hinterland · Hintersasse · Hinterwäldler
hinter2 Präp. mit Dativ und Akkusativ ‘an der, an die Rückseite von’, ein konstantes Lageverhältnis (bei Ruhe und gleichlaufender Bewegung) oder die Richtung auf einen Zielpunkt angebend, von räumlichen Vorstellungen her auch auf zeitliche Verhältnisse übertragen (vgl. etw. hinter sich haben, bringen); ahd. hintar (10. Jh., bereits für das 9. Jh. mehrfach als 1. Kompositionsglied bezeugt, ferner in hintarort ‘zurück, verkehrt’, gihintaren, firhintaren, s. hindern, verhindern), mhd. hinder, frühnhd. hinder, hinter, mnd. hinder (auch temporal ‘nach, von … an’), mnl. hinder, got. hindar (auch ‘jenseits von’). Die heute literatursprachlich allein in präpositionaler Verwendung übliche Lokalpartikel ist zunächst Adverb, daher noch mhd. mnl. aengl. hinder ‘hinten, nach hinten, zurück’ (aengl. auch ‘hinunter’) sowie die oben angeführten Ableitungen und zahlreiche Zusammensetzungen im Ahd.; nur die regionale Umgangssprache bewahrt Reste des adverbiellen Gebrauchs in Präfixverben wie omd. südd. hinterbringen, -kommen, -schaffen (‘nach hinten’), omd. hinteressen, -kippen, -schlucken (‘hinunter’); vgl. auch dahinter. Bei hinter, das wahrscheinlich an den unter hinten (s. d.) genannten erweiterten Pronominalstamm germ. *hind- anzuschließen ist, handelt es sich um eine Adverbialbildung auf -r, vergleichbar den in da1, hier, wo (s. d.) fortlebenden Pronominaladverbien ahd. thār, hier, (h)wār und anderen lokalen Adverbien und Präpositionen mit derselben Endung, z. B. außer, nieder, über, unter (s. d.). Dieser Bildungstyp liegt vielleicht alten Komparativformen auf ie. -(t)ero- zugrunde (s. hinter1 Adj.). hinterher Adv. räumlich ‘nach einer Person, Sache folgend’, auch (in der Gegenwart häufiger) zeitlich ‘danach, später’ (Anfang 18. Jh.), entstanden aus adverbialen Bestimmungen des Typs hinter jmdm., etw. her durch verkürzende Zusammenrückung von Präposition und nachgestelltem Adverb (s. her). hinterrücks Adv. ‘von hinten’, daher ‘unversehens, heimlich, heimtückisch’ (15. Jh., frühnhd. hinderrucks, -rücks), gelegentlich im Sinne von ‘rücklings, mit dem Rücken voran’; Verschmelzung von mhd. frühnhd. hinder Präp., das in älterer Zeit vereinzelt auch den Genitiv regiert, mit der Genitivform des (ehemals stark flektierenden) Substantivs mhd. frühnhd. rück(e), ruck(e) (s. Rücken); vgl. vorausgehendes ahd. hintarruggi (10. Jh.), mhd. hinderrucke ‘rückwärts, zurück’ (aus Präposition und Akkusativform). Hinterhalt m. ‘Versteck, von dem aus man einem Gegner auflauert, ihn überraschend (eigentlich von hinten) angreift, Falle’ (16. Jh.), früher auch ‘Truppenreserve, Stütze, Rückhalt’ (so schon 15. Jh.), ‘heimlicher Vorbehalt’ (17. Jh.); dazu hinterhältig Adj. ‘seine wahren Absichten verbergend, verschlossen, heimtückisch’ (17. Jh.; bis ins 19. Jh. oft hinterhaltig); nicht verwandt ist frühnhd. hynderheldig ‘abschüssig’, 15. Jh. (zu Halde, s. d.). Hinterlist f. ‘heimtückisches Wesen, unehrliches Handeln, Falschheit’, mhd. hinderlist m. (zum Grundwort s. List); dazu älter bezeugtes hinterlistig Adj. ‘heimtückisch, unaufrichtig’, ahd. hintarlistīg (Hs. 12. Jh.), mhd. hinderlistec. Hinterland n. ‘wirtschaftlich nutzbares Gebiet in der Umgebung einer Stadt, eines Hafens, Industriezentrums’, vom 15. Jh. an vereinzelt belegt, im letzten Viertel des 19. Jhs. geläufig, zu dieser Zeit vor allem Rechtsbegriff der Kolonialpolitik (vgl. die Entlehnungen engl. frz. ital. span. hinterland), seit den 20er Jahren des 20. Jhs. auch ‘Gebiet hinter der Front’. Hintersasse m. ‘von einem Feudalherrn abhängiger Bauer’ (eigentlich ‘wer hinter einem, in dessen Schutz ansässig ist’), auch ‘Stadtbewohner ohne Bürgerrechte, Zugezogener’ (seit dem 14. Jh. allgemeiner ‘zur Miete Wohnender’), mhd. hindersæʒe, hinderseʒʒe; im Nhd. setzt sich eine umlautlose Nebenform durch (zur Bildungsweise s. Insasse). Hinterwäldler m. ‘ungeschliffener, urwüchsig derber, weltfremder Mensch’, heute meist spöttisch für einen hinter der modernen Entwicklung Zurückgebliebenen; Lehnbildung (30er Jahre des 19. Jhs.) nach amerik.-engl. backwoodsman, das zunächst den Ansiedler im Westen Nordamerikas jenseits des Alleghanygebirges bezeichnet.

Thesaurus

Synonymgruppe
arglistig · auf die linke Tour · heimtückisch · hintenherum · hinterhältig · hinterrücks · link · meuchlings · tückisch  ●  falsch  ugs. · hinterfotzig  derb, süddt.

Typische Verbindungen zu ›hinterrücks‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›hinterrücks‹.

Verwendungsbeispiele für ›hinterrücks‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich habe es nie verstanden, Tiere hinterrücks heimtückisch zu ermorden. [Altenberg, Peter: Mein Lebensabend, Mein Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1919], S. 22217]
Keiner ihrer Kunden muß heute noch fürchten, von ihnen hinterrücks niedergestreckt und beraubt zu werden. [Die Zeit, 31.01.1997, Nr. 6]
Immer gehe es um Macht, immer solle jemand hinterrücks erledigt werden. [Die Zeit, 08.04.1998, Nr. 16]
Eigentlich ist es verwunderlich, daß er nicht hinterrücks erschossen wird. [konkret, 1998]
Und viertens gibt es keine Legitimation für hinterrücks erstellte Gutachten. [Die Zeit, 20.04.2000, Nr. 17]
Zitationshilfe
„hinterrücks“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/hinterr%C3%BCcks>.

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